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Beilage zu Nr. 147 der .Fuldaer Zeitung'.

Sonntag, den 1. Juli 1894.

Bestellungen auf die,Fuldaer Zeitung" werden noch fortwährend entgegengenommen*

t* Rundschreiben des hl. Daters an die Fürsten und Völker des Erdkreises.

Papst Leo XIII.

Allen Fürsten und Böllern Gruß und apostolischen Segen.

Die glänzenden Kundgebungen und öffentlichen Glückwünsche, die UnS im ganzen verflossenen Jahre anläßlich der Gedenkfeier Unserer Bischofsweihe von allen Seiten zu Theil geworden und die ganz kürzlich in der frommen Begeisterung bet Spanier ihren Höhepunkt erreichten, bereiteten Uns vor Allem den Trost, zu sehen, wie in der Eintracht und Gleichförmigkeit des Willens so Bieler die Einheit der Kirche und ihre wundersame Verbindung mit dem heiligen Stuhle hervorleuchtete. In jenen Tagen schien eS, die ganze katholische Welt habe gleichsam alles Andere ver- geffen und den Blick ihrer Augen und die Gedanken ihrer Seele nur auf den Vatikan geheftet. Die Gesandtschaften der Fürsten, Ne zahlreichen Pilgerzüge, so viele Briefe von Liebe über­strömend, die hochfeierlichen kirchlichen Feste, alles dieses brachte den Einen Gedanken zum klaren Ausdruck: In der Verehrung des Apostolischen Stuhles sind alle Katholiken Ein Herz und Eine Seele. Und diese Erscheinung war UnS noch um so ange­nehmer und wohlthuender, da sie so ganz und gar mit Unfern Absichten und bisherigen Bemühungen übereinstimmte. Denn vertraut mit den Bedürfnissen der Zeit und eingedenk Unseres Amtes, haben Wir während der ganzen Dauer Unseres Ponti­fikates dieses beständig im Auge gehabt, darauf immer nach Kräften durch Wort und That hingearbeitet: alle Völker, alle Nationen enger mit Uns zu verbinden und auf alle Weise den heilsamen Einfluß des Römischen Pontifikates in Helles Licht zn setzen. Darum sprechen Wir auch Unfern tiefgefühltesten Dank an erster Stelle dem gütigen Gott aus, durch heften Huld und Gnade Wir in guter Gesundheit dieses Alter erreicht haben, demnächst allen Fürsten, Bischöfen, Priestern und einzelnen Gläubigen, welche es sich in mannigfacher Kundgebung ihrer Liebe und Ergebenheit angelegen sein ließen, die Würde Unserer Stellung mit Ehre zu umgeben und UnS persönlich willkommenen Trost zu bereiten.

Aber freilich, daß Unser Trost voll und ganz fei, daran fehlt noch gar Vieles. Denn mitten unter allgemeinen Knnd- «ebungen der Liebe und der Freude schwebt immer die unge- mre Menge derjenigen vor Unserer Seele, welche dem ein« müthigen Jubel der Katholiken ferne standen, weil ihnen ent­weder das Licht des Evangeliums noch gar nicht aufgegangen, ober weil sie, obgleich Christen, doch dem katholischen Glauben entfremdet sind. Dieser Umstand ging Uns und geht Uns sehr ui Herzen. Denn wie sollte Uns nicht der Gedanke tief betrüben, ooß ein so großer Theil der Menschheit wie auf Irrwegen fern von unS wandelt? — Allein Gott will, daß alle Menschen selig werden und zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen. Und da Wir Stellvertreter des allmächtigen Gottes hier auf Erden find und Uns andererseits das hohe und sorgengebeugte Alter mahnt, daß das Ende der Zeitlichkeit für Uns unaufhaltsam herannahe, so haben Wir geglaubt, das Beispiel Unseres Erlösers und Lehr­meisters Jesus Christus nachahmen zu sollen, der kurz vor seiner Rückkehr in den Himmel in heißem Gebete vom ewigen Vater erflehte, daß seine Anhänger und Jünger (Eines Sinnes, Eines Herzens seien: „Ich bitte, ... daß Alle Eins seien, wie du Bater in mir bist, und ich in dir bin, damit auch sie in uns Eins feien." Da aber dieses so inbrünstige Gebet deS Gott­menschen nicht bloS Jene einschloß, welche damals an Jesus Christus glaubten, sondern auch alle Jene, die in Zukunft an ihn glauben würden, so gibt UnS dasselbe einen passenden Anlaß, vertrauensvoll Unsere Wünsche darzulegen und nach besten Kräften mitzuwirken, daß alle Menschen, welchem Lande und welcher Nation sie auch augehöreu, zur Einheit des göttlichen Glaubens berufen und angefpornt werden.

