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'M 196 Mittwoch, den 29. August 1894. 21. Jahrgang

Fuldaer WZ e i t il« g

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41. Ge«eral-Dersammlmg der Katholiken l?.r6”te ®*e« d-m «ai,-nich wo s uhrw-od- d-m d,,i- »etfmnmiimgm dm sl-ubm, di-r«m-m» »eatllklando ° »-b- bchstigm. mSchk» di- Lh-iln-hm-r di- gute

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2.

Freiherr Kart von Dinklar war der einzige früh verwaiste Sproß des alten AdelSgefchlechteS derer von Dinklar zu Dinklar. Dieses HauS gebot nicht über weite Besttzthümer, weil die töpferen Herren von Dinklar eS zu jeder Zeit verschmäht hatten, sich durch Raub und Wegelagerv zu bereichern, hingegen ihren Ruhm darin erblickten, den Arm« und Unterdrückten mit ihren Waffen beizustehen. Kein Wunder, daß der Jungherr Kurt — vielleicht der Aermste, im Kreise der HildeSheimischey Adels — so freudig selbstbewußte Haltung trug! Wie gebieterisch war jede seiner Be­wegungen, wie stolz erschienen seine edlen Züge! Die hohe kraftvolle Erscheinung mit den strahlenden Blau,

Das goldene Dach zu Hildesheim.

Historische Erzählung von Antonie Haupt.

(2. Fortsetzung.)

Altfride hörte nicht, waS ihr Beiter sprach. Sie verbarg rin stilles Lächeln und dachte daran, wie Kurt von Dinklar ihre blaue stlberdurchwirkte Schärpe nun selber über der Rüstung trug. — Der Kühne wußte auf jenem Turnier auch gar z« eindringlich um ein besonderes Zeichen ihrer Huld zu flehen, so daß sie nicht anders konnte, als dieser Band loszunesteln und m seine Hand zu legen. Wie hatte das Auge des stolzen Mannes geleuchtet, als er das Pfand an seine Lippen drückte! —

Frau Hermanna, deren Webstuhl am Bogenfenster stand, warf einen Blick hinaus und sagte dann ernst:

„SS liegt etwas Besonderes in der Luft. Der Marktplatz belebt sich so eigenthümlich, die Leute stehen in Gruppen beisammen und tauschen lebhafte Reden. Soll ich einen unserer Dienstmayuen hinunterschicken, um zu erkunden, was es gebe?"

„Nein, nein, herzliebeS Weib, ich gehe selber. Wollte ohnedies einen kleinen Morgengang zur Stärkung unter, nehmen."

Mit diesen Worten richtete sich Graf Harden« berg empor. Zu dem jungen Ritter gewendet fügte er hinzu:

„Henning, Ihr begleitet mich. Die Frauen mögen unterdessen ungestört der Wirthschast pflegen."

I.

Köln, 26. August.

Mehr als ein Menschenalter ist verflossen, seit Köln die erste katholffche General«Versammlung in seinen Mauern beherbergte. Einer Anzahl anderer Städte wurde in viel kürzerer Zeit zwei oder gar dreimal die Ehre zu Theil, die Katholiken bei sich tagen zu sehen. Dar ist eigentlich befremdlich, denn dar urkatholische „heilige Köln" ist durch seine Geschichte, seine Sehens­würdigkeiten, seine Lage, Gastlichkeit und Gemüthlichkeit gerade wie berufen, die Versammlung recht oft bei sich zu sehen. Wenn eS trotzdem 36 Jahre warten mußte, so lag dar nicht an den Kölner Katholiken, die gern viel früher die Katholiken Deutschlands bei sich zu Hause willkommen geheißen hätten, sondern an den „lokalen Verhältnissen". Dar große, über 300,000 Einwohner zählende Köln hatte kein geeigneter Lokal; kein Saal war groß genug, die General-Versammlung aufzunehmen. ' Die „Stadt mit dem ewigen Dom" hat sich zu Ehren der General-Versammlung und zur Begrüßung der katholischen Gäste von Nah und Fern auf dar Herrlichste geschmückt; fast kein HauS ist ohne Fahnen- schmuck, zahlreiche Gebäude find auch mit Guirlanden und Blumen verziert. Schon die SamStagSzüge führ­ten die Theilnehmer zahlreich nach Köln und erst recht waren am Sonntag die Eisenbahnzüge und Rheivdawpfer überfüllt. Ein dichter Nebel lagerte am Sonntag Mor­gen über dem Rhein und entzog die Spitzen der Dom- thürme vollständig dem Anblick, wohl zum Aerger Bieler, welche das herrliche Bauwerk zuerst betrachten und be­wundern wollten. Der Sonntag brachte das herrlichste Wetter, dasselbe mochte Manchem sogar zu heiß nnd schwül erscheinen. Run dürfe» wir wohl hoffe», daß auch die weiteren Tage der Gmeral-Bersammlung vom Wetter begünstigt werden; das „General-BersammlungS- Wetter" ist ja schon fast sprichwörtlich geworden.

