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Beilage zu Nr. 130 der.Fuldaer Zeitung'.

Sonntag, den 10. Juni 1894.___________________________

K'

empfing Maria Ordonnez alle 4 Wochen regelmäßig die Frau des Graveurs betrifft, so erfilhr der Iftimmal-

beamte nichts mehr, als daß sie nach kurzer Zeit aus

einen Brief, welcher den Poststempel Manilla trug.

(Fortsetzung folgt.)

so erwirkte er eine Vollmacht des Untersuchungsrichters,

sangen.

Bei dem Namen Jldefonso'S fand sich über seinen Civilstand die Notiz: Berheirathet mit Maria MoS- quitoS, geboren in Valencia, ohne Kinder. Der findige Geheimpolizist begab sich sofort nach Valencia, wo es ihm leicht war, den Civilstand der Gesuchten festzu­stellen. Bon ihren Verwandten lebte nur noch eine alte Tante, welche ihm eine genaue Personalbeschreibung von Maria Ordonnez verschaffte. Jakobo erfuhr ferner, daß Maria MoSquitoS aus Herze«Sneiguvg einen Metall- graveur Namens Jldefonfo Bodega geheirathet habe und mit ihm in glücklicher Ehe lebte.

Bodega genoß den Ruf eines geschickten Arbeiters und ehrlichen Mannes, bis nach einigen Jahren ein Onkel seiner Frau in Valencia eintraf und bei dem jungen Ehepaar Wohnung nahm. Derselbe war bis dahin Intendant bei dem Herrn von Moron gewesen.

Luiz Mandrilla, so hieß der Onkel, war ein durch­aus schlechter Mensch. Derselbe wurde vo.m Herzog von Moron aus seinen Diensten gejagt, weil er über sieben- Hunderttausmd Franken veruntreut hatte. Seit dieser Zeit lebte er ausschließlich von Spitzbübereien. Er ver­stand es, sich in das Verträum des Mannes der Maria MoSquitoS zu schleichen und denselben nach und nach auf die Bahn deS BerbrechmS zu drängen. — Trotz der inständigen Bitten seiner Frau ließ sich Bodega verleiten, zuerst Lotterieloose und später Banknoten der Bank von Spanien nachzumachen.

Dar Geld aus diesen Betrügereien floß reichlich, und trotz der Thränen und Bitten seiner Frau setzte Bodega daS gewinnbringende Geschäft fort. Bodega und Mandrilla gaben sich einem üppigen Wohllebm hin, bis eines Tages die beidm Banknotenfälscher in die Hände der Gerechtigkeit fielen und zu der bereits erwähnten, verdientm Strafe verurtheilt wurden. War

Da Jakobo 'annahm, daß der unbekannte Brieffchrriber Valencia verschwunden war. Man glaubte, sie habe sich in Manilla von dem Morde noch keine Kmntniß habe, auS gekränktem Ehrgefühl ern Leid angethan.

um die für Maria Ordonnez avkommmdm Briefe mit Beschlag zu nehmen. Der Geheimpolizist hatte fich in feinen Erwartungen nicht getäuscht und in kurzer Zeit besand sich ein Brief an die Ermordete in seinen Händen. Derselbe hatte folgenden Inhalt:

„Jnnigst geliebte Frau!

Wenn Du diesen Brief in den Händen hast, bin ich bereits auf dem Wege nach Spanim. Meine Begnadigung ist angekommen und in ganz kurzer Zeit werde ich Dich in meine Arme schließen können. Ich habe einige Ersparnisse gemacht und hoffe, daß Du dasselbe hast thvn können. Ich habe fiir Dich regelmäßig fünfzig Franken an Deinen Onkel Luiz geschickt, von dem Du dieselben hoffent- lich jeden Monat erhaltm haben wirst. WaS mir am meisten Kummer macht, ist, daß ich niemals von Dir Briefe empfing. Seit zwei Jahren erhalte ich nur durch Luiz Nachrichten von Dir, er schrieb mir, es gehe Dir gut und Dein Geschäft blühe. Er meint, ich sollte die Briefe an Dich durch seine Hände gehen lassen, aber ich zog vor, mit Dir dirett in Bei- 1 bindung zu treten. Bei meiner Rückkunft werden wir Beide ein Handelsgeschäft gründen und eS wird uns sicher noch gelingen, unser Glück zu machen. Also auf Wiedersehen, geliebtes äBeib! j

Dein Dich liebender Gatte

M."

