■ft* lS5 Dienstag, den 28. August 1894. 21. Iahrgma
Md a er M Zeitung
der Invalidenrenten stark vermehren, da daun die Forderung der Beibringung von Zmgniffen über die Beschäftigung vor dem 1. Januar 1891, dem Jukrast- setzungSiermin deS Gesetzes, wegfäSt. Die Zahl der größeren Invalidenrenten könnte also bald die der kleinen Altersrenten übersteigen.
* Lach einer an dar Ober-Kommando der Marine
lieber die bisher vorliegenden Ergebnisse der Invalidität-- und Alter-verfichernng werden
mit der PeterSstiftuna wegen HinaufsLaffung des Dampfers „Dr. Karl PeterS" nach dem Biktoria-See gar nicht in der Lage, weil eS den Dampfer bereits dem kaiserlichen Gouvernement übergeben habe.
• Die Generalversammlung deS Freisinnige« Vereins in Hamburg genehmigte den Programmentwurf der Programm-Kommission der Freisinnigen BolkSpartei.
* Der in Berlin erscheinende.Sozialist' äußert sich über die „gesetzliche Ermordung" Caserio'S wie folgt: „Als das Haupt befielt fiel, welcher mit feiner Aufopferung der Menschheit einen Dienst zu leisten suchte, erscholl auS den Reihen des umstehenden Kapital- und BeamtengefindelS Bravorufe. Sie warm ihrer würdig ..... Am Morgen nach der Hinrichtung flat
terte auf dem Grabe Caferio'S eine rothe Fahne und verkündete stolz, daß ein Freiheitskämpfer gefallen ist, aber der FreiheitSkampf fortdauert." Wenn auf Grund der bestehenden Gesetze gegen eine solche Aufreizung zur „Propaganda der That" nicht vorgegangen werden kann, so ist die Gesetzgebung eben reformbedürftig.
* Die Sozialdemokraten in Berlin haben gestern in 37 Versammlungen die Fortfetzung der Brauerei- Boykottes beschlossen.
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Der vorher zurechtgewiesme Ritter hatte sich den Tadel nicht allzusehr zu Herzen gehen lassen. Gerne Blicke säumten nicht, der schlanken anmuthigen Gestalt der Jungfrau zu folgen. Wie sie daftand mit ihrem sonnig schimmernden üppigen Lockenhaar, dessen herabwallende Fülle von einem goldenen Reif gehalten wurde, den tiefblauen Augm, dm edel gischnittmen weichen Zügen und dem herrlichen Ebenmaß der königlichen Gestalt, bekannte er sich selber, daß er seiner Base gegenüber sich keiner Schmeichelei schuldig gemacht habe: Sie trug ein himmelblauer Schleppgewand, welches an den Säumm reich mit Perlen bestickt war und sie nach seiner Meinnug vortrefflich kleidete.
„Htldesia! Wahrlich, also solltet Ihr heißen, denn Ihr gleicht der holden Jungfrau Hildefia im Stadt- Wappen", hob er ungeschent wiederum an, seiner auf- richtigen Bewunderung Ausdruck zu verleiben. Er hatte wohl bemerkt, daß seine huldigende Rede von dem Oheim nicht ungünstig ausgenommen wurde.
Altfride bekundete durch keinerlei Worte oder Zeichen, daß sie die Rede ihres BetterS vernommen hatte. Sie beugte sich scheinbar angelegentlich zum Fmster hinaus, welches den Blick auf dm von hochgiebeligen Häusern umgebenen Marktplatz und auf dar ebm erbaute schöne gothische RathhauS eröffnete. Es war fast als ob sie grüßend das Köpfchen neige, ehe sie es, noch immer mit Purpur übergossen, zurückzog.
Ritter Henning strich beim Anblicke ihrer holdselig
gelangtm Depesche ist dar Kanonenboot „Iltis", Kom- maitdant Korvetten - Kaprtärr Graf v. Baudijsin, am 23. August er. in Chafoo am Golf von Petschlli in China angekommm,
* In Dresden ist heute die Internationale Ausstellung für Nahrungsmittel eröffnet worden.
dorttgeu Katholiken zahlen an Kommunalstmer 14,500 SRI, tragen also zur Unterhaltung des protestantischen Schulwesen- jährlich etwa 4100 Mk. bei und erhalten jährlich für ihre Schule aus Stadtmitteln 10 Kubik- meter Brmnholz! Und doch gibt er kein Mittel zur Abhilfe! Da wird eS wahrlich hohe Zeit, daß diese Angelegenheit im Abgeordnetmhause einmal gründlich behandelt wird, und man wenigstens erfährt, warum eine katholische Gemeinde veranlaßt werden kann, für 9 protestantische Kinder eine Schule zu errichten, während der Minister da, wo 50 katholische Kinder in Frage kommen, sich außer Stande sieht, den Katho- likm auf gesetzmäßigem Wege zu helfen.
* Zum Guß der Glocken der Kaiser Wilhelm- Gedächtnißkirche in Berlin-Charlottmburg sollen 34 in der Festung Straßburg i. ®. im Jahre 1870 eroberte Kavonm im Besammt-Gewichte von 500Cmtaer
* Zum unerschöpflichen Kapitel von der Schulparität
liegen heute wieder zwei höchst bezeichumde Beittäge vor. Zunächst wird der .Germania' aus Strelno (Posen) geschrieben: „Bom 1. Oktober d. I. wird in
Deutsches Reich.
Berlin, 25. August
* Grüß' Gott in Köln! Wem unter uns nicht vergönnt ist, die schöne» Festtage im rheinischen Rom mitzufeiern, den wird vielleicht ein leises Gefühl des Neides beschleichen gegen die glücklicheren Brüder, die heute oder morgen „die Stadt mit dem ewigen Dom" betreten. Aber fort damit! Neidlos wollen wir uns
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Das goldene Dach ;u Hildesheim.
Historische Erzählung von Antonie Haupt.
(1. Fortsetzung.)
„Ein Borwand", sprach Graf Hardenberg weiter, „zur Befriedigung des alten Grolls und der alten Kampfeslust gegen die Hildesheimer und chren Bischof war just darin erfunden. Der beutegierige Braunschweiger soll nur kommen! Unser Gerhard wäre der Mann, ihm heimzuleuchten. Bei aller großen Frömmigkeit und hohen Gelehrtheit ist der Edelherr vom Berge gerade der Mann für unsere schlimme Zeit, ein Streiter vor dem Herrn. Daß er im Kriegshandwerke wohl erfahren, dar zeigte er bei Elze. Sein Name Gerhard, der Speerkühne, wurde ihm wahrlich in prophetischem Geiste von den Eltern verliehen!"
Der Erzähler lächelte vor sich hin: „Jener stolze Magnus vermeint wohl gar, einen solch' waffenscheuen Herrn, wie Johann II. hier zu finden. Der wurde uns ja vor nuumehr vier Jahren vom päpstlichen Hofe zum Bischöfe gesetzt." V 1
.Wie ereignete eS sich, herzlieber Vater, daß man den Herrn Johann niemals im HildeSheimschen sah?" fragte die liebliche Altfride.
„DaS kam so, mein Kind. Dem sausten, tiefge« lehrten Herrn behagtei- die rächen Sitten unserer Landes, die Stürme, welche von innen und außen dar Stift durchtosten und verwüsteten, gar schlecht. Es gefiel
Bardsoczewice im hiesigen Kreise die neueingerichtete evangelische Schule mit einem Lehrer besetzt werden. Die Schülerzahl beträgt sage und schreibe 9, um derentwillen eS nöthig war, einen prachtvollen Neubau auszuführen und eine selbstständige Stelle zu gründen. Weiß einer der geschätzten Leser ähnliche Beispiele anzuführen, daß man auch solche Aufmerksamkeit gegen Katholiken übe?! — Wir kennen leider kein Beispiel einer derartigen Aufmerksamkeit, wohl aber können wir dem verehrten Fragesteller zeigen, wie man an einem andern Orte, in der Mark, gegen eine katholische Minderheit mit! etwa 50 schulpflichtigen Kindern verfährt. Seit 1851 besteht in Eberswalde eine katholische Privatschule, fast ganz unterhalten vom BonifatiuSverein. Die Zahl der Kinder, welche die Privatschule besuchen, beträgt z. Z. 50, während noch 8 schulpflichtige katholische Kinder die protestantische Bürgerschule besuchen. Nachdem 1887—1891 von den Katholiken bei der Stadt ein Zuschuß zur Schulkasse vergebens beantragt war, wandte bei katholische Pfarrer sich an den KuttuS- Minister mit der Bitte, die Stadt zu zwingen, die katholische Privatschule wie die evangelische auf den Kommunaletat zu übernehmen. Der Minister entsprach dieser Bitte nnd ließ durch die zuständige Regierung in Potsdam gegen die Stadt das Beschiußserfahren einleiten. Allein der Bezirksausschuß sowohl wie der Provinzalrath erklärten einen Zwang gegen die Stadt für unzulässig. Um die Mitte des Jahres 1892 hat sodann der Fürstbischof von Breslau toegen Veröffentlichung bei Schule mit dem Herrn Kultusminister verhandelt, aber im Februar dS. IS. die Antwort erhalten, „daß der Herr Minister nach Lage der Gesetzgebung zu seinem Bedauern außer Stande sei, dem Wunsche nach Erhebung der katholischen Privatschule zu Eberswalde zu einer öffentlichen zu entsprechen; denn durch Beschluß des ProvinzialratheS vom 27. Mai 1892 fei ein Zwang gegen die Stadtgemeinde als unzulässig erklärt. Eine katholische Schulsozietät zu errichten gehe nicht an, wo, wie in EverSwalde, die politische Gemeinde Trägerin der Schullast sei; die bloße Erklärung der Privarschule zu einer öffentlichen könne aber als eine zulässige Maßregel deshalb nicht erachtet werden, weil damit ein öffentlicher rechtlicher Träger der Schnürst nicht geschaffen werden würde. Der Minister sehe deshalb beim besten Willen keinen gesetzmäßigen Weg, auf dem das erstrebte Ziel sich erteilen lasse." Zur näheren Erläuterung sei noch solgendeS beigefügt: Die Gesammt - Einnahme der Äämmereilafie iu EberSwalde beträgt 368,400 Mark, davon werden für die protestantische Kommunalschule 106,325 Mk., also über 38 Prozent, verwendet. Die
* DaS Antisklaverei-Komitee soll, wie die,Post' mitthkilt, unmittelbar vor seiner endgiltigen Auflösung stehen. DaS Komitee sei zu Verhandlungen ihm daher, in der Ferne sich von dem Kriegsgebiete berichten zu kaffen. Eines Tages aber, daß ich er nicht vergesse, kam er und begehrte die theologischen und juristischen Buchwerke seiner Amtsvorgänger zu schauen."
Der Prokonsul machte eine Pause in der Erzählung und schob lachend sein Barett gegen daS linke Ohr, ehe er fortfuhr: „Wir zeigten dem frommen und gelehrten Manne die Panzer» SchUde und Helme unserer ehemaligen streitbaren Oberherren und sagten ihm, nur mit solcherlei Lehrmitteln hätten seine bischöflichen Vorgänger sich befassen können. Unter Kopfschütteln fuhr er wieder davon. Wir verwunderten uns keineswegs, als er Ring und Stab unseres BisthumS gar bald dem Papste znrückzab. Du, mein armes Kind, Altfride, bist noch zu jung, um klar zu sehen, iu welcher Zeit der Drangsale Du geboren bist. Du kennst daS Leben ja nicht anders, als daß innerer Zwiespalt und Krieg nach außen, Belagerung, Brand und Plünderung zur wenig anmuthenden Abwechslung in unserer Stadt dienen. Die schlimmsten Zeiten haben wir nun mit Gottes Hilfe überwunden. O, daß eS der Umsicht mib Tapferkeit Herrn Gerhards gelänge, den reißenden ®ttom zügelloser ZerstörungSwuth zu dämmen, der unser unglückseliges Heimathland von allen Seiten überfluthet!"
„DaS walte Gott, Amen!" vollendete Frau Hermanna und erhob sich vom Tische. Auch Altfride schritt nach dem Erker, um die Spindel zu drehen.
mit ihnen freuen, mit ihnen unS erheben und erbauen an der hohen, herrlichen Kundgebung katholischen Glaubens, katholischer Macht und katholischer Ein- | müthigkeit. Alle ^ökunützigen Strebungen, die hier und uueue xanunen meqt dort austauchen, alle heimtücklschen Versuche offener i mit verwendet werden. '
und geheimer Gegner, einen Keil in die geschlossenen * Heber die bi«! Schlachtreihen des deutschen Katholizismus zu treiben, u» ~ M„v wl,w,vMllulwul.u ™tutu
-ac< -^er ^ut festen Willens finden, folgende Zahlen mitgetheilt: Es kommen gegenwärtig unsere Einigkeit unter allen Umständen aufrecht zu - bereits rund 80,000 JnvaliditätSreuten auf 225,000 ^halten; und die Kölner Generalversammlung wird: AlterSrentner. Weit mehr als ein Viertel aller auf ein beredtes Zmgmß dieser unserer festen Entschlossen- Grund des Gesetzes vorn 22. Juni 1889 bewilligten * erd, kau m. ki«. . Renten entfallen also bereits auf die JnvaliditätS- k ■«. wer » &kC A" das ganze | Versicherung. Dazu kommt, daß der Zeitpunkt, an dem ; ^"denburgrfcheS) am nächsten : hie Wartezeit für die Invalidenrente abzelaufen m Truppen- ist, nicht mehr fern ist. Die Wartezeit ist auf fünf tljeue rück.n Montag hrer^ und m Der Umgegend em, BeitragLjahre festgesetzt. Da ein Beitragsjahr sich auS ??. fjj9 .der gegenwärtig die hiesige Besatzung - 47 Beitragswochen zusammensetzt, die fünfjährige Warte- d'lden^n fünften Divifwn r« verewlg-m | zeit demnach anS 235 Kalenderwochen besteht, so würde
,. „ Rerchskanzler wird in den nächsten Tagen : nicht mehr ein Jahr verfließen müssen, damit bie lieber« sich «ach Karlsbao begeben. gangSbest mmungm über den Bezug der Invalidenrente toeileni den bauernd gütigen Vorschriften weichen. Bon der we-le.. j-t 8-tt tijm m Berlin Thielen, v. x Mitte des nächsten JahreS ab aber wird sich die Zahl Heyoen und Bronsari v. Schellendorf. Diefe haben-'- ~ • --- -
bereits ihren Urlaub hinter sich. Kultusminister Dr. Sofie trifft um die Mitte deS nächsten Monats wieder hier ein, Ministerpräsident Graf zu Eulenburg und die Minister Dr. Miquel und Dr. v. Schelling in dieser Woche, die Minister Dr. v. Bötticher und Fchr. v. Berlepsch Anfang nächsten Monats. Vollständig versammelt wird daS Ministerium hier erst Ende nächsten Monats fein, nachdem der Reichskanzler zurück- gekehrt fein wird.