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JV 150 Donnerstag, den 5. Juli 1894. 21. Jahrgang

FiildaerWZeitiing

Mittelgang 1 OesterreicherS wie« der Fürst auf die Zeit von 1866 m-Arrangv« I hin und hob hervor, wie feit dieser Zeit eine Freund-

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mit schwarzen Teppichen belegt. Auch im ! _ _

und am Portal der Kirche waren Blattpflanzen-Arrangv- ments angebracht. Kurz vor 1 Uhr füllte sich die St. Hedwigskirche mit einer auserlesenen Zahl der höchsten Würdenträger deS Reicher, Staates, kaiser­lichen HofeS, der gefarnrnten hier anwesenden diplo­matischen KorpS, vieler Damen der Botschafter, Ge­sandten und Hofgesellschaft rc. Der erste der Leid­tragenden war der Botschafter Herbette mit Gemahlin und den übrigen Mitgliedern der Botschaft; die letzteren, darunter der Sohn des Botschafter-, der Botschaftssekretär ist, machten am Eingänge der Kirche die Honneurs. Der Herr Botschafter Herbette hatte mit seiner Gemahlin im Chor auf der Epistelseite, der Vertreter deS Kaisers aus der Evangelienseite Platz genommen. Unter der großen Zahl der der Trauer» feier Beiwohnenden bemerkten wir v. A. den Herrn Reichskanzler Grafen Caprivi, den preußischen Minister« Präsidenten Grasen Eulenburg, die Staatsminister Miquel und Schelling, den Minister des Igl. Hauses Graf«« Wedel-PieSdorf, den kommandirenden General des 3. Armeekorps, Prinz Friedrich von Hohenzollern, ferner Prinz Albert von Sachsen-Altenburg, Prinz Arenberg, den Oberhofmarschall Graf Eulenburg, den Präses der Generalordenkommission General-Adjutant v. Rauch, General-Adjutant Graf Lehndorff, Bice- Admiral Hollmann, Stadtkommandant v. Natzmer, so­wie sämmtliche hier anwesenden Botschafter und Ge­sandten, Militärbevollmächtigte, den Oberbürgermeister Zelle mit Stadträthen und Stadtverordneten rc. Auch der Prinz Friedrich Leopold und der Erbprinz Bernard von Sachsen - Meiningen hatten Vertreter zu der Trauerfeier entsandt. Das Requiem celebrirte um 1 Uhr nach eingeholter Dispens Sr. Eminenz, deS Herrn Kardinal-FürstbischofS Kopp dessen Vertreter in der Delegatur, der hochw. Herr Prälat und Probst bei St. Hedwig Dr. Jahnel, unter Assistenz der Herren KuratuS Faber und Kaplan Heinelt. Der St. Hedwig- kirchenchor sang unter der bewährten Leitung deS Herr« ChorregenS Wecker daS Kyrle, Absolve und Offer­torium von Ett, Sanctus, Benedictus und Agnus dei von Haller in gemischtem polyphonem Chor und das ergreifende dies irae dies illa in gregorianischem Kirchengesang. Nach Schluß der erbebenden Trauer­feier verabschiedeten sich die hohen Würdenträger von dem Herrn Botschafter durch Händedruck. — Bor der Krrche war die Zahl der Zuschauer so groß, daß zahl- reiche Schutzmannschaften unter Führung eines Haupt- mannS und mehrerer Lieutenants zu umfassenden Ab­

sperrungen schreiten mußten.

