Donnerstag, den 14. Juni 1894.
21. Jahrgang
JV 133
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* Die Berliner SilberKommMou^ - hat geendet wie das Hornberger Schießen. Nach der Ankündigung, die seiner Zeit Minister v. Heyden im preußischen Herrenhause gab, sollte die Kommissior sie Währungsfrage von dem Boden der theoretischen Erörterungen auf den praktischer Vorschläge hinüberführen. Sie sollte prüfen, wie die aus der gegenwärtigen Lage der WährungSverhältnissr für Deutschland sich ergebenden Uebelstäade und Gefahren beseitigt oder doch gemildert werden könnten; ob gemeinsamer Borgehen mit anderen Staaten nothwendig sei, oder Deutschland auch allein Maßregeln zur Hebung der SilberpreiseS ergreifen könne. Die der Kommission vorgelegten Fragen erstrecken sich dann freilich auf daS ganze Währungsgebiet. Die Kommission hat 21 Sitzungen abgehalten, und daS Ergebniß ist nach der Schlußansprache des Staatssekretärs Graf v. Poja- dowsty gleich Null. Allenfalls läßt sich als Ergebniß die Erkennlntß feststellen, daß die ganze Frage „sehr schwierig" ist. Der Staatssekretär hat seine Worte sichtlich sehr vorsichtig gesetzt und gewiß dar Bestreben gehabt, denen, die große Erwartungen an die Kommission geknüpft hatten, keine allzu bittere Enttäuschung zu bereiten. Aber immer bleibt dar praktische Ergebniß: Nichts. In drei, im Grunde negativen Punkten war «an einig; die schwankenden und niedrigen Silberpreise bringen „gewisse" Schädigungen für unfern Avßenhandel und unser innerer Erwerbsleben, Deutschland allein kann wirksame Maßregeln zur Hebung der SilberpreiseS nicht ergreifen, eine Hebung im Wege der Monopolifirung, Kartellirung oder Regalisirung der Silberproduktion ist nicht ausführbar. Nicht einig war man über die Frage, ob «nd wie die Steigerung der Silberpreise erreichbar ist, welcher Einfluß dem Sinken des Silberpreises auf unser gesammtes Wirth- schaftSleben beizumessen ist, welches Berhältniß zwischen Gold- und Silberpreis für eine internationale Regelung vorzuschlagen wäre und ob nicht die von verschiedenen Seiten vorgeschlagenen Heilmittel vielleicht gefährlicher wären wie die Silberkcankheit selbst. Kurz uad gut, «an weiß nicht zu helfen. Unter solchen Umständen ble»bt dem ReichrschatzamtSsekretär nichts übrig als beruhigende Worte. Ec räth, die wirthfchaftlichen Mißstände nicht mit den monetären Fragen zu iden- tifiziren, eine Mahnung, die gewiß sehr am Platze ist gegenüber der Gepflogenheit mancher Leute, alle Uebel auf die Währungsfrage zurückzuführen. Denen, die mit ihren Vorschlägen sofort daS ganze Land mit Segen, Wohlstand und Reichthum überschütten zu können glauben, gibt der Staatssekretär zu bedenken, daß, selbst, wenn internationale Vereinbarungen Aussicht auf Erfolg böten, man doch sehr vorsichtig und mäßig vorgehen müsse, wenn man nicht unser Kreditwesen und damit unser Erwerbsleben schwer schädigen wolle. Wer freilich der Meinung ist, alles sei in schönster Ordnung, sobald er Schulden, die er in theuerem Gelbe gemacht hat, in minderwerthigem bezahlen könne, für den werden die Besorgnisse des Staatssekretärs nicht existiren. Ja der Kommission
haben sachkundige Leute verschiedener Richtung gesessen und wenn auch von den Freunden der Doppelwährung behauptet wurde, die ganze Kommission sei darauf zu- geschnitten, ein Votum für die Goldwährung abzugeben, so glauben wir doch, daß die Mehrheit des objektiven Denkens hinreichend fähig war, um, falls ihr ein brauchbarer Vorschlag zur Besserung der Währ« ungSverhältnisie gemacht wurde, ihn anzunehmen. Man ist aber nickt weiter gekommen als bis zu der Ucker- zeugung, daß die Sache sehr schwierig ist. Diese Ueberzeugung werden hoffentlich auch die Doppel- währungSleme in etwa wenigstens gewonnen haben, die so frisch darauf los zu kariren wußten. Man kann nur wünschen, daß auch in den an dem Kampfe für Aenderung der Währungsverhältniffe so lebhaften An- theil nehmenden BevölkerungSkceisen die ruhige Erwägung Platz greife, daß das, was die Gesellschaft von Fachmännern als sehr schwierig befunden hat, denn doch nicht so leicht und einfach sein könne, wie man es in volkS- und landwirthschastlichen Versammlungen und in manchen Blättern darzustellen pflegt. Leider wird der Wunsch der Staatssekretärs, die KommissionS- Mitglieder möchten dazu beitragen, die Ueberzeugung von der Vielseitigkeit der Silberfrage und von den Schwierigkeiten ihrer praktischen Lösung zu verbreiten uad damit auf deren sachliche, nüchterne Beurtheilung hiazuwirken, wohl nicht von allen erfüllt werden. Nach wie vor werden die einen die Handelsverträge, die andern die Goldwährung für alle Uebel in der Welt verantwortlich machen. Immerhin hoffen wir, daß der Ausgang der KommisfionSverhandlungen manchen auS seinen Träumen von dem bimetallistischen Dorado aufwecken wird.
