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ident Dr. Weierle

* Der tttti

bringen. Sie besaß außergewöhnliche Güte; Zudring­lichkeiten abzuweisen und harte Strafen zu verhänge«, lag nicht in ihrer Art. Die Mutter der beiden Kinder, Elisen- Schwester, hatte das Lebe« eingebüßt, al- Ottilie zur Welt kam. Au- Liebe zu den hülflose« Kleinen entsagte Elise, die damals noch jung und schön war und alle Ansprüche an da- Leb« hatte, einer ligenen glänzenden Zukunft und widmete sich ganz der Erziehung ihres zehnjährigen Neffen und ihrer kleinen Nichte. Der Kater der Geschwister war auS Gram über den frühru Tod seiser Gattin etwas menschenscheu und hart geworden, so daß er mehr seinem Geschäfte als seinen Kindern lebte. Die Tante, Theo und Dttitte bildeten in Folge hiervon eine Familie für sich, die wohl von keiner andern an Liebe und Anhänglichkeit übertroffen wurde. Nicht allein daß sich die Geschwister inniger, als es sonst wohl der Fall ist, aneinander» ge chlossen, sie liebten und verehrten auch in der Tante eine zweite Mutter. Noch jetzt, als erwachsener Jüng­ling, vertraute Theo Frl. Waldberg, - dieß war der Name der Tante, — Leid und Freud, — und T,lly? Sie war der Tante Augapfel. Fräulein Waldberg hatte alle Künste ihres reichen Frauenherzenr auf die Erziehung deS jungen Mädchens verwandt; sie hatte fogar einen The,l ihres Unterrichts felbst geleitet. So war Ottilie recht gut erzogen, aber als ausgesprochener Liebling der Tante auch etwas verwöhnt worden.

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Im Wandel des Geschickes.

Novelle von Erich Krafft.

(5. Fortsetzung.)

„Wie bestimmt Du dos behauptest! Meinst wohl, ich glaubte es Dir so ganz? Nau, wir werden ja sehe«. Du sollst mir sofort eine Probe für die Wahr­heit Deiner Behauptung bestehen."

Mit tiefen Worten zog sie die eben angekommene Kurlifte vom Bad Ems aus der Tasche, hielt sie ihrem Bruder dicht vor die Augen und zeigte auf folgende Zeilen:

„Frau Professor Toris von Alden mit Sohn auS Wien."

Theo entfärbte sich leicht; dann aber stieg ihm eine glühende Röthe bis tief in die Stirne.

„Wirklich?" stotterte er. „Nun ja, was ist denn da Sonderbares daran? Frau v. Alden wird die Kur zu ihrer Erholung nöthig haben."

„Gefangen, gefangen," jubelte Tilly. „Bist ja er« röthet wie ein Backfischchen, um mich Deines eigenen oft gebrauchten Ausdruckes zu bedienen. Ich hatte also recht, ich wußte eS von vornherein!"

„Lasten wir tag," meinte ihr Bruder im Tone der Besiegten. „Aber Kind, wo bist Du wieder herum» geschweift? W-e siehst Du aus?"

Er deutete auf ihr loses Haar, das sich zügellos

• Elberfeld, 7. Aug. Bor der Ferienstraftammer kam die Sache des protestantischen Pastor- a. D. J d el von Velbert zur Verhandlung, welcher angeklagt war, durch seine Broschüre „Reformation an Haupt und Gliedern" (Velbert, 1894) die christlichen Kirchen beschimpft und namentlich Einrichtungen der katholische« Kirche verächtlich gemacht zu habe« (§ 166 de- Straf­gesetzbuch-). Der Angeklagte wurde zu einer Woche Gefängniß, der Drucker zu zwei Tagen verurtheilt, und die Bernihtuvgder noch vorhandenen Exemplare verfügt.

Ausland.

deutsches Keich.

Berlin, 8 August.