* Wie auS FriedrichSruh gemeldet wird, trafen etwa 200 Theilnehmer beS Hamburger Journalisten- tageS am Sonntag dort ein und wurden von Dr. Chrysander nach dem sonst abgeschlossenen Theile deS zum Schlosse der Fürsten Bismarck gehörigen Parkes geleitet. Hierbei trafen die Gäste den Fürsten BiSmarck und begrüßten ihn mit Hurrah. Der Fürst dankte und bemerkte, daß er in den nächsten Tagen nach Barzin reise. Auf die BegrüßungSworte eines

(Bravo! Sehr gut!) Wir können daS auf rechtlichem und gesetzlichem Wege. Wir müsien zusammentreten, Einer für Alle, Alle für Einen, und diese Einigkeit macht stark! In dieser Erwägung hat der Vorstand der Vereins Arbeiterschutz zur heutigen Versammlung eingeladen und ich kann die geehrten Anwesenden nur dringend bitten, dem Vereine beizutreten. Der Bei­trag ist für den Monat nur auf 10 Pfg. festgesetzt. Listen zum Eirzeichnen werden nachher zirkulirm. Möge ein Jeder beitreten; e8 gilt sein eigenes Interesse zu wahren!"

Geräuschvolle- Bravorufen, Trampeln mit den Füßen Aufklapsen der Biergläsrr ersolgte, als Keller geendet. Biele empfanden er wie ein Gefühl der Genug- thnung, daß bei der Unzufriedenheit über die schlimme Lage die Fabrikherrn eirmal ordentlich vorgenommen worden waren.

Jansen schielte etwas verlegen auf den Freund zur Rechten; ein Gefühl der Beklommenheit, deS Neides beschlich ihn, daß er nicht auch mit gleichem Erfolge vor einer fo zahlreichen Versammlung sprechen konnte. Im Saale entstand ein lebhafter Meinungsaustausch an dm einzelnen Tischen und unter den Gruppen der zu­letzt Gekommenen, die keinen Platz gefuudm hatten. Allgemein war man der Ansicht, daß etwas zur Ver­besserung der Berhältnisie geschehen müsse.

Nach einer Panse klingelte der Präsident, nm aus

uudBundeSgenossmschaft zwischen dm Öesterreichern ent­standen sei. In dem Sinne sei er erfreut, die öster­reichischen, er könne nicht sagen Landsleute, aber Volks­genossen begrüßen zu können; auch bei den süddeutschen ReichSgmossm wie bei ihm sei dies Gefühl Sache der Ueberlegung und der geschichtlichen Erinnerung. Schließ­lich lnd der Fürst die Gäste ein, ihn zum Herrenhaus zu begleiten. Bor demselben hielt Chefredakteur Petzet aus München eine Ansprache an dm Fürsten in ge­bundener Rede, in der er die Verdienste der Fürsten nm vie Einigung der Drutschm hervorhob. Nach einem Hoch auf die Fürstin, das die Gäste anstimmtm, zog sich der Fürst zurück.

* Hamburg, 2. Juli. Die Feier deS 300;ährtgen Bestehens der Altonaer katholischen Gemeinde ist glänzend verlausen. Dr. Lieber sprach für den Zusammenschluß aller Christen zum Kampse gegen den Sozialismus. Fuchs-Bochum wandte sich gleich energisch gegen dm Anarchismus und Sozialismus. Die Festversammlnng sandte ein Ergebenheits-Telegramm an den Papst.

