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124 Sonntag, den 3. Juni 1894. 21. Jahrgang

FlildaerMZkitnng

Beispielsweise würde der .Berliner Lokalanzeiger' nach

S Keichspost uud Zettuugen.

geführt werden.

Für Briefe und Drucksachen, Waarenproben uvd Packele legt die Post bei Berechnung der Beförderungs­gebühr in erster Reihe das Gewicht zu Grunde; bei Beförderung von Postanweisungen die Höhe des ge­sandten Geldbetrages. Es würde ganz in das System der Post hineinpassm, wenn auch für die Be- förderung der Zeitungen diese beiden Punkte in'S Auge gefaßt würden. Daß der angeblich erwogene neue Tarifentwurf die wöchentliche Erscheinungsziffer in den Vordergrund rückt, ist in der Ordnung.

In Nr. 14 der .Zeitschrift für Deutschlands Buch­druckers herauSgegeben vom Deutschen Buchdrucker­verein, ist nun ein Vorschlag gemacht, über dessen Einzelheiten man streiten mag, der aber jedenfalls beachteuSwerth erscheint. Er besteht darin, daß die Post 1. als Entgelt für das Einziehen des Abonne­ments 5 Prozent davon für sich behält, 2. daß der Belastung der wöchentlichen bezw. monatlichen Er- fcheinungSziffer eines Blattes die Abgabeneinheit von 5 Mennig zu Grunde gelegt und 3. das Kilogramm des zur Post gelieferten PapiereS mit 15 Pfennig be- steuert wird. Danach also hätte eine Zeitnng, dir 6 Mark jährlich kostet, 6 Mal wöchentlich erscheint und jährlich 10 Kilogramm Papier an jeden ihrer Leser versendet, an die Post abzugeben: 30 Pfennig 4-6X5 Pfennig oder 30 Pfennig + 10 X 15 oder 1,50 Mark — i« Ganzen 2,10 Mark. Nach diesem Vorschläge würde die .Niederrheinische Volks- Leitung' von 3,20 auf nur 3,85 Mark, der »Berliner Lokalanzeiger' aber von 2,40 auf 8,70 Mark erhöht; die ,Neuß»Grevenbroicher Zeitung' hätte statt heute 1,40 Mark alsdann freilich 2,15 Mark, der.Leipziger Generalanzeiger' statt heute 1,20 Mark alsdann jedoch 4 40 Mark an jährlicher Postgebühr zu zahlen. Diese Beispiele lassen die Vorzüge eines solchen Sy­stems der Gewichtsberechnung deutlich m die Augen springen. Wir können mittheilen. daß die Ver­sammlung deS Deutschen BuchdruckervereinS (Kreis Rheinland-Westfalen), welche am 22. d. M. in Münster tagte, einstimmige Beschlüsse im Sinne dieser AuS- führungeu als Anträge an die Hauptversammlung in Mainz (10. Juni) gefaßt hat.

Wie jedoch verlautet, hat der Gesetzentwurf über den Postdebit bereits die preußischen Ressorts passirt; sollte derselbe wirklich dem oben angeführten Vorschläge der Post entsprechen, so wird hoffentlich der Reichs- tag die erforderlichen Aenderungm vornehmen, um dem Grundsätze auch hier zum Rechte zu verhelfen: „ES zahle jeder nach seinen Anforderungen."

