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FiildacrMZeitllng

jV 182 Samstag, den 11. August 1894. 21. Jahrgau.

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Waldner beruhigte ft« und erkundigte sich theil- lehmend nach ihrem Schicksale, während sich Ottilie

hiaabsinkt.

Klang der Zigeunerin der Ton, dessen Ottilie sich bediente, dir Begeisterung, die ihre Worte hob, im Verein mit der Lieblichkeit ihrer Erscheinung wie ein Wink von oben, oder sah sie nach der ersten Aufregung ein, daß ihr Gebühren nur schadenbringend sein könnte, — genug, sie entzog Ottilie ihre Rechte nicht mehr und ließ sich ihre tröstenden Zusprüche gefallen.

„Verzeihen Sie", bat die alte Mutter, „tomn meine Tochter Sie hart anfuhr. Ach, sie hat zu Schlimmer erlitten von Leuten Ihrer Stammes und

♦ Kaukerotte Staate».

I« den letzten Tagen haben wir mehrfach von dem bankerotten Griechenland und von Maßregeln Deutschlands gegen dasselbe zum 5 Schutze deutscher Kapitalisten sprechen müsiev. In den letzten Jahren haben überhaupt mehrere Staaten gezeigt, daß die drückenden Lasten ihrer Schulden sich am raschesten erleichtern lassen nicht etwa durch beschleunigte Tilgung oder durch Konversionen, sondern einfach durch ein­seitige Herabsetzung der vertragsmäßigen Zinszahlungen. Mit dieser Art von Staats- bankerott sind Argentinien, Portugal und Griechenland vorgegangen, ohne darin von den geschädigten Glänbigern irgendwie behindert worden zu sein, und einige andere Staaten, zunächst Mexiko, find im Begriff, zu folgen. Am 23. März 1888 emittirte S. Bleichröder in Berlin für 210 Millionen 6procentige mexikanische Staatspapiere zum Kurse von 78'/., und da er gelang, daS exotische Papier fast bis zum Parikurse hinaufzutreiben, so brachte daS genannte HauS am 9. September 1890 eine neue 6procentige mexikanische Anleche in Höhe von 122,4 Millionen Mark zum Kurse von 93»/< auf den Markt. Heute stehen Mexikaner wenig über 581. 68 hat demnach daS deutsche Kapital an den beiden mexikanischm An­leihen einen sehr erheblichen Verlust erlitten, und wer bisher noch nicht so klug gewesen ist, daS Papier loS- zuschlagen, wird noch weitere Verluste zu gewärtigen haben. Nach einer Darlegung des „Deutschen Delo« nornist" stehen der mexikanischen Regierung nur zwei Wege offen, um ihren Etat auszubessern: entweder maß sie den Dienst der auswärtigen Schuld überhaupt einstellen oder aber den europäischen Gläubigern Zahl­ung in mexikanischer Währung leisten. In letzterem Falle würden die Gläubiger fortan ungefähr 45 pCt. der fälligen Zivfen erhalten. Wenn der Julikoupon »och pünktlich bezahlt wurde, so beweist daS nichts, da bei den letzten Anleihen dar Haus.Bleichröder be- trächtliche Summen für die Kovpontermine zurück­behalten hatte. Diese Reserve dürfte über kurz oder lang erschöpft sein, und auch mit Mexiko wird man die Erfahrung machen, daß Staaten mit unzulänglichen Einnahmen die Zinsen nur so lange zahle«, als ihr Kredit fließt. Erhalten sie leinen neuen Kredit mehr, so stellen sie auch die Zinszahlung ganz oder theil« weise ein. , „ .

Wir Deutsche zahlen für unsere 2 Milliarden Reichsschulden gegenwärtig schon über 70 Millionen Mark Zinsen jährlich. Daran trägt allein die liberale Militärpolitik die Schuld. Wenn sie nun wieder das Kriegsbeil auSgräbt, tun in den Kampf zu ziehen für eine Vermehrung und Verstärkung un­serer Flotte, so drängt sie zugleich auf eine Ver­größerung unserer Reichsschuld und damit auf eine Erhöhung der Zinsen hin, anstatt durch weise Spar­samkeit auf eine Verminderung derselben und Tilgung des Schulkapitales hinzuarbeiten. Allein davon kennt

Im Wandel des Geschickes.

Novelle von Erich Krafft.

(6. Fortsetzung.)

Ottilie preßte sich enger an den Arm ihres Bruders. Dar tiefschwarze Gluthauge der Zigeunerin schien sie durchbohren zu wollen.

„Meine Schwester hielt Euch für hilfebedürftig und möchte Euch gerne beispringen," antwortete Theo.

„Ihr uns helfen?" Ein Blitz der Feindseligkeit flammte abermals über das Antlitz der jungen Zigeu­nerin, heiseres Lachen schrillte aus der Kehle. „Ihr nnS helfen? Mutter, diese Menschen geben vor, u»S armen Zigeunern gut zu sein. Ha, ha, ha! SIS wenn sie nicht unsere geborenen Feinde wären! Pfui, Ihr heuchelt, ich hasse, ich verabscheue Euch!"

