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165 Sonntag, bett 22. Mi 1394. 21. Jahrgang

FMaerMZeitliiig

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«scheint »glich. Sonn, und Mert Werteljilhrkch« «boniemeutsprri» ohne

Sandel und Industrie während der Jahres 1893 em- geholt worden ist. Die dem Bezirk nnlerdmaS zuge- schlagene« Kreise Schlüchtern, Hünseld, Fulda und GerSfeld waren von der Berichterstattung der Handels­kammer über den Geschäftsgang- ««dem ^1^- stehenden Bezirk« noch ausgeschlossen. Der Bertcht umfaßt folgmde Zweige deS Handels und der Industrie.

1. Edelmetallwaaren-Fabrikation, sowie bereit MSgewerbe: Fabrikation von Soldwaaren, Bearbeitung von Edelsteinen, Ellberwaaren-Fabrikation,

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Juli.

* Sie bd ihrer Rückkehr aus Petersburg nach Berlin an der Cholera erkrankte Frau befindet sich auf dem Wege der Befierung, doch wird dieselbe noch eisige Zeit zur Beobachtung im Moabiter Krank«- hause verweilen müfien. .

♦ Die neue» Pläne zur Reorganisation de» Sandwerks werden, wie schon gemeldet, dem Reichs­tage im Laufe deS nächst« WmterS »och Utcht vor- gelegt werd«. In RegierungSkrerfen foll die Absicht überwiegen, einen gesetzgeberischen Plan fertig zu fick- lm, der von den betheiligten gewerblich« Kreisen als ein förderlicher Werk anerkannt «ud praktifch durchge­führt werden könne. Wie viel Zeit dazu m Anspruch genommen werden «üsie, lasse fich jetzt bei den ersten vertraulich« Besprechung« gar mcht überseh«. — Immer langsam voran, immer langsam voran! eme Leerer - Reorganisation läßt fich ja auch rascher anS- arbeiten, als eine Rwrgauisatio« des Handwerks. Der Unterschied liegt nur darin, doch dm militärischen -Autorität«" ein unbedingtes Vertrau« beigemessr« werden soll, während in Angelegenheiten deS Handwerks die Einstig« Meister anscheinend nicht als Autorität«