Den Sonntag über bewegte fich eine frohbewegte Menge durch die Straßen der Stadt, erfreut von dem i herrlichen Schmuck der Straßen. In der Komödien- j straße, der Hohenstraße, in ver Umgebung des Domes herrschte ein Gedränge, wie eS in Berlin selten stärker ist. Besonders gut war am Abend die Umgebung des Domes besucht, als um 6*/, Uhr ein feierliches Gelänte von allen katholischen Kirchen der Stadt die Festtage einläutete. In das Festgeläute drS Domes ■; mischte sich auch mit ihren dumpfen Klängen die mäch- 2 trge Kaiserglocke. In der Minoritenkirche fand nm 7 ' Uhr eine Segensandacht statt, welche so stark be- j sucht war, daß die Kirchenthüren schon mehr als eine , halbe Stunde vorher geschlossen werden mußte» und nur Diejenigen Zutrittt zu der Kirche erhalten konnten, welche sich durch ihre Karte als Müglieder der Gene- ral - Versammlung zu legitimiren vermochten. Dann

Hierauf ergriff der Oberbürgermeister von Köln Dr. Becker das Wort, um die Versammlung im Namen der städtischen Behörden von ganzem Herzen willkommen zu heißen. (Lebh. Beifall.) Der Ober- bürgermeister wies auf die Veränderungen hin, die das alte Köln nach Außen hin feit den letzten 36 Jahren erlitte» hat, aber wie auch das äußere Köln sich ver- ändert habe, im Innern sei eS dasselbe geblieben, vud Altstadt und Neustadt zeichneten sich wie früher so auch jetzt aus durch treuen katholischen Glauben, durch Treue zu Kaiser und Reich, durch Achtung auch vor Dem, was Andersdenkenden heilig und thiuer sei. Möchten

Der von Saldern erschien von solcher Aufforderung nicht allzufreudig berührt. Er warf jedoch gehorsam den goldgestickten Faltenmantel über daS rothe Seiden- wamms, nahm das Federbarett und folgte dann seinem Oheim.

Richt lange hatte fich die Thür hinter beiden Rittern geschlossen, a!S Frau Hermanna anhob:

„Mein liebes Kind, wie mir däucht, so hofft Dein Vater gar bald in Henning von Saldern den zukünftigen Eidam zu erblicken."

Altfride ließ erschreckt die Spindel ruhen. Sie schmiegte sich enge an Hermanna und flüsterte:

„O süße Mutter, wie könnte ich, die eben erst aus dem Kloster zu Euch heiwkehrte, schon an Bernräbluna denken! Laßt mir noch Zeit."

Der Gräfin Hand glitt liebevoll über das schim- । mernde Goldhaar des Töchterleins.

„Dein Vater wünscht eS, daß Du nicht unvermählt bleibst. Henning aber ist uns wohlbekannt, er ist aus einem uns verwandten Hause, und sein Reichthum dem Deinen gleich.

Altfride lachte schelmisch.

„Henning ist zu alt und zu reich für mich, liebste Mutter. Ich habe es mir so schön gedacht, wenn der Mann, den ich so recht von Herzen lieb hätte, über wenig Erdenguter verfügte, so daß ich Freude an dem Bewußtsein hätte, ihm mit meiner Liebe auch irdische Besitzthürner zu schenken."

Des Mädchens Züge wurden während dieser Be-

Der Präfident der Lokalkomitee'S Justizrath CustodiS verlas sodann eine lange Reihe von BegrüßungS- telegrammen, unter Anderem aus München mit dem Wunsche, die nächste Versammlung in der bayeri­schen Hauptstadt zu sehen (Lebh. Beifall), ferner vom Grafen Konrad Preysing, von Berglenten aus Bochum, vom Pins-Berein-Dortmuvd, vom Kafino Augsburg, vom Abg. Metzner (Neustadt O.-S.), vom katholisch« Kasino Osnabrück und aus verschiedenen anderen Städt« des Reiches, namentlich auch auS Badm, Württemberg und Bayer», sowie der Schweiz. Auch die gegenwärtig in Elberfeld tagenden katholisch« kaufmännischen Vereine hatten ein herzliches Begrüßungstelegramm gesandt. Nach einer Pause von etwa 10 Minuten wurde die Begrüßungsfeier fortgesetzt, und zwar mit einer Be- grüßung seitens der deutschen Katholiken in Nord- arnerika, welche durch Herrn Pfarrer Tapp er t a«S Covington (Kentucky) im Auftrage des ständigen Kom- rniffarS der deutschen Katholikenversammlung in Nord­amerika, Borvemann, überbracht wurde. Redner knüpfte daran eine Darlegung der Lage der katholischen KirA in Nordamerika und der Anfeindungen, welchen die deutschen Katholik« in Nordamerika von fanatisch« Gegnern ausgesetzt sind.

