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128 Freitag, den 8. Juni 1894. 21. Jahrgang

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gelegenheiten gründlich berathen werden, sehen also die Landwirthe. Ob das Ergebniß aber nicht bloß Hülfe für die östlichen Großgrnndbesitzer sein wird, wobei die in Händen eben dieser Leute befindlichen Landwirth- schaftSkammern das Mittel sein werden, die Gesammt- hrit der Landwirthe in Kontribution zu setzen, werden sie abzuwarten haben.

Deutsches Keich.

Berlin, 6. Juni.

* Die Generalärzte Dr. v. Bergmann und Dr. Leuthold haben heute früh bei dem Kaiser den Ver­band von der Wunde entfernt. Die Letztere ist ver­narbt und jetzt nur noch mit einem kleinen Pflaster bedeckt. Später empfing der Kaifer den Grafen Caprivi zum Vortrag. t u

* Auf der Tagesordnung der morgenden Sitzung des Bnndesraths stehen u. A- die vom Reichstag zum Kolonialetat angenommenen Resolutionen, die vom Landesausschuß beschlossenen Abänderungen zur Land- gemeindeordnung für Elfaß-Lothringen und eine neue Verordnung über den Geschäftskreis der deutschen Seewarte.

* Der 8. ordentliche Bernfsgenoffenschaststag ist gestern in Dresden durch den Vorsitzenden, Reichs- tagS-Abgeordneten Rösicke, mit einem Hoch auf Kaifer Wilhelm und König Albert von Sachsen eröffnet wor- den. Aus den Verhandlungen ist hervorzuhebev, daß der anwesende Staatssekretär v. Bötticher mittheilte, die Entwürse zur Abänderung dec Unfallgesetze lägen zur Zeit den verbündeten Regierungen vor und würde« nach der demnächst stattfindenden Ueberreichuvg an den BundeSrath auch dem BerufsgenoffenschaftS - Verbände bekannt gegeben werden. Die Versammlung beschloß darauf hin die Berufung eines außerordentlichen Be- rufSgenossenfchaftstageS, der nach Bekanntgabe der Ent- würfe in Berlin zufammentreten foll.

* Die amtlichen Verordnungsblätter publiziren das Gesetz, betreffend die Aufhebung der im Geltungsbereich des rheinischen Rechte- bestehenden Vorschriften über die i« die Geburts-Register eivzutragendeu Bor- «ame«. Bisher wurden im Geltungsbereiche der rheinischen Rechter nur solche Vornamen in die Standes- amtS-Register ausgenommen, die im Kalender und in der Geschichte vorkommen, nicht aber Namen wie HanS, Fritz, Elsa, Frieda und bergt Diese Eigenthümlrchkeit ist durch daS Gesetz beseitigt.

* Der engere Vorstand dei Bundes der Laud- wirthe hatte sich an den preußischen Finanz- und LandwirthschastSministrr gewendet wegen Vergünstig««, gen für jene Landwirthe, deren Gebäude, Vieh oder Vorräthe durch den Ork an vom 12. Februar geschädigt wurden. Die Minister haben diese Eingabe prinzipiell ablehnend beschieden, da der allgemeine Charakter der Schädigungen nicht angegeben sei. In einzelnen be­sonders schweren Fällen könne jedoch Hilfe gewährt werden.

* Ja der .Gesellschaft für vergleichende Rechts- und den Mord an Maria Ocdonnez begangen hat, den Mann, der an meiner Stelle hier im G-fängniß sitzen müßte. Bitte, benachrichtigen Sie den Direktor sofort von dem, was ich entdeckt habe und ebenso den fran­zösischen Konsul. ES ist sehr dringend. Meine Frei­heit und Ehre stehen auf dem Spiel. Sie werden, ,e eiliger Sie meine Bitte erfüllen, um so weniger Ursache haben, sich zu beklagen. Meine Freunde werden Ihren Elfer sicher belohnen."

„Ich werde Alles bestens besorgen," murmelte der Gefängnißwärter, welcher immer noch nicht überzeugt schien, daß Antonio unschuldig war.

Darauf ging der Gefängnißwärter hinaus, um dem Direktor das seltsame Bockommniß zu melden.

Der Direktor zeigte sich von der Eröffnung der GefängnißwärterS hoch überrascht. Ec neigte schon lange der Ansicht zu, daß Antonio unschuldig sei, und beschloß daher, sich sofort nach der Z-lle deS letzteren zu begeben, umsomehr, als er den Chulo aus Perfön- licher Erfahrung als eine» harmlofen Menfchen kennen gelernt hatte. ,

Mit einem gewissen Lächeln der Befnedrgung nahm er die Mittheilung AntonioS entgegen, daß derselbe in einem der Gefangenen der „mano negra“ den Mann erkannt, welcher Antonio fo unwürdig mißbraucht hatte.

AlS Antonio mit seinem Berichte fertig war, fügte

Mercedes de Moro«.

Bon Lambert de St. Croix.