Da die Liebe Uns in Unferm Vorhaben drängt, die Liebe, welche sich dorthin zuerst wendet, wo die HilfSbedürsttgkeit am größten, so eilten Unsere Gedanken zuerst zu den unglücklichsten aller Völker, zu jenen nämlich, welchen das Licht des Evan­geliums entweder niemals aufging, oder das auf gegangene durch eigene Fahrlässigkeit oder unglückliche Zeitverhältnisse wieder er­losch, die daher, aller Erkenntniß GotteS bar, im größten Jtthnm befangen sind. Da nun alles Heil von JesuS Christus kommt, und kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, durch den wir selig werden sollen, so haben Wir keinen sehn­licheren Wunsch, als daß dieser hochheilige Name JesuS recht bald in allen heidnischen Ländern bekannt und anerkannt werde. In dieser Hinsicht hat übrigens die Kirche daS ihr von Gott anvertraute Amt allezeit gewissenhaft zu erfüllen gesucht. Denn vaS verfolgte, was betrieb sie in neunzehnhundert Jahren mit mehr Eifer und Ausdauer, als die Heiden zur Wahrheit zu führen und zur Annahme deS christlichen Gesetzes zu bewegen? Auch in unseren Tagen durchschiffen oftmals die Boten bei Evangeliums die Meere, um Kraft Apostolischer Sendung in die entlegensten Erdtheile vorzudringen, und täglich flehen wir zu Sott, daß er in seiner Barmherzigkeit die Zahl der Priester mehren wolle, welche des Apostolischen Amtes würdig sind; der Priester nämlich, welche entschlossen sind, ihre Bequemlichkeften, ihre Gesundheit, ja selbst chr Leben, wenn es nothwendig ist, für die Ausbreitung deS Reiches Jesu Christi hochherzig hinzu­geben.

Du aber, Erlöser und Bater deS menschlichen Geschlechtes, Jesus ChttstiÄ, eile und säume nicht, das zu vollbringen, waS du einst zu thun verheißen hast, indem du sagtest, du würdest, wenn du von der Erde erhöhet wärest, Alle an dich ziehen. Steige also endlich herab in die Herzen und zeige dich all den Unzähligen, die noch bis zur Stunde der größten Wohlthaten beraubt sind, welche du mit deinem Blute der Menschheit er­worben hast. Wecke sie auf, die schlafbefangen in der Finsterniß und im Schatten des Todes fitzen, bannt sie, erleuchtet durch die Sttahlen deiner Alles burdjbrtngenben Weisheit, in dir und durch dich vollendet feien in der Einheit.

Indem Wir bei dem Gedanken an diese geheimnißvolle Ein­heit verweilen, begegnen Uns ferner die Böller alle, welche die Erbarmung GotteS schon längst vom alten Wahne zur Weisheit deS Evangeliums hinübergeleitet. In der That, eS gibt nichts Angenehmeres für die Erinnerung, nichts Geeigneteres für die Lobeserhebung der göttlichen Borfehung, als daS Andenken an