Wiederum folgten Musikvorträge. Dann erhiett, von lebhaftem Beifall begrüßt, der fürstbischöfliche Delegat Prälat Dr. Jahnel-Berlin dar Wort. Der­selbe wies daranf hin, wie hier aus allen Gegend« Deutschlands die Katholiken zusammmgekomme» sei«, selbst auS Amerika, wie er selbst auch über den schön« Strom zum ewigen Dom gekommen sei. Bon Köln erzähle man viel in Bezug auf kölnische Gemächlichkeit, aber daß in Köln eine solche Begeisterung für die katholische Kirche herrsche, habe er nicht erwartet. Ihn führe ja noch ein besonderer Zweck nach Köln, nämlich, um an dieser Stelle vor der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands den Dank abzustatten sür die Gaben zur Abhilfe der Kirchennoth der Katho­liken in Berlin, für die Unterstützung, welche die «ntnisseS ernst. Ihr Auge schweifte sehnend über d« Marktplatz.

Auch Hermanna wnrde ernst.

„Du thörichteS Kind", schalt sie. „Ich hoffe, daß Du keine Theilnahme für einen andern Mann hegst, als den Dein Vater Dir bestimmt hat. Ich hoffe zu­versichtlich, daß Du Henning von Saldern liebgewinnm wirst." Sie erhob fich. „Und nun, meine Tochter, folge mir, auf daß wir in Haus und Küche nach dem Rechten sehen. Du sollst lern«, den Dimstboten ihre Weisungen zu erlheilen."

Hierauf gingen beide Frauen hinaus, die Eine, um sanft zu belehren, die Andere, um dernüthig zu lernen. »

Stätte der Gastfreundschaft sei. — Die Worte des Ober- bürgerrneisterS rief« bei der Berfarnmlnng stürmisch« wiederholt« Beifall hervor. Nach weiter« musikalisch« Vorträgen, unter denen wieder Gesänge des „Kölner Liederkranz", namentlich dar ganz vortrefflich vorge- tragene „Ave Maria" von Franz Abt mit dem Solo des Herrn R. van Bruck wahrhaftes Entzücke« hervor- rief«, folgte ein Festmarsch von I. Weber, gewidmet dem Fürsten Karl zu Löwenstein, dem ständig« Kom­missar der Gmeralversammlung. Mit dem Festmarsch ist ein Trio-Text von Jos. Wach verbunden, welcher mit Hinweis auf die katholische Kirche und auf dar Centrum mit dem Refrain: „Für Wahrheit, Freiheit, Recht" schließt.

Der große Saal des Gürzenich, der größte und düng, daß die alte und die neue Colonia noch immer eine

schönste BersammlnngSsaal der Stadt Köln, war schon ' • — — - - —

vor Beginn der Begrüßungsfeier im wahren Sinne des Wortes übervoll. Auf dem Podium hatte» mit dem Präsidenten des Lokalkomitees, Justizrath CustodiS, und den Vorsitzenden der einzelnen Komitees, sowie dem ständigen Kommissar der Generalversammlungen, Fürsten Löwenstein, zahlreiche hervorragende Katholiken Deutschlands Platz genommen; die rheinisch« CentrumSabgeordneten waren, soweit sich überseh« ließ, vollzählig erschienen, dazu auch zahlreiche Abgeordnete auS anderen LandrStheilen, namentlich auch aus der Nachbarprovinz Westfalen. Auch der Oberbürger, meister der Stadt Köln, Dr.Becker, wohnte der Be- grüßungSfeier bei. Kurz nach 8 Uhr gab ein Bläserchor mit der Hymne „Die Himmel rühmen der Ewig« Ehre" von Bethoven das Zeichen zum Beginn der Versammlung. Der Präsident des Lokalkomitee'S, Justiz- rath CustodiS, eröffnete die Begrüßungsfeier mit dem alten katholischen Gruße „Gelobt sei Jesus Christus" und richtete dann herzliche Worte der Willkommens an die Gäste der katholischen Köln, an die Theilnehmer der Generalversammlung; er gedachte besonders des zum Ehrenpräsidenten der Generalversammlung ernannten Veteranen der katholischen Deutschlands, Appellations­gerichtsrath a. D. Dr. August Reichensperger, und begrüßte auch den anwesende» Oberbürgermeister, Dr. Becker, mit einigen Worten des Dankes für sein Erscheinen und für die Ueberlassung der Gürzenich- saaleS zu dieser Begrüßungsfeier. Indem der Präsident sodann darauf hinwieS, daß in Köln eigentlich die Wiege der General-Versammlung« gestanden habe, daß aber jetzt seit 36 Jahren in Köln keine Generalver­sammlung mehr stattgefund« habe, kündigte er mit gutem rheinischen Humor an, daß er im Jahre 1897 die Abhaltung der nächsten General-Versammlung von 1898 ia Köln beantrag« werde. Dan» trug der in viel« Sangestournieren steggekrönte Kölner Lieder- krayz, ein großer prächtiger Männerchor, einige Lieder vor, zunächst daS bekannte „Wem Gott will rechte Gunst erweisen", dann das „Exultavit cor meum" von Dr. de Lange.