wird und an welchem er nach alter Tradition mit dem Schwarzen Adler auch das OffizierS-Patent zu erhalte« hat. Dieser Tag sei der 14. Juli; da der Kaiser aber an demselben nicht die Einstellung seines SohneS wegen der geplanten Reisen bewirken könne, so habe er zu diesem feierlichen Akte den heutigen Tag gewählt. ES sei der 31. Mai zugleich auch der Sterbetag Königs Friedrich Wilhelm I, dessen Denkmal im Lustgarten, dem alten Exerzierplätze der preußischen Sarde, an dieThaten der preußischen Sarde und an den großen Soldatenkönig erinnern werde. Wenn der Prinz auch noch nicht in dem Alter sei, einen militärischen Dienst thun zu können, so sei es doch von großer Bedeutung, daß auS dem Regimente jene Gesetze der Disziplin und des Gehorsams ihm bekannt werden, die von jeher dar Fundament der Armee gewesen seien." Oberst v.Keffel dankte für die dem Regimente neu erwiesene Gnade, worauf der Prinz in die Leibkompagnie als schießender Osfizier eintrat. Der darauf folgenden Parade wohnten auch der König von Sachsen und sein Neffe Prinz Johann Georg von Sachsen mit Ge­mahlin bei. Sobald dar 1. Garde - Regiment antrat, setzte sich der Kaiser an die Spitze der Leibkompagnie und führte das Regiment zunächst bei seiner Gemahlin und dann bei dem König Albert vorbei. Nach der Parade fand im Neuen Palais eine Parade-Frühstücks- tafel statt, nach welcher sich der König von Sachsen von dem Kaiser und der Kaiserin verabschiedete, um Abends nach Dresden zurückzukehren. Der Parade wohnten auch Prinz Friedrich Leopold bei, der gestern Abend aus Brüssel hier wieder eingetroffen ist.

• Die Agrar - Konferenz, welche gestern in die Spezialberathung eintrat, berieth über eine Abänderung des Erbrechts für den Grundbesitz. SämmÜiche Redner sprachen sich für Einführung des Anerbenrechts als Jntestaterbrecht für kleinen «nd großen Grundbesitz aus. Im Einzelnen gingen die Meinungen vielfach auseinander insbesondere über die Frage betreffs der Aufhebung oder Beschränkung der Testirfrecheit. Die Berathung wurde $ * DieEitt>erkomrnissiort setzte gestern die Debatte der Spezialfragen deS Arendt-Kardorff'schen Antrages fort. Heute und morgen sollen die Bergleute vernom­men werden und am Montag als Schluß der Antrag Arendt auf UebergavgSmaßregeln herankommen. Man erwartet, daß die Berathungen der Kommission am Dienstag geschlossen werden.

* Gegen den jüngsten afrikanischen Vertrag Eng­lands mit dem Kongostaate sollte bekanntlich auch vom deutschen Reiche Einspruch erhoben worden sein. Die Nachricht wurde vom offiziösen Telegraphen ver­breitet «nd mußte daher als glaubwürdig erscheinen. Der Brüsseler Korrespondent der .Köln. Volkszeitung' berichtet nun, er habe Einblick in ein Schreiben auS dem Departement der Innern des Kongostaates er­halten, worin es heißt: „ES ist unrichtig, daß die deutsche Regierung gegen das englisch-kongolesische Ab­kommen Einspruch erhoben hätte." — Bon offiziöser belgischer Seite wird übrigens versichert, daß der Streifen Landes, welcher England iu Pacht gegeben ist, an keiner Stelle die Grenze der deutschen Besitz­ungen in Afrika berühre.

* Bei den diesjährigen Kaisermanövern werden die berühmten vierte« Jafa«terie-Halb-Bataill,«e von zwei auf vier Kompagnien verstärkt werden, fo daß alle vier Bataillone der Infanterie-Regimenter gleich­mäßig und in voller Friedensstärke an den Manöver« cheilnehmen werden. Die aktiven Mannschaften dieser vierten Bataillone werden ans die aufzustellenden vier Kompagnien vertheilt, und demnächst werden zur Er­reichung der Friedensetatsstärke Mannschaften des Be­urlaubtenstandes eingezogey, die auch an der Kaiser- parade sich betheiligen. — Sollte eS sich bei dieser Verstärkung der Halb-Bataillone um eine verheißungs­volle Probe handeln? M ...