• Aus Bade«,2.Juli. Die CeutrumSfraktio« der Landtags erläßt eine Kundgebung, welche u.a. besagt: Die abgelaufene Tagung gehört zu dm wich­tigsten der letzten Jahrzehnte. Neben wirthschastlichm Fragen und den Angelegenheiten der allgemeinen Staats­haushalts haben Fragen der bürgerlichen und poli­tischen Freiheit auf der eimn, sowie Fragm der reli­giösen und kirchlichen Freiheit auf der andern Seite besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge in Anspruch genommen. ES gereiche dem Centrnm zu großer Freude und Genugthuung, daß auf beidm Seiten ein Anfang zum Bestem erreicht fei. DaS BevormunduugSrecht der Wahlmännerwahlen falle, er solle gleichmäßig direkt für den Landtag wie für dm Reichstag gewählt wer­den, laut Mehrheitsbeschluß der Kammer. Anerkannt sei ferner die Rothwmdigkeit einer Abänderung der Wahlkr iSeiutheilung wie deS GemeiudewahlgefetzeS. Diese Fortschritte wurden iudeß durch eine neue national­liberale Medrheit der Zweiten Kammer in Frage ge­stellt. Seit 22 Jahren war eS den OrdenSmitgliedem bei Haftstrafm nicht unter 14 Tagen verboten, in Baden Missionen zu haltm oder seelsorgerische Aus­hilfe zu leisten. Nirgends in Deutschland sei eine kulturkämpferische Maßregel so weit gegangen. DaS Gesetz sei gefallen. ES war hart und ungerecht, wie selbst die Regierung anerkannte. Die Geschichte seiner Aufhebung sei ernst und lehrreich. Die Katholikm Badens müßten alles thun, um im Rahmen der Der- fastnng weiter die Rechte der Kirche zu schützen. Die wirksamste Waffe seien die Wahlen, daS Dringendste und Nothwendlgste der Kampf gegen daS Uebergewlcht der nationalliberalen Partei. In demselben Maße, als in diesem Kampfe Erfolge errungen werden, verbessert sich auch die Aussicht, die bürgerliche und politische Freiheit, wie die der Religion und Kirche zu schützen.

Novelle von Ernst Schars.

(12. Fortsetzung.)

Stockend, unzusammenhängend und mit mehrfachen Wieder Holungen hatte Jansen seine Aeußernngen ge­macht, und er athmete auf, als er geendet. Aber als auch diese« Ausführungen lebhafter Beifall folgte, warf er stolz dm Kopf zurück nnd schaute triumphirend um sich.

Also der Fabrikant nutzt schonungslos die Macht, die er durch das Kapital hat, auS, bei ihm geht Ge­walt über Recht. Er schlemmt in allen möglichen und unmöglichen Gmüsien, wir aber nagen am Hunger- tnche. Run frage ich: find wir nicht Menschm qenau wie er, haben wir nicht dieselben Arme und Beine, denselben Magen wie er? Und haben wir nicht die­selben Rechte und Ansprüche auf daS Leben? Daß der Fabrikherr als Sohn feines BaterS auf die Welt gekommen ist dafür kann er doch nicht! (Heiterkeit.) Und doch ist dieses andererseits sein einziges Verdienst, worauf er sich stützen kann, diese bevorzugte Rolle in der Welt zu spielen. Wie, wenn nun auch die Ar­beiter nach dem Grundsatz: Gewalt geht vor Recht! handelten? Wir bilden m Wirklichkeit die Gewalt durch unsere unendliche Mehrzahl. Und da sage ich: treten nnS die Geldprotzen so schonungslos gegenüber, dann müstm wir nnS auch unserer Haut wehren'!

Deutsches Reich.

Berlin, 3. Juli

* Der .Post' wird auS Paris gemeldet: Man glaubt, daß die Kammer eine Dankesrefolntio» in Betreff deS GuadmakteS der deutschen Kaisers amieh- meu werde.

* Die Eröffnung bei Nord'Ostseekauals ist für nächsten Sommer in Aussicht genommen. Morgen werden die Mitglieder deS BundeSrathS mit dem Reichs­kanzler dm Kanal besichtigen. Für 1895, nach der Eröffnung deS Kanals, sind etwa 11,700,000 Rg- Tonnen als voraussichtlicher Verkehr der neuen Waffer- straße in Aussicht genommen. , .

• Der .Hamburger Korrespondent' erwähnt ein in Berlin umlaufendes Gerücht, wodurch der bayerische Antrag aus Wiederzulassung der Redemptoristen vom BundeSrath bereits angenommen, derCentrumSantrag auf Aufhebung des Jefuiteugesetze» aber abge- lehnt sein soll, oder doch seine Ablehnung nahe be- vorstehen soll. Daß eine Ablehnung bereits erfolgt sein soll, ist nicht wahrscheinlich, sagt die.Germania', da in den offiziösen Kundgebungen über die Sitzungen des BundeSrathS hierüber schon berichtet wäre.