die alten Zeiten, wo noch Alle den Glauben, der uns vom Himmel gebracht, als ein unantastbares Gemeingut betrachteten. Die Völker, fo verschieden durch Wohnort, Anlage und Charakter, mochten damals öfters über andere Dinge uneins sein und sich streiten, aber wo eS sich um die Religion handelte, waren alle Eins und durch daS Band des christlichen Glaubens aufs In­nigste verbunden. Um so schmerzlicher wird die Seele berührt, wenn sie wahrnehmen muß, wie später unglückliche Zeiten große und blühende Nattonen durch Mißtrauen und Feindseligkeiten von der Römischen Kirche losgerifsen haben. Im Vertrauen auf die Gnade und Barmherzigkeit deS allmächtigen Gottes, der allein die gelegene Zeit und Stunde seiner Erbarmungen weiß, der eS in seiner Macht hat, den Willen der Menschen zu lenken, wohin er will, wenden Wir Uns an eben diese Nationen und ermahnen und beschwören sie mit väterlicher Siebe, doch allen Zwist und Hader abzulegen und zur Einheit des Glaubens zurückzukehren.

Zu allererst lenken Wir Unseren Blick mit inniger Liebe auf daS Morgenland, von dem zu Anfang das Heil ausgegangen und sich über den ganzen Erdkreis verbreitet hat. Unsere glühende Sehnsucht nämlich flößt Uns die süße Hoffnung ein, daß die Zeit nicht mehr ferne fei, wo die morgenländifchen Kirchen, so gefeiert wegen ihres angeerbten Glaubens und ihres alten Ruhmes, wieder aufsuchen, was sie verlassen haben. Trennt UnS ja doch auch nicht eine unendliche Kluft, wissen Wir Uns ja sogar, wenn Wir von einigem Wenigen absehen, so voll­kommen Eins mit ihnen, daß Wir Selbst bei der Bertheidigung des katholischen Dogmas nicht selten auS der Lehre, aus den Riten und Gebräuchen, wie sie bei den Morgenländern üblich sind, Zeugnisse und Beweise entnehmen- Den wesentlichen Streit« punkt bildet nur der Primat des römischen Papstes. Aber Wir möchten sie ersuchen, auf die Anfänge ihrer Kirchen zurückzu­schauen, zu sehen, was ihre Vorfahren gedacht und geglaubt, was die Zeit, welche sich unmittelbar an die ersten Anfänge an­schloß, überliefert hat. Denn daraus wird sich klar ergeben, daß sich das Zeuguiß des Gottmenschen Jesus Christus: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen, in den römischen Päpsten bewahrheitet hat. Auch hat daS christ­liche Alterthum unter den Päpsten nicht wenige gesehen, die dem Morgenlande selbst angehörten: unter anderen einen AngeletuS, Evaristus, AnicetuS, Eleutherius, ZosimuS, Agato. Die meisten von ihnen hatten sogar da- Glück, chr Apostolat, nachdem sie die allgemeinchristliche Kirche in aller Heiligkeit und Weisheit regiert hatten, mit dem Blute zu besiegeln.--Man weiß

auch ganz genau, zu welcher Zeit, aus welchen Gründen, durch welche Urheber der unselige Zwiespalt heraufbeschworen. Bor jener Zeit, wo der Mensch noch nicht getrennt, waS Gott ver­bunden, war der Name des Apostolischen Stuhles bei allen Völkern der christlichen Welt heilig und hoch in Ehren, und Morgenland wie Abendland gehorchten einmüthig ohne alles Schwanken dem römischen Papste als dem rechtmäßigen Nach­folger des heiligen Pettus und demgemäß als dem Stellver­treter Jesu Christi auf Erden. Darum auch säumte, wenn wir auf den Ursprung des Zwiespaltes zurückgehen, PhotiuS selbst nicht, Vertreter nach Rom zu schicken, die ihn vertheidigen sollten, und hinwiederum sandte Papst Nikolaus I. seine Legaten von Rom nach Konstanttnopel, ohne daß irgend ein Widerspruch er­hoben wäre. Und zu welchem Zwecke? „Somit sie sorgfältig die Sache de- Patriarchen studirten und dann den Apostolischen Stuhl vollständig und wahrheitsgemäß vom Sachverhalte unter­richten könnten."

