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21. Jahrgang

Dienstag, den 12. Ium 1894.

JV 131

FuldaerMZeitüng

b

Mercedes -e Msro«.

Bon Lambert de St. Croix.

Älutorisirte freie Uebersetzung von Philipp Freidank.

(60, Fortsetzung.)

Muleta verfolgte die Spure» der Maria Ordonnez und erfuhr, daß sie in Malaga sich einige Jahre auf­gehalten habe und zwar in Gesellschaft einer Manner, Hessen Beschreibung auf Luiz Mandrilla paßte.

Theodora Bodega (Maria Ordonnez) unterwarf sich der Herrfchast ihre- Onkels fehr ungern; doch machte sie keinen Versuch, sich derselben zu entziehen. Der Mann verschwand häufig während mehrerer Mo­nate und ließ seine Nichte, die einen kleinen Handel mit Apfelsinen trieb, allein zurück. Auffällig war er, daß die Abwesenheit Luis MandrillaS, der inzwischen mit feiner Richte nach Lerer übergesiedelt war, regel­mäßig mit neuen Verbrechen der „Schwarzen Hand" zusammenfielen. Für den Polizeiagenten war er des­halb ausgemacht, daß Mandrill« mit der „mano negra“ in Verbindung stand und seine Nichte davon Kenntnis chatte.

Der Bericht des Polizeiagentrn schloß mit der Be­merkung, daß Mandrilla der Mörder feiner Nichte und Antonio unschuldig sei. Jakobo hatte inzwischen auch in Erfahrung gebracht, auS welchem Grunde Mandrilla von dem Herzoge von Moron fortgejagt worden war.

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Nach seiner Rückkehr nach Xues theilte Jakobo dem UntersuchungSrichtkr mit, er werde nun nach Cadix fahren, um Jldefonfo Bodega zu verhaften. Eine Depesche ans Manilla hatte «ämüch die Abreise der Begnad:»;:?, ttach Spanien bestätigt. Muleta wollte vor allen Dingen die Geschichte des Klosterschatzes fest­stellen; aber eS erschien ihm rätselhaft, auf welche Weise Maria Ordonnez sich zu dirsim Versuche der höheren Hochstoplerei hergegeben habe.

Nach dieser Abschweifung kommen wir wieder zur Gegenwart zurück. Der Untersuchungsrichter hatte nach dem Verhöre des Luiz eine längere Unterredung mit dem Gi Heimpolizisten, nach welcher sich derselbe in die Zelle des Briganten begab. Mandrilla gestand, daß er der entsprungene Gefangene fei, aber er leugnete zum großen Verdrösse Jakobo?, daß er Jldefonso kenne.

Die Fragmente deS Briefe?, welche Muleta im Zimmer von Maria Ordonnez gefunden hatte, bewiesen zur Genüge, daß sich die Frau in denselben eine Waffe aufbewahren wollte, um sie gegen Luiz zu ge- brauchen, wenn er sie eines Tages zu brutal miß­handelte.

Der Geheimpolizist sann nach, auS welcher Ursache daS Verbrechen gegen Maria Ordonnez vollführt wor­den sein konnte. Jedenfalls beabsichtigte Luiz ohne Zweifel, als er Maria Ordonnez tötete, eine gefähr- trche Zeugin zu beseitigen. Die Briefe, welche Maria

Ordonnez empfing und welche dieselbe anwiesen, sich den Geboten des Luiz zu fügen, waren bestimmt ge- fälscht. DaS Bruchstück deS Briefes, das Jakobo m dem Zimmer der Maria Ordonnez fand, zeigte nicht die- fkloe »anu^rt, ba« Schreib^ welcher er auf der Post beschlagnahmt hatte.

Der UutersuchungSrichter sand in dem Aktenstücke den Brief an den Erzbischof von Paris. Er verglich die Handschrift diefeS Schreibens mit dem Bruchstück deS bei Maria Ordonnez gefundenen Briefes, und stehe da, beide waren indentifch. Das Schreiben an de» Erzbischof von Haris, welcher Maria Ordonnez an­geblich unterschrieben hatte, war augenscheinlich von der Hand Luiz MandrillaS. Dieser vollendete Schurke hatte also auch den versuchten Betrug an diesem Kirchen­fürsten auf dem Kerbholze. Wie kam Luiz auf diese Idee?

Auf die einfachste Weise von der Welt.