• Am 9. Juli wird in Berlin eine internationale Msenbahnkonferenz zusammentreten. Zur Berathuvg sollen Fragen gelangen, die den rnssisch-deutschm Ver- kehr sowie den Verkehr mit dm niederländischen, belgischen und französischen Bahnm betreffen.

» lieber die Wirkung der Aufhebung de» Identitätsnachweises, die bekanntlich am 1. Mai emgetretm ist, liegen letzt interessante statistische An­gaben vor. ES wurden im Mai auS dem Zollgebiete anSgeführt in Doppelcentner: Weizen 57,692, gegen 14 im Mai v. I., Roggen 86,652 (188,318), Gerste 1410 (2071), Hafer 1136 (80), Malz 2465 (550). Weitaus daS Meiste wurde gegen Einfuhrschein auS- geführt. Währmd der letzten fünf Jahre betrag im Durchschnitt die Ausfuhr von Weizen nur 3676, von Roggen 4046 Doppelcentner jährlich. In dem einen Monat Mai wurde also jetzt das fast Zwanzigfache von dem anSgeführt, waS sonst in einem Jahre auS- geführt wurde. Die Ausfuhr ging hauptsächlich nach England Skandinavien, Rustland und der Schweiz. Nach Rußland gingen 14,537 Doppelcentner Roggen.

• Eine Trauerfeier für de« Präfideute« Car«ot veranstaltete, wie die .Germania' ausführlicher berichtet, am Sonntag um 1 Uhr die französische Botschaft in der St. Hedwigskirche. Diese hatte Trauerschmuck an­gelegt. Der Hochaltar war schwarz behängt und in einen förmlichen Hain von Palmen und anderen grünen Topfgewächsen verwandelt. In der Nähe des Altars hatte der Botschafter der französischen Republik, Herbette, einen Riesmlorbeerkranz mit Stiefmütterchen gefckmückt and die Widmung A la memoire de mons. Carnot auf den Schleifen der französischen Trikolore tragend niedergelegt, ebenso die hiesige französische Kolonie. Zu beiden Seiten deS AltarS waren schwarz auSge- schlagen- Sessel aufgestellt, der Chorraum selbst war

deS Düsseldorfers Anweisung eine allgemeine Besprechung zu eröffnen. AuS der Mitte der Versammlung erhob sich ein junger unbekannter Mensch von kurzer, ge­drungener Gestalt mit einem Ouadratgesicht, an dem daS BemerkenSwertheste ein ungewöhnlich breiter Mund war. „greunbe," begann er mit einer verfettet klin­genden Stimme, kurz und abgeriffm die Worte hervor- stoßend, „ich bin noch nicht lange hier in der Stadt beschäftigt. Ich bin kein Weber, sondem ein Schlosser. Aber Arbeiter sind wir schließlich alle und wenn el dem Emen an den Kragm geht, hat der Andere auch darunter zu leiden. (Zwischmrus: Richtig.) Ich bm auch deshalb hierher gekommen, weil ich eine Organi­sation der Arbeiter, die hier zu meiner Verwunderung völlig fehlt, anregen möchte. Den schönen Worten del Herrn Vorredners ist kaum etwas beizusügen. Rur eine praktische Konsequenz sei noch gezogen. Wolltm die Weber sich fest zusawrnmschließen, bann buben sie eine große Macht. Der Einzelne kann nichts gegen den Fabrikherrn, aber bie Stellung beS Letzteren wird eine andere, wenn ihm alle Arbeiter einig gegenüber- stehen. Ich habe AehnlicheS in Hamburg erlebt. Dort wollte man uuS Schlossergesellen auch ben Lohn kürzen. Wißt Ihr, waS wir ba thaten? Einmüthig legten wir bie Arbeit nieber unb sagten: DaS machen wir nicht mit! Durch unseren Rückhalt am Gewerkverein muß­ten bie Herren Schlosser meister sich dequemm, nnS bm

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