JV 174 Donnerstag, den 2. August 1894. 21. Jahrgang
01110 ll vl ilIIIH |
_ .Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage.ausgenommen. - Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Biertehährlicher Abonnementspreis ohne Bnngerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumes in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
..... .
von
k
k
Ordnung ist auch in uns vervollkommnet durch die übernatürliche. Wenn wir dann vom einzelnen Menschen übergehen zur Gesellschaft der Menschen, so finden wir die Familie, die Grundlage aller übrigen menschlichen Gesellschaften, denn aus den Familien bilden sich die Gemeinden, die größeren Verbände bis hinauf zum Staate. Der oberste Träger der Staatsgewalt hat von Gott große Rechte erlangt, er ist wi klich König von Gottes Gnaden, weil er durch Gottes Anordnung die Todesstrafe zu verhängen und somit über das Leben der Menschen zu verfügen berechtigt ist, was weder von einzelnen Menschen noch der Ge- sammtheit ihm verliehen sein kann. Ihm steht auch die Verfügung zu unter Umständen selbst über das Eigenthum, wenn es zum Wohle der Gesellschaft nothwendig ist. Das Alles hat Gott gegeben in der natürlichen Ordnung, damit die Menschen friedlich und einträchtig und glücklich mit einander leben. Aber in der übernatürlichen hat er weitere Gaben hinzugefügt. Es ist die Familie gefestigt durch das Sakrament der Ehe. Es kommt zur bürgerlichen Gemeinde die Pfarrei hinzu, zur Provinz das Bis- thum und überhaupt die Kirche neben dem Staate der Papst neben dem König. Gott hat es so gut gemacht und ganz gewiß ist es, daß diese beiden G. walten, Staat und Kirche zusammen wirken, denn davon hängt ja das Wohl der Menschheit ab. — Ganz besonders sehen wir dieses am heutigen Tage. Auch zum heutigen Tage hat die doppelte Anordnung mitgewirkt. Seine Majestät, der Kaiser und König hat gegen meine Persönlichkeit nichts einzuwenden gehabt und hat mir durch eine Urkunde den Schutz und das Recht verbrieft, daß ich von meinen kirchlichen Vollmachten ungestörten Gebrauch machen kann, und der hl. Vater hat mir die einzelnen Seelen des Bisthums zugezähtt und das Mandat gegeben, daß ich durch einen mit ihm in Gemeinschaft stehenden Bischof die Bischofsweihe empfange. Beide Träger der höchsten Gewalten arbeiten zum Wohle der menschlichen Gesellschaft jetzt so einträchtig zusammmen; unser Kaiser, indem er durch seine Gesetzgebung und seine Macht eingreift und der hl. Vater indem er durch seine wunderschönen Rundschreiben die Welt belehrt. Und weil beide, vereint so schön zusammen wirken, so will ich meinen Trinkspruch zusammenstellen. Beweisen sie ihre Liebe und Verehrung zu beiden dadurch, daß sie mit mir begeistert ausrufen: Der hl. Vater, der ehrwürdige Priestergreis aus Petri Stuhl und der ritterliche, großmächtige Kaiser und König sie leben Hoch! Hoch! Hoch!
Zweiter Trirckspruch Hochdesselben:
Die Diözese Fulda ist wohl eine der kleinsten in Deutschland, was die Zahl der Katholiken anbetrifft. Indessen breitet sie sich aus auch über die Grenzen unseres preußischen Vaterlandes. Auch im Großherzogthum Sachsen befindet sich eine Anzahl von Katholiken, die b.-rn Bischof von Fulda unterstehen. Se. iönigl. Hoheit der Großhcrzog ist ein Großonkel unseres Kaisers, ein Förderer der Wissenschaften und Künste und vor allem ein eifriger Verehrer der hl. Elisabeth. Er hat viel dazu beigetragen, daß sie in der heutigen Zeit wieder besonders verehrt wird. Insbesondere hat' Hochderselbe seinen katholischen Unterthanen stets seine Liebe bewiesen und auch dem Bischof und der bischöflichen Behörde bei verschiedenen Anlässen seine Theil- nahme zu erkennen gegeben. Ich halte es daher für meine Pflicht^ Sie einzuloden, aus das Wohl Seiner königlichen Hoheit mit mir zu t inten. Der Herr möge Höchstdemselben noch viele
Jahre verleihen! S ine königliche Hoheit, der Großhrrzoa Sachsen Karl Alexander, er lebe hoch!
Nachträge zum Bericht über die Bischossfeierlichkeiten vom 25. Juli 1894.
n.
Nachdem wir gestern an dieser Stelle die von unserem Hochwürdigsten Herrn Bischof Georg Ignatius bei der KonsekrationS- und JnthronisationS • Feier im Dome zu Fulda an die Diözesanen gerichtete Assprache im vollen authentischen Wortlaute mitgetheilt haben, bringen wir nun auch die während d?S Festmähler und beim Fackelzuge gesprochenen bedemsamen Worte in genauer und vollster diger Wiedergabe zur Kenntniß unserer verehrten Leser und Leserinnen. Dieser Abdruck wird ihnen um so willkommener sein, wenn sie hiermit erfahren, daß eine Festbroschüre, wie sie bei ähnlichen Anlässen gefertigt wurde, diesmal nicht zu erwarten ist. Die betreffenden Nummern der .Fuldaer Zeitung^ dürsten daher einigen Ersatz dafür bieten und eine dauernde Erinnerung an die Einzelheiten der schönen denkwürdigen BischofSseier ermöglichen. Tabei darf die Thatsache nicht unerwähnt bleiben, daß die nachstehend verzeichneten Reden von einem Mitxliede des hiesigen GabelSberger Stenogrsphenvereins, der sich bekanntlich auch an dem Fackelzug bctheiligt hat, stenographisch ausgenommen worden sind. Wir lassen nun zunächst die beim Festmahl gesprochenen Toaste hier folgen.
Erster Trinkspruch Sr. bischöfl. Gnaden des neu- gewelhtey Hochwürdigsten Herrn BrschofS Dr. Komp: Hochansehnliche Versammlung! Der liebe Gott hat es sehr gut mit uns Menschen gemacht, daß er zu der natürlichen Ordnung die übernatürliche hinzugefügt hat. Sehen wir uns um in der Schöpfung. Hier in unserem Buchonien, schöne Thäler und Berge, herrliche Wiesen und einst auch herrliche Wälder! Der hl. Bonifatius selbst ist es der die Gegend lobt, als der hl. Sturmius sie ihm zeigte. Ueberall fand er fesselnde Punkte, wechselnde Ansichten. Das erzählt uns ein glaubenswerther Mann der selige Eigil in seinem Leben des hl. Sturmius. Es bauet t aber nicht lange so tritt die übernatürliche Ordnung -hinzu: an d-n Wegen die Kreuze und bei den Wohnungen der Menschen die Kapellen und auf den Bergen die Klöster, wie der Geschichtsschreiber Böhmer sie nannte, die Glaubensburgen, von woher ja das Licht der Wissenschaft und die Wunder des Glaubens in die Gauen Deutschlands drang. Wie es bei uns gewesen ist, so ist es auch an vielen anderen Orten. Gott hat eben die natürliche Ordnung vervollkommnet durch die über-
theuren, friedfertigen Mannes, der nach Gottes Rathlchluß aus einer reich gesegneten Thätigkeit und Wirksamkeit so plötzlich und unerwartet abgerufen wurde. Ich glaube mich der Zustimmung Ihrer Aller versichert halten zu dürfen, wenn ich am heuttgeu Tag auch dieser Trauerempfindung über den Verlust, den die Diözese erlitten, auch an dieser Stelle Ausdruck gebe. Doch, meine Herren! der heutige Tag ist nicht bestimmt zu einem Rückblick auf die Vergangenheit; er ist bestimmt nach Gottes Willen zu einem Tag des Dankes und der Freude, darüber, daß die Diözese Fulda in dem Hochw. Herrn Dr. Komp einen Bischof erhalten hat, der in gleicher Weise das Vertrauen Seiner Majestät des Kaisers und Königs, wie auch Sr/Heiligkeit des Papstes werthhalten wird. Er ist in einer langjährigen Thätigkeit und Wirksamkeit mit der Diözese, mit allen ihren Gliedern und Theilen aufs Engste verbunden, ganz in sie hineingewachseu (Bravo). Er bietet endlich durch seine Persönlichkeit die volle Gewähr dafür, daß seine Berufung zu dem Oberhirtenamte mit Gottes Hilfe zum Segen und zum Heile der Diözese allezeit gereicht (Bravo). Darum, meine Herren, bitte ich Sie, mit dem Wunsche und der Zuversicht, daß das einträchtige Zusammenwirken von Staat und Kirche auch in dem neuen Herrn Bischof einen verständnißvollen Förderer finden möge, den Gefühlen und Empfindungen unseres Dankes und unserer Freude sowie den herzlichsten Segenswünschen für eine langjährige Wirksamkeit und Thätigkeit Ausdruck zu geben mit dem Rufe: Se. Hochwürden, der Hochwürdigste Herr Bischof Dr. Komp, er lebe hoch! hoch! hoch!
