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JV 148 Dienstag, den 3. Juli 1894. 21. Jahrgang

FiildaerMZeitiing

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auf die »Fuldaer Zettnug' WllnllllWIl für das 3.Quartal 1894 wer- den fortwährend von allen Post­anstalten, den Boten und in der Expedition angenommen.

* Rundschreiben des hl. Daters an die Fürsten uvd Völker des Erdkreises.

(Fortsetzung.)

Um die heißersehnte Einheit zur harmonischen Vollendung zu führen, wenden Wir Uns nun auch an all' Diejenigen, so viele ihrer auf dem weiten Erdenrunde sind, deren Heil längst der Gegenstand Unserer wachsamen Sorgen und Gedanken ist: Wir meinen die Katholiken, welche durch das Bekenntniß deS römischen Glaubens dem Apostolischen Stuhle untergeben und dadurch mit Christus vereinigt find. Sie brauchen nicht erst zur wahren und heiligen Einfalt aufgemuntert zu werden, da sie der- felben schon durch Gottes Gnade angehören, müssen aber ermahnt werden, nicht zuzulassen, daß bei den allerorts wachsenden Ge­fahren da- höchste Gnadengeschenk Gottes durch ihre Trägheit und Fahrlässigkeit Schaden leide. Mögen sie zu dem Ende auS den Wahrheiten, die Wir den katholischen Nationen einzeln und insgesammt etgg-schärft, ihre Richtschnur im Denken und Handeln entnehm«. Wögen sie sich vor Allem dieses zum leitenden Grundsätze machen: dem Lehramte und der Autorität der Kirche müsse in Allam nicht engherzig und mißtrauisch, sondern mit ganzer Seele und liebender Hingabe gehorcht werden. — Bei dieser Gelegenheit wollen sie in'S Auge fassen, wie höchst nach­theilig es für die christliche Einheit sei, daß der Jrrthum unter verschiedenen Formen von Meinungen dar wahre Wesen, den wahren Begriff der Kirche vielfach verdunkelt, ja selbst zerstört hat. Nach dem Willen und nach der Anordnung deS göttlichen Stifters nämlich soll sie eine in ihrer Art vollkommene Gesell­schaft sein, deren Aufgabe und Befugniß eS ist, dir Menschheit in den Vorschriften und Gesetzen deS Evangeliums zu unterrichten und sie durch Reinerhaltung der Sitten und durch Uebung der christlichen Tugenden derjenigen Seligkeit entgegenzuführen, die jedem Menschen im Himmel in Aussicht gestellt ist. Und weil die Kirche, wie gesagt, eine vollkommene Gesellschaft ist, deshalb hat sie ein Lebensprinzip, eine Lebenskraft, die nicht von Außen kommt, sondern von Innen auS ihrer eigenen Natur nach gött­licher Anordnung. Aus eben diesem Grunde hat sie auch natur­gemäß die Gewalt, Gesetze zu geben und muß in ihrer Gesetz­gebung von Jedermann unabhängig sein, wie sie auch in allen anderen Dingen, welche zu ihrem Rechtsgebiete gehören, frei ist.

Diese Freihett ist jedoch nicht von der Art, daß sie irgend­wie Anlaß böte zu Eisersucht und Scheelsucht. Denn die Kirche strebt nicht nach Macht und Einfluß, noch läßt sie sich irgend­wie durch Interesse leiten. Sie will, sie sucht nur Eines: näm- Lch, die Uebung der Tugend unter den Menschen aufrecht zu erhalten und auf diese Weise, auf diesem Wege für ihr ewiges Heil zu sorgen. Doch pflegt sie sich auch stets gefällig zu er­weisen und mütterliche Nachsicht zu üben, ja sogar, ohne einseitig auf ihrem Rechte zu bestehen, oftmals dem Staate mancherlei Vergünstigungen zugute kommen zu laffen, wo immer eS die Nothwendigkeit erheischte. Ein glänzender Beweis deffen sind die Konkordate, die oftmals mit Reichen und Staaten abgeschloffen find. — Aber welches sind die Zeittäufte in unseren Tagen, wenn wir die Dinge nach ihrem wahren Gehatte bettachten. ES ist fast zur Gewohnheit geworden, die Kirche mit Mißtrauen anzusehen, sie stolz zu verachten, sie zu Haffen und hämisch zu verleumden. Aber was noch schlimmer ist, AlleS wird aufgeboten und ins Werk gesetzt, sie der Botmäßigkeit der weltlichen Herrscher zu unterwerfen. Zu dem Ende hat man sie ihrer Güter beraubt und ihre Freiheit ans's Aenßerste beschränkt; zu dem Ende auch 6ie Seminarbildung so schwierig gemacht, gegen den Klerus Gesetze von unerbittlicher Strenge aufgestellt, die religiösen Ge- noffenschaften, die doch eine Hauptstütze der Kirche sind, aufge­löst und sie aus dem Lande verwiesen, mit einem Worte: die Febroniani'schen Grundsätze theorettsch und prakttsch nur noch in