So ist denn die ganze Geschichte dieses Vorganges eine augenfällige Bestätigung des römischen Primates, von welchem man ebendamalS anfing, sich loszusagen. — Endlich sind, wie Jedermann weiß, in zwei allgemeinen Kirchenversammlungen: in der zweiten von Lyon und in der von Florenz, Alle, Lateiner wie Griechen, ohne Mühe Eins geworden und haben die Lehre über die oberste Regierungsgewalt der römischen Päpste als Dogma aufgestellt.

Wir haben absichtlich auf diese Einzelheiten aufmertam ge­macht, weil dieselben eine Einladung zum Frieden und zur Ver­söhnung enthalten, um so mehr, da Wir die Bemerkung gemacht, daß sich die Morgenländer in unseren Tagen viel versöhnlicher gegen die Katholiken zeigen, ja sogar ein gewisses Entgegenkom­men und Wohlwollen an den Tag legen. Dieses trat noch be­sonders kürzlich zu Unserer großen Freude hervor, indem die Unserigen, welche zu einem frommen Zwecke im Oriente zusam« mengetommen waren, mit der ausgesuchtesten Zuvorkommenheit und Herzlichkeit ausgenommen wurden. Daher richten Wir Unsere Worte an Euch Alle, die Ihr, gleichviel, ob Ihr dem griechischen oder einem andern morgenländischen Ritus angehvret, von der katholischen Kirche getrennt seid. ES wäre Unser sehnlichster Wunsch, ein Jeder von Euch erwäge bei sich die so eindringlichen und liebevollen Worte, die einst Beftarion an Eure Väter rich­tete: „WaS werden wir Gott antworten, wenn er uns fragt, weshalb wir unS von unseren Brüdern getrennt, wir, die zu vereinigen und dem Einen Schafstalle zuzuführen er selbst vom Himmel herabgestiegen, Mensch geworden und am Kreuze ge­storben ist? Wie werden wir unS vor unseren Nachkommen recht« fertigen können? Nein, ehrwürdige Väter, dulden wir eine solche Schmach nicht! Lassen wir eine solche Gesinnung nicht in uns aufkommen! Erweisen wir unS und den Unserigen nicht diesen üblen Dienst I"

Erwäget aufmerksam, was Wir fordern, und erwäget es im Angesichte GotteS. Nicht geleitet von irdischen Interessen, son­dern einzig gedrängt von der göttlichen Liebe und dem Verlan­gen, daß Alle selig werden, sprechen Wir der Aussöhnung und Bereinigung mit der Römischen Kirche daS Wott: Wir meinen ober die vollkommene, rückhaltslose Bereinigung. Das kann ober nicht jene fein, die in nichts Anderem besteht, als in jeder be­liebigen Bemeinfchaft von Glaubenslehren und in einer gewissen gegenseitigen brüderlichen Liebe. Die wahre Bereinigung unter Den Christgläubigen ist die vom Stifter der Kirche Jesus Christus angeordnete und gewollte: jene nämlich, welche in der (Einheit deS Glaubens und in der Einhett der Regierung besteht. Auch habt Ihr keinen Grund zur Besorgniß, Wir oder Unsere Nach­folger möchten Eure Rechte und die Pttvllegien Eurer Patriarchen fchmälern und die Riten und Gebräuche der einzelnen Kirchen befchränken. Denn auch daS war von jeher Grundsatz und Ge­pflogenheit deS Apostolischen Stuhles und wird eS für alle Zu- fünft fein: der eigenthümlichenEntwickelung und den besonderen Gewohnheiten jedes einzelnen Volkes gebührende Rechnung zu tragen ohne alle Engherzigkeit. — Wenn Ihr dagegen wieder mit UnS in Gemeinschaft getreten seid, werden Euere Kirchen unter dem göttlichen Beistände wunderbar an Glanz und Ansehen gewinnen. So wolle denn Sott Euer eigenes Gebet erhören: „Berleihe, daß die Trennung der Kirchen aufhöre und sammele die Zerstreuten und führe die Irrenden zurück und vereinige fie mit Deiner heiligen katholischen und apostolischen Kirche." So