„ToreSka, ToreSka," mahnte die Alte und legte beschwichtigend ihren Arm um die Taille der Tochter.

Auf der Stirne des Forstmannes schwollen die ZornrSadern ar. Eine harte Antwort schwebte auf seinen Lippen.

„Laß sie," flehte Tilly. „Sie hat ohne Zweifel schlimme Erfahrungen hier zu Laude gemacht. Ich will

tsnti* ffinwn» und Ätietütae ausaenoonneu. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechest»« Rabatt. »ierteljährliMlbo^n?«® t3pte^s vhn^NinAohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pf«mg.

sie zu begütigen suchen." • 1 '—,----— -— „ -.

Die Angst, die anfänglich daS Herz der jungen hegt deshalb gegen alle einen bösen Argwohn unö Mädchens zusammengeschnürt, war durch die Wuth der Mißmuth." hilflosen Zigeunerin zu innigem Mitleid umgewandelt worden. Dirs s aber machte sie tapfer. Zum großen

unser Soldaten- und KanonenliberaliSwuS anscheinend nichts. Er ruht nicht, bis unser herrliches Deutsch­land in dm Reihm jener bankerotten, verachteten Staaten steht.__________________________________________

Deutsches Reich.

Berlin, 9. August.

* Bon zuständiger Seite ergeht folgende Mahnung: In der Tagespresse werden neben den Mittheilungen über Erkrankungen an Eholera vielfach auch Nachrich­ten über choleraverdächtige Krankheitsfälle gebracht. Da von den letzteren in der Regel ein Theil später als nicht auf Cholera beruhend erkannt wird, läßt die Ver- öffentlich«»»« aller Berdachtsfälle den Gesundheitszustand ungünstiger erscheinen, als er thatsächlich ist. Hieraus erwächst für den Verkehr, namentlich nach dem Aus­lande hin, die Gefahr empfindlicher Belästigungm und eS liegt daher im Interesse des Verkehr-, nur verdäch­tige Krankheitsfälle von den Veröffentlichungen auSzu- schließen.

• Die im ,Reichsanzeiger' am Freitag erschienene, von uns mitgetheilte Abrechnung über die auf Grund der lex Huene an die Kommunalverbände vertheilten Ueberweifuuge« aus de» Erträge« der Getreide- «ud Viehzölle für 1893—94, die übrigens gegen den Etatsansatz um etwas mehr als 4 Millionen zurückge- blieben waren, wird die vorletzte ihrer Art fei«. Rur noch für das laufende Etatsjahr, für daS ebenso wie für 1893—94 der Etatsanschlag der an die Kommunalverbände fallenden Ueberweisungen auf 34 Millionen festgesetzt ist, wird eine gleiche Rechnung nothwendig sein. Dann wird die lex Huene und mit ihr der Etatsansatz 17 der Kapitals 43 „Apanagen, Renten, Abfindungen, Zuschüsse rc." »m Etat der All­gemeinen Finanzverwaltung verschwinden. Vom 1. April 1895 ab verbleiben, nachdem der Staat auf die Erhebung der Realsteuern verzichtet hat, die Er­träge aus den Zöllen gänzlich der Staatskasse. Nicht ganz zehn Jahre wird der lox Huene alt werden. Sie datirt vom 14. Mai 1885 und ist gleichzeitig mit dem Gesetz über die Sendern«« deS Zolltarifs im Reiche am 1. Juli 1885 in Kraft getreten. Genau wird ste also 93/< Jahre Gültigkeit haben. Sie hat die ver­schiedensten Ergebnisse gezeitigt. DaS Schwanken der Ueberweisungen kann man schon aus d-n Etatsansätzender verschiedenen Jahre ersehen. Für 1888—89 belief sich der Ansatz, nachdem er 1887—88 auf 18 Millionen normirt war, auf 15 Millionen, für 1889—90 auf 23, für 1890—91 auf 25, für 1891—92 auf 35 und für 1892—93 auf 41,4, um später wieder zu fallm. Die wirklichm Ueberweisungen schwankten ebenfo und haben selten annähernd mit den Etatsansätzen über­eingestimmt. , ,

* Fürst Bismarck hat sich nach langer Ze,t,n Barzin wieder anSsragen lassen. Die politische Aus­beute diese- Interviews ist jedoch kaum der Rede Werth. Der AuSfrager, ein Rationalliberaler, wollte die An- Erstaunen Theo'S trat sie auf ToreSka zu und wollte ihre Hand ergreifen. Diese zog ihre Rechte zurück und sah Ottilie trotzig und herausfordernd an.