• Hebet die Bekämpfung der Sozialdemokratie hat auch die württembergische Regierung emen Erlaß an die Schultheißmämter gerichtet, der sich.«g au den Erlaß des preußische« Ministers des Innern vom 29. Juli v. I. auschließt, ja stellen­weise wörtlich mit ihm übereinstimmt. Die Anregung desselben scheint also vom Reiche ««»gegangen zu sm», wenigstens stheiv« fich verschiedene Regierung« über ein gemeinsames Vorgehen verständigt zu haben. Dm» daß die württembergische Regie««« den preußisch« Erlaß einfach abgefchriebm hab« follte, nachdem er durch daS sozialdemokratische Haupiorgan veröffentlicht worden war, ist doch nicht avzunehm«. Dm Erlaß selbst kann man nur billig«. ES wird darm daS Hauptgewicht auf die innere Bekämpfung der Sozialdemokratie gelegt und betont, daß e» dazu deS Zusammenwirkens und der andanernd« plaNwäßlgen Thätigkeit der Wohlgesinnten aus all« Kreis« der Bevölkerung bedürfe. Ganz wie in dem Erlaß deS Orafen Eul«bvrtz' wird darauf hingewiefm, daß vor Allem diijmigen Kreise, welche der sozialdemokratischen Berführung vornehmlich ausgesetzt find — die Wirth- schaftlich Schwach«, die Arbeiter, die Angestellten m privaten und öffentlich« Dimstm — vor den Ein- flüssm der Sozialdemokratie bewahrt oder zur Abkehr von derselben bestimmt werd« «üffm. Arbeitgeber, Prinzipale, Borgesetzte müffm neben der Fürsorge für ihre Untergebmm auch die Pflege persönlicher Be- ziehuugm und der Erkmntniß der gemeinsam« Inter- effm, sowie der ethisch« Seite des gegenseitig« Ber- hältnisseS sich angelegen sein lass«. Man müffe die BolkSmaffm, insbesondere auch die klein« Grundbesitzer, Handwerker und Gewerbetreibend«, belehren und auf- klär«, und sich zu diefem Zwecke derselbe« Mittel be- bietten wie die Sozialdemokratie, der Bereme, Ver­sammlung«, Borträge, der Preffe, der Bibliothek« rc. In den Werkstätten und auf dm ArbeitSplätzm müffe der sozialdemokratischen Agitation durch geeignete Arbeiter entgegengewirkt werd«. Heberhanpt sei daS Ziel, zu verfolgen, daß fich die Betheiligt« felbst der Sozial­demokratie erwehrten, zumal da vielfach versucht werde, die weibliche und jugmdliche Bevölkerung für die Sozial­demokratie zu gewinnen. Zur Erreichung diefeS Zieles lei erforderlich, daß die Behördm nicht nur gegm fozial- demokratische Angriffe und Anfeindung« jeden «ög- üch« Schutz gewährtm, fondern daß auch bei i«ber geeignet« Gelegenheit auf die Belebung des Bewußt­seins von der Rothwendigkeit und Gewichtigkeit der Abwehr und der Zuverficht de» Gelingen» hingewtrkt werde. DaS Schultheißmamt soll fich mit geeigneten maßgebend« Persönlichkeit« in der Gemeinde in'S Benehmen setz« und gemeinsam mit dmselb« nach den .«vgegebmm Gesichtspunkten dem Andring« der Sozial- demokratie mtgegmwirkm. ES ist auS den Blättern nicht ersichtlich, ob daS Veröffentlichte der ganze Erlaß oder nur ein Theil desselben ist. Der Tulmburg'sche Erlaß war bedeutend länger; er enthielt neben den hier «twickelteu Sedankm u. A. auch noch einen Hin­weis auf daS religiöse Moment. Abgrsch« von der

(*) Drr Jahresbericht der Handelskammer Hanau für 1893

wird uns privatim zur Verfügung gestalt. Derfel^ ffl weder der Redaktion, noch, wie wir erfahren, der Stadt- bchörde, noch dm verfchiedenen hief. Sewerbetrttbmdea, welche doch jetzt ein« ganz erheblich« Beitrag zu dm Kostm der Handelskammer leistm, zugesandt Word«, Währmd eS gewiß wünschmSwerth erscheint, daßjMse über die Thätigkeit der HandckSkammer emtgermaßm unterrichtet würden. Der Bericht bildet em stattliches Buch von 194 Seit«. Er bespricht zunächst dm allge- meinen Geschäftsgang unter besonderer BerückfichtE der Stmer« und Handelspolitik, dann sehr ausführlich l den Handel und dir Industrie im Handelskammerbezirk | auf Grundlage der Materials, das von einer große« Anzahl von Firmen in dm Kreise« Hanau «nd Gelnhausen darch Fragebogen über de« Gang von

Estamperie,

Zuwelenhandel, Diamantichleiferei-Betrieb, ,

Fabrikation von Etuis für Gold« und Silberwaaren u. dgl-, Fabrikation von Gegenständen aus Platins.

2. Pflanzliche Rohprodukte und Fabrikate, sowie die Hilfs­gewerbe der einschlägigen Industrien: Cigarren und Tabakfabrikation, Fabrikation von Cigarrenkistchen und Cigarrenwickelsormen Fabrikation von Cigarren-Ausstattungen u. lithographischen Erzeugnissen, Kunstmüllerei, Brauindustrie, Spirituosen-Fabrikation, Cognac-Brennerei, Weinhandel, Fabrikation von Essigsvrit, Kolonialwaarenhandel, Drogurn-, Material- und Farbwaarenhandel, Kaffeesurrogat-Fabrikation, Samenhandel.

