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J\f 136 Sonntag, dm 17. Juni 1894. 21. Jahrgang

FulimerMZkitiiiig

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Hierzu eine Beilage.

C.v. C. Haben die Katholiken ein Recht auf eine katholische Universität?

Wozu eine besondere katholische Universität? Dai ist stets die Frage, so oft die Katholiken ihre Forde­rung nach einer speziellen katholischen Hochschule er­heben. Konfessionelle Volksschulen will man allenfalls bewilligen, aber höhere Unterrichtsanstalten, naüttntlich den Universitäten eine konfessionelle Gestaltung zu geben, wird als undenkbar bezeichnet. Daß die meisten deutschen Universitäten thatsächlich einen konfessionellen, d.h. prote­stantischen Charakter haben, wird dabei übersehen, resp. als selbstverständlich betrachtet, nur die Katholiken sollen kein Recht auf eine spezifisch katholische Hochschule haben, obschon doch die Mehrzahl der bestehenden Universitäten mit katholischem Gelde gegründet sind und noch heute vielfach aus katholischen Stiftungen unterhalten werden.

Die elementarsten Grundsätze der Parität erfordern es, daß die Katholiken des deutschen Reiches wenigstens eine ausschließlich katholische Universität ihr eigen nännten, wo ihre Söhne sicher wären, nicht in ihren heiligsten Gefühlen gekränkt zu werden, wie das jetzt leider nur zu ost sich ereignet. Wir erinnern nur an den erst neulich mitgethrilten Fall über eine unquali­fizierbare Aeußerung des bekannten Professors Treitschke. Aber auch abgesehen davon sind die Katholiken bei einer katholischen Universität auf daS Höchste interessirt. Treffend wird dar anläßlich der wiederholt erwähnten Zustände an der Freiburger Universität von einem badischen Blatte, dem ,Tauber-Boten', illustrirt. Der­selbe schreibt:

„Was geht uns die Hochschule in Freiburg an?

Auf der Hochschule werden zum größten Theil unsere zukünftigen Priester gebildet. Es ist unS aber nicht einerlei, wie diese gesinnt sind, ob ste'S für eine Pflicht halten, auch im öffentlichen Leben Zeugyiß ab­zulegen für ihren Glauben, oder ob sie sich in die Kirchenmauern einschließen und die Feinde ruhig ge­währen lassen.

Auf der Hochschule werden unsere Aerzte heran­gebildet. Wir sind noch, Gott sei Dank, gläubige Christen, deshalb dürfen und müssen wir fordern, daß diese Männer nicht Apostel deS Unglauben?, sondern gläubig find.

Auf der Hochschule werden die Professoren und Lehrer der jungen Studenten herangebildet. Wir sind gläubige Christen. Vater und Mutter haben ein heiliges Recht, ja eine schwere Pflicht, zu verlangen, daß die Lehrer ihrer Kinder nicht ungläubige Männer sind.

Auf der Hochschule werden größtentheils die Lehrer gebildet, welche unsere VolkSschullehrer heran­zubilden haben. Der christliche Vater, die christliche Mutter, das christliche, gläubige Volk hat ein hl. Recht, ja die Pflicht, zu fordern, daß die Lehrer gläubige und nicht ungläubige Männer sind.

Auf der Hochschule werden unsere Beamten ge­bildet. Tort studiren unsere zukünftigen Notare, Refe­rendare, Amtmänner, RegierungSräthe, Minister, unsere Amtsrichter, Staatsanwälte rc. Sie sollen uns re­gieren und Recht sprechen. Das Volk aber ist christlich und gläubig. Darum hat es rin Recht, daß es von gläubigen Christen und nach christlichen Grundsätzen regiert wird und Recht erhält. Diese Männer find Vorgesetzte. Darum haben wir auch das Recht, von ihnen ein gutes Beispiel zu fordern. Sie sollen dem untergebenen Volke ein Muster der Pflichterfüllung sein, nicht bloß gegen Kaiser und Großherzog, sondern -vor allem gegen den lieben Gott.

Wie sieht es denn eigentlich aus?

Geh einmal und fang in Konstanz an-und mach das badische Ländle durch bis Wertheim. Schau ein­mal, wie viele Professoren, Amtmänner, Amtsrichter, Notare, Aerzte, Förster u. s. w. du in einer hl. Messe findest. Frage einmal die Geistlichen, wie vielen sie Kommunionzettel verabreicht haben. DaS Häuflein wird verschwindend klein sein.

Was ist schuld daran?

In erster Linie ist eS die Hochschule. Anstatt den Glauben zu pflegen, wird er den jungen Studenten aus dem Herzen gerissen. Ein gläubiger Professor wird kaum mehr zugeloffen. Sobald einer geht, wird ein ungläubiger herbeigeholt. Tag für Tag müssen dann die Studenten diese vielfach ganz gottlose, ja

gott- und christenfeindliche sogen. Wissenschaft in die jugendliche Seele aufnehmen.