* Die avgeküodigte Aenderuug de» preußische« tBersammlmrg»rechte» wird in der liberalen Presse fast einmüthig verurtheilt. Die konservative Preste wird ihr wohl mit Au-nahme einiger volksthümlicher und freier denkender Blätter zustimmev. Der ,Reichsbote' schweigt noch. Dagegen weift die .Kreuzztg.' darauf hin, daß die Regierung, wie sich aus der sozialen Gesetz- !,ebu«g der letzten z-hn Jahre ersehen lasse, weit ent» ernt sei von der Meinung, allein mit polizeiliche« Bor» chriften etwa- erreichen zu können; da- schließe aber nicht au-, daß auch den Ausschreitungen in Versamm­lungen nnd in der Presse schärfer als bisher entgegen» getreten werde. Da- Blatt scheint also auch eine Ver­schärfung de- Preßgesetze- zu erwarten. Im Uebrigen meint e-, e- handle sich wohl mehr nm einen Fühler. Ganz entzückt ist die freikonfervative.Post', die in Letzter Zeit mit erstaunlicher Ausdauer einer „gesetz­geberischen Aktion" gegen die Sozialdemokratie da- Wort geredet hat. Sie ist bereit- so weit, die ange­kündigte Beschränkung des Versammlung-rechte- nur al- „erste« Schritt" anzusehen, au- dem sich weitere von selbst ergeben würden. Man dürfe nicht auf halbem Wege stehen bleiben; wa- geplant werde, treffe nur eine Seite der Sache und laffe weite Gebiete der Agitation, namentlich da- der Preffe und der Propaganda von Mund zu Mund, unberührt. Wie sie die Propaganda »on Mund zu Mund verhüten will, verräth uns die .Post' vielleicht nächsten- (Beaufsichtigung jede- ein« zelnen Arbeiter- durch einen Polizisten?), vorläufig ist ihr Ausblick auf die Zukunft geeignet, zu doppelter Vorsicht gegenüber dem „ersten Schritt" zu mahne«. Diese Vorsicht ist für un- Centrum-leute um so mehr geboten, als die .Post' mit danken-werther Offen­heit herau-sagt, die verschärft« Bestimmungen deS VereinSgesetzeS würden „in der Regel" nur gegen die Sozialdemokratie, nicht gegen die bürgerlichen Parteien, Anwendung finden. „Sollten daneben aber auch einige demagogische Auswüchse anderer Art beseitigt werden, so wäre da- eben kein große- Unglück." „Demagogie" ist bekanntlich in dm Auge« mancher Leute jede poli­tische Thätigkeit, die mit der ihrigen nicht im Kartell steht. „Demagogie" trieben die Katholikm, al- sie sich gegen die Kuliurkampfgesetze wehrten. „EeutrumSdema- zogen" ist heute noch ein beliebter Ausdruck in der Änservativen und mittelparteilichm Preffe. Da- frei» konservative Blatt redet zur Beruhigung der bürger­lichen Parteien allerlei von der Äortrefflichkeit deS preußischen BerwaltmrgSrechteS, welche- mit seinen RechtSkauteln die Gefahr eine- Mißbrauche- der polizei­lichen Befugniffe ausschließe und dem Staatsbürger in seiner Rechtssphäre vollen Schutz gegenüber der Polizei gewähre. Im Kulturkämpfe hat un- leider da- Ver­waltung-recht wenig gegen die Polizeiwillkür geschützt. Wenn unsere Versammlungen durch die Polizei auS nichtigen Gründen aufgelöst wurden, fo nützte eine Be­schwerde „in der Regel" nichts; man war „nicht in

