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21. Jahrgang

Dienstag, den 14. August 1894.

JV 184

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Erscheint täglich, Soun» und Feiertag« ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt, vierteljährlicher AbonnementSpreiS ohne Briugerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda mid auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

* Die päpstliche Encyclika au die brasilianischen Kischöfe^

von deren Inhalt wir bereits kurze Mittheilung ge­mocht, liegt jetzt im Wortlaute vor. Seit der Begründung der Republik in Brasilien hat der heilige Vater un- ablässig an der Hebung der kirchlichen Leben» in Brasilien gearbeitet; die jetzige Encyclika bildet ge­wissermaßen den Schlußstein seiner Bemühungen in dieser Richtung. Die Encyclika athmet denselben Geist der christlichen Liebe und Versöhnlichkeit, welcher alle Tncycliken Leo XIII. auSzeichnet, und beansprucht schon deshalb ein hervorragendes Interesse, da sie sich auf den Boden der bestehenden Thatsachrn stellt, den Zu­sammenschluß aller katholischm -rüste unter Führung der Bischöfe empfiehlt und als ein wirksames Mittel zur Erreichung dieser Zwecke die Pflege einer guten Presse den Gläubigen dringend anS Herz legt.

Anlaß zur Abfassung der Encyclika bot dem hl. Bater das Dankschreiben der Bischöfe für die Ver­mehrung der brasilianischen Hierarchie durch Errichtung einer zweiten Kirchenprovinz und vier neuer BiSthümer. Bor Allem dringt das Rundschreiben auf Heranbildung eines ebenso wistenschastlich tüchtige», als sittenreine« KleruS. Bor Allem soll der Pfarrer die Arbeit nicht scheuen (laboria ne sit impatiens), und der in de« Weinberg der Herrn Berufene soll jenen unver­drossen und mit Ausdauer pflegen. Dem wird die bedeutungsvolle Mahnung beigefügt: Damit feine Mühe keine verlorene fei, müsse der Seelsorger stets und in Allem an der Disziplin festhallen. Man müsie zwar für Christus mannhaft streiten, aber nur nach der Anordnung und der Autorität Derjenigen, die Christus felbst zu Führern erwählt hat. Auf die geistlichen Semiuarien ist die größte Sorgfalt zu verwenden, und wo sie nicht bestehen, sind baldmöglichst solche zu errichten. Die in Brasilien jetzt bestehende Unterrichtsfreiheit erleichtere den Bischöfen eine den Wünsche« der Papste- entsprechende Einrichtung der Seminarien. Der Papst weist auch die Bischöfe auf die Benützung der in Rom bestehenden südamerikanischev Kollegiums hin.

Die Encyclika belobt die brasilianischen Ordens- familien, weil sie seinen Vorschriften bezüglich Wiederherstellung der alten Observanz bereitwillig ent­sprochen haben. Die Bischöfe wögen vorzugsweise dafür sorgen, daß die Kinder religiösenElementar- unterricht erhalte«. ES sollen aber auch eigene katholische Schulen errichtet werden, damit die Jugend nicht veranlaßt werde die Schulen der Häretiker zu besuchen. Katholische Laienvereine, namentlich für die Jugend, sollen ernchtet werden, besonders auch, um den verschiedenen Nöthen der Dürftigen abzuhelfen und die Wirksamkeit fälschlich sogenannter WohlthätigkeitS- vereine zu vermindern.

Ueber die Ausübung deSWahlrechtes heißt eS: »Endlich müssen alle Katholiken eingedenk sein, daß eS ein Havptinteresie der Kirche ist, was für Männer in die gesetzgebende Körperschaft gewählt werden; darum

Im Wimdel der Geschickes.

Novelle von Erich Krafft.

(8. Fortsetzung.)

„D, Fräulein sind sehr schön, sehr reizend!" schmei­chelte sie, ohne da« Auge von Ottilie zu wenden. „Ich werde Zauberformeln fageo, daß Sie viel Freude tztcheu."

„Gefalle ich Dir?" meinte Ottilie gütig. Sie brach ein Blümchen auS ihrem Strauße und reichte er fier Zigeunerin. ToreSka, unbändig in ihrem Haß und in ihrer Liebe, preßte die Blumen an ihre Lippen und versicherte thränenfchimmernden AugeS:

„Fräulein find sehr gut, ich lieb' Sie sehr!" Dann packte sie ihren Hund an seinem zottigen Haar und lief fort. Der Wagen trug die Geschwister rasch von dannen.

Kurz vor EmS begegnete Theo uud Ottilie zu ihrem nicht geringen Erstaunen Lindler. Er war gegen seine sonstige Gewohnheit mit fast peinlicher Sorgfalt ge­kleidet und trug in seidenpapierner Umhüllung ein prächtiger Kamelienbouquet bei fich.

„Mein Gott, Kurt, wie kommst Du denn hierher?" ref ihm Waldner entgegen.

„Ich wollte Euch nicht verfehlen und ging Euch deßhalb ein wenig entgegen." Er stand jetzt neben dem Wagen, der anhielt, und grüßte Ottilie mit kavalier­mäßiger Artigkeit; sein Auge ruhte eine Weile wiege-

müssen Alle unter Beobachtung der bürgerlichen Gesetze trachten, solchen ihre Stimme zu geben, die mit dem Eifer für das Gemeinwesen einen erprobt« Eifer für die Religion verbinden. Dies wird um fo glücklicher von Statten gehen, wenn Alle die bestehende Staats- regierung willig anerkennen und eivttächttg und standhaft das befolgen, war Wir längst in der Encyclika über die christliche Einrichtung der Staaten ausgesprochen haben." Er sind dar genau dieselben Weisungen, welche der heilige Bater dem ftanzösischen Episkopat für dessen Haltung der Republik gegenüber ertheilt hat. Schließlich fordert der heil. Bater die Bischöfe zu öfteren Konferenzen auf. Der apostolische Legat stehe denselben zur Seite, der nicht zögern werde, denselben die Ansichten und Rathschläge der hl. BaterS zu unterbreiten.

Ueberdie katholischePresse sagt dieEncyclika: „Er möge Euch nicht entgehen, ehrw. Brüder, wie große Macht heutzutage sowohl zum Guten wie zum Schlimmen die Zeitungen und ähnliche Schriften er­langt haben. Er möge also nicht die letzte Sorge der Katholiken sein, auch mit diesen Waffen die Vertheidigung der ChristenthumS zu führen, wohlgemerkt, mit Be­achtung der Führung der Bischöfe und ohne Verletzung der der Staatsgewalt gebührenden Ehrfurcht."

Die Encyclika ist schon vom 2. Juli datirt. Die Publikation derselben dürfte absichtlich verzögert worden sein damit sie gleichzeitig in Brasilien und Europa erfolgen konnte.

deutsches Reich.

Berlin, 11. August.

* Die Kaiserin stattet am Montag der Kaiserin Friedrich in Kronheim einen Besuch ab, den die Kaiserin Friedrich durch einen Besuch auf WilhelmS- höhe erwiedert. Die Abreise der Kaiserin und der kaiserlichen Kinder nach Potsdam ist auf Donnerstag festgesetzt.

* Der .Reichsanzeiger' berichtigt die Nachricht, daß die Inhaber russischer Paffe genöthigt seien, ihren Eintritt iu Deutschland mit 76 Kopeken Bisagebühr zu bezahlen, obgleich ein Bisazwarz seit Wochen nicht bestehe, dahin, daß die Grenzbehörde in Thorn Paßvisa nicht mehr verlangte, seitdem die Aufhebung des Visa- zwangS durch den , Reichrauzeiger' veröffentlicht wor­den ist. Ebenso habe dar deutsche Generalkonsulat in Warschau nach Empfang der amtlichen MittheUung, daß die preußischen Grenzbehörden wegen Aufhebung der Bifopflicht die erforderlichen Weisungen erhalten hätten, russische Päffe nur noch vereinzelt visirt, wo dies von den Paßinhabern trotz der Belehrung, daß Bisa nicht mehr nöthig seien, ausdrücklich verlangt wurde.

* Gegenüber der Mittheilung deS ,Tempi', Tnrpiu fei nunmehr ernstlich gewillt, feine Erfindung dem deutschen Kaiser anzubieten, versichert die .Köln. Ztg.', daß er in Deutschland ebensowenig Glück haben werde, wie in seinem Baterlande. AuS guter Quelle bannt auf der entzückenden Gestalt Ottiliens, die unter seinem Blick tief erröthete und verschämt zu Bode« schaute.

„Steig ein!" lud Waldner den Freund ein.

„Wenn dar Fräulein eS gestattet, mit Vergnügen", erwiderke Lindler galant.

Ottilie nickte bejahend. Der junge Gelehrte nahm ihr gegenüber Platz.

„Ei, ei, wie hast Du Dich heute aber geputzt und oufgeschnatzt!" spöttelte Theo mit feinem Lächeln. „Bist ja der reinste Renommirheld geworden!"

„Gerade wie Du", parirte Lindler mit einem Blick auf feines Freundes vollendete Eleganz in der Kleidung.

„Für wen hast Duden« darBonquettmitgebracht?" fuhr der Forstmann fort, als er sah, wie Lindler das schöne Blumengewinde unentschlossen in den Händen drehte und auf eine günstige Gelegenheit paßte, eS an- zubringen.

„Ich wollte Deiner Fräulein Schwester eine kleine Aufmerksamkeit damit erzeigen."

Ottiliens Gesichtchen glühte purpurroth auf, wie ein zartes Wölkchen am Morgenhimmel, wenn daS duftige Frühroth am östlichen Horizonte aufsteigt. Mit sichtlichem Behagen uub freundlichem Danke nahm sie die Spende aus Lindler'S Hand entgegen.

Frau v. Alden stand erwartend unter dem Flügel­portale ihres Gasthofes, als Waldner'S Gefährt heran-

| verlaute nämlich, daß die ftanzösische Kriegsleitung sich bereits feit drei Jahren vergeblich bemühe, genau die-

I selben Theorien, auf welche Turpin fich stützt, in die i Praxis zu übertragen.

* Die Rückkehr der Ursulinerinnen nach Pofen : ist vom Kultusminister nicht gestattet worden. Erz- ' bifchof von Stablewski hatte im März an da» Mini- | sterium dm Antrag auf Wiederherstellung der seiner I Zeit aufgehobenen Ursulinerschule als höhere Bildungs­anstalt für Töchter vornehmer Eltern gerichtet. Der Oberpräsident soll die Wiederherstellung besürwortet habe«. Der Kulturminister wieS i« seinem abschlägig« ’ Bescheid daraus hin, daß eine solche BildungSanstalt i nicht nöthig sei, da ja in Pos« bereits die Luis«- ! schule bestehe und außerdem noch sechs Privatpensionatr i vorhanden seien. Also der Kultusminister entscheidet i auch hier wieder über daS Bedürfniß, und zwar anders j als die oberste kirchliche Behörde. Mit den Franzis- ■ kauern in Esten haben wir bekanntlich ganz dasselbe \ erlebt.

* Köln, 11. Aug. Im Bororte NippeS erkranke ; gestern ein SOjähriger Mann unter choleraverdäch- j tigen Symptomen. Derselbe starb bald darauf auf ] dem Transport zum Hospital. Die Polizei ordnete | peinlichste DeSinfizirung deS gejammten Gebäudes an. ■ Ob Cholera vorliegt, ist noch nicht bestätigt.

Ausland.

i * Pesth, 9. Aug. Ueber daS weitere Borgehm i der ungarischen Katholiken und die Gründung einer besonderen katholisch - polittschen Pattei zur kräftig« Vertretung der katholisch« Interessen hat Fürst LadiSlauS OdeScalchi in einem Schreiben an die katholischen Geistlich« des Nyitra-Ujvarer Dekanates, welche dem Fürsten für fein mühevolles und erfolg­reiches Wirken hinsichtlich des Nagy - Tapolcsanyer Katholikentages gedankt hatten, folgendermaßen sich ge- äußert: „Die wahrhaft konservative Politik ist jene, welche Alles, was ein Zerwürfniß herbeiführen kau», meidend, alle Kräfte für die Verwirklichung einer hohm < Zieles zusammenfaßt. Unser Ziel aber ist die Sicherheit ’ der Vaterlandes und unserer Ratio«, die Festigkeit deS 5 Altars und aus diesem fließend die Hoheit des Throne» i und der Krone. Allein die Verkündigung der Prin- I zipi« genügt nicht. Wir wüsten im ganzen Lande eine große, mächtige Partei sammeln, die für Regie­rungen als Basis dienen könnte. ES laste sich Nie­mand die Mühe verdrießen» eS suche Jeder daS Bost auf, unterrichte es, kläre eS auf und eifere eS an; es mache jeder Berufene dem Volke begreiflich, daß im konstitutionellen Kampfe, bei den Wahlen von feinem LebenSintereste die Rede ist, daß dies keine - Unterhaltupg ist, sondern eine ernste Entscheidung über l sei» uud deS Vaterlandes Schicksal. Zum Zwecke ' dieser Parteiorganisation hat sich für diese Gegend

S-Topolcsavy und Zsambokret) da» ständige Exekutiv- e der künftigen Mittelpartei unter meinem Prä- \ sidium konstituirt, das sich mit feiner Wirksamkeit \ auf die Nagy - Tapolcsanier und Zsambokreter Bezirke

■ rollte. Sie küßte Ottilie herzlich auf Stirn mch ' Wange und flüsterte ihr einige bewundernde Worte in’» Ohr.

l Auch die beiden Herr« wurd« mit gewohnter ’ Liebenswürdigkeit bewillkommt.

i Doris trug schwarze Seide mit kostbarem Spitzen« besatz; eine Theerose im Haar und auf der Brust bildeten ihren einzigen Schmuck. Ihre Wang« warm vor Erregung mit zartem Roth überhaucht, — sie war eine vollendete Schönheit, neben der sich die liebliche, zierliche Ottilie wie ein Knöspchen an der Seite der vollMtfalreten Zentifolie auSuahm.

Waldner entledigte einen Prachtstrauß, auS duftig- rothen Rofm und Vergißmeinnicht gefertigt, seiner Hülle und überreichte ihn Doris.

ES erfüllte ihn mit Stolz und Glück, als ein Sttahl freudigen Dankes und warmer Zuneigung aus ihrem Auge ihn für fein Geschenk lohnte.

Jndesten entging eS dem Blicke der Liebenden nicht, daß eine gewisse Unruhe und Hast ihre Handlung« ‘ beherrschte, war um so mehr befremdete, al» Doris in \ letzter Zeit eine wahrhaft imposante Ruhe in Thun t uud Lasten zur Schau getragen hatte. Kaum warm ' die uöthigften Begrüßingkworte gewechselt, da mahnte ] sie auch schon zum Aufbruche nach dem Konzertsaale. 5 ES dünkte Waldner, daß ihr Arm in dem seinigm