lasset also wiederum jenen Einen heiligen Glauben in Euch er­stehen, welchen das graue Alterthum Euch wie uns beharrlich überliefert, welchen Sure Väter und Vorfahren unverletzt bewahrt, welchen auch Männer wie Athanasius, Basilius, Gregorius Nazian zenuS, Johannes Chrysostomus, die beiöen Cyrillus und fo viele andere durch ihre unvergleichlichen Tugenden, durch ihr strahlen­des Talent, durch ihre gediegene Lehre in heiligem Wetteifer verklärt haben: Männer, deren Ruhm in aller Wahrheit daS Morgenland und das Abendland wie ein gemeinsames angccrbteS Gut ihren eigenen nennen können.

Hier möchten Wir Uns noch in besonderer Weise an Euch wenden, Ihr slavischen Völker alle, von deren Ruhm Uns die Geschichtswerke so Mannigfaches erzählen. Ihr wisset, waS die Slaven dem hl. Cyrillus und Methodius verdanken, diesen Vätern EureS Glaubens, deren Andenken Wir selbst vor einigen Jahren mit neuem Glanze umgaben. Sie sind eS, die durch ihre Tugend und ihre Arbeiten den meisten Völkern Eures Stammes die Wohl­thaten der allgemeinen Bildung und der Erlösung zugänglich ge­macht. So geschah eS, daß zwischen den Slaven und den Römischen Päpsten lange Zeit die schönste Wechselseftigkeit bestand, von Wohlthaten aus der einen, von treuester Hingebung auf der andern Seite. Wenn nun eine unglückselige Zeit Eure Väter zum großen Theil dem römischen Glauben, den sie einst bekannten, entfrem­det hat, so bedenket wohl, welchen Segen es Euch bringen wird, wenn Ihr zur Einheit deS Glaubens zurückkehret. Auch Euch läßt die Kirche nicht ab, in ihre Arme zurückzurufen, um Euch mancherlei Hilfsmittel zu bieten zur Förderung Eures Heiles, Eurer irdischen Wohlfahrt und Eurer Größe.

Mit nicht geringerer Liebe weilt Unser Blick auf jenen Völkern, welche in neuerer Zeit eine ganz ungewöhnliche Um­wälzung aller Zustände und Verhältnisse von der Römischen Kirche getrennt hat. Mögen sie die verschiedenen Wechselfälle vergangener Zeiten tiergeften, ihren Blick über alles Irdische er­heben und einzig von dem Wunsche beseelt, die Wahrheit und mit ihr das Heil zu finden, die von Jesus Christus gegründete Kirche bet sich betrachten. Wenn sie ihre Religionsgesellschaften mit der Kirche vergleichen und erwägen wollen, wie eS in den­selben mit der Religion steht, so werden fie leicht einräumen, daß sie, des alten Glaubens eingedenk, sich durch mannigfachen Jrrthnm in vielen und hochwichtigen Stücken zu Neuerungen haben hinreißen lassen. Ebenso wenig werden sie leugnen, daß ihnen vom Erbtheil der Wahrheit, welches die Urheber der Neuerungen bei ihrer Lossagung von der Kirche mit sich ge­nommen, kaum eine sichere und verbürgte Glaubensformel übrig geblieben ist. Ja, so weit ist es schon gekommen, daß Biele sich nicht entblöben, das Fundament selbst, auf welchem die ganze Religion und alle Hoffnung der Menschenkinder ruhet, und welches kein anderes ist, als die göttliche Natur des Er­lösers Jesus Christus, dieses Fundament anzugreifen. Ebenso svrechen sie den Büchern deS alten und neuen Testaments, welche fie ehedem als vom heiligen Geiste infpirirt annahmen, nun­mehr alles göttliche Ansehen ab. Freilich dahin mußte es un­bedingt kommen, nachdem einmal einem Jeden das Recht zuge­standen war, die Schrift nach eigenem Gutdünken und Ermessen zu erklären.

