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Donnerstag, den 23. August 1894.
21. Jahrgang
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Erklärung
der internationalen katholischen Konferenz zu Lüttich am 5. und 6. April.
I. Recht und Gerechtigkeit erheischen di- weltliche Herrschaft des römische« Stuhles. — II Die weltliche Herrschaft ist unentbehrlich für die U»abhängig- leit des römischen Stuhles in der Regierung der Kirche. — III. Die weltliche Herrschaft ist die Schutzwehr der Gewifs-nsfreiheit bet Katholiken der ganzen Welt. — IV. Die Autorität des römischen Stuhles, gefestigt durch eine staatliche Unabhängigkeit und mehr und mehr von den Völkern anerkannt und aeachtet, wird in wirksamster Weise zur Erkaltung des Friedens, zur Versöhnung der Völker und der Stände, sowie zum Fortschritte der Civilisatio« beitragen. — V. Die Größe und Würde Italiens sind nicht bedroht, sondern vielm-hr gesichert durch die Unabhängigkeit des heiligen Stuhles, „einer göttlichen Institution» mit der es durch die besonderen Rathschläge Gottes verknüpft ist." (Worte Leo XIII.
I. A. der Konferenz.
Der Schriftführer: F. L. Graf Waldbott-Bassenheim.
Obigen Resolutionen schließen sich an: Belgien: L. Collinet, G. Hellepatte, I. Lammens. Deutschland: Preußen und Bundesstaaten, Graf F. v Ball-- ström, E. Haffner, Felix Freiherr v. Los. Dr. F. Porsch, Rochus von Rochow, Dr. E. von Steinl-. Frankreich: Lucien Brun, Ch. CheSnelvng, E. Keller. Großbrrtannren: Herzog von Norfolk, Graf v. Denbigh, Uord HerrieS. Italien: Fürst Philipp Lancellotti, Graf I. Acquadermi, Gras St. Medolago Albani. Luxemburg: August C"llart, Prüm, F. Rayraud Niederlande: I. de la Court, Dr. Schaepmau, F. W-sterwoudt. Oesterreich- Ungarn: Graf L:debur-Wich-lri, Graf Anton Pergen, Freiherr M. von Bittinghoff-Schell. Portugal: Graf von Casal Ribeiro, Graf van Samodaeö, Antonio de Carvalho Daun e Lorena(Redinha). Schwei»: Freiherr von Montenach, G. Python, Freiherr R. v. R-dmg. Spanien: Herzog von Bailen, Ma.qais von ComillaS, R. Rodrigwz de Cepeda.
Erläuterungen z« vorstehender Erklärung.
Die internationale katholische Konferenz erkennt es vor Allem als ihre Pflicht an, laut zu erklären, daß die Wiederherstellung der weltlichen Herrschast des römischen Stuhles, welche es dem Papst ermöglicht, frei und unabhängig fernes Amtes in der allgemeinen Kncke »u matten, eine btr <fi die E iabruva be
kräftigte Forderung der Vernunft, des Rechtes und der Gerechtigkeit ist.
Schon durch die Natur der Würde, mit welcher unser Heiland Jesus Christus den br. Petrus und seine Nachfolger bekleidet hat, ist der Papst über jede irdische Macht gest-llt. Denn Christus hat ihn als Oberhaupt bestellt für jenes Reich, daS er in dieser Welt zu stiften gekommen ist, um die Menschen ihrem Endziel, der ewigen Seligkeit, zuzuführen. Dieses Reich kennt weder Grenzen des Reiches noch der Zeit; es umfaßt alle Völker des Erdkreises, hie Herrscher sowohl wie ihre Uvterthanen. Alle sind in gleichem Maße der Autorität desjenigen unterworfen, d-m der Heiland in der Person des beil. Petrus das Hirten- amt übertragen hat; Alle müssen unter seinem Gebote und seiner Führung ihrer ewigen Bestimmung ent- qegengeleitet werden. ES ist klar, daß diese in lhrem Ziele und Gegenstand so erhabene, in ihrem Wirkungskreise so universelle, in ihrer Dauer so ununterbrochene Autorität über jeder anderen Gewalt steht und daß deren Träger keinem Staatsoberhaut unterworfen sein kann, ohne daß die von Sott, dem Ausgangspunkte jeder Autorität, gewollte Orduuna verkannt und durchbrochen werde. Wenn nun der Papst kein-S Menschen Unterthan sein darf, so folgt daraus, deß er Souverän sein muß; denn in der gesellschaftlichen Ordnung ist kein Raum zwischen der Stellung emeS UnterthanS und eines Souveräas; und eine wahre Souveränetät begreift den Besitz eines Territoriums in sich.