Derselbe war bekanntlich über zwanzig Jahre im Hause des Herzogs von Moron und kannte aufS Ge­naueste alle die verschiedenen Wandlungen, welche die Verlobung deS alten Grafen von Frretre mit der Schwester des Herzogs paisiert hatte. Er erfand die Geschichte deS Schatzes, indem er darauf zählte, daß die Familie Ferstre keinen Skandal schlagen, sonder» ruhig in die Falle gehen werde.

Der vielgewaydte Verbrecher hatte sich aber in

Derselbe unterschied sich von seinen Borgängern dadurch, daß seine Sitzungen öffentliche waren. Die Erfahrung, welche man mit dieser Neuerung machte, dürfte die Beibehaltung der­selben außer Frage stellen, da das den Vereinen auf der Haupt­versammlung in der geräumigen Halle des Felsenkellers von der Oeffentlichkeit entgegengebrachte Interesse die gehegten Er­wartungen weit überstieg. Die Zahl der Theilnehmer lag sicher nicht unter 600; einzelne Schätzungen lauteten auf 800. Als hervorragende Gäste sind die Herren Oberpräsident Magde­burg Excellenz, Regierungspräsident Graf Clairon d'Haus- fonville, sowie Geh.-Rath Landrath Roth zu Schlüchtern zu nennen. Auch die Stadt Schlüchtern war offiziell durch Herrn Bürgermeister Salomon vertreten, Delegirte hatten aus allen Gauen deS Hessenlandes sich eingefunden. Wem dieses nicht ohnehin bekannt war, der hätte es an den charakteristischen Trachten verschiedener Schwälmer Bauern merken können. Besonders stark vertreten war die Geistlichkeit beider christlicher Konfessionen, nicht minder der Bolksschullehrerstand.

Um 10'/- Uhr Vormittags wurde die Versammlung durch den Berbandsanwalt Herrn Rittergutsbesitzer Rexerodt zu Roerda eröffnet, der alle Erschienenen, vor allem die obenge­nannten hohen Gäste, willkommen hieß und ein Hoch ausbrachte auf Se. Majestät den Kaiser, in das die Versammlung begeistert einstimmte. Nach Begrüßung der Versammlung durch Herrn Bürgermeister Salomon im Namen der Stadt Schlüchtern trat erstere in die am Abend deS 5. in einer Borversammlung festgestellte Tagesordnung ein. Erster Gegenstand derselben war der Bericht über die Entwicklung und die Thäligkeit der Vereine des Verbandes im abgelaufenen BereinSjahre, erstattet durch Herrn Rexerodt-Roerda. Derselbe gab folgende Daten: Zahl der Vereine 215, Mitglieder 18,800 (gegen 13,800 Ende 1893), Umschlag 8,471,844 Mark, Reservefond 73,800 Mark, Stistungs- fond in 22 Vereinen 41,542 Mark, Gewinn 16,000 Mark, Ver­lust 900 Mark. Der Preis für Viehsalz schwankte bei Kauf­leuten zwischen 1,50 und 2,90 Mark, darum sei Regulirung notwendig.> Durch Vermittelung der Centralstelle Neuwied bezogener Esparsettsamen wies bei angestellten Proben 80 und mehr keimfähige Körner, von Kaufleuten entnommener ca. 60 bis herab zu 55 pCt. keimsähige Körner auf. Ueber die Pfennig­sparkassen sind keine zufriedenstellenden Nachrichten von den Ver­einen eingegangen. Bei Geschäftsabschlüssen mit Feuer- und Hagelversicherungsgesellschasten, welche Neuwied vermittelt, werden den Versicherungsnehmern namhafte hohe Prozente erspatt. Die Frage der Geldbeschaffung hat noch keine bestiedigende Lösung gefunden. Der Berichterstatter schlägt vor, auf eine Aenderung des Invaliden- und Altersversicherungsgesetzes, welches den Be- völkerungskreiien, denen die Darlehnskassen z» dienen bestimmt sind, bedeutende Summen entzieht, hinzuwirken, dahingehend, den betr. Kassen die Baarmittel des durch dieses Gesetz begrün­deten Instituts dienstbar zu machen. Vielleicht auch sei rathsam, die Landräthe, bezw! Kreise und Gemeinden anzuweisen, aus jenem Fond Gelder zu entleihen und zum Selbstkostenpreis (3'/s pCt.) den Darlehnskassen zu überlassen.

Regierungspräsident Graf Clairon d'Haussonvllle glaubt, daß dieser Weg nicht immer gangbar sei. Ein anderer schwebe ihm vor: Kreis- und städtische Sparkassen leihen und geben an die kleineren Kaffen weiter. Die größeren Kassen sind die anqezeigten Kanäle, durch welche den Dors- und KirchspielS- darlehnskassen die Mittel der Reichsinvaliden- und AlterSver- sicherungskasse zugänglich zu machen sind.

Geh. Rath Roth: Die Lage unserer KrerSsparkaffe tft die denkbar schlechteste. Wir möchten Geld anlegen und könnens nicht los werden. Wir sind bereit, jeder Raiffeisen'schen Kasse in unserem Kreise (es sind deren, soviel bekannt, 15), 2000 Mark zur Verfügung zu stellen — nicht zu 4 pCt.; wivthuns billiger, zu 3'/« und zu 32/, pCt. Die Kreiskasse muß der Bankier der Darlehenskassen werden. Wenn der Verkehr zwischen uns (der Kreissparkasse) und den Darlehnskassen noch kein so inniger ist, als es sein könnte, so ist dies nicht unsere Schuld. Wir wollen, wir dürfen einander nicht Konkurrenz machen, sonst machen wrr | einander tobt. Ich war in den Rus gekommen, daß ich den ' Darlehnskaffen entgegenarbeite. Jetzt wird mrr Seitens derselben Dank gespendet; ich bin in meinem Rufe gereinigt. Die Staats-

Stadt, Provinz und Nachbargebiet.

Fulda, 11. Juni.

= Man Schreibt uns von hier: Da in letzter Zeit mehrfach die Rede von dem am hiesigen Platze m>d in der Umgegend geplanten neuen Unteruebmen der Deutsch - Amerikanischen Petroleum - Gesellschaft (Vertreter für hiesige und anstoßende Kreise Herr A. Großenbach in Fulda) gewesen ist, dürfte eS das kaufende Publikum intereffiren, zu erfahren, in welcher Weife eine Aenderung in der Transport- weife und Ablieferung deS Petroleums Seitens der genannten Gesellschaft beabsichtigt wird. Die am „Slöckelfer Bahnhof" im Bau befindliche An­lage mit zwei großen unterirdifchen Behältern für American-Family Oil und Diamant-Salon-Oel wird bereits im Laufe dieses Monats in Betrieb gesetzt und damit unserer Stadt eine Neuerung zu Theil, auf welche bislang nur große Städte stolz sein konnte». Die Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft ver- forgt nämlich ihre Abnehmer mehr und mehr mittelst Tankwagen, wodurch sie den Gebrauch der immer seltener werdenden und kostspieligen Fässer vermindert. Ein solcher Wagen faßt circa 3000 Liter Petroleum und ist mit einem höchst sinnreichen Mechanismus ver­sehen, der dazu dient, die Menge des abgelieferte» Petroleums genau zu messen, denn ein automatischer Zählwerk gibt genau die Anzahl der Kannen an, welche

beamten und die Kassen müssen zusammenarbeiten, das Woh des Volkes zu fördern, dadurch für Kaiser und Reich zu wirken- Die Darlehnskassen sind Bataillone, die an meiner Seite kämpfen- Wir wollen Schulter an Schulker weiter kämpfen.

Pfarrer Fritsch schlägt vor, die Darlehnskaffen möchten keine Hypothekendarlehen gewähren, sondern solche von den Kreissparkaffen vermitteln. Auf diese Weise werden die Kreis­sparkassen ausreichend sichergestellt, so daß sie unbedenklich Dar­lehen bewilligen können, e#

Pfarrer Nickel fragt an, ob müßig liegende Gemeinde­gelder den Darlehnskaffen zugewendet werden dürfen. Wenn ja, so bitte er die anwesenden hohen Herren um dahingehende generelle Weisung.

Regierungspräsident Graf Clairon d'Haussonvllle: Mir erscheint dieser Weg nicht gangbar. Solche Gelder müssen bei Kassen angelegt werden, welche die größtmöglichste Sicher­heit gewähren. Dieser aber können die Darlehnskassen als ver­mittelndes Zwischenglied sich bedienen.

Wie in treffsicher Weise ein Hand in Hand gehen mit bett stäbtischen oder auch Kreissparkassen zu ermöglichen sei, wies Herr Amtsgerichtssekretär Drin neu berg an dem Beispiel der Regelung deS gegenseitigen Verhältnisses im Unterverband Fulda nach, wo die städttsche Sparkasse in der entgegenkom­mendsten Weise auf das Abkommen eingegangen sei, jedem Ver­ein in Form des Kontokorrentverkehrs Darlehen zu 3'/« pCt. zu geben und Einlagen zu 3»/, pCt. anzunehmen. Ergänzend dazu führte Herr Profesfor Schick-Fulda aus, daß die städtischen Kassen thatsächlich ein großes Interesse an dem Blühen der Darlehnskassen haben müßten, da eine ausgewucherte Landbevölkerung in der Umgebung der Städte für diese von großem Schaden, ein kaufkräfttger Bauernstand aber von größtem Vortheil sei.

Es folgen noch Mittheilungen über unkoulantes Verhalten von Sparkassen (Ziegenhain), dann wird aus Antrag deS Ünter- verbanddirektorS Pfarrers Me yensch ein die Weiterbesprechung dieser Materie aufgeschoben bis zu Punkt III der Tagesordnung.

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 9 Juni

* Der Kaiser trifft am 23. d. M. in Kiel ein, von wo auS er nach mehrtägigem Aufenthalt feine diesjährige Nordlandsreife antritt.

* Die laudwirthschaftliche Ausstell««- war gestern, dem brüten Tage, von 19,152 zahlenden Per- fonen besucht. Die vorjährige Münchener Ausstellung ' zählte am dritte» Tage ca. 2000 Besucher mehr. Aller- | bing? hat ei gestern fast ben ganzen Tag über geregnet. Zu ben gestrigen Besuchern ber Ausstellung zählte auch ber Reichskanzler Graf Caprivi.

* Der Kolonialrath hat heute feine Berathungen abgefchloffen unb ben Entwurf zu einer Grundbuch- orbnung für Deutsch-Ostafrika genehmigt. I» der gestrigen Sitzung wurden die Anttäge wegen eventueller Aenderung ber Geschäfte dls Kolonialraths berathe». Man stimmte schließlich barüber überein, baß es zur Erreichung ber von ben Antragstellern verfolgten Ziele einer Aenderung der Geschäftsordnung nicht bedürfe. Um die Kontinuität der Sitzungiperioden aufrecht zu erhalte», soll die Ernennung der Mitglieder sich un­mittelbar an den Schluß der voraufgehenden Periode anknüpfen. Außerdem soll anstatt einer formellen Schluffes der einzelnen Session nur eine Vertagung eintreten, damit, wie dies im Jahre 1891 mit Erfolg geschehen sei, die von dem Kolonialrath zur Borberathung einzelner Fragen eingesetzten Ausschüsse in der Zwischen­zeit bis zur nächsten Einberufung ihre Thättgkeit fort- s setzen können.

* Finanzminister Dr. Miquel hat die Beleidigungs­klage gegen Ahlwardt auf Bitte der Angeklagten zurückgezogen, nachdem die in Frage stehende Angelegen­heit durch den Prozeß gegen Plack und Genoffen voll­ständige Aufklärung gesunden. Der heute vor dem hiesigen Landgerichte angefetzte Termin ist deshalb auf­gehoben worden.

Ausland.

* Pest, 9. Juni. Dr. Wekerle ist heute Mittag vom Kaiser in einer halbstündigen Audienz empfange» worden. Eme Eatscheidung in der Ministerkrife ist noch nicht erfolgt, jedoch im Laufe deS TageS zu er­warten. „ ,. m u

* Rom, 9. Juni. CriSpi fitzt seine Berhand- fangen mit politischen Persönlichkeiten fort; ein Er- gebuiß ist bisher nicht zu verzeichnen.

* Warschau, 8. Juni. Die Cholera ist in starker Zunahme begriffen. Die Bahnverwaltunge» errichten Sanitätrftaüonen, in denen die Reisenden aus den ver­seuchten Ortschaften isolirt werden, worauf die Weiter- beförderung in deSinfizirten Waggons erfolgt.________

12. Uerbandstag der Kaifftisen'schen Dar- lehnsksssenvrrrine des Keg.-Ke;. Kassel.

Schlüchtern, 8. Juni.

Die Raiffeisen'schen Darlehnskassenvereine des Reg.-Bez. Kassel hielten am 6. b. M. hier ihren 12. BerbanbtStag ab.