hat da-BedÜrfniß gefühlt, die katholikm- und kirchen- feindliche Politik feine- Kabiuet- vor feinen znm weit­aus größtm Theile kalvinifchen Wählern in Nagy- Banya zu rechtfertigen. Die Thatfache an sich ist schon intereflaut und fordert zu Reflexionen heran«. Wie die kulturkämpferische«, so hatten vor der Annahme der kirchmfeindlichen Gesetzentwürfe der Regierung auch die Organe der Letzteren beständig versichert, die über­wältigende Mehrheit der Volke- wünsche diese Vorlagen und die Regierung habe daher durch dar Einbringen derselben nur dem Drängm de- Volke- nachgegebm. Die beste Widerlegung dieser ebenso frivolen wie lüg­nerischen Behauptung hat jetzt Herr Äekerle selbst ge­liefert: wmn die Civtlehe und die übrigm Kultur­kampf-- Gesetze wirklich vom Volke gewünscht wordm wären, hätte der Ministerpräsidmt eS wahrlich nicht nöthig, nachträglich selbst zu deren Rechtfertigung da- Wort zu nehmm; eine solche wäre doch vor Annahme der Vorlage weit eher am Platze gewesm; wmn er sie daher jetzt noch für nothwendig hält, so ist da« doch ein Beweis dafür: einmal, daß im Volke keines­wegs die Beruhignng eingetreten ist, von der die Re» gieruugspreffe nach Annahme der Civllehe zu —schwin­deln wußte; und dann, daß die angeblichen Wünsche der Mehrheit deS Volkes nach Kulturkampf- • Gesetzen nicht- Ande»-- waren, al- eine plumpe Erfindung der Regierung-«, Juden« und Logevpresse.

* Pari», 7. Aug, Das Verhör im Prozesse der 30 Anarchisten wurde heute beendet, alle verwahre« sich entschieden gegen die Zugehörigkeit zu einer Ber- brecher-Genosseufchaft. — Nach einem CommunigaS des Präfekten der Departement des Gard ist m AigueS«Morte- wegen de- Zuzuges sremder Ar­beiter zu den Salinm, wie er jede- Jahr zur Zeit der Salzgewinnung statlfiudet, ein besonderer Sicherheits­dienst eingerichtet. Als unter dm angekommen« Fremden gestern Abend die Mmge neun Italiener erkannte, seien dieselben verhöhnt worden und sie hättm LigueS-Morte- verlaffen müssen. Mißhandlung« Fremder oder andere Zwischenfälle feie« nicht borge« kommen.

* Aus Marseille wird berichtet: Der Anarchist Rat ist von dem Gerichtshöfe im bmachbar en Aix zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt wordm.' Dieser Mensch hatte am 20. Mai den Oelfabrikant« Blanc hier Bormittags 11 Uhr am Quai der alten Hafens

der Lage", den Polizeibeamten zu rektifizir«, fondern gab ihm Recht. Und wenn unsere Vereine verbot« wurden, fo nützten Befchwerde und Berufung „in der Regel" ebenfalls nichts. Wa- hat es überdies für einen großen prakttschen Werth, wenn man nach einige» Wochen oder Monaten wirklich »fährt, die Auflösung einer Versammlung sei zu Unrecht erfolgt und dem Beamten „das Geeignete eröffnet" worden.

* Der Entwurf eines Gesetzes zur Reform de» Milttärstrafprozeße» soll, wie von verschiedenen Seiten behauptet wird, unmittelbar vor der Schluß«!» scheiduvg stehen und für den künftig« Militärstraf­prozeß die Mündlichkeit, Oeffentlichkeit, volle Berthei« digung und ein System von Rechtsmitteln zur Ein» führung Vorschlägen. Selbstverständlich erfordern die LebenSmteressm des Heeres gewiffe Einschränkungen, aber im Prinzip soll sich der Militärstrasprozeß in Zu­kunst von dem bürgerlichen Strafprozesse nicht mehr unterscheiden. Wie nun auch im Einzelnen der Ent­wurf noch gestaltet werden möge: daß endlich ein be« deutender Schritt vorwärts gethan werden foll, ist jedenfalls mit Freuden zu begrüßm.