3. Unedelmetallwaaren-Fabrikation und verwaMe Branchen: Eisenguß- u. Broncewaaren-Fabrrkation, Marmorarbeueu, Eisenhandel, Uhrgehäuse-Fabrikation, Fabrikation von weißem Lagermetall, Elektrotechnik, Maschinen-Fabrikation, Handel mit landwirthschaftlichen Maschinen.

Ausland.

♦ Paris, 19. J«li. Die Regierung acceptirte mehrere AmmdemmtS zu dem Anarchisten* Gesetz. Rach diesen sollen die im Gesetz aufgezählten Akte mir dann strafbar fei», wmn eine ausdrückliche anarchistische Propaganda vorlieH, nnd nur, wenn diese gewohnheits­mäßig betrieben wird, soll Verweisung in eine Straf- kolonie verhängt werd« dürfm. Ferner foll bo8 Ge­richt nur die Veröffentlichung von Propaganda-Do- knmentm verbietm dürfen, und falls ei« Freispruch erfolgt, muß der Staatsanwalt den Dmunciantm be- kanntgebm. — Der Polizeikommiffar von Livor so ist hier eingetroffen, um mit der Regier«« übet bie Auslieferung des in Ajaccio verhaftete« Anarchist« Oreste Lucchesi, dm vernmthlichen Mörder BanbiS, « unterhandeln. Der Justizminister Gnörin prüfte die BerdachtSgrüvde, die die AnSlieferung rechtfertig«. Lucchesi wird in Livorno dem Kutfcher BaydlS gegen­über gestellt werden. Die italimifche Polizei zweifelt nicht, daß Lucchesi BanbiS Mörder ist.

• Kopenhagen, 19. Juli. Der Just,zrnmister erließ heute eine sofort in Kraft tretmde Verfügung, wonach Provevirntzm au« Danzig vor der Landung einer ärztlichen Beobachtung Md DeSinftktw» unter- worf« werdm. Die Einfuhr von Lump« MS Danzig

* Belgrad, 19. Juli. Der Kriegsminister hat färnrnlliche Milizen für den 26. dS.MtS.zu einer vierzehntägig« Waffmübung nach Rischelnberufm.

* Rom, 20. Jnli. DaS Schwurgericht vemrtheAe d« Anarchisten Lega zu 20 Jahren 17 Tagen Zucht- haus. Sin Zwischenfall kam während der Berhmdlmg nicht vvr. ____________

mangelndm HervorhebMg der BedentMg der Religio« für die Bekämpfung ber Sozicüdemokratie — eS läge die Versuchung nahe, hier auf daS Verhaften der württembergische« Regierung gegenüber dm katholische« Ordm einzugehen — enthält der Erlaß ganz Pfunde Vorschläge; vo« katholischer Seitt find diese oudj viel- I fach längst ausgeführt Word«. Daß ober im Hebngm 1 ber Erlaß ber Sozialdemokratie irgend welchen Abbruch ■ tbue, ist nicht anzMehmm. Was ist. dem in Prmßm 1 auf dm Erlaß des Graf« Eulenburg hin zur, Be­kämpfung ber Sozialdemokratie gescheh«? DaS ist ja 1 eben baS Berhängniß, daß bei unS die „Wohlgesinnten zu einer inneren Bekämpfung ber Sozialdemokratie tn ihrer überwiegenden Mehrheit nicht aufzurütteln find. ES gibt eine Anzahl edler nnd einsichtiger Unternehmer, ! die ihre soziale Aufgabe voll erfaßt haben und glänzend lösen, aber waS ist das für so Biele? Die Maffe ver­läßt sich doch zuletzt immer auf die Polizei. Wie die soziale Frage in letzter Lime eine religiöse ist, so ist auch die Lösung schließlich tmr auf dem vonder Religion vorgezeichneten Wege möglich: Liebe und Gerechtigkeit. Der Religion ober sind die besitzenden unb gebildeten Klass« innerlich meist fremb geworben. Ein Minister- erlaß vermag dm religiösm Antrieb nicht zu ersetzm.