Dritter Trinkspruch des Neugeweihttn:
Ich habe noch eine große Schuld abzutragen, nämlich meinen Dank abzustatten dem hochverehrten Herrn Konsekrator, Seiner Excellenz dem Hochwürdigsten Herrn Erzbischos von Freiburg. Es ist eine weite Reise vonFreiburg bis hierher. Excellenz sind etwas leidend gewesen und mußten Bedenken tragen, ob sie die Konsekration vorzunehmech im Stande seien. Sie haben sich überzeugt, daß er in unserem sonst kalten Dom warm geworden ist (Heiterkeit). Ich bin für die Mühe, die sich Excellenz gegeben haben ganz besonderen Dank schuldig und ich werde ihn in einer ganz besonderen Weise abstatten. Als am Tage nach der Konsekration der Excellenz als Bischof von Limburg uns ein Liebesmahl gereicht wurde, lud er mich ein an seiner Seite zu sitzen mit den Worten: „Ich will einmal sehen ob eine Aehn- lichkeit zwischen uns beiden vorhanden ist" (Heiterkeit). Ich kam als junger Kaplan nach Mainz zum Regens und er hatte mich mit Ihrem Namen angeredet und es entschuldigt, daß eine gewisse Aehnlichkeit zwischen uns beiden zu finden sei; und als ich wiederholt in Freiburg war und an der Seite einiger geistlichen Herrn durch die Stadt ging, wurden wir von fern häufig gegrüßt — und einer meiner Begleiter sagte mir: „Man hält Sie für den Erzbischof." Ganz gewiß hat sich das lateinische Sprichwort bewahrheitet: Ludit nonnunquam providentia dei. Heute ist es klar geworden, daß wir ähnlich sein müssen; denn er ist mir Vater, und ich bin sein Sohn geworden (Bravo und Heiterkeit). Ich habe mir nun vorgenommen, ein guter Sohn meines Vaters zu sein, der das vierte Gebot hält und dem Vater Ehre, Liebe und Gehorsam erw.ist. Er ist ja überdies mein Metropolit. Weil es ganz besonders die Wonne der Väter ist Freude an ihren Kindern zu erleben, so habe ich mir vorgenommen, meinerseits so zu wirken, daß er nur Freude an mir habe. Ec soll sie lange haben. Deshalb wünsche ich ihm ein langes, glückliches Leben auf Erden. Ich lade Sie alle ein mit mir auszurufen: Se. Excellenz, der Herr Erzbischof von Freiburg, er lebe Hoch! Hoch! Hoch!
Dort liegt"dieApotheke, still wie immer, dort lehnt auch A. hinter der Kasse, gemächlich rote immer und studrrt die .Aberttpost'. „Gott sei Dunk, sie vaben ihn noch nicht," denke ich und reiße die Thür aus.
„Nanu — so aufgeregt!?" meinte der Apotheker lächelnd — „brauchen Sie vielleicht wieder Stlvchnin für Füchse?"
„Mensch — spotten Sie nicht — ein Menschenleben steht auf dem Spiel!"
„So — doch nicht etwa von wegen meines Stryck- rttu's?"
„Weswegen denn sonst! Wir Beide sind verloren!"
„Nun, toytn es sich um nichts Anderes als das handelt — dann, mein lieber Lieutenant, so herzlich gern ich gerade Ihne« jeden Gefallen erweise, werden Sie mich doch nicht für leichtfertig genug halten, daß ich einem unwissrnden Burschen — und noch dozu ohne Giftschein auf eine bloße mündliche Bestellung hin — ein derartig akutes Gift auLhäudlge."
„Aber" — stotterte ich — was — was war eS denn sonst?"
„Nichts als ein kräftiges Brechmitr-l — die Geschichte mit dem FuchS im Fort kam mit ohnehin nicht geheuer vor!"
Ueberwältigt vom Uebermaß der Freude und unter der Nachwirkung der soeben durchgemachten Aufregung ließ ich mir derartig viel SelterSwüsser, Toksyer, Cognac — Alles bunt durcheinander — eivfiltriren, daß ich schwer mich wieder erhob.
Gift so wie so nicht in dem Kopfe allein P^atz hatte, so balsarrirte ich den übrigen Häring sein säuberlich rin. Liebt Reinecke den Kopf, so wird er auch nicht böse darüber sein, wenn auch noch so ein fetter corpus dran hängt. — Johann war auch meiner Meinung und unier strengster Beobachtung der nöthigen Brr- wiiterunqs - Maßregeln pkazirten wir den appetitlichen Fisch auf -inen ver täglichen Paffe.