| verschärfter Form wieder ins Leben gerufen. DaS heißt nichts ; Anderes, als den heiligsten Rechten der Kirche Gewalt anthun. Dabei bedenkt man aber nicht, daß dieses den Staaten die größten ( Nachtheile bringt, eben weil eS in offenem Widerspruche steht 6 mit den göttlichen Absichten. Denn Gott, der Schöpfer und Herr ? des Weltalls, welcher die menschliche Gesellschaft unter die welt- > liehe und geistliche Gewalt stellte, wollte allerdings, daß es Der» i schiedene Gewalten seien, aber keineswegs, daß sie geschieden seien ! und sich gegenteilig befehdeten. Aber nicht blos der Wille Gottes S selbst, sondern auch das Gesammtwohl der menschlichen Gesell­schaft fordern schlechterdings, daß sich die weltliche Gewalt in i ihren Regierungsmaßregeln in vollen Einklang setze mit der kirchlichen. Daher hat der Staat seine ihm ganz eigenthümlichen Pflichten und Rechte, aber ebenso hat die Kirche die ihrigen; beide aber, Staat und Kirche, müssen durch vollkommene Ein­tracht mit einander verbunden fein. — Auf diese Weise werden die gegenseitigen Beziehungen zwischen Staat und Kirche endlich einmal geregelt. Damit wird bann aber auch die heutzutage Alles verwirrende Spannung zwischen beiden aufhören, die auS mehr als einem Grunde wenig den Regeln der Klugheit ent­spricht und allen Guten äußerst lästig ist. Dann werden auch die Unterthanen, da beider Mächte Interessen nicht vermengt, nicht geschieden sind, unbehindert dem Kaiser geben, waS des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.

Eine andere große Gefahr droht der Einheit Seitens der Sekte, welche man Freimaurerei nennt; welche schon lange mit unheimlicher Wucht namentlich aus den katholischen Nationen lastet. Begünstigt durch die verworrenen Zeitverhältniffe, stolz sich erhebend wegen ihrer Macht, ihrer Mittel und ihres Er­folges, bietet sie das Aenßerste auf, ihre Herrschaft zu be­festigen und immer weiter auszubreiten. Ans ihren Verstecken und Schlupfwinkeln ist sie bereits mitten in den Städten an das Tageslicht gekommen, hat sogar, um gleichsam Gott herauS- zusordern, in dieser Stadt, dem Mittelpunkte der katholischen Welt, jihren Sitz aufgeschlagen. Und, waS das Traurigste bei der Sache ist, wohin sie ihren Fuß setzt, bringt sie in alle Schichten beS Volkes ein, mischt sie sich in alle Einrichtungen beS Staates, um schließlich Alles unb Jedes in ihrer Hand zu haben unb von sich abhängig zu machen. Das ist eine höchst traurige Thatsache; denn bie verwerflichen Grundsätze dieser Sekte, ihre gottlosen Pläne sind aller Welt bekannt. Unter dem Vorwande, die allgemeinen Menschenrechte zu vertheidigen und bie bürgerliche Gesellschaft zu erneuern, greift sie bas Christen- thnm in feindseliger Weise an, verwirft bie übernatürliche Offen­barung, verhöhnt die Uebungen ber Frömmigkeit, bie Sakramente und alles Heilige als Aberglauben. Die Ehe, bie Familie, die Jugenderziehung, den privaten und öffentlichen Unterricht fucht sie des christlichen Charakters zu entkleiden und dabei alle Ehr­furcht vor menschlicher und göttlicher Autorität aus dem Herzen der Völker zu reißen. Ferner lehrt bie Sekte, ber Mensch müsse bie Natur verehren unb allein ans ihren Grunbsätzen Maß unb Richtfchnur für alle Wahrheit, Sittlichkeit und Gerechtigkeit nehmen. Auf diese Weise muß der Mensch mehr oder weniger in heidnische Sitten und Gewohnheiten zurückfallen, die bei den so vervielfältigten Reizmitteln nur noch um so ungebundener fein werden. — Obgleich wir über diesen Gegenstand bei anderer Gelegenheit auf das Eindringlichste gesprochen haben, so macht es Uns doch die apostolische Wachsamkeit zur Pflicht, darauf zurückzukommen und wieder und wieder einzuschärfen, daß bei so großer Gefahr keine Maßregel wirksam genug ist, um eine andere noch wirksamere überflüssig zu machen. Wolle Gott gnädig jedes ftevelhafte Beginnen verhüten! Aber das christliche Volk , wisse und fei davon durchdrungen, daß das fo unwürdige Joch ! ber Sekte einmal abgeschüttelt werben müffe; und diejenigen ' mögen um fo eifriger trachten, eS abzuschütteln, die am em­pfindlichsten davon bedrückt werden: bie Italiener unb Fran­zosen. Mit welchen Waffen, auf welche Weise sie am sichersten zum Ziele kommen, haben Wir selbst schon bargethan. Auch ist ber Sieg für bett unzweifelhaft, ber auf den göttlichen i Führer vertrauet, welcher bas Wort gesprochen: „Ich habe die ' Welt besiegt"

(Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Juni.

* Der Kaiser empfing heute früh in Kiel dm i Reichskanzler Grafen Caprivi; morgen (Sonntag früh) i gedenkt der Kaiser nach Travemünde in See zu gehm. - Bei der gestrigen See-Regatta Kiel - Travemünde, an - der 21 Jachten theilnahmen, erhielt die vom Kaiser ' geführte Jacht, als schnellster Boot den KaiserpreiS. i Prinz Heinrich errang mit seiner Jacht „Irene" in ’ Abtheilung I. B. den zweite« Preis.

* Die ,Kreuzzeitung' bringt einen Artikel über die j päpstliche Encyklika. Das Blatt sieht natürlich vor lauter Bäumen den Wald nicht. Die eigentliche Quint« ; essenz, die großartigen weltverbessernden Gedanken hat sie mcht ersaßt. In kleinlicher Weise beschäftigt sie sich - mit der Idee der Papstes, die schismatischm Grieche« ; zur Kirche zurückzuführen. DaS gibt ihr Anlaß, ihre s alten Behauptungen einmal wieder aufzuwärmm, als spielten hier politische Gründe die Hauptrolle. Zum Schluß fühlt sie sich berufen, den hl. Bater zu warn«, indem sie schreibt: „Möge unS der 91jährige Papst gestatten, wenn wir ihm deutsch und derb zurufm: er sei gewarnt, auf bat russischen Leim zu gehen." ES i ist kostbar, wie die Krmz ■ Zeitu»gS » Politiker einen 5 Staatsmann, wie Leo XIII. ist, zu warnen bestrebt i sind. Möge die ,Kreuzzeitung' sich unterdefsev lieber S nach dem Alter deS Papstes erkundigen, dann wird fie zu ihrem Erstaunen hören, daß der Papst 84 Jahre alt ist, nicht 91, wie fie schreibt.

* DaS Berliner Landgericht verurtheilte zwei Anarchisten wegen aufreizmder Reden und Ans« forderung zv Sewalthätigkeiten in einer am 1. Mai d. I. stattgefundmm Volksversammlung zu je eine« Jahre Gefängniß.

* Der .Reichskanzler' hat bat verbünbeten Re­gierungen einen Entwurf von Ausnahmebestimmungen bezüglich ber EomrtagSrnhe in einigen gewerblich« < Anlagen mitgetheilt. Für Cichorim-Darren werb« - danach an Sonn- und Festtagen folgende Arbeiten zu« ' gelafien: Die Reinigung und Zerkleinerung der Wurzeln • und zwar a) mit Ausschluß der Zeit von 6 Uhr Morgen- I bis 6 Uhr Abends, sofern in regelmäßigen Tag- und \ Nachtschichten gearbeitet Wird, b) bis 9 Uhr Vormittags, ? sofern nur in Tagschicht« gearbeitet wird — ferner \ der ununterbrochene Betrieb der Darren. Auf da- ; Weihnachtsfest sollen diese AnSnahmm aber keine An- ' Wendung finden. Den SpirituSraffiuerim sollen folgende \ Arbeiten an Sonn- unb Festtagen mit Ausnahme bet i drei hohen Feste gestattet werden: Der ununterbrochene ! Betrieb der kontinuirlichen Destillirapparate, — der [ Betrieb der nicht kontinuirlichen Destillirapparate, soweit er zur Beendigung der vor 6 Uhr deS vorhergehend« Ab«dS begonnenen Destillationen erfordalich ist, — der unnnterbrochene Betrieb da Holzkohlefilta und da Holzkohleglühöfen. Für Brauereien ist nur vorgefeh«, daß in solche«, die innerhalb einer Jahres nicht läng« als 6 Monate in Betrieb sind, die Würze auch an

Drmmengist.

Novelle von Ernst Scharf.

(11. Fortsetzung.)