Autoristrte freie Ueberfetzung von Philipp Freidank.

(57. Fortfetzung.)

Antonio drehte sich dann gegen feinen Kerkermeister, der vor Bestürzung ganz stumm geworden war, um und sagte:

„Bitte, theilen Sie dem Gefängnißdirektor mit, daß ich iym sofort wichtige Nachrichten zu geben habe. ES ist rein zum Todtlachen. Ich bin gerettet, ich bin gerettet!" Mit diefen Worte« schloß Antonio den Se- sängnißwärter in seine Arme, herzte und küßte ihn wie seinen bestm Freund, indem er vor Freude laut aufjubelte.

Der Gefangenwärter konnte sich endlich von dem vor Freude beinahe wahnsinnig geworbenen Antonio freimachen; er rettete sich hinter einen Tisch und sagte ernsten ToneS: „Sie wiffen, daß er in meiner Macht liegt, Sie in eine Dunkelzelle bei Wasser und Brod zu fetzen. Wenn Sie dies vermeiden wollen, so sagen Sie mir ganz ruhig, waS Sie eigentlich wollen."

„Rur nicht böse, mein ausgezeichneter Freund," begütige Antonio und setzte etwas ruhiger hinzu: „Unter den Gefangenen, welche soeben eiugebracht wurden, habe ich den Mann wieder erkannt, welcher «ich in so abscheulicher Weise betrunken gemacht und

Staat-Wissenschaft" hielt gestern Reich-kommiffar Dr. Karl Peters einen Vortrag über die volkSwitthschast- lichen Verhältnisse in Deutfch-Ostafrika. Sein Schluß- urtheil ging dahin, daß jetzt ein ziemlich armseliges wirthschaftliches Leben vorherrsche. Auf große Strecken sei allerdings die Grundlage für eine gedeihliche Wirth- schaftliche Entwickelung vorhanden. Sie sei aber erst dann möglich, wenn die Prairien durch Eisenbahnverkehr mit der Küste verbunden seien und wenn man die dort herrschenden Viehseuchen zu bekämpfen verstehe. So ange man auf Esel- und Kameel-Karawanen angewiesen ei, gehe eS nicht. Mit der BerkehrSfrage stehe und alle die Entwickelung nicht nur in Ostafrika, sondern im ganzen Erdtheil.

* Fürst Bismarck fühlt sich seit feinet letzten Er- cankung noch immer schwach und hat deshalb den Empfang einer ganzen Reihe von Deputationen ab- ehnen müssen. Seit einiger Zeit leidet der Fürst auch wieder an Gesichts-Neuralgie Die Reise nach Barzin oll in der zweiten Hälfte diefeS Monats erfolgen.

* Stuttgart, 5. Juni. Die Regierung hat die BerfaffungSvorlage zurückgezogen, da dieselbe in der »eute bevorstehenden Abstimmung keine Aussicht auf Annahme hat. t , /Mn.„

• Der württembergifche Landtag ist heute (Mitt- woch) geschloffen worden.

Ausland.

* Die KrisiS i» Ungar» zeigt heute ein merk- würdigeres Gesicht wie jemals. Seit dem 31. Mai weiß alle Welt, daß Wekerle demissionirt hat und Graf Khuen mit der Neubildung eines KabinetS betraut ist. Wekerle selbst erklärte am 2. Juni in einer Versamm­lung seiner Partei, daß er seinen Abgang genommen habe, weil der Kaiser den Magnatenschub verweigerte. Am 3. Juni bereits verkündeten die Wekerle-Osfiziösen, daß Graf Khuen an der Bildung einer Ministerium- verzweifele, weil kein Mitglied der liberalen Partei nach Wekerle'S Sturz in ein solche- eintrete« wolle. Roch am Montag Abend melden all- Wekerle-Osfiziösen, Graf Khuen habe dem Kaifer in der Audienz am Montag Mittag erklärt, daß die ihm übertragene Sendung nicht gelungen und er deshalb den Auftrag in die Hände des Monarchen zurücklege. Am Montag fanden auch die Sitzungen der Ober- und UnterhaufeS statt, in welcher Wekerle die Gründe für daS Ent« laffungSgefuch der Regierung darlegen follte. Und waS bekommen die Abgeordneten zu hören? Gar keine Gründe, fondern die Eröffnung, daß daS DemissionS- gefuch vom Kaiser gar nicht angenommen, sondern nur entgegengenommen, und daß Gras KhuenS Aufgabe nicht ein förmlicher (!) Auftrag zur KabinetSbildung gewesen sei, sondern nur die Erkundigung bet Lage be» zweckt habe! AuS bet Doppelzüngigkeit Wekerle'S geht unstreitig hervor, daß man mit aller Macht daran arbeitet, die Kcone unter daS kaubinische Joch deS liberalen ParteitertoriSmuS zu beugen; man will den Kaiser zwingen, auf den eben entlaßenen Wekerle zurückzugreifen. Ein Theil der Budapester und et hinzu: „Sie werden wohl die Güte haben, Herr Direktor, mich diefem Elenden gegenüber zu stellen.