Nun stand aber gerade Ende der Dekade im Kalender un d als weltkundiger Mann unterließ ich deshalb nicht, beim nächsten Appell vor versammeltem Kriegsvolke bekannt zu geben, caß sich nicht Jemand einfallett ließe, die Oede des trockenen Kommisbrodes mit einem gewissen Harung zu versüß-". Himmel! — wer hätte aber auch ahnen können, daß dieser sonst so verünftige O. sich das Durchbrennen eines Tagediebes derart zu Herzen nimmt, daß er schnurstracks hrriläuft und diesen ominösen Happes snschneidet.
„Nette Geschichten!" — halt - der veifl xtePflaster- kästen gesagt, in der That, das waren schöne Aussichten für mich und---Hier sitze ich ruhig und grübele
über Etwas nach, was doch nicht mehr zu ändern geht, während mau unten in der Stadt wo möglich schon dar Unglückswurm von Apotheker einbuchiet.
„Feldwebel! — Uebernrhmen Sie die Fort du jour!“ — Wie von Furien gehetzt, stüime ich hinunter, vielleicht gab es noch ein Mittel, mein Gewissen von der schweren Schuld, einen Menschen unglücklich gemacht zu haben, zu entlasten.
Deutsches Reich.
Berlin, 31. Juli
* Der KüLser har heute Ltt Bord der „Hohen- zollern" Bergen verlaffen und gedenkt morgen Mittag in Wrlhelmshafen etnzutreffen. Das Manöver-Geschwader, welches gestern bei Helgoland vor Anker ging,
Strychnin.
Humoreske aus dem Soldatenleben von Otto DorflaS. (Schluß.)
Hatte ich mit deshalb das Völkchen zwei Jahre hindurch kirre gemacht und es unter Mühe glücklich durch zwei schwere Winter gebracht, damit sie Re,mckenS Lcckermaul zum Opfer fielen? WaS nützten da alle Ausreden von „Keine Feder!" u. s. w., mit der ich die zweibeinigen Jäzer vom Fort Manterff-l abhielt, Wenn j.tzt plötzlich so ein vierläufiger Geselle auftauchte. Kurz entschlossen sandte ich also TagS darauf meinen Burschen mit eurer schönen Empfehlung an einen bekannten Apoiheker: „Er möchte doch so gut sein und mir etwas Strychnin ablosirn, es gelte einen FuchS zu s vergiften!" Nun muß ich allerdings zu meinerSchande | gestehen, daß ich Strychnin und seine diesbezügliche ! Anwendung nur ans den Spalten unserer Jägerzeitung ‘ kannte. Mein Vater, welcher mich in'S edle Wsidwerk l einführte, duldete derartige Manipulationen nie, und ! so war denn das einzige, was ich über den Gebrauch • &e8 GirkeS wußte, eine gewiffe dunkle Erinnerung: die - ganze Geschichte steckt man am schlauesten in einen 5 Härmgskopf. Gesagt — gethrn. Kaum war Johann mit einem schönen Gruß und noch schöneren Tütchen voll weißlichen Pulvers m's Fort wieder eingewechselt, so erwarben wir für drei Reichrpfennize oben gedach- ten katerfeindlichen Salzfisch und da ich mir sagte: „doppelt genäht hält besser" und daS ganze vorhandene
G.'. Crcellenz der Herr Oberpräsideni der Provinz .vifferteNcssau, Magdeburg, toastete in folgender Weise:
tfjum und bewundern wir die Schönheit der Klassiker und der Kunstdenkmäler; im Mittelalter sehen wir die herrlichen Dome erstehen und in unserer jetzigen Zeit sehen wir, wie der Geist des Menschen der Natur die Kräfte ablaufcht, um sie sich dienstbar zu machen. Ganz gewiß, Gott hat uns Großes gegeben, indem er uns diese Fähigkeiten verliehen hat. Aber noch Größeres hat Gott der Gnadenspender uns gegeben dadurch, daß er neue Kräfte in die Seele gesenkt, den Glauben, die ternÄjw« । SÄ.-a= s
| allgemein war die Theilnahme und Trauer um den Verlust des
natürliche Ordnung. Wenn wir uns von der Welt außer uns zur Seele des Menschen, die eine kleine Welt ist, wenden, so finden wir auch da neben der natürlichen Ordnung die über- ' natürliche. Was hat Gott nicht alles dem Menschen als Schöpfer j gegeben? Bor allem sind es zwei große Gaben, nämlich die < Gabe des Erkennens und Wollens. Gehen wir zurück ins Alter- ,
Hochverehrte Festversammlung I Als vor ungefähr 6 Jahren zu Ehren des neugeweihten Bischofs Dr. Weyland die Festver- I fammlung zum frohen Mahle sich vereinigte, da mischte in das 5 Hochgefühl der Freude auch damals sich der Schmerz über die - Trennung und das Scheiden eines vielgeliebten zur höheren | Würde berufenen Vorgängers, aber nicht wie heute in der tief- '