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JV 162 ' Donnerstag, beit IS. Juli 1894. 21. Jahrgang

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Deutsches Reich.

Berlin, 17. Juli.

* lieber die Et. LudwigSkirche i« Berlin wird berichtet: Der Weg führte uns vor kurzer Zeit nach Wilmersdorf, Berlin^. Auf dem Straßburger Platze daselbst soll zum Gedächtniß unseres unvergeßliche» Windthorst die St. LudwigSkirche gebaut werden. Bekannt ist, daß die Reichs- und Landtags-Fraktion der CentrumS in Verbindung mit dem Herrn Delegaten Prälaten Dr. Jahnel, Berlin, Aufrufe für diesen Bau erlassen haben. Wir glaubten schon den Bau bis zur Fensterhöhe vorgeschritten zu sehen, wurden aber stark enttäuscht. Alles ruhte auf dem Bau. Kein Meister, kein Handwerker, nichts war zu sehen. Die Funda­mente, welche leider sehr kostspielig waren, find fertig gestellt, und zwar seit geraumer Zeit. Jetzt stockt die WeiterauSführung. Weshalb? fragen wir. AuS Mangel an Geldmittel». Ein Gefühl der Scham muß bei dieser Thatsache die Katholiken Deutschlands beschleichen. In Frankreich wird der Wittwe des Präsidenten Carnot eine Staatspension bewilligt. Und wir deutschen Katho­liken bringen nicht einmal die Mittel zum Bau einer Kirche für den größten Parlamentarier unserer Jahr­hunderts, den unermüdlichen, unerschrockenen Führer, dessen Thätigkeit uns zu ewigem Danke verpflichten sollte, zusammen. In einem halben Jahre müssen die Gelder beschafft sein. Bei der letzten ReichStagSwahl wurden etwa 1,400,000 CentrumS-Stimmen abgegeben. Jeder Centrumswäbler gibt jetzt anstatt deS Stimm­zettels 50 deutsche Reichspfennige für die St. Ludwigs- kirche in Berlin. In jedem Wahlkreise sammeln die Bertrauensmäuner die Gelder und führen sie nach dem Central- bezw. Provinzial - Komitee ab, von wo sie an die richtige Stelle (BonifatiuS-Bereine) gesandt werden. Nehmen wir diesen Vorschlag auf! 68 gilt zur Ehre unserer Windthorst und zur Ehre unserer heiligen Kirche, die auf märkischem Sande der Gottes­häuser so sehr bedarf.

* lieber den laudwirthschaftlicherr Kredit er­hält der ,Hamb. Corr.' eine Zuschrift, die durch Sperr­druck als osficöS gekennzeichnet ist. Sie lautet:

Der Gedanke, die Gr und schuld en der ländlichen Grund­stücke oder doch wenigstens der bäuerlichen Besitzungen zwangs­weise in Amortisationsraten zu verwandeln, scheint in Preußen jetzt endgiltig auf gegeben und das Ziel da­hin gesteckt zu sein, thunlichst. im Anschluß an die bestehenden Kreditinstitute und durch zeitgemäßen Ausbau dieser Einrichtungen den ländlichen Grundbesitzern die Gelegenheit zu verschaffen, innerhalb einer bestimmten Sicherheitsgrenze ihre Hypotheken in verhältnißmäßig niedrig verzinsliche Amortisations- darlehn zu verwandeln. Der Gedanke, wie die Feudal­lasten früherer Zeit, auch die Grundschulden ablösbar zu machen und diese Ablösung durch Vermittelung der staatlichen Renten­banken, d. h. unter finanzieller Gewährleistung durch den Staat und in Wirklichkeit also zu Lasten seines Kredits, durchführen ; zu lassen, liegt an sich nahe. Aber abgesehen von den \ sehr erheblichen praktischen und grundsätzlichen Bedenken, * die der Uebertragung des Ablösungsprinzips auf die i

im Wege freien Vertrages entstandenen Verbindlich- j leiten entgegenstehen, stellen schon die finanziellen Gründe, die j mit entscheidendem Gewicht gegen eine Inanspruchnahme des \ Staatskredits sich geltend machen, ihrer Durchführung unüber- i windliche Hindernisse entgegen. Man wird daher in der Annahme : nicht fehlgehen, daß der Weg der Ablösung der Hypotheken nach dem Borbilde der Ablösung der grundherrlichen Rechte von vornherein im Schooße der Staatsregierung auf entschiedenen

Drurmengist.