Schwere Zeiten waren angebrochen für die Weba am Niederrhein. Der durch die Mac Ktuley-Bill be­deutend erhöhte Zoll, mit dem die Baeinigtm Staaten Nordamerika'- bie einzuführenden Sammt- unb Seiden- Maaren belegten, äußerte eine verderbliche Wirkung. Während fönst Amerika riesige Meng« da nieder- rheinischen Webererzeugmfie aufnahm, waren jetzt nur geringfügige Bestellungen für dort auszuführen, und andere Absatzgebiete al» Ersatz nicht gefunden. Die Fabrikanten waren gezwungen, auf Lager arbeiten zu lass«, und da bei der massenhaft« Fabrikation und dem stockenden Absatz die Lagerbestände sich schnell an- häuften und sehr große Summen festgelegt wurden, so ergab fich als weitere Folge Einschränkung da Fabri­kation und Herabsetzung der Löhne. Besonda» hatten die Sammtweber, welche zu Hause auf ihren Web- stühlen arbeiteten und feiuaen Sammt herstellten, zu leiden; viele mußten nach Fertigstellung eine- Sammt- stückes von 20—30 Meta 8 di» 14 Tage auf u«e Beschäftigung wart« und manche bekam« vorläufig überhaupt keine Arbeit «ehr.

In den Ortschaft«, wo die Weberei die Haupt­industrie bildet, zieht naturgemäß ei« flaua Gang da

Fabriken alle anderen Gewerbe in ernste Mitleid«- schäft und gedrückte Berhältnisse machen sich allent­halben geltend. Auch dar Dorf Rahlen hatte schwa unter den eingetretenen Verhältnissen zu leiden; ein großer Theil ber Bewohner erlitt bedeutende Einbuße am Verdienst. Jansen war auch beschäftigungslos. Er machte sich nicht viel daraus. „Es ist für unS nicht so schlimm, wie für bie Anderen", bemalte er gleichmüthig zu seiner Frau. „Wir haben ja Ver­mögen und brauchen keinen Mangel zu leid«." Dann kam noch ein zweites Moment hinzu, dessen glückliches Empfinden ihn über die ungünstig« Erwerbsverhält- msse hinwegsehen ließ: ihm wurde ein Kind geschenkt, ein hübsches blauäugiges Knäblein. Die Mutter blieb einige Zeit an'S Bett gefesselt, und der Gatte hatte g«ug zu thun, sie zu pflegen und zu wart«. DaS BahSltniß zwischen dm Beiden war nicht schatten­los geblieben. Elise hatte alles versucht, den Mann von seinen BaeinSvahältniflen zu lös«, sowie sein« Ginn für Sparsamkeit zu heben, aba vergeblich. Sie suchte ihr Glück am häuslich« Herde und glaubte , hierbei von Jansens Zuneigung unterstützt zu wad«, aber auch hierin fand fie sich getäuscht. Wohl liebte a seine hübsche Frau, aber in seiner Art, die darauf hinaus ging, mit seiner Frau zu prunken, auf ihren Besitz stolz zu sein. Tiefe Empfindung des GemütheS ging ihm hierbei ab, und so einer seiner bisherigen

liebgeworbenen Gewohnheiten, wie den Verkehr im WirthShause, aufzugeben, fiel ihm nicht ein. Die Frau fühlte bitt«, daß fie bei seinem obaflächlichm hohl« Wes« nicht mit ihm harmoniren konnte; daS ideale eheliche Glück am häusliche« Herde, wie es ihr vorge­schwebt, ertöte» fich in der rauh« Wirklichkeit al» Illusion; eS blieb ihr mm die Aufgabe, die gegebmm Berhältnisie so angenehm als ebm möglich zu ge- statt«.

DaS frohe Ereigniß brachte eine Besserung in dieser Beziehung, aber fie war nicht von Bestand, denn kau« ! war bie Mutter «wieber hergestellt, kam Jans« fernen i „Verein-Pflichten", wie er fich ausbrückte, wieder wie j früher «ach.

Mit dem Düfielborfa hatte er sich im Laufe ber : Zett sehr befteuudet, und biefer war ein häufiger Gast im Jausen'sch« Hause. Trotzdem derselbe sich ber jungen Frau gegenüber in jeder Hinsicht zuvorkommend und liebenswürdig zeigte, empfand diese eine tiefe Ab­neigung gegen dm Fremd«. Sie sah in ihm ein ihr Familienleben hemmmdeS, störende- Element, da- ihre Bemühung«, ihr« Mann ganz für sich und seine häu-lichen Pflicht« zu gewinne«, durchkreuzte. Ohne Erfolg war da- Bemüh«, b« Fremden aus ber Ge­sellschaft be8 Gatt« zu bring«. Die Aettßertmg« Keller- von ben HerrschastSgelüsten ber Frau« war« bei Jaus« von ber beabsichtigt« Wirkung gewef«;