* Der Fall vo« Kotze hatte vor der 142. Ab» theilung am Amtsgericht I ein gerichtliches Vorspiel. Der Betruges augeklagt war der Buchhalter Schmidt und der Kellner Jakob Zenner. Beide hatten sich der Familie des verhafteten Herrn von Kotze gegenüber erboten, den wirklichen Schreiber der anonymen Briefe zu nennen, falls ihnen für diese Leistungen eine Summe Gelder bewilligt würde. Sie erhielten thatsächlich etwa 300 Mark, nannten aber den Autor nicht, da sie ihn nicht kannten. Trotz ihrer Anonymität sind die Schwindler ermittelt Word«. Der Gerichtshof erwog bei der Straf­zumessung, daß es sich hier um eine reckt frivole That handele und daß Schmidt der Anstifter gewesen war. Dar Urtheil lautete deshalb geg« Zenner aus 6 Monate und gegen Schmidt auf 1 Jahr 6 Monate Gefängniß.

* Die Redemptoristen beginnen nach Bayern zurückzukehren. Am Sonntag den 5. dS. Ms. wurde in der Pfarr» und Klosterkirche GarS bei Wefsering am Jon die Eröffnung der Redemptoristenklosters, bezw. die Wiederaufnahme der Wirksamkeit der Herren Patres in feierlichster Weise begangen.

* Brei-lau, 7. Aug. Wie die .Schlesische Zei« tung' meldet, sand gestern in Brelschowitz, Kreis Zabrze, anläßlich einer Versammlung sozialdemokratischer polnischer Arbeiter ein arger Exzeß statt. Die Gens» darmerie feuerte und verwundete eine Frau tödtlich. Die Menge zerstörte «in HauS. Infanterie aus Beu» then stellte dir Ordnung her. Jetzt ist Alles ruhig; das Militär ist zurückgezogen.

• Köln, 7. August. Kardinal»Fürsterzbischof Dr. Srufcha aus Wien kam gestern hier an. Derselbe celebrirte heute Morgen in der Minoritmkirche am Grabe Kolpings die hl. Messe und wird der »Köln. BolkSztg.' zufolge heute Abend de» Sesellenvereiu mit einem Besuche beehren, welcher auS diesem Anlaß eine Festversammlung veranstaltet.

über Nacken und Rücke» ergoffen, und auf einen kleinen Riß am unteren Ende ihres Kleidchen-.

Jetzt war die Rolle der Vrrlegmheit unferm aller­liebst« Backfischchen zugefalleu.

„Ach, du lieber Himmel, waS wird Tante Elise dazu sagen?" seufzte fie ängstlich. „Und ich habe mich doch sehr in Acht genommen. WaS konnte ich aber auch dafür, daß mir auf dem Wege hierher zwei nied­liche Eichkätzchen aufstießen? Sie schlüpften von Baum zu Baum, von Ast zu Ast, und da bin ich ihnen so lange gefolgt, bis ich sie nicht mehr sehen konnte. Hierbei hat sich der Knoten meines Haares gelöst; aber wie dieses häßliche Loch in mein Kleid gekommen, weiß ich selbst nicht. O, die Eichhörnchen wäre» zu schön, Theo, Du hättest sie sehen sollen 1“

Dabei versuchte sie, ihr Haar wieder aufzunesteln, stellte sich aber so ungeschickt an, daß der Bruder ihr helfen mußte.

„So," meinte er, als sie zur Noth Ottilien- Frisur geordnet hatten; „der Riß im Kleide bleibt aber als Beleg für Deinen Ungehorsam grgm Tante Elise. Wie oft hat sie Dir schon verboten, allein in den Wald zu gehen und Dich wie ein Wildsang zu gebärden."

Tante Elise raubte ja ein wahrer Drache sein, daß beide solchen Respekt vor ihr hatten. — Mit nicht«. Sie war eine jener rdelen Frauengestalt«, die es ver­mögen, ihr eigenes Ich fremden Wohle zum Opfer zu

21. Jahrgang

Freitag, den 10. August 1894.

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