Novelle von Ernst Scharf.

(24. Fortsetzung.)

Nahende Schritte störten sie auf; der Düffeldorfer war eingetreten. Wehmüthig-freundlich suchte er seinen Gruß zu bieten. „Liebe Frau Jansen!" begann er mit rührseligem Pathos. „Euer schmerzerfülltes Aus­sehen verräth mir, daß Ihr schon Aller wißt. Ich komme zu Euch, nicht nur als Freund Eures Manner, sondern auch, weil mir Euer Geschick sehr nahe geht. Gestern wurde ich wider Willen von Jansen hierher geschleppt ia Folge des von Bürgers ausgesprochenen Verdachter. Vergeblich waren meine Bemühungen, Jansen einzureden, daß die Sache eine einfache Auf­klärung finden werde. Er wollte nicht hören. Ich bin nicht so glücklich, Euch mein zu nennen, jedoch habe i ich eine bessere Meinung von Euch. Und so komme ■ ich als Freund. Wie die Verhältnisse jetzt einmal liegen, ist ein schlimmer Ende für Jansen unvermeidlich. Scheden ist lebensgefährlich verletzt; einige Jahre Ge- fängniß werde» Eurem Manne nicht erspart bleiben. Dazu kommt, daß er gestern Abend im „Anker" öffentlich von Euren Beziebungen zu MertrnS ge­sprochen hat. SS ist schon allgemein bekannt und wird ‘

Widerspruch gestoßen ist. DaS schließt nicht aus, daß er für einzelne Akte künftiger Obligationen in beschränktem Umfange möglich bleibt. Ernster ist wohl der an die Schäffle'sche Idee und die in Oesterreich geplante Gesetzgebung anknüpsende Ge­danke, die Gesammtheit der berufsgenoflenfchaftlich zu orgam- strenden ländlichen Grundbesitzer zum Träger der Aufgabe zu machen, die Umwandlung der kündbaren Hypotheken in unkünd­bare Amortisationsdarlehen herbeizuführen, erwogen worden. Noch bei Vorlegung deS Land wirth sch afts kämm erge fetz eS dürste dieser Gedanke zur Erörterung gestanden haben. Aber die seitdem vollzogene eingehende Prüfung der Gründe hat die überaus große Schwierigkeit erfolgreicher Durchführung so tief­eingreifender Maßnahmen und ganz neuer Organifationen auf der einen, die Möglichkeit, das Ziel auch im Anschluß an die bestehende Einrichtung zu erreichen, auf der anderen Teste ge­zeigt, fo daß der letztgedachte Weg als der weitaus gangbarere erscheint.

* Der Ausschuß des Kolouialraths zur Be- rathung der Einrichtung einer regelmäßigen Schiffs­und Telegropheu-Berbindung zwischen Deutschland und Südwestafrika sowie der Verbesserung des Hafens a» der Tsoakhaub-Mündung hat sich dahin ausgesprochen, daß eine raschere Schiffslinie als die englische über Kapstadt nach dem Schutzgebiete auch auf direktem Wege nicht herstellbar sein würde, daß aber anderer­seits eine direkte, wenn auch langsamere Verbindung im allgemeinen kolonial»politischen Interesse erwünscht wäre. Es wurden Vorschläge zu einer Ausdehnung der Fahrten der Woermann - Linie bis nach Südwest- Afrika aufgestellt. Hinsichtlich der dringend wünschens- wertheu telegraphischen Verbindung des Schutzgebietes mit Deutschland wurde Herstellung einer Landtele- grophen-Linie vorn Norden der Kapkolonie »ach den wichtigsten Stationen SüdwestafrikaS und der Tsoakhaub- Mündung als dem Bedürfniffe genügend bezeichnet. Ein Anschluß an die submarinen Kabel würde sich zu theuer stellen. Der Ausbau der Tsoakhaub-Mündung wurde allseitig als dringend wünschenSwerth erklärt. ES ist in Aussicht genommen, zum Zwecke dieser Unter­nehmung eine Gesellschaft ins Leben zu rufe», welche mit Unterstützung der Verwaltung deS Schutzgebietes die Vorarbeiten thunlichst bald in Angriff nehmen soll. Die dem Ausschüsse ebenfalls zur Berachung über­wiesene Frage des Bahnbaues in Ostafrika soll in einer weiteren Sitzung im Herbst erörtert werden.