• Die.Rordd.Wgem. Ztz.s empfichlt dmJonuugm in ihren Statut« die Bestimmung aufzunehmm, daß, wer übersührt wird, Pfuscharbeit, sei eS an Ramsch- ksin-r oder an Private unb, wre eS m biesm Fäll« meist geschieht, zu Schleuderpreis«, geliefert zu hab«, von der Jmtung auSgeschloffeu fein soll Damit,ge- wönne die JnnMgS-Mitgliedschast den Charatter einer dem Publikum bezüglich ber Güte übernommenen GaranÜe. Weiter würbe burch eine solche statuari^e Satzung in Berbinbung mit bem in § 100 e ber Ge­werbeordnung dm bewährten JnnMgen ertheiltm Privileg der LehrlingShaltmrg auch die LehrlingSstage ein ganz anders Aussehen al» heute erhalt«. ,

«Der prmßische Minister für Lmdwirthschast hat in Bestätigung eines früheren Beschlusses d« KöNigl. LandeSökonomie-Kollegiums, wonach btjt verstärkte Ver­tretung der landwirthschafttichen «entralvereine von Westprenßm, Pofen, GchleSwig-Holstem, Han­nover, Westfalm und Hessen-Rassau <m deutschen LwdwirthschaftSrath künftig auch für ^daS Kömgl. LMdeSökonomie-Kollegium Platz greif« solle, nunmehr auch seinerseits genehmigt, baß bie genannten land- wirthschastlich« Provinzialvereine m Zukunft die ent­sprechende Zahl von Mitgliedem i« daS LMdeSökonomie- Kollegium entsenden.

• Die Zahl der aktiv« oder zur Disposition stehen- . dm Generale der preußischen Armee, im mehr als 80 Jahre alt sind, beträgt, wie die,Boss. Ztg. I mittheilt, zur Zeit 45. Bon ihnen find nur noch | zwei, Gen erals eldmarschall Graf v. Blummthal und Generaloberst v. Pape, irn aktiven Dienst, ersterer wird am 30. d. MtS. 84 Jahre, letzterer war am 2. Febr. 81. Jahre alt. Der älteste General .ber preußischen Armee ist der Generalmajor Adolf v. Goetze, der am 15 Aug. 1800 geboren ist, also nächstens 94 Jahre alt wird; am 24. b. M. wird er 33 Jahre imRuhe- «and leben. Demnächst folgt der in Berlin wohnhafte Sen.-Lt. z. D. v. Holleuffer, der am 2. Januar d. I. 90 Jahre alt war unb feit November 1864 penstonirt ist. Alsdann folg« der Seneral-Lieutenmt z-D. von Liller unb ber General-Major von Hippel, bie 1806 geboren sind. Drei Generale, find 1807 geboren, zwei 1808, vier 1809, neun 1810, fünf 1811, acht 1812, acht 1813 unb zwei 1814, Fürst BiSmark, bet am 1. April n. I. 80 Jahre alt wirb, ist tn btt Altersfolge ber Generale ber preußisch« Armee erst ber 45. Bon ben 45 über 80 Jahre alt« General« sinb 34 bereit» feit länger als 20 Jahren pensionut.

* Die Wahl beS HistorimmalerS Profeffor Karl Becker zum Präfibmten ber Akademie der Künste in Berlin für die Zeit vom 1. Oktober 1894 bis da­hin 1895 ist vom Kaiser bestätigt worben.

• Dem anarchistischen Redakteur Landauer, welcher augmblicklich eine elfmonatliche Gesängmßstrase abbüßt, ist die Berechtigung zum einjährigen Militärdienst ent- zogen Word«. , , _,

* Der Magistrat der Stadt Dortmund hat fich an den Minister für öffentliche Arbeite» Thiel« nut ber Bitte gewanbt, nach Ablehnung der südlich der Emscher projektirtm KMalverbindMg deS Dortmund-ErnS- Kan als mit dem Rhein nunmehr dafür etnzutreten, daß die Lippe kanalifirt und so eine Verbindung zwischen Dortmund und dem Rhein hergestellt wird.