Emen Augenbick zögerte Fräulein Waldner. Dann aber senkte sie ihr fanfteS blaues Auge bittend in daS Auge der Zigeunerin und versicherte ihr in warmm einschmeichelnden Worten, daß ste nur ihr Bestes wolle. Und merkwürdig, diesmal erfolgte kein neuer Wrtth- auSbruch ToreSkaS. Anfänglich zuckte eS noch wie befremdetes Staunen über ihre Züge; dann aber schwand die ZorneSröthe von ihren braunen Wangen, wie die rosig angehauchte Wolke im Westen ihre Farbe verliert, wenn Der Sonnenball unter den Horizont

ficht des Fürsten Bismarck über Maßregel« gegen die Anarchisten wissen, worauf Fürst BiSmarck ant­wortete, man müffe es mit den Anarchisten so machen, wie mit den Schweinen in Barzin, man müsse fie ein sperren. Bon internationalen Maßregeln und Vereinbarungen gegen die Anarchisten hielt Fürst BiS­marck nicht besonder- viel; wem» nur jeder Staat innerhalb seiner Grenzen gehörig dafür Sorge trüge, daß keine anarchistischen Komplote anSgeheckt würden, dann würde bald wieder Ruhe und Ordnung in daS Land zurückgekehrt sein. Man fieht, daß Fürst Bis­marck in Betreff der internationalen Behandlung der Anarchistenfrage eines Sinnes mit feinem Amtsnach­folger Grafen Caprivi ist. Was das Einsperren der einheimischen Anarchisten angeht, so wäre daS Mittel freilich probat — wenn man nur die Anarchisten eben so leicht erkennen könnte, wie die Schweine in Barzin. Wenn auch die Anarchisten borstige Gesellen find, so tragen fie doch keine so auffälligen Erkennungs­zeichen wie das Borstenvieh.

* Daß ein Schuldotatiousgesetz dem Landtage in der nächsten Session vorgelegt werden soll, berichtet jetzt auch die ,Mil.-Pol. Korresp.' Das Staatsministerium habe sich allerdings mit dem Plane noch nicht be­schäftigt.

* Wie den ,Berl. Neuesten Nachr.' von einem Augenzeugen aus Stendal mitgetheilt wird, ist die Thatsache, daß Graf Herbert Bismarck, von Schön­hausen kommend, dort am 1. August den Vormittags- Schnellzug nach Hannover bestieg, in welchem sich der Reichskanzler befand, vollkommen richtig, ebenso, daß der Letztere sich am Buffet des Bahnhofes fich ein Butterbrod kaufte und eS auf dem Bahnsteig verspeiste. Eine Begegnung mit dem Reichskanzler habe iudeß nichtstattgefunden.

* Die letzte für Cüdwestafrika befhmmte Verstär- kungs- Mannschaft ist telegraphischer Meldung zufolge am 17. Juli an der Tsoachank-Mündung glücklich ge- landet. — Major v. Francois, sowie Premier­lieutenant v. Francois treffen auf der Heimreise in den nächsten Tagen in Liverpool ein.

* Die Ernennung der Grafen v. Zedtttz-Trützschler zum Oberpräsidenten von Schlesien ist angeblich jetzt zweifellos und soll im September erfolgen, sobald nach Rückkehr sämmtlicher Minister die erste Sitzung des GesammttninisteriümS abgehalten werden kann.

• Die sozialdemokratische Agitatorin Fräu­lein Wabuitz, die jetzt ihre zrhumonatliche Sefänguiß- strafe wegen Majestätsbeleidigung angetreten hat, er­klärt wieder, tut Gefängnisse nichts essen zu »vollen, wie fie daS bereits früher gelegentlich der Verbüßung einer andern Strafe gethan hatte. Damals hatte man sie dem Jrrenhause übergeführt, wo fie daS freiwillige Fasten aufgab. Diesmal wird die Sache wohl ebenso ablaufen.

* Als „Deutsche Druckerei-Aktiengesellschaft" hat sich daS Unternehmen konstituirt, welches die Ver­legung der Druckerei deS Reichstags-Abgeordneten Dr.

mit ToreSka beschäftigte. Die Arme wurde bald zu­traulich und schenkte der Müllerstochter ihren Seerosen­kranz.

„Wir waren nicht immer so arm und verlassen wie jetzt", begann die Alte zu Waldner. „Der Satte meiner Tochter, der kein gewöhnlicher Zigeuner ist, sondern einer der ersten Familien unsere- Stammes entsproßte, erwarb uns reichlichen Unterhalt mit seiner Musikkunst."

„O, er spielt so schön, so schön", siel ToreSka ein! „und jeden Abend wiegte er mich mit seinen himmlischen Tönen in den Schlaf, und allmorgenS war sein erster Äruß ein Sieb. Doch sitzt ist Alle-, Alles ouS!"

„Unterbrich mich nicht! bat die Mutter. „Wir zogen durch Ungarn und Oesterreich, waren froh und glücklich. Ja einem Dorfe Böhmens wurden wir mit einem Grünrock bekannt, wie Sie ein solcher sind." ..

ToreSka- Augen flackerten wieder m einem wilden Feuer.

„Er rhat sehr freundlich mit uns und machte meiner Tochter viele Geschenke. Mein Schwiegersohn Jsani schöpfte Verdacht, und ToreSka wich auf mein Anrathen dem Grünen möglichst aus. Einer TageS aber kam er zu uns, begann mit meiner Tochter schön zu thun, und ehe sie eS verhindern konnte, hatte er sie um den Leib gefaßt und geküßt. DaS Unglück wollte,