Und welches sind die Folgen? Die Studenten verlieren ihren Glauben oder werden gleichgiltig. Al- ungläubige oder im Glauben gleichgiltige Männer treten sie ins Leben hinaus, kommen sie unter die Leute. Dort geben sie durch ihr Leben Aergerniß. Man sieht in ihnen gebildete Männer. Und da sie nichts glauben oder nur wenig, so meinen die Leute, eS gehört zur feinen Biidung, den Glauben möglichst bei Seite zu setzen. Zu dem Beispiel kommt das Reden, und zwar das Reden wider Religion und Glauben, das Spötteln, nicht selten das Schimpfen über die christlichen',Sitten, über Priester, welche dafür eintreten. Damit aber dringt der Unglaube oder doch di« Gleichgiltigkeit im Glauben hinab bis in die untersten Schichten des Volkes. Und das Volk ohne Cylinderhut, ohne glanzlederne Handschuhe, ohne Zwicker und Lackstiefel, dar Volk ohne gespickten Geld­beutel, aber auch ohne Glauben, das ist die Sozial­demokratie.

Beamte ohne Glauben, sie verwechseln, gerne Recht und Nutzen, gerne Recht und Macht. Damit aber wird das RechtSgefühl im Volke zerstört.

Und zum Schluffe: Wohin treibt ein Staat, der auf dieser Bahn marschirt? Er geht der Revolution entgegen, seinem Untergange. Die Zeiten sind ernst, aber wir dürfen nicht verzweifeln, denn der hl. Geist selber sagt eS: Gott hat die Nation heilbar gemacht. Und wodurch? Leibniz, ein großer Denker, sagt es: „Die Erziehung der Jugend ist die Grundlage des menschlichen Glückes!" und wir sägen bei: christ- liche Erziehung. Dagegen ist der Unglaube die Quelle alles Unglückes für die Völker. Wir wollen aber ein christliches Volk sei«.

Und deshalb wollen und fordern wir gläubige, christliche Lehrer für unsere Studenten vor allem auf unseren Hochschulen." ,

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Juni

* Wird das vom Reichstage angenommene Gesetz über Aufhebung deS Jesuitengesetzes im Bundes- rath noch zur Beschlußfassung gelangen? Die Katho- liken Deutschlands haben ein hervorragendes Interesse daran, daß die Regierung möglichst bald, und daß sie klar und bestimmt zu der Frage der Aushebung des Jesuitengesetzes Stellung nimmt, damit toir erkennen können, wie der „neue KarS" — oder muß man immer wieder von dem „neuesten Kurse" reden — zu einem Ausnahmegesetze gegen die katholische Kirche sich stellt, auf dessen Aufhebung zu dringen für uns eine Forderung des Rechts und eine Ehrensache ist. Oder soll auch dieses vom Reichstage beschlossene Gesetz im Bundesrath dem Aktenstaub überliefert werden, wie es mit dem bayerischen Anträge auf Wiederzu- lasiung der Redemptoristen seit zwei Jahren geschehen ist? ES könnte nahezu aaffällig erscheinen, daß die bayerische Regierung nicht etwas schärfer auf Erledigung ihrer Antrags im BundeSrathe dringt, wenn nicht die Aufklärung so nahe läge. Jedenfalls wird daS Centrum die Sache nicht ruhen lassen und die Regierung sogleich beim Beginn der nächsten ReichStagSsessio« darüber interpelliren, aus welchen Gründen die Entscheidung über den Jesuitenantrag so lange hinauSgeschoben worden ist, eventuell wird vom Centrum sogleich ein neuer Antrag auf Aushebung des Jesuitengesetzes eingebracht werden. Die nationalliberalen Blätter wollen ja bereits sicher wissen, daß der Bundesrath der Aushebung der Jesuitengesetzes nicht zustimmen werde; an der end- giltigen Ablehnung des RrichStagsbeschlusses, so meint der ,Hamb. Korr.', kann «ach der klaren und scharfen Erklärung deS Königs von Württemberg nicht der mindeste Zweifel sein. Wir meinen, daß ein der Regierung so nahestehendes Blatt besser daran gethay hätte, an die Erklärung des Königs von Württemberg nicht zu erinnern — denn davon sind wir überzeugt, daß der BundeSrath schließlich doch in die Aufhebung deS Jesuitengesetzes einwilligen wird, wie er auch nach längerem Zögern der Aufhebung deS Priestrraus- weisungSgesetzeS zugestimmt hat.

* Die nächste Volkszählung wird am 1. Dezbr. 1895 stattfiaden. Die preußischen Minister des Innern und deS Handels 'haben bereits die Oberprasidenten er­sucht, dahin zu wirken, daß die für die Ausführung des ZählgeschästS in Betracht kommenden Tage vom

30. November bis einschließlich den 2. Dezember bei der Ansetzung der Kram-, Vieh- und Jahrmärkte für 1895 marktfrei bleiben. Einige Zeit vor der nächste« Volkszählung werden sich wie bisher die Vertreter des kaiserlich stattstischen Amtes und der Mehrzahl der statistischen Ceytralstellen der Bundesstaaten zu einer Konferenz vereinigen, um über die besonderm Bestimm­ungen zu berathen, die für die Volkszählung zu er­lassen sind. Die Protokolle über die Verhandlungen der Versammlung und die aus Grund derselben aufge­stellten Vorschläge werden dann dem BundeSrathe zur Berathung und Beschlußfassung vorgrlegt werden. ES wird sich bei der nächsten Volkszählung nicht allein um eine Feststellung der Einwohnerzahl, sondern um noch- wendige Einblicke in geistige und wirthschaftliche Zu­stände und Interessen des Volks- und StaatslebevS handeln. Ganz abgesehen davon, daß von der Volks­zählung die Bertheilung der Matrikularbeiträge ab­hängig ist, hat diese gerade jetzt, in der Zeit der volkS- wirthschaftliche» Reformen, eine erhöhte Bedeutung.

* Pinneberg» 15. Juni. Die Reichstags-Stich­wahl zwischen Mohr (nat.-lib.) und Elm (Soz.-Dem.) ist auf den 23. Juni festgesetzt.

* Hannover, 14. Juni. Vom deutschen Gastwirthe« tage ist noch Folgender zu melden: Pell mann- Chemnitz berichtete über den Antrag auf Einführung obligatorischer Fachschulen, die von Müller-Berlin als undurchführbar bezeichnet werde». Haberlavd- Brandenburg begründet darauf den Antrag, Lehrbriefe erst nach dreijähriger Lehrzeit auszustellen. Beschlossen wurde, Lehrbriefe erst Personen auszuhändigen, die daS 17. Lebensjahr überschritten haben und mindestens zwei Jahre lernten. Ringel-Panko wies darauf hin, daß manche Kommune es fälschlich als ihre Pflicht ansehe, Zuschläge zur Betriebssteuer zu erheben; eS fei indeß vielfach gelungen, diese Zuschläge zurückzuweisev. Müll er-Berlin stellte sodann der Versammlung drei Kellner vor, .die mit Jacketavzügev in Schwarz, Bla« und Hellgrün gekleidet wären. Beschlossen wurde, den blauen und grünen Anzug zur Einführung zu empfehlen, by, ersteren für die Restauration, letzteren für die Gartenlokale. Reich-RoSdzin klagte über die Schädi­gung der Wirthe durch die Konsumvereine. ES wurde eine dementsprechende Eingabe an den Bundesrath und Reichstag beschlossen. Domscheit-Königsberg hob hervor, daß die Einführung der Bedürfnißfrage den ursprünglichen Zweck, dem übermäßigen Schnapskonsum entgegenzuwirken, verfehle, dagegen daS Gastwirthe­gewerbe lediglich unter Polizeiaufsicht stelle. ES wurde dem allgemein zugestimmt. Dieckmann-Osnabrück wünscht die gesetzliche Revision der Gemäße auf Gebinde und Fässer auSzudehnen. Bon Jngber-Gotha und F eu er si ein-Berlin wurden drastische Beispiele ange­führt, die die Nothwendigkeit der Revision darthaten. Dreckmann-Rkcklinghause« wandte sich gegen die kommunale Bierbesteuerung. Dec Vorsitzende hob her­vor, daß das neue Kommunalsteuergesetz die Gemeinden auf diesen Weg besonders verweise. Adlosf-Hamburg referirte über das vielfache Verbot des Besuchs ein­zelner Wirthschaften durch die Behörden und Friebel- Berlin über die Ursachen des Berliner Bierboykotts. ES wurde folgende Resolution beschlossen: „Der 21. deutsche Gastwirthetag. auf dem 200 Wirthev-reine vertreten sind, erklärt sich voll und ganz mit den Maßnahmen der Berliner Brauereien und Gastwirthe gegen jede» Boykott, sowie den ohne jeden Grund von der Sozial- demokratie hervorgerufenen Boykott in Berlin einver­standen und richtet an alle wohlgesinnten deuschen Bürger die Bitte, mit aller Kraft dem Vorgehen der Sozial- demokratie entgegenzutreten." Mit den üblichen DankeSworten an die städtischen Behörden, die Presse rc. schloß der Borsitzevdr die Verhandlungen, hob aber noch besonders hervor, daß ttotz der Einladung au den Oberpräsidenten von Bennigsen seitens derselbe» nicht einmal ein Gruß an die Versammlung ge- langt sei. , , .

* Köln, 13. Juni. In einer von mehreren hundert Männern besuchten Versammlung legten heute Abend die Katholiken Kölns lebhaften Protest ein gegen die Beleidigung der .Kölnischen Zeitung' in ihrem Artikel „Zeichen und Wunder" und rn dem wei­teren Artikel vom vergangenen Sonntag. Die Haltung der .Köln. Ztg.' den Katholiken gegenüber ist zwar so bekannt, daß eS fast dem Blatte zu viel Ehre anthun hieße, die Beschimpfungen noch öffentlich zu besprechen; aber, wie der Abg. Fuchs ausführte, wenn wir schwiegen, hieße das den Bischof Korum und unsere