„Wo denken Sie hin? Ich werde diefen Zwischen» fall dem UnterfuchungSrichter melden; dieser wird schon daS Nöthige veranlassen. Aber den Sesallen werde ich Ihnen thun, Antonio, den französische« Konsul, Herrn Leclerc, von Ihrer Beobachtung zu be- nachrichtigen. Dieser wird, wie ich hoffe, Alles thun, Um Meine Freiheit zu verschaffen?" ftug der Chulo.

DaS noch nicht," fuhr der Direktor der Gesang- niffeS fort, „aber doch mindestens, Sie mit dem Brr- brechet zusammenzuführen, um festzustellen, was an Ihren AuSfagen Wahre- ist. Wenn Sie geschickt genug sind, so werden Sie denselben zu einem Ge- ständuiß bewegen. Morgen ober übermorgen werden Sie Weiterer hören." „

Erlauben Sie mit noch ein Wort, Herr Direktor. Dürfen Sie mir die Namen dieser Männer nennen?

„Da- ist mir nicht erlaubt."

Um so besser. Bitte, Herr Direktor, sprechen Sie zu meinen Gunsten, ick bitte Sie seht darum."

„Beruhigen Sie sich, Antonio, Sie werden sich übet mich nicht beklagen können." Mit diesen Worten verließ dieser die Zelle Antonio-.

Zwei Tage später war die Bitte de- ChuloS, Dank dem Einschreiten deS französischen Konsul-, gewährt.

* Die Agrar-Konseren;

ist, wie schon gemeldet, am Samstag geschlossen worden. LandwirthschaftSminister v. Heyden meinte bei der Verabschiedung, wenn auch noch keine direkt gesetz­geberisch zu vetwerthenden Ergebnisse der Natur der Sache nach hätten erzielt werde« können, so sei doch da- zu bearbeitende Feld wesentlich geklärt worben und «un Raum für die in Angriff genommene weitere Be- arbeitung der schwerwiegende« Fragen geschaffen. Wer der Konferenz beigewohnt hat, hat ja vielleicht den Eindruck gewonnen, daß Klärung erzielt worden sei; wer seine Meinung nach bett Berichten de- ,Reichs- Anzeiger-' bilden muß, hat mehr den Eindruck , als fei «an gar nicht vomFleck gekommen; in den letzten Tagen wurde ganz dasselbe gesagt, wie in den ersten. ES ist von anderer Seite schon darauf auf­merksam gemacht worden, daß die Herten Pro­fessoren immer am schnellsten mit der Lösung der aufgeworfenen Fragen fertig waren; sie hatten ihr „System" über Anerben-Recht, Kredit - Organisatto«, LerschulduvgS - Grenze ««gearbeitet in bet Tasche; alle- Lappte, nut waren sie leibet unter sich nicht einig; Gering will anders al- Schmollet, und Wagner wieder anders als diese beiden. Die praktischen Landwirthe dagegen sprachen sich viel zurückhaltender und zweifelsüchtiget ans. Die Vertreter ans dem Westen unterschieden sich wieder bedeutend von denen des OstenS. WaS die Herren Schmitz (Erkelenz) und LandschaftS-Direktot v. Laer (Münster) sagten, muß den andern manchmal ganz „mauchesterlich" geklungen habe«. Auffallend ist, daß so wenig von den Land- wirthschaftS-Kammern die Rede war, wiewohl die Kammern doch die Grundlage bilden sollen, auf denen die Dinge, mit denen die Konferenz sich be­schäftigte, zur Verwirklichung gelangen sollen. Bei der Kredit-Organisation z. B. Willman korporative Mitwirkung der Landwirthe. Run war zwar von Genossenschaften, Landschaften, General-Kommissionen, Rentenbanken u.f. w. die Rede, von den Landwirth- fchaftSkammern dagegen, die doch die rechte Organi­sation bet Landwirthe bilden sollen, sehr wenig. Minister v. Heyden erwähnte sie zwar in seinem Resums am Ende der Verhandlungen Über die Schuld- Entlastung und BetschulbungS - Grenze, ober was et ihnen zugebacht hat, sagte et nicht; er erklärte es nur für falsch, daß die Provinzial-Landtage besonders ein­berufen werden follten zur Berathung über die Land- wirthschaftSkammern; die Vorbereitung diefer Organi­sation werde fo viel Zeit erfordern, daß eine befondete Berufung sich erübrigen dürfte. Mit den Verhand­lungen der Konferenz sind übrigens die Berathunge« über die ihr öorgelegten Fragen noch keineswegs zu Ende. Erst will man, «ach der Erklärung des Ministers, die­selben «och im Einzelnen weiter bearbeiten; je nach dem Fortschreiten der Arbeiten sollen auch noch einzelne sachkundige Vertrauensmänner einbernfen werden, und für ein späteres Stadium ist auch die Wiebereinberufung der Konferenz in Aussicht genommen. Daß ihre Sn-