DaS Couvert der Briefes trug den Stempel Manilla. Nach der Unterschrift zu schließen, war also Maria Ordonnez legitim verheirathet und ihr Mann mußte demnächst ankommen. Der Brief war eigenthümlicher Weise am Vorabende der Mordes an Maria Ordonnez geschrieben. Wer mochte dieser Luiz sein, von dem in dem Briefe die Rede war? War eS vielleicht dieser Mandrilla, den der Sicherheitsagent schon längst für verdächtig hielt. Welches Interesse hatte derselbe ge- habt, Gelder und Briefe der Mannes der Maria Ordonnez zu unterschlagen, um dieselbe zu hindern, I ihrem Manne zu schreiben.

Jakobo verlor seinen Muth nicht. Er begab fich nach Madrid zurück, um beim Ministerium deS Innern Erkundigungen über den nach Manilla Verbannten ein­zuziehen. Dies war nicht leicht; denn nicht weniger als einhunderteinundzwanzig Verbrecher warm seit drei Jahren zur Verbannung nach Manilla begnadigt. Man konnte ihm über die Namen keine Auskunft gebm, wenn Jakobo nicht die Ursache der Berurtheilung an­geben könne.

Der Kriminalbeamte gab sich die Mühe, die Liste der nach Manilla verschickten Verbrecher durchzugehen. Bei diesem undankbaren Geschäfte fiel ihm sofort der Name Jldefonfo Bodega aus, welcher wegen Falsch­münzerei vor sieben Jahrm zu sechSzeha Jahrm Zwangs- arbeit verurtheilt und später zur Verbannung nach Manilla begnadigt wurde, gleichzeitig mit Luiz Man- drilla, bei dessen Namm unter der Rubrik die Be­merkung stand: Entflohen und nicht wieder ringe-

Mercedes de Moron.

Bon Lambert de St. Croix.

Autorifirte freie Ueberfetzung von Philipp Freidank.

' (59. Fortsetzung.)

Als Antonio einttat, sagte der Richter, in einem großen Aktenstücke blätternd: „Die Beweise Ihrer Un­schuld sind erbracht, Antonio, aber Ihre Frecheit könnm wir Ihnen erst in einigen Tagen wieder schenken. Die Gerechtigkeit hat sich diesmal geirrt, aber dieser Irr- thum ist menschlich, und Sie werden wohl einsehen, daß sehr vieles für Ihre Schuld gesprochen hat. Sie haben durch Ihre Unvorsichtigkeit ja selbst die Schuld­beweise auf Ihr Haupt gehäuft und diese Thatsache muß sie darüber kosten, daß Sie so lange unschuldig verhaftet blieben. Trösten muß Sie aber noch mehr das Bewußffein, hocherhobenen Hauptes von hier weg- gehm zu können. Sie werden bald in Freiheit gesetzt werden. Haben Sie Geduld, Antonio! Gehen Sie nun, auf Wiedersehen!" , ,

Der Chulo stammelte unter Thränen einige Worte deS Dankes und kehrte in seine Zelle zurück, wo er fich der ungetrübten Freude über den glücklichen Aus­gang seines Prozesses hingab. Zunächst zollte er Gott seinm DankeStribut für die Errettung auS Lebens- gefahr. , . I

Der Untersuchungsrichter begab sich dann m die Zelle Luiz MandrillaS. Der elmde Verbrecher hatte sich von dem Schrecken, in welchen ihn die plötzliche Ankunft des Geheimpolizisten versetzt hatte, noch nicht erholt. Sein kalter Blut schim ihn verlassen zu haben. Er erwiderte in sehr herabgestimmten Tone ans die Fragen des Richters und sagte dann plötzlich:

„Herr Richter, ich habe wichtige Enthüllungen zu «achm; aber ich möchte vorerst wissm, was daraus entstehen kann. Die Gerechtigkeit besitzt nur 10 Haupt­leute der „Schwarzen Hand" und 35 affiliirte der Ge­nossenschaft in ihren Händen, welche letztere fast un­schuldig und mehr Verführte als Verführer sind. Ich mache mich verbindlich, Ihnen die genaue Orgam« fattou der „Schwarzen Hand" zu verrathen und werde keine» der Schuldigen verschonm, unter der einzigen Bedingung jedoch, daß gegen mich die Todesstrafe in Verbannung umgewandelt wird. Wen« Sie mich hin- richten laffen, ohne mein Geständniß zu haben, so wird die „mano negra“ nichts weniger als vemichtet sein. Sie wird im Gegentheil ihr BernichtungSwerk fort- setzen. Bedeykm Sie, daß Sie von hundert Führern dnselbm nur zehn in ihrer Gewalt haben. Die Morde, Diebstähle n.s.w. werden ungestört ihren Fortgang nehmen. Ich wiederhole nochmals, daß Sie die voll­ständige Liste der Führer der „Schwarzen Hand" nicht haben. Nehmen Sie mich also als Kronzeugen an und gewähren Sie mir dafür die Rettung meines Lebens, indem Sie, wie schon einmal erbeten, die Todes­strafe gegen mich in Verbannung umwandeln. DaS Gesetz gestattet die Wohlthat, und ich beanspruche die­selbe."

Luiz hatte so überzeugend gesprochen, daß seine Rede beim Untersuchungsrichter tiefen Eindruck machte. WaS der Brigant sagte, war ganz zutreffend. Man hatte nur zehn Hauptspitzbuben und Spanien mußte unter allen Umständen von der Landplage der „Schwarzen

Hand" befreit werden.

Der Untersuchungsrichter hob die Sitzung auf und schickte Luiz ins Gefängniß zurück und berichtete dann den Erfolg des Verhörs an die Regierung.

Die Frage der Unterdrückung der „Schwarzen Hand" war weit wichttger als der Mord an der Maria Ordonnez. Auch hatte der Richter aufmerksam den Bericht MuletatS gelesen, auS welchem hervorging, was für ein Mensch Luiz Mandrilla war.

Wie wir wissen, hatte der Geheimpolizist den Auf- trag erhalten, genaue Erkundigungen über Maria Ordonnez einzuziehen.

Diese Aufgabe war eine kaum lösbare; für den findigen Geheimpolizisten schien aber das Wort „un­möglich" nicht zu existirm. Er hatte keine andern Beweisstücke in der Hand, wie die Leser wissen, als Bruchstücke eines Briefes an Maria Oldonuez, die blaue Schärpe und die Navaja.

Die erste Sorge Jakobo war, in der Straße, in welcher die Ermordete gewohnt hatte, die nöthigen Erkundigungen einzuziehen. Maria Ordonnez wohnte mit ihrem Hunde allein in dem Haufe und verkehrte mit ihren Nachbarn beinahe gar nicht. Bon Zeit zu Zeit besuchte sie ein hochgewachsener Mann mittleren AtterS, welcher mit der Ermordeten laut und hefttg zu sprechen pflegte. Die Personalbeschreibung dieses Mannes paßte auf Luiz.

Wettere Auskunft erhielt der Geheimpolizist von dem Briefträger des Viertels. Seit einigen Monaten

Wie find Dir so eiskalr Wang' und Hand, Wie todesernst Dein liebes Gesicht. — Am Haare da blühet das Rosenband, Doch nimmer Dein Mund mehr zu mir spricht.

Ich kniee an der Bahr' und wein' und wein': Run hab' ich keine Mutter mehr!

Bor Weh' will springen das Herze mein, O daß ich mit Dir doch gestorben wär'!

n. . . .

Sie legen Dich in den eich'nen Sarg, Als Stab ein Kreuz in den Händen. Der Deckel schlug zu mit hohlem Klang, Und Hammerschlag dröhnt von den Wanden.

Zwölf Nägel drangen in's eich'ne Holz, Zwölf Nägel in's Herz mir drangen: Und tragen sie fort Dich aus Haus und Hof, Dein Bild bleibt im Herzen mir hangen! ____

III.

In langem, langem Leichenzug Fuhr Dich ein schwarzes Rossepaar.

Ich schwankte nach — we ich i nur ertrug Der Thräne so ganz und des Trostes bar!

Zu den andern Tobten auch Dich man barg, Es zog mich hinunter zu Dir in's Grab.

Drei Handvoll Erde klangen am Sarg, Drei Handvoll Erde warf ich hinab.

Drei Handvoll Erde auf Kops und Fuß, Wie tief mir der Klang in die Seele schnitt I Drei Handvoll Erde als Scheidegruß: Mir war's als würs' ich mein Leben mit.

IV.

Zu Hause lief ich von Thür zu Thür : Was sucht ich nur und fand eS nicht? — Ach Gott, wie so öde schien alles mir Und nirgends fand ich daS liebste Gesicht!

Arn Fenster saß ich, wie ehedem;

Auf wen doch harrt' ich da stundenlang? — Ach Gott, ob sie nicht die Straße tarn’, Die Straße herab vom Kirchengang.

Bom Kirchlein, wo sie zu Gott gefleht. Daß all' ihr HauS den Pimmelsweg find;

Wo sie gerungen in heißem Gebet, Zu meist doch stzr m,ch, ihr lüngsteS Kind!

V.

Und soll ich nun ewig, ewig dich missen Dich Mutterherz, das Treueste der Welt I Bleibst ewig, ewig du uns entrissen, Bleibt ewig der Tod zwischen uns gestellt!

Im Thessalerbries, da fand ich's geschrieben: „Nicht jenen gleich sollt trauern Ihr, Für die an Hoffnung nichts geblieben;

Noch zittert bang vor des Todes Gier;

Euch Kindern des Lichts, Euch ist's beschieden, Nicht ewig Ihr in Finstermß darbt;

Euch weckt der Herr zu Freud und Frieden, Die Ihr in Jesum Christum starbt!

Adam Joseph Riel.

Der Mutter Tod.

i.

Sieb' Mutter, lieb' Mutter, o hörst Du nicht mehr. Wie kosend Dich rufet Dein jüngstes Kmd, Und sagst nicht, daß nur ein Traum es war, Daß todesstumm ich Dich wiederfind!

Vermischtes.

* Durch den Buchhandlungsgehilfen Hermann Schulze in Neiffe wurde die Ehefrau des Schuhmachers Maudreck vom Tode des Ertrinkens gerettet. Auffallend ist Bei dieser Lebens, rettunq, daß die Gerettete dieselbe Person ist, welche vor 12 fahren ifiren Lebensretter ebenfalls vom Tode rettete, indem sie M als Kind unter einem in schneller Fahrt befindlichen Wagen ijertioraog. Moment.) Student A.: „Wohm so eilig?" -Studmt B: „Komm mit; eben wird das Umversitatsgebaube photographirt! Denk nur die Reklame zu HauS, wenn wir unt aus das Bild kämen!" „ n .

* («emüthlich.) A.: „Wo wollen Sie denn hm? B.. Ich will um die Hand einer der Töchter des reichen BanqmerS X. anhalten." A.: „So, um welche denn? B.: »Daswech ch noch nicht; ist er guter Laune, nehme ich die längste, ist er schlechter, die älteste."_______________________ ______________

Literarische*

Ein wichtiges und hochinteressantes Werk über Ostafrika wird uns die Zeitschrift .Kreuz und Schwert’ (Munster ,. W.) zu- qänglich machen.' Es ist ein umfangreicher Band mst ausge­zeichneten Illustrationen, betitelt, „Am Kilima-Ndiaro , deffen autorifirte Ueberfetzung vom Jul, ab m genannter Zechchnst Beginnen soll. Verfasser ist Msgr. Le Roy, Bischos von Gabun der in den letzten 10 Jahren als Missionar m Z°"»'b°r hattg war und nicht minder als Kenner des Landes tote als amüsanter Erzähler hervorragt. Das Werk umfaßt etne mehrmonatl che Reffe vom Zanzibar zum Kilima-Ndscharo und zurück. Gleich- zeitig am 1. Juni beginnt dieselbe Zeitschrift den Abdruck eines neuenAntisklaverei-Romans vom Beffasserder „«chwester Luise". Ohne Zweifel sind derartige Publikationen ersten Ranges, die man sonst nur in treueren Zeitschriften findet, geeignet, Kreuz und Schwert" viele neue Leser zuzuführen. Man be­stelle möglichst bald bei der nächsten Post oder Buchhandlung. (Preis halbjährlich 75 Pfg., unter Streifband 90 Psg.)

Pommcrschc Hypothekeu-Acticu-Bauk. Wie aus dem Jnseratentheile unserer heutigen Zeitung ersichtlich, werden Die am 1. Juli er. fälligen Pfandbrief-Coupons bereits vorn 15. Juni er. ab eingelöst.