D«e Nothwendigkeit der Souveränetät a-ht aber auch aus dem Charakter der den Nachfolgern Petri gestellten Aufgabe hervor. Diese Aufgabe schließt em doppeltes Amt in stch: das Amt, die allgemeine Kirche zu lehren und sie zu leiten. Seinem Lehramte gemäß muß der Papst darüber wachen, daß der Glaube i« seiner Lauterkeit bewahrt bleibe, er muß die Wahrheit feststellen, die Jrrthümer vermtheilen, die Zweifel beteilige», die Streitfragen entscheiden, daS christliche Sittengesetz in seiner Reinheit aufrecht erhalten, die ewigen Grundsätze der Wahrheit und Gerechtigkeit im Leben de« Einzelnen, der Familie und der Gesellschaft zur Anwendung bringen, und das in allen Theilen der katholischen Welt. Auf Grund feines obersten Hirtenamtes muß der Papst die Hirte» und die Gläubigen leiten, Bischöfe eintetzen, die Grenzen der Diöcefen festsetzen, neue BiSthümer erichten, GlaubenSboten nach all-n Punkten des Erdkreises senden, um daS Rerch J-l» Christi auSzubreitea, mit christlichen und nichtchristlichen Fürsten verhandeln, Konkordate abzuschlieten, die Zucht aufrecht erhalten, die Mißstände ausrotten, die Bertheidigung der Rechte der Kirche, der Bischöfe und der Gläubigen, überall, wo ste bedroht oder verletzt sind, in die Hand nehmen.
Ei» Jeder muß begreifen, daß die Annahme eines Doppelamtes, welches sich auf die wichtigsten und auf dir zartesten Frage», auf Fragen, welche die Gläu- btaer? und die Regierungen berühren, j-den Augenblick
gestört, behindert ja, selbst gefährdet und unterdrückt : werden kann durch die weltliche Macht, welchen der : Papst unterworfen wäre und die stets mit ihrem Einfluß und ihrer Gewalt Mißbrauch treiben kann.
Wenn man sich aber nicht zu der Behauptung ver- » steigen will, daß unfer Herr und Heiland die von ihm , getroffenen Einrichtungen auf Grwde oder Ungnade - den Händen der Menschen überlassen wollte, welche einfache Glieder der Kirche sind, oder ihr selbst nicht einmal angehören, so muß man zu dem Schluß kommen, i daß er dadurch, daß er den Papst als Ob-rhaupt der Kirche eingesetzt hat, diesem zugleich das Recht über- : trug, frei seines Doppelamtes zn walten, unabhängig ' von irgend einer Macht, die seine Thätigkeit beeinflussen ; oder behindern könnte. Eine solche Unabhängigkeit ist f "uf die Dauer unmöglich ohne weltliche Herrschaft. ■ Ohne diese wird der Papst stets in der Ausübung t seiner Vorrechte den Eingriffe», Bedrückungen oder > Verfolgungen dr Regierungen, deren Unterthan er wäre, auSgesetzt sein. Die Geschichte legt Zeugniß ab von den Angriffen und den Gewaltthat-n gegen die Autorität der römischen Bischöfe in den Zeiten, wo sie noch nicht im B-sitze der weltlichen Mach: oder mit derselben nur vorübergehend betraut waren.
Die internationale Konferenz fühlt sich deshalb gedrungen, sich der feierliche« Erklärung deS Episkopates vom Jahre 1862 voll und ganz anzuschließen:
„Wir erkennen, daß die weltliche Souveränität des „heiligen Stuhles eine Nothwendigkeit ist und deren „Errichtung auf einer offenbaren Fügung der gött- „lichen Vorsehung beruht; wir stehen nicht an zu „erklären, daß bei dem gegenwärtigen Stande der „menschlichen Dinge, die;e weltliche Macht unent- „behrlich ist für eine gute und freie Leitung der „Kirche und d-r Seelen. Es war do* Nöthen daß „der römische Bischof, Oberhaupt der Getammtkirche, „weder Unterthan noch selbst Gast einer Familie „sei, sondern daß er auf eigenem Thron, in eigenem „Lande und eigenem Reiche, sein eigener Herr sei „und so in erhabener, lriedvollir und milder Frei- „beit den katholischen Glauben schirmen, die ganze „Christenheit vertheidigen, leiten und regieren könne."
Auch die Gerechtigkeit erheischt diese Wiederherstellung der weltlichen Herrschaft. DaS geht mit Klarheit auS der Geschichte der weltlichen Herrschaft deS Papste« und des Völkerrechtes hervor, wogegen vor dem Tribunal der Vernunft und des Gewissens die Theorie der vollendeten Thatsachen niemals Geltung haben kann.
Diese territoriale Souveränetät fordert die internationale Konferenz auch noch auf Grund der den Rechten des katholischen Gewissens zukommenden Achtung. Die 200,000,000 über die ganze Erde verbreiteten Katholiken erkennen in dem Papste den berechtigten Ausleger d-r göttlichen Gesetze, die sie in ihrem Gewissen verpflichten; den unfehlbaren Lehrer der Wahrheiten, denen ihr Verstand zustimmen muß, den obersten Hirten, dem sie in Allem zum Gehorsam
6iet mWc Wim, Sirs TMm.
Herr Wood streckte sich in einem der bequemen Ruheseffel seines Gesckäftr-Bureau'S so behaglich, wie dies nur ein Millionär zu thun im Stande ist; dabei rauchte er eine Havanna - Cigarre, so dick und wohlriechend, wie solch- nur für einen mehrfachen Millionär passend erscheint.
Bah, Herr Wood konnte stch daS leisten, wurde er doch zu den reichsten Männern der reichen Stadt Boston gezählt. Aber — und wie könnte daS Dasein eines Millionärs ob-e Ab-- fern — H-rr Wood >ieß sich'S nicht an de« Floras fines und Superbos de Cuba genügen, sondern suchte noch anderweitig fein angehäusteS Geld los zu werden. Das war kein leichtes Stück Arbeit und verursachte dem Manne arges Kopft-rbrechen. Herr Wood hatte neuerlich mit riesigem Glücke in Schweinefett spekulitt und ein unaufhaltsamer Dollarregen ergoß sich über sein kahles Haupt. Er bewohnte eine Billa, etliche Meilen von Boston entfernt. Diese war vollgepfropft mit Kostbarkeiten Gobelins, deren jeder ein Vermögen kostete, zierte» die Wände nnd wieder darüber hingen moderne und antike Gemälde von dohrm Werthe. Nicht minder hervorragend waren die Skulpturen. Di- gepolsterten Möbel vollends duften schön und kostbar genannt werden — die Stoffe waren nämlich auch auf der verkehrten Seite reich bestickt — daher auch den meisten Besuchern der Muth
mangelte, sich daraus niederzulassen. Herr Wood war ein äußerst kunstsinniger Mann. Ec hotte erst in der jüngsten Zeit wieder einen ersten Meissouier angekauft, doch mußte derfelbe wegen Raummangels in die Küche gehängt werden. Natürlich war damit daS Etstehen der Kunstgegenstände zu Ende und er mußte einen "tuen Kgnal suchen, um seine überfiießenden Dollar- Quellen ableiterr zu können. Da hatte er einen vortrefflichen Einfall gehabt.
Eme direkte Teliphon-Verbindung zwischen Billa und Geschäftshaus in der Stadt! Das wäre eine prächtige Sache, dachte bet glückliche Schweinefett- Spekulant; meine Gattin könnte mir daun durch den F-rn-Prech-Apparat mittheilen, wenn sie in die Oper oder dar Konzert gehen wollte, ohne daß wir, wie bisher, derartige Wünsche schon des Morgens vor meinem Weggehen vereinbaren müßten.
Herr Wood beglückwünschte sich selbst zu dieser schönen Idee und beauftragte einen Unternehmer, dieselbe zur Ausführung zu bringen. Innerhalb kurzer Zeit war die telephonische Leitung vollendet. Die vor- nehmsten Bostoner wucdeu grün vor Reid über dieses Ereigniß, Herr Wood indeß roth vor Bergnüaen, als er daS erste Mal feine bessere Hälfte per Telephon befragen konnte, ob sie irgend einen Wunsch hege.
So weit waren die Dinge gediehen, als sich Herr Wood, wie Eingangs erwähnt, behaglich in seinem Sessel streckt: und darüber Betrachtungen anstellte, wie
angenehm es auf dieser Welt ist, ein wenig Kleingeld zu besitzen Da klingelte der Apparat und meldete, daß man in der Billa mit ihm zu sprechen wünsche.
Ec erhob sich und tagte halblaut: „Sie will gewiß heute Abend den Rigoletto hören."
Alsdann ergriff er das Sprachrohr und rief hinein: „Was befiehlt mein Zuckertäubchen?"
Die Antwort ließ nicht auf sich warten.
„Entschuldigen Sie, ich bin nicht die Person, für welche Sie mich zu halten scheinen."
„Mit wem habe ich also das Vergnügen?" rief Herr Wood. '
„Smith, Einbrecher," kam -S zurück.
„Ich verstehe wohl nicht recht, was Sie zuletzt sagten." entgegnete Herr Wood einigermaßen erstaunt.
„Ich heiße Smith und bin Einbrecher," drang es jetzt deutlich aus der Schallvorrichtung.
Herr Wood wechselte die Farbe.
„Treiben Sie keine Späße und sage» Sie mir, was Sie wollen und wer Sie eigentlich find," telephonirte er mit großem Stimmenaufwand.
i „ES freut mich, daß Sie oie Sache so spaßhaft auffaffen. Hören Sie allo zu. Ich bin mit meinen j Leuten in Ihre Billa eingedrungen, habe Ihre Frau Gemahlin und die Dienerschaft geknebelt, fomit ist, rote Sie sehen, Alle« in meiner Gewalt. Hören Sie ruhig zu, denn eS würde Ihnen blutwenig nützen, wollten
• Sie die Polizei in Kenntniß setze». Sobald Sie sich