123 Samstag, bett 2. Juni 1894. 21. Jahrgang
FnldllttWZkitiliig
Mercedes de Moron.
Bon Lambert de St. Croix.
Autorisiere freie Uebersetzung von Philipp Freidank.
(52. Fortsetzung)
Bereits fünf Tage befand sich Mercedes in Paris und trrtzdtm ihr Bater sie in einige Theater, in da- Gehölz von Boulogne und sonst überall hivgeführt hatte, war sie Raoul nirgendwo begegnet. Paris er- schien ihr wie ein wahre- Ungeheuer von Umfang. DaS junge Mädchen begann darüber vachzndenken, wie schwer eS doch in einer so ungeheueren Stadt sei. Raoul zu begegnen, und um wie viel schwieriger noch, demselben Kenntniß von ihrer Ankunft zu geben.
Der Ball beim spanischen Botschafter, so sagte Mercedes ein geheimes Borgefühl, würde ihr Nachrichten von Raoul bringen, denn ihr Bater hatte mit einer sonst bei ihm so fremden Energie darauf bestanden, diese- schöne Fest zu besuchen. Sie ahnte, daß ihrer Liebe Gefahr drohe, und nahm sich vor, dieser mit Eiergie zu trotze«.
Eine glänzende Gesellschaft bewegte sich in den prächtigen Räumen der Botschaft. Die Uniformen der bei der Republik akkreditirten Gesandten leuchteten zwischen den schwarzen Gesellschaft-auzügen der Ball» gäste und den strahlenden Toiletten der Damen hervor,
(♦) Das Such des Ktschofs von Erter über „Wunder und göttliche Gnadenbeweise, die sich bei der letzten Ausstellung des hl. Rocker im Jahre 1891 zugetragen haben", ist dieser Tage er- schienen. In der Einleitung dieses 192 Seiten Großoktav umfassenden Werke- bespricht der Hochwürdigste Verfasser die Möglichkeit der Wunder, ihre Srkenntniß und Beweiskraft. Dann folgt die attenmäßige Dar» stellung der einzelnen Wunder und Gnadenerweise. Die Akten sind von einer Kommission, bestehend au- Aerzten und Theologen, geprüft bezw. begutachtet. Die einzelnen Heilungen sind in der Weise dargestellt, daß veröffentlicht wird da- pfarramtliche Zeugniß, auf Grund dessen die Kranken zur Berührung zugelassen wurden, ein ärztliche- Attest über die Krankheit, Bericht über die Heilung, ärztliche- Attest über den Gesundheitszustand der Geheilten nach der Heilung u.s.w., endlich dar Gutachten der Kommission. In elf Fällen kam die Kommission auf Grund der Akten zu dem Ergebniß, daß die Heilungen auf natürlichem Wege ausgeschlossen seien, daß also wunderbare Heilungen vorlägen. TS folgen 27 weitere Heilungen, die ebenfalls sehr auffallend sind. Die Kommission hat sie aber nicht als Wunder erklärt, weil ihr zweifelhaft erschien, oder doch unerwiesen war, daß er sich um Wunder handle. Der Herr Bischof bezeichnet diese Heilungen als göttliche „Gnaden- Erweise". In dem Vorwort macht der Herr Bischof ausdrücklich darauf aufmerksam, daß Niemand im Gewissen verpflichtet ist, zu glauben, daß in jedem einzelnen Falle Wunder vorliegen, auch nicht in den Fällen, welche die Kommission als wunderbare Heilungen bezeichnet. Damit ein Jeder sich selbst ein Urtheil bilden kann, werden die Akten wörttich veröffentlicht, jegliche Bemerkung bei den einzelnen Berichten vermieden. Wer die einzelnen Fälle kennen lernen und beurtheilen will, lese dar Buch. Im Schlußwort heißt eS: „In den vorstehenden Berichten haben wir eS uns zur strengsten Pflicht gemacht, nur die That- fachen reden zu lassen. Wir wollen daS Urtheil des Lesers auf keine Weise beeinflussen. Wer unbefangen, ohne vorher gefaßte Meinung prüfen will, wird sich der Macht der Thatsachen nicht entziehen können. E» handelt sich hier nicht um vorübergehende Empfindungen, nicht um plötzliche Erregungen, die augenblicklich dem Leidenden gleichsam daS Bewußtsein seiner Schmerzen nehmen, ihn aber bald wieder die traurige Wirllichkeit mit der ganzen Wucht der getäuschten Hoffnungen Wien lassen. Rein, die Heilungen sind unleugbar. ? Wir sehen Personen jeglichen Alters, jeglichen Stander i und jeglichen Geschlechts Genesung finden. Krankheiten - aller Art, innere und äußere, werde« gehoben. Diese | wunderbaren Veränderungen geschehen theilr plötzlich, । theilS erst nach einiger Zeit, ohne Anwendung ärzt- s licher Mittel. Die Wissenschaft bekennt, daß diese; Thatsachen auf natürliche Weise nicht zu et kläre« sind, ' wenigstens nicht die an erster Stelle angeführten Fälle. ! ES wäre ei» Jrrthum, wenn man speziell die Krank- , heilen hysterischer Natur uno deren Heilung nur der
Srickeint täalicb Sonn- und Feiertaqe ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile ober bereit Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Vierteljährlicher A Bonn em entsp r e t s ohne Bringerlohn .und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark oO Pfenmg.
kleinste Druckschrift. Für die Ferne wurde eine Sehschärfe desselben Auges festgestellt, welche ungefähr der halben normalen entspricht; es ist wohl möglich und selbst wahrscheinlich, daß vor der Erkrankung des Auges die Sehkraft desselben für die Ferne bereits eine beschränkte war. Bei wiederholter und genauer Aufnahme des Gesichtsfeldes des rechten Auges, d. h. bei Feststellung des Gebietes, welches das Auge beim Fixiren eines Punktes außerhalb dieses Punktes noch mstumfaßte, zeigte sich das Gesichtsfeld ganz normal, und dieser Umstand ist für den vorliegenden Fall äußerst merkwürdig; denn wenn eS auch, selbst bei vorhandenen atrophischen Veränderungen, manchmal vorkommt, daß noch ein gewisser Grad des Sehvermögens erhalten wird, wobei man annimmt, daß die eigentlichen Nervenfasern an der vorhergegangenen Entzündung unbetheiligt geblieben sind, so bleibt doch in solchen relattv günstigen Fällen eine Einschränkung des Gesichtsfeldes immer zurück.
Was nun in diesem Falle außerdem noch besonders frappiren muß, ist die vollständige Restitution des Sehvermögen- für die Nähe. Dr. Nouprez.
Pfarramtliches Erkenntniß über die geheilte Helene Daniel.
Nachdem die kranke Blinde sich durch Empfang der heil. Sakramente und durch Andachten fleißig vorbereitet hatte, begann sie mit Gottvertrauen die Heiligthumsfahrt. Durch Hilfe eine- Priesters zur Anrührung des hl. Kleides des Herrn zugelassen, betete sie also: „O gekreuzigter Heiland, der Du in diesem hoch« heiligen Kleide so vielen Schweiß und Blut auch für mich vergossen hast, der Du so Bielen in Deinem irdischen Wandel und in diesen Tagen durch Berührung des Saumes dieses Deines Kleides geholfen hast, Du kannst auch mir helfen, wenn Du willst. Hilf mir, Herr Jesus, sei mir barmherzig, Jesus, verzeih' mir meine Sünden." Alsbald sühlie das Kind im rechten Ohre (denn eS war auch allmählich fast ganz taub geworden, wie überhaupt die rechte Sette steif und ziemlich gelähmt war) etwas, gleichsam als wenn ein Geschwür sich öffnet und es konnte sofort wieder gut hören; eiskalt ging es ihm über die rechte Seite und ein kalter Luftzug strömte plötzlich durch das linke Auge. Bon den steinernen Treppen, über welchen der hl. Rock ausgestellt war, herabsteigend, sagte es sofort zu seinem begleitenden Vater: „Bater, ich kann sehen." Und zugleich sah und zeigte eS die brennenden Lichter der Kirche, sah andere Gegenstände mit dem vorher blinden Auge und las mit ihm im dunkeln untern Dome ziemlich fertig eine kleine lateinisch gedruckte Schrift.
Guil Dechene, parochus et definitor.
Erklärung der Eltern:
Wir unterzeichneten Eltern der Helena Daniel von hier bezeugen dem Hochw. Herrn Bischof von Trier an Eibesstatt, daß diese unsere Tochier seit dem 1. Oktober 1891, wo sie durch Die Anrührung deS hl Rockes in Trier an den fast erblindeten Augen gesund geworden, bis dato an den Augen gesund geblieben, von dem früheren Nebel sich nichts mehr eingestellt, weshalb wir einen Arzt zu gebrauchen nicht mehr nöthig hatten.
Christian Daniel, Helena Daniel, geb. Kohn.
Recht, den 8. März 1893.
Gutachten der Kommission. Auf Grund der vorliegenden Zeugnisse erachten die Sachverständigen und mit ihnen die Kommission diese plötzliche Heilung auf natürliche Weise für ausge- schlossen. „
In ähnlicher Weife wird berichtet von den Heilungen Johann Hoffmann von Tholey, Berginvalide, 40 Jahre alt, erkrankt amLupn«. Schwester Ursula der Franziskanerinnen von Waldbreitbach in Neuwied, Steif- heit der rechten Armgelen ks. Magdalena Wein ach ter aus Nieder - Kontz in Lothringen, Unbewealichkett in Folge Gelenkrheumatismus. Joseph Petri, Oekonomie- Verwalter aus Etk.ln i. W., erkrankt an heftigen Krämpfen (Veitstanz). Frau Peter Stinner, geb. Wüst, au-Brachbach, erkrankt an schwerem UaterleibS- leiden. Johann Wecker a«S Beilin, leidend an vollständiger Erblindung deS linke« AugeS, hochgradiger Schwachsichtