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jv 183 Sonntag, den 12. August 1894. 21. Jahrgang

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Die Masövex der deutschm Flotts

Es kann der deutschen Ge-

*

der Manöver-AuSgang.

Maaren auf Kredit nur an solche ausländische Firmen zu liefern, über deren Zuverlässigkeit und ZahlungS- fähigkeit sie zuvor sorgfältige Erkundigungen bei ver. trauenSwertben SuSkunftSstellen eingezvgen hat.

• Verschiedene militärische Verbände haben in der letzten Zeit einen unentgeltlichen ArbeitKvachtoei» für die vom Militärdienst auSscheidendeu Reservisten eingerichtet. Dieses Unternehmen ist sehr dankenswerth und sollte von deu Arbeitgebern unterstützt werde«. Ein Rundschreiben, daS der „Verein ehemaliger Garde- füsiliere" im Interesse des von ihm gegründeten Ar­beitsnachweises einer Reihe von JnnungSmeistern ver-

visten, sonder« auch in dem der JnnungSbestrebungen im Allgemeine» liegen wird, wenn die aus guter Zucht kommenden junge» Männer den JnnungSmeistern zu- geführt werden, damit sie sich nicht sofort wieder de« Großbetrieben zuwendea und dort der Partei der Zucht­losigkeit in die Hände fallen und deren Umsturzbestreb­ungen unterstützen helfen, hegen wir die Hoffnung, daß Sie die in Anspruch genommene freundliche Unterstützung einer Einrichtung nicht versagen werden, durch die wir hoffen, eine gute kameradschaftliche Idee in die Thal umzusetzen." Den Bestrebungen deS Vereins ist das beste Gedeihen zu wünschen; neben der Vermittelung von Handwerkerstellen sollte aber auch der Rückkehr der Ausgedienten auf daS Land Aufmerksamkeit zugewendet

werden.

• Die Kommission für Arbeiterstatistik hat nunmehr dem Reichskanzler ihre» Bericht über die Frage der Regelung der Arbeitszeit in den Bäckereien und Konditoreien erstattet. Derselbe umfaßt in dem Abdruck des.Reichsanzeigers' mehr als 5 Seiten. DaS amtliche Blatt bemerkt dazu: Selbstredend sind die in dem Bericht gemachten Vorschläge für dm Reichskanzler nach keiner Richtung hin bindend. Ob und war nunmehr zu veranlassen sein werde, wird viel­mehr lediglich von der Prüfung und Entschließung der Reichskanzlers abhängen. Trotzdem siud wir der Ansicht, daß die Veröffentlichung des Berichts sich aus mannigfachen Gründen empfehle. Bor allem begrüßm wir sie um deswillen, weil nunmehr der öffentlich« Meinung und insbesondere den zunächst beteiligt« Kreisen ein authentisches Material vorgelegt und da­durch Gelegenheit geboten wird, sich mit den gewachte« Vorschlägen bekannt zu machen sowie dazu Stellung zu nehme».

* Der Parteitag der freisinnige« Volttpartei ist auf deu 23. September einberufen. Bekmvtlech ist dafür ein Programm-Entwurf avSgearbeitet worden, dessen rechtzeitige Beröff.'ntlichunz die ,Freis. Ztg.' in Aussicht stellte; bisher ist aber die Veröffentlichung nicht erfolgt. In der ebenfalls freisinnigen »Berliner

Deutsches Reich.

Berlin, 10. August

forderlich macht, so ist bei der Marine ein erhebliches Schiffsaufgebot wenigstens von Zeit zu Zeit nicht zu umgehen. Die Kosten dieser Friedensübungen sind natur- gemäß nicht gering, sie werden indessen ausnahmslos in allen Staaten angewendet. Mir sehe» i» England Seemanöver von einer Schiffszahl ausgrführt, die größer ist, als die gesammte Flotte deS Deutschen Reiches, und Frankreich bemüht sich, England in dieser Be- ziehung noch in den Schatten zu stellen.

Man sollte weinen, in England etwa, daS schon feit Jahrhunderten über eine mächtige Kriegsflotte ver­fügt, müßte man nachgerade doch so weit kommen oder vielmehr schon gekommen sein, festzustellen, wie im Ernstfälle die vorhandenen Kriegsschiffe verwendet werden müßten. AuS einer solchen Thatiache würde die andere dann folgen, daß diese sommerlichen Schiffs- Übungen eingeschränkt werden könnten. Indessen dahin kommt man doch nicht. Menn im Militärwesen eine außerordentlich weitgehende Umwälzung, eine Neu­gestaltung und Abschaffung veralteter Bestimmungen eingetreten ist, so ist diese Reform in der Landarmes noch gar nicht mit den technischen Neuerungen zu ver­gleichen, die in der Marine Platz gegriffen haben. Ungefähr ist man in der Landarmer doch zu einem gewissen Abschluß gekommen, und die Berbesseruug deS heutigen R prtirgewehreS wird keinen solchen Schritt mehr machen, tote derjenige war, der vom Zündnadel- ? gewehr bis zur heutigen Schußwaffe des Fußvolks | ~

Methan worden ift Ander« bei der Marine, wo eine 5 * Die Rückkehr des Kaiser» nach dem Neuen Palms

Neukonstruktion der Schiffskolosse sofort eine andere bei Potsdam erfolgt am Freitag, den 17. b. Mts. Konstruktion wachruft, die andere Voraussetzungen für j Am darauf folgenden Tage nimmt der Kaffer die daS Gefecht bedingt und umfangreiche Einübungen er- i Herbstparade über dasGardekorps auf dem Tempel- fordert. So kommt man in der Vervollkommnung der \ Hofer Felde bei Berlin ab. Gestern wohnte der Kaffer Kriegkwaffe« der Marine Schritt für Schritt vor- an Bord deS „Meteor" der Wettfahrt zwischen der wärts, aber vom Ende mag man noch sehr weit ent- j „Britannia" des Prinzen von Wales und dem „Btge- fernt sein - lernt" bei. Sieger war „Bntanma".

Darin liegt, schreibt da« Mainz. Journ.', der? * Reichskanzler Gras Caprivi wird am 26. August Grund für die Nothwendigkeit der nimmer endenden ] zum mehrwöchigen Kurgebrauche m Karlsbad em- SchiffSübungen im Frieden. Deutschland hat gegen treffe».

früher eine erheblich stärkere Kriegsmarine, | * Nachstehende Warnung enthält der ,Reichs-'

schon die vermehrten Ausgaben unserer Flotte br- l anzeiger': Trotz vielfacher in der Presse erfolgten

»iito SRotfrtito ; gründeten die Vermehrung, aber der Bestand der Schiffe Warnungen komme» immer wrederFälle vor, m den«

jyierz« emv sich doch immer in gewissen Grenzen halte« und deutsche Geschäftstreibende durch leichtsinnige Kredit-

,^ch halten müssen. Unsere Hauptkraft liegt in der gewährung an unredliche ausländische Firmen empfind- ______ , v v Landarmee, die Marine wird immer die Aktionen lichen Schaden erleiden. Es kann der deutschen G§- erlangen in diesem Jahre eine ganz außer«-wohnliche, i der letzteren mindestens indirekt unterstützen müsse» und schäftSwelt nAt dringend genug empfohlen werden, bisher nicht dazewesene Ausdehnung. Der Grund dafür kaum in die Lage kommen, durch selbständige siege ««f ffrphit nur an lolcke anslandilcke Ktrmen

ist vor allen Dingen in der starken Vermehrung unserer den Krieg zu entscheid«. In einem Kriege mU Frank-

Kriegsschiffe im Laufe der letzte» Jahre zu suchen; » reich oder Rußland, in welchem dock unsere Marme denn wenn ein starkes, kriegsbereites Material vor- ; eigentlich nur eine Rolle spielen kann, kann die deutsche i Hayden ist, muß auch seine praktische Anwendbarkeit 3 Flotte nicht daran denken, nach Cherbourg oder Brest erprobt werden. Die deutsche Küstenlinie, die es in - in Frankreich oder nach Kronstadt m Rußland zu einem Kriege zu vertheidigen gilt, ist von außerordent- i dampfen und eine Beschießung der feindliche» See- lichem Umfange, die heimischen Gewässer sind keiner- f f-stung« zu beginn«. Wir würden damit d,e eigene Wegs so einfach, daß sie nun ohne Weiteres übersehen Küste von Vertheldigern entblößen und für werden und für den Ernstfall wichtige Anordnung« s den AuSgang deS Krieges wäre auch eine Einnahme sicher auf «rund von theoretisch« Grundsätzen getroffen - der feindlichen Küstenplätze, die aber doch schon z» den werd« könnt«. Wie eine starke Armee die Verwendung - Unwahrscheinlichkeit« gehört, mcht bestlmmmd. _ Die , h

von entsprechenden Truppenmassen im Manöver er- \ deutsche Flotte kann m unseren Gewässern eine feind- i sandt hat, führt aus. „Bon der A stcht ausgehend, forderlich macht, so ist bei der Marine ein erhebliches liche Angriffsflotte schlagen, aber ihr Hauptzweck - daß eS nicht allen,^"?^3^effe d« e^

------ tojrb nicht in der Erringung von Siegen i k------

über feindliche Seestreitkräfte zu suchen - sein, sonder» in dem wirksamen Schutz; unserer Küste. <

Der Streit darüber, ob Panzerschiffe eine wirk­samere Kriegswaffe der Marine oieten als Torpedo­boote, ist noch »icht zum Abschluss- gediehen, und Deutschland wird bei seiner jungen Marine kaum i« die Lage kommen, hier eine endgiltige Entscheidung zu treffen. Frankreich ist in erster Reihe mit Eifer auf den Bau von großen gepanzerte» Schlachtschiffen be­dacht, für welche Maßnahme an erster Stelle der Vor­gang Englands ins Feld geführt wird. Diese Begründung ist aber nicht die einzige, er wird auch, wie bei allen militärischen Dingen, die von Paris aus angeordnet werd«, mit auf Deutschland Bezug genommen.

Jung an Jahren, aber hoch an Ansehen ist für- wahr die deutsche Flotte, und sie wird auch bei den diesjährig« Uebungen sicher ihrem Rufe Ehre mach«. An unseren Küsten und in unserer Küstenvertheidigung ist sicher daS Meiste geschehen, aber die Probe auf das Exempel bleibt doch roch übrig, und diese erbringt eben

Im Mandel des Geschickes.

Novelle von Erich Krafft. (Fortsetzung aus der Beilage.)

Gar oft muß nämlich ein Augenblick der Gefahr - der Dolmetscher unserer Gefühle sein. Liebe und Neig« r ung, von äußeren Umstände» und kluger, b rechnender ' Weltanschauung gezwungen, flüchten nicht selten in die Tiese deS Busens, und vielleicht würde zuweilen ihre | Wiege auch ihr Grab sein, wenn nicht eine plötzliche - Gefahr deS geliebten WesmS alle unsere Empfindung« , und Sinne in wilde» Aufruhr und jäheS U-berschäumen : versetzte und derart mit Zurückdrängung der streng« s Selbstbeherrschung unsere schlummernden Gefühle an i den Tag brächte.

So kam eS auch mit Doris. Nie hatte sie etwas ; anderes als ausgesuchte Freundlichk-it und Liebens- - Würdigkeit gegen Theo bewiesen. Daß ein tieferes l Gefühl für ihn sie beherrsche, hatte sie noch niemals gezeigt. Aber jetzt änderte sich die Sache. Er tonnte ; nicht bloß Freundschaft sei», waS aus ihrem Benehm« hervorleuchtete, als sie nach der Katastrophe in EmS j am Tage darauf aus daS Waldgehöst kam, um sich persörlich nach Theo''- Ergehen zu erkundigen. AlS sie i ihm mit bebenden Lippen für dir Errettung ihres f Kindes dankte und dabei in tiefer Bewegung seine Hand ergriff, da lag in dieser innigen Berührung seiner

Rechten, in dem Klange ihrer Stimme, in dem feucht« Glanze ihrer Augen eine Zartheit «nd T'efe, die mehr als gewöhnlichen Antheil an ihm verrieth«. Waldner hätte sich mit der Lerche, die vor seiner Wohnung a«S grünem Anger aufstieg und an ihren jauchz-ndhellm Trillern sich pfeilgeschwind in den klar« Aether empor­schnellte, jubelnd zum Himmel schwingen mögen, so wonnig toar'S ihm bei dieser Gelegenheit um's Herz. Nach langem, langem Schn« und Ringen vermeinte er endlich daS hehre Ideal erreicht zu haben, daS er schon einmal als verlor« beweint, daS sich aber in letzter Zeit wieder verlockender und begehrenSwerther als jemals vor seinen Augen aufgethau hatte. —

„Beehr« Sie uns morgen Abend um halb 7 Uhr durch Ihre und Ottiliens Anwesenheit bei einer kleinen Soiree, die im Lesesalvn unseres Gasthofes abgehalten wird", schrieb Frau von Alden einer TageS an Theo. „Herrn Dr. Lindlcr habe ich gleichfalls durch ein B.llet zu mir bitten laff«. Ein ungarischer Graf Szachioni wird nämlich ein Violinkonzert geben. Er ist Virtuos im besten Wortsinne und intereffant in jeder Hinsicht. Ich erwarte Sie ganz sicher."

Ottilie stand dem Festabend mit zwiefachen Gefüh­len gegenüber. EineLtheffS freute sie sich darauf, andern- thrils aber bangte ihr ein wenig, mit einem Male mitten in einem Kreise hochfeiner Salondamen und Herren aufzutrete».

„Ach Gott, Tante," meinte sie, als tb« ihre Toilette im Ganzen und Großen vollendet war und Tante Elise einen Strauß hochrother Granatblumen in ihren gol­digen Lock« befestigte und eine kleine Guirlande von denselben Blüthen um Nack« und Brust wand — „ich fürchte mich zu sehr vor dieser SoirS."

„Nicht nöchig, Kind. Du kannst Dich genügmd in jeder Gesellschaft bewegen, wen» Du Alles g mm beobachtest. war ich Dir gesagt. UebrigenS ist ja auch > Theo bei Dir, der Dir über jede Gelegenheit hinaus- i helfe» wird."

> „Nicht wahr, Tantchen, wenn Herr Dr. Lindler | mich zu feiner Dame und Tischnachbarin wählt, darf i ich sein Engagement annehmen?"

„Gewiß und darsst auch nach Herzenslust mit ihm plauder«. Lindler ist nach der Schilderung Deines Bruders ein guter, einfacher und natürlicher Herr und Du brauchst deshalb nicht zu fürchten, daß Du ih« l mit Deinem kindliche» Geplauder langweilst."

Ottilie lächelte zufrieden. „Diese unangmehm« ; langen Handschuhe," klagte sie int nämlichen Augen- j blicke und schüttelte etwas unwillig ihre Arme. „Ich - mag sie gar nicht leiden in dieser Länge. Wann darf ? ich sie auSziehen, Tante?"

| „Gar nicht, mein Liebchen, höchstens während deS Soupers."

l Tilly machte ein recht ungrädigeS Gesichtchen. Allem