* Gegenüber der von verschiedenen Blättern ge­brachten Mittheilung, daß die Heeresverwaltung die Absicht habe eine eigene Allumiuiumfabrik für den Armeebedarf anzulegen, ist der ,ReichSanz.' in der Lage zu erklären, daß diese Mittheilung auf Elfindung beruht.

* Pose«, 14 Juli. Der Herr Erzbischof söhnte in seiner HauSkap-lle auf Grund eines päpstlichen DiS- penseS den bisherigen Staatspfarrer Würtz mit der katholischen Kirche aus.

* Trier, 16. Juli. Der bisherige Bischöfliche Sekretär, Dr. WillemS, wurde zum Domvikar und Subrektor deS Bischöflichen Konviktes ernannt.

* Nürnberg, 15. Sali. Für morgen war hier die Abhaltung von 11 sozialdemokratischen Arbeiter- Versammlungen geplant. Dieselben wurden heute poli­zeilich verboten.

Ausland.

* Brüffel, 16. Juli. Die im nächsten September hier stattfindende internationale Wissenschaft-

auch geglaubt. WaS gedenkt Ihr in dieser Lage zu thuv?"

Keller, der fich mit der Hand auf den Rand der Ofendeckels gestützt hatte, wartete mit sichtlicher Spann- si.-g auf die Beantwortung seiner Frage. Elise er­widerte nichts, sie starrte wie geistesabwesend vor sich hin.

„Liebe Frau," fuhr dann der junge Mann wieder fort, „ich weiß gut, daß Ihr mich bisher nicht leiden konntet. Warum Ihr ein Borurtheil gegen mich hegtet, ich weiß eS nicht. Ihr thatet mir darin Unrecht, und die jetzige Stunde sollte auch klar machen, daß gerade Ihr mir nicht grollen dürft. Euer Schicksal geht mir zu Herzen, mehr als Ihr glaubt. Schweres, unver­dientes Leid list über Euch gekommen, und Ihr habt nichts verschuldet! Euer Mann hatte in Euch einen seltenen Schatz; er fließ ihn achtlos bei Seite. Jetzt fitzt er verdienter Weise im Gefängniß, Ihr ober schaut einer trostlosen Zukunft entgegen. Muß das sein? Ihr seid jung, schön, habt allen Anspruch aus die Freudeu deS Lebens! SS spricht^«» Freund zu Euch, der Ber- {offenen, der Fremden unter Fremden; ein Freund, der Eurem harten Loose vieles von seiner Bitterkeit nehmen kann und nehmen will!"

Wieder machte der junge Mann eine Pause, während

liche Katholikenversammlung verspricht fich äußerst großartig zu gestalte». AuS Deutschland meldete bereits am 28. April der Superior deS Straßburger PriestersemiuarS, Dr. Ott, die Errichtung eines elsäffer i Ausschusses, zusammengesetzt auS dem Dr. Müller, Professor am Straßburger Priestersemiuar, dem Dr. Müller-SimouiS, Almosenpfleger des St. AntoniuS- StifteS, und dem Chorherren Stoeffler, Direktor des katholische» GymuafiumS iv Straßburg. Dank der i Thätigkeit dieses Ausschusses wird, wie Dr. Ott mit« i theilt, das katholische Elsaß in hervorragender Weise auf dem Kongresse vertrete» sei». AuS Frankreich, wo­selbst der Rektor deS katholische» Institutes von Paris ' Mgr. d'Hulst, und die Profefforen Pisani und Rouffelet l an der Spitze deS Propaganda-Ausschusses stehen, sind : schon mehr als 600 Theilnehmer angemeldet. I» Holland hat fich unter dem Vorsitze des Mgr. Dr. i Scharpman ein Ausschuß gebildet, der ebenfalls eine l lebhafte Propaganda für die Theilnahme an dem Kon­gresse betreibt. Ausgezeichnete Nachrichten kommen aus - Spanien, woselbst der Kardinal-Erzbischof Sanzy । Fores von Sevilla, der Kardinal-Erzbischof Sanzy

Hervas von Valencia und mehrere Bischöfe nebst 250 « katholischen Gelehrten sich als Kongreßmitglieder an- j gemeldet haben. In Italien haben die Akademie der

Ruovi Cicli, der katholische Verband für soziale ; Studien und die Deputazione di Storia Patria die r Propaganda für den Kongreß in die Hand genommen.