* Die Umgestaltung des Post-ZeitungStarifS ist, wie die .Kölnische Bolksztg.' bestimmt erfährt, von Seiten deS ReichSpoft-MinisteriumS in der Weise be­absichtigt, daß die künftige Postg-bühr für Zeitungen 1) auS einer Angabe von 10 Prozent vom Post-Sm- kaufrpreiS und 2) von einer Jahresabgabe von 25 Pfg. für jedes Erscheinen innerhalb einer Woche bezw. Mo­nats bestehen soll.

» Die preußische Staats-Forstverwaltung gibt seit Jahren guter Pflanzenmaterial zum Selbstkosten- preise denjenigen Waiobefitzern ab, welche nicht Belegen­heit habni, sich die erforderlichen Pflanzen selbst zu

die Postverwaltung noch immer nicht dazu gekommen ist, die Postgebühren für die Beförderung derZeitungen zu revidiren. „Heute," so führte Herr Bachem aus, „werdendie Postgebühren für die Beförderung der Zeitungen noch einfach bemessen nach einem Prozentsätze des Abonnementsbetrages, so daß eine Zeitung, die einen hohen Abonnementsbetrag erhebt, erheblich höhere Gebühr zu zahlen hat bei im übrigen gleicher Masse des zu transportirenden PapiereS, als eine Zeitung, welche einen niedrigen AbonnementSpreiS erhebt. DaS war erträglich, so lange die Differenzen nicht allzu groß waren; sie sind aber inzwischen geradezu enorm geworden. Wir haben ganz billige Zeitungen, welche eine ganz enorme Menge Papier bringen, vor­wiegend auf Grund zahlreicher Inserate. Wenn man das pfundweffe berechnet, so muß man sagen: die Post setzt bei dem Transport dieser billigen Zeitungen zn. And einen Ersatz dafür muß sie herausholen auS den Gebühren derjenigen Zeitungen, welche bei höherem Abonnementspreise weniger Papier der Post zur Be-

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Juni.

♦ Der .R-ichSanzeiger' veröffentlicht folgendes Bulletin: Auf Befehl Sr. Maj. des Kaffers und Königs haben die Unterzeichneten Allerhöchst demselben heute Morgen eine kleine Balggeschwulst auS der linken Wange entfernt. Die Operation wurde ohne Narkose in wenigen Minuten vollzogen. Neues Palais, dm 1. Juni 1894, 11 Uhr Vormittags, v. Bergmann. Leuthold. Schlange.

* Bor der gestrigen Parade über die Potsdamer Garnison erfolgte di- Einstellung des Prinzen Adal­bert bei dem 1. Garde-Regiment z. F. Das Regimmt war dem Schloß gegenüber im Carrs aufgestellt. Der Kaiser, umgeben vom Kronprinzen, dem Prinzen Eitel Friedrich und den beiden Söhnen des Prinzen Albrecht, hielt in der Mitte deS Earr e'S eine Ansprache, welche mit dem Hinweis auf dm Tag begann, an welchem Prinz Adalbert sein 10. L-bentjahr vollenden

förderung übergeben."

Herr v. Stephan erwiderte: „Es ist ein Gesetz in Ausarbeitung begriffen, bei bem namentlich die Ge­sichtspunkte berücksichtigt werden sollen, die der Herr Abgeordnete ganz richtig angeführt hat. Der Gesetz« mtwurf hat aber sehr viele Stadien zu durchlaufen. Jedenfalls werden wir unsere Anstrengungen darauf richten, daß die Sache möglichst gefördert wird und daß sie, wenn nicht noch i« dieser Session, so doch im November an den Reichstag gelangt."

Der jetzige Tarif, darüber bestehen nirgends «ehr Zweifel, ist heute ein Unsinn, da er den heutigen Zeitungs - Verhältnissen nicht mehr entspricht und eine Umgestaltung muß nothwmdig mit ihm vorgenommen werben. Er bestimmt, daß eine Zeitung 20 Prozent der von der Post eingezogenen Abonnements dieser überläßt. Die Höhe deS Bezugspreises gibt ganz allein den Ausschlag; alles Andere bleibt unberücksichtigt zum Schaden der Post. Daß die Post nur 2Mk. 40 Pfg. jährlich erhebt von einem Blatte, das 12mal in jeher Woche erscheint und der Post jährlich 50 Kilogramm Papier zur Beförderung an jeden seiner Leser aufhalst, die zum Theil sehr weit entfernt wohnen und für den- selben Zeitraum bei derselben wöchentlichen EcscheinuugS- ziffer 3Mk. 20 Pfg. von einer andern Zeitung erhebt, die jährlich etwa 16 Kilogramm Papier an jeden ihrer Leser versendet, noch dazu in einem weit kleineren Um­kreise, daS ist ohne Frage eine schreiende Ungerechtig­keit. Uvd doch besteht sie nicht ausnahmsweise, sondern fortgesetzt in Hunderten von Fällen. Die beiden Bei­spiele, an denen wir vorher dieses Mißverhältniß auS« regneten, sind der .Berliner Lokal-Anzeiger' in Berlin und die .Niederrheinische Volkszeitung' in Krefeld. Zum weiteren Vergleiche sei auch die .Kreuzzeitung' angeführt, die bei wöchentlich zwölfmaligem Erscheinen und einem jährlichen Papiergewicht von etwa 25 Kilogramm daS Exemplar eine Gebühr von 7 Mk. 20 Pfg. an die Post entrichten muß; sie zahlt also bei der Hälfte deS Papiergewichtes und gleich häufigem Erscheinen eine dreifach höhere Gebühr an die Post als der .Berliner Lokal-Anzeiger'.

Ob daS, was einige Zeit nach den Erklärungen des Herrn GeneralpostrneisterS über die Umgestaltung des PostzeitungStarffS in der Buchdruckerfachpresse bekannt geworden ist, auS wirklich schon bearbeiteten Entwürfen der Post entnommen war, wisse« wir nicht. Immerhin ist von maßgebender Stelle auS kein Wider­spruch dagegen erfolgt. Danach wäre beabsichtigt, von den BezugSgeldern 10 Prozent und für jedes Erscheinen innerhalb einer Woche beziehungsweise ein-S Monats eine JahreSabgabe von 25 Pfg. an die Post zu er­heben. Dadurch würde jedoch keineSweg-S eine Beseitigung der heute bestehenden Unge­rechtigkeiten, unter denen hauptsächlich die kleine und mittlere Provinzialpresse zu leiden und deren Ratzen einzig den „billigen" Zeitungen, also vornehm­lich der farblosen Press-, zufällt, erzielt, sondern nur eine ziemlich allgemeine Tariferhöhung, welche wiederum die kleineren Zeitungen viel empfindlicher trifft, als die meist sehr einträgliche farbloie Presse.

Anforderungen an die Post nur 4,20 Mark an Post- gebühr jährlich zu zahlen haben gegen 4,85 Mark bei _ . . . der .Niederrhümschen Volkszeitung'; diL .Neuß-Greven-

Im Reichstage ist am 9. Februar vom Abg. Dr. broicher Zeitung' (7 Mark jährlich, sechsmal wöchent« BaÄem erneut die Frage aufgeworfen worden, warum i lich, zehn Kilogramm Papier jährlich) wurde von s-i- -----fi—- --x. mAi hni« npfntnntMt 140 Mark auf 2,20 Mark erhöht, der .Leipziger

Generalanzeiger' dagegen (6 Mark jährlich, siebenmal wöchentlich, 25 Kilogramm Papier jährlich) von 1.20 Mark auf nur 2,35 Mark erhöht. Die erstere kleinere Zeitung hat also fast ebensoviel zu zahlen, als die größere letztere, obwohl diese die Mühewaltung der Post in sehr viel größerem Maße, über das Doppelte, in Anspruch nimmt. Sehnlicher Ungerechtigkeiten könnte leicht eine große Zahl auf-