Daher auch die Erscheinung, daß unter Zurückweisung jeder andern Lebensregel das Gewissen deS Einzelnen als alleinige Norm, als einzige Richtschnur ihrer Handlungen aufgestellt wird. Daher die vielen sich einander widersprechenden Mei­nungen und Setten, die schließlich in den erklärten Naturalis­mus und Rationalismus auSarten. Aus diesem Grunde ver­zweifeln sie an einer Einigung in den Lehrmeinungen und predigen und empfehlen nur noch eine Bereinigung, deren Band die brüderliche Liebe ist. An diesem letztem thun sie nun aller­dings gut; denn wir alle müssen durch gegenseftige Liebe mit einander verbunden fein. Hat ja doch auch JesuS Christus dieses vor allem Andern anbefohlen und gewollt, daß eben diese gegenseitige Liebe daS Kennzeichen seiner Jünger sei. Aber wie kann die vollkommene Liebe die Gemüther verbinden, wenn die Geister nicht durch den Glauben gereinigt sind. Aus diesen Gründen haben viele der Männer, von denen Wir hier reden, ihrem gesunden Urtheile und ihrer Siebe zur Wahrheit folgend, den sichern Weg des Heiles in der katholischen Kirche gesucht. Denn es war ihnen klar, sie könnten nicht mit JesuS Christus als dem Haupte vereinigt sein, wenn sie nicht mit feinem ge« heimnißvollem Leibe, welcher die Kirche ist, verbunden wären, noch die unverfälschte Lehre Christi empfangen, wenn sie daS rechtmäßige Lehramt, das dem PetruS und seinen Nachfolgern übertragen ist, zurückwiesen. Sie gewahrten nämlich, wie in der römischen Kirche die wahre Kirche zum vollkommenen AuSdmck gebracht ist, die sich durch die ihr vom göttlichen Stifter ver­liehenen Merkmale Allen kenntlich macht. Damm finden sich auch unter ihnen viele Männer von feinem Urtheile und noch feinerem Tafte, das christliche Alterthum zu erforschen, welche in ihren gediegenen Schriften die Fortdauer der Kirche von der Zeit der Apostel, die Unveränderlichkeit der Dogmen und ihre sich selbst stets gleichbleibende Bersaffung auf das Klarste be­wiesen haben. Angesichts dieses herrlichen Beispiels so vieler Männer redet viel mehr Unser Herz als Unser Mund zu Euch, tyeuerste Brüder, die Ihr nun schon dreihundert Jahre von unS im Glauben getrennt seiet, und zu Euch, die Ihr Euch in der Folge auS irgend einem Grunde von uns loSgesagt: „Finden wir uns alle zusammen in der Einheit des Glaubens und der Erkenntniß Jesu Christi. Zu dieser Einheit, welche zu keiner Zett der katholischen Kirche gefehlt hat, noch irgendwie fehlen kann, möchten Wir Euch einloben, inbem Wir Euch in Liebe bie Rechte entgegenstrecken. Euch ruft die gemeinsame Mutter, die Kirche, schon längst zu sich zurück; Euch ermatten mit Sehnsucht all Eure katholischen Brüder, bamit Ihr Bott mit UnS in Heiligkeit dienet, mit Uns in vollkommener Siebe vereint durch das Bekenntniß Eines Evangeliums, Eines Glaubens, Einer Hoffnung. (Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

* Shrenbreitstei«, 27. Juni. In dem hief. MissionShause der Pallotiner befinden sich z. Z. ungefähr 25 Studirende der Fächer der oberen Gymnasialklassen und 8 Saienbrüber. P. Georg Walter und P. Friebttch Banken haben die Seitung deS Hanfes. Die Studenten werden von zwei Phllologm unter» richtet; ungefähr 7—8 derselben werden nach vollendtten klasfi- schen Studien gegen Ende dieses Jahres zur weiteren Ausbildung nach Rom gehen. Einstweilm besuchen die Studenten noch nicht das Gymnasium in Koblenz, eS wird indessen beabsichtigt, später biefelben zur Absolvimng der letzten Klassm deS BvmnaüumS dorthin zn schicken. _