Außer den bereits erwähnten, spanischen Bischöfe« f haben ihre Theilnahme am Kongresse zugesagt der i Kardinal-Erzbischof von Paris, die Erzbischöfe von \ Capua, Korfu und Reu-OrleanS, die Bischöfe von ■ Sherbrooke (Kanada), Panama, Covington (Kentucky).

Roermonde, Montepulciano, Porto Alegre, Nucena, Petiliano, Biglevano, Osimo, Loretto, Susa, Assisi, Nola und Nicosia. Anmeldungen für bett Kongreß sind zu richten an de» Sekretär, Herrn Andre Dumont, Institut St. LouiS in Brüssel.

i * Amsterdam, 16. Juli. Heute wird im Jndustrie- j Palast die internationale Bäckerei-Ausstellung er* . öffnet. Aus Holland kamen 265 Einsendungen, aus 1 Deutschland 67, Italien 22, Oesterreich-Ungarn 8, > Belgien 8, Rußland 7, England 6, Dänemark 5, Frankreich 4, der Schweiz 3, Norwegen eine und den " Bereinigten Staate» eine. Außerdem zählt die Ab* ; theilung für Alterthümer 266 Nummer».

* Bukarest, 16. Juli. Anläßlich der Zurückweisung i des Rekurses der in Klausenburg verurtheilten ! Rumäne» fordert die hiesige OpposiiionSpresse die Siebenbürger Rumänen zu gewaltsamen Widerstände auf.

* Wie aus Bastia auf Corfica gemeldet wird, ist die Verhaftung de« italienischen Anarchisten Oreste Lucchesi, der beschuldigt wird, den Journalisten Bandi ermordet zu haben, auf Grund der Angabe» i des italienischen Konsulats erfolgt. Lucchesi hatte Livorno : am Montag auf einem kleinen Schiffe verlassen, war ; in Centuri gelandet und hatte bann Nonza und Saint I Florent besucht, von wo er zu Wagen nach Bastia ! kam. Dort wurde er verhaftet. Bor dem Polizei­kommissar erklärte er, daß er Antonio Mazzim heiße । und Matrose an Bord der Sch ffeS „Umberto Primo"

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\ sein Auge begehrlich auf ber Frau ruhte. Stufenweise । hatte er seine Erklärung entwickelt, um deren Ein* ’ Wirkung beobachten zu können, und je nachdem weiter - zu gehen. Aber ElifenS Züge bliebe« regungslos, als ob seine Worte ungehört verklungen. Keller war etwos unschlüffig; sein vorsichtig berechnender Verstand sagte ihm, daß jetzt die Versoffung der Frau Jansen für eine verblümte Liebeserklärung nicht günstig sei. Jedoch die ! Leidenschaft zu der schönen Frau, die er seit Langem j im Herzen getragen, aber geschickt verborgen hotte, ! drängte ihn weiter. Er glaubte eS schon als ein günstiges s Zeichen beurtheilen zu können, daß seine Ausführungen i ruhig hingeuommen wurde». Und dann hatte er vor, ] Rahlen bald zu verlassen, er mußte also entschlossen vorgehen. t ,

„Verehrte Frau", hob er von Neuem an und seine Stimme klang im Mollton der Empfindung, „waS mich zu Such hinzog, das ist wohl die Verwandtschaft zweier Seelen. Ihr seid gleich mir auS anderen Verhältnisse« in dieses Dorf gekommen, wo unsere Lebensanschauung und Bildung nicht ihren Platz zu finde« vermag. Ich habe mich schon lange nach der Stadt zurückgesehnt. Wenn ich hier verblieb, wenn ich die Gesellschaft Eures ManneS suchte, dann hatte das einen Grund, de» Ihr jetzt würdigen werdet: Ihr wäret eS!"