deutsches Reich.
Berlin, 12. Juni
* DaS Komitee zur Errichtung des BiSmarck- DenkmalS hat sich nach zweistündiger Sitzung heute Mutag über die Ausschreibung eines Wettbewerbs schlüssig gemacht, den Wortlaut festgestellt und die PreiS-Jm y gebildet. Die Namen der Jury sollen nicht eyer veröffentlicht werden, als bis auf die erfolgenden Anfragen die Annahme-Erklärungen gegeben worden sind.
* Die Deutsche Laudwirthschafts-Ausstelluug war am letzten Sonotag, obgleich er fast unaufhörlich regnete, von 51,259 zahlenden Personen besucht. ES ist daS eine BesucySzffer, wie sie die deutsche LandwirthschaftSgesellschaft auf ihren früheren Ausstellungen noch nie gehabt hat. Sie übersteigt die Gesammtzahl der Besucher der fünftägigen Ausstellungen in Frankfurt a. M, in Breslau und in Königsberg i. P. Und doch würde bei günstigem Wetter die Berliner Ausstellung am Sonntag wohl die doppelte Zahl Besucher gehabt haben. Auch am Sonnabend war die Zahl der Besucher der Ausstellung größer, als selbst an den Sonntagen früherer Ausstellungen, 38,455 Personen.
* Der Minister dcS Innern hat den Polizeipräsi-
Mereeves de Moron.
Bon Lambert de St. Croix.
Autoristrte freie Ueberfetzung von Philipp Freibank.
(62. Forljetznng.)
Antonio, der Chulo, ging in tiefen Gedanken versunken auf dem Platze hin und her. Plötzlich legte sich eine schwere Hand auf seine Schulter und eine bekannte Stimme sagte:
„Kennen Sie Ihre alten Freunde nicht mehr?"
„Ah, Sie sind eS, Jakobo", sagte, von dieser Begegnung freudig überrascht, der Chulo.
„Ich, ja ich bin er, mein Lieder; ich habe Ihnen eine Neuigkeit mitzutheilen."
„Und die wäre?"
„Gestern wurde in Cadix bei seiner Ausschiffung der Mann von Maria Ordonnez verhaftet.
In zwei Stunden werde ich ihn imGefängniß besuchen — er wurde hierher geliefert — und ich hoffe endlich den Schlüffe! zu der ganzen geheimnißvollm Geschichte zu finden."
„Glauben Sie, daß dieser Spitzbube weiß, um war er fick handelt?"
„Ich glaube er wohl, denn er war über seine Verhaftung gar nicht erstaunt. Er frug mich nur, wie er seiner Frau ginge, und als ich mit einem „Gat" ant
wortete, schien er zufrredeu zu sein und sprach kein Wort weiter."
„DaS ist äußerst seltsam."
„Ich sprach gleich zu ihm von Luiz Mandrilla, und daß derselbe sich im Gefängniß bi finde. Diese Nachricht schien ihn zu erstaunen, denn er murmelte leise einige Worte, welche ich nichtsdestoweniger verstanden habe".
„Wie lauteten diese Worte?" frug der Chulo gespannt.
„Ec werde sich diesen Schlaukopf endlich kaufen", so sagte derselbe.
„Sagen Sie mir, lieber Jakobo, finden Sie er nicht sehr warm hier? Ich denke, eS wäre gut, sich ein Bischen zu erfrischen nach dieser ganz widerwärtigen Hinrichtung. Gehen Sie mit?"
„Recht gern."
Mit diesen Worten verließen die beiden Männer den Platz, aus welchem vor kaum einer halben Stunde sieben Spanier mit dem Leben ihre Verbrechen gegen ihre Mitbürger gesühnt hatten.
14. Kapitel.
Die Verzeihung.
Nach d?r Rückkunft von seiner längeren Reise war der erste Gang deS Herzogs von Moron zu seiner
| deuten aufgefordert, einen Bericht einzureichen über den > Berliner Brauerei-Boykott. Der Bericht soll als- i dann dem Kaiser auf eigenen Wunsch überreicht ! werden.
* Bei dem gestrigen großen Arrnee-Jagdreune« i zu Hoppegarten ist leider ein beliebter junger Offizier, | der als schueidiger Reiter bekannte Lieutenant v. Boncet - vom Magdb. Husaren - Regiment Nr. 10, verunglückt. Air er die Steinmauer nehmen wollte, stürzte i daS Pferd und fiel so unglücklich auf den Reiter, daß es auf dessen Kopf lag. Ec wurde in hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenzimmer gebracht, wo er l*/i Stunde später in Gegenwart seiner Mutter und seiner Schwester, die dem Rennen beigewohnt hatten, verschied.
* Die Ueberführung des Banner« de« deutsche» Schützeubuude«. dar seit dem Schützenfeste vor vier Jahren im Berliner Rathhause aufdewahrt worden war, nach Mainz, dem Orte deS kommenden Schützenfestes, ist am Sonntag unter entsprechenden Feierlichkeiten erfolgt.
* Breslau, 10. Juni. Die.Schles. Ztg/ schreibt: Unter vem Tttel: „Antwort an die päpstliche Priesterschaft in BreSlau" hat der Prediger Lio. Thümmel in Remscheid soeben (im Berlage von D. B. Wiemann in Barmen) eine Broschüre erscheinen lassen, enthaltend: die von Prediger Thümmel am 11. April d. IS. in der Provinzial-Versammlung deS schlesischen Haupt- Vereins vom Evangelischen Bunde gehaltene Rede, sowie „die von den Päpstlingen in ihrer Protestversammlung am 26. April aufgesagten Spruche nebst einer Kritik derselben." Die Broschüre ist in einem »nS so wenig zusagenden Tone geschrieben, daß wir auf die Besprechung ihrer materiellen Inhalts verzichte«." Diese Broschüre von Thümmel liegt unS noch nicht vor; wenn aber selbst die kulturkämpferische ,Schles. Zeitung/ erklärt, dieselbe sei in einem ihr so wenig zusagenden Tone gehalten, daß sie auf die Besprechung ihres materiellen Inhalts verzichte, dann scheint Herr Thümmel wieder einmal eine kräftige Leistung verübt za haben.
• Limburg, 11. Juni. Der »Nassauer Bote' schreibt: Eine Anzahl liberaler Blätter wußte wieder einmal zu melden, oaß Herr Dr. Lieber beabsichtige, seine Mandate für Land- und Reichstag niederzp- l eg e p. An diesem ganzen Gerede ist kein wahrer Wort, Herr Dr. Lieber denkt gar nicht daran, seine parlamentarische Thätigkeit aufzugeben.
* Leipzig, 11. Juni. DaS Reichsgericht hat die gegen vaL Urtheil des Landgerichts Hamburg im Fahrkarten - Prozeß eingelegte Revision deS Schaffners Schuldt und der 16 Viehhändler verworfen.
Ruslan-.
• Pest, 12. Juni. Der Kaiser ernannte vor seiner Abreise den Grafen Franz Esterhazy, Baron S. Uechtritz und den ehemaligen Odergespan v. Zuber zu lebenslänglichen Mitglievern des Magnatenhauses. Ein weiterer PairSschub soll nicht erfolgen.
Schwester, der Aedtiffin der Augustinerinnen, um derselben einen längeren Bericht abzustatten.
AtS die Superiorin aus dem Munde ihres Bruders vernahm, daß Raoul allen Ernstes um die Hand Mercedes angehalten habe, ersuchte sie ihren Bruder, seine Tochter zu ihr zu senden.
Obwohl die Aebtissin mit der Vergangenheit abge- schlossen und sie dem Vater Raouls längst im Herzen verziehen hatte, so erschien er der Schwester des Herzogs von Moron, auch wenn der Sohn für die Schuld seiner Vaters nicht verantwortlich gemacht werdm konnte, doch kaum statthaft, daß ein Graf Ferötre eine neue Verbindung mit ihrer Familie eingehen könne.
Anderseits sprach für den Grafen die Liebe zu ihrer Nichte, für welch' letztere die Aebtiffin eine ganz besondere Zuneigung hegte. Außerdem gehörte daS Herz der Aedtiffin mehr ihrem Seelenbiäutigam, Jesus Christus, und von den Schlacken irdischer Liebe war i es längst in der Klosterzelle befreit.
Die Aebtissm entschloß sich daher, des Hrrz Mer- j cedeS sorgfältig zu sondiren und zu versuchen, ob eS ! »och möglich sei, daS junge Mädchen von einem Schritte ! zurückzuhalten, welcher nur Verwirrung in die Familie | tragen mußte. Mißglückte dieser Versuch, war bte Liebe ! zu Raoul stärker als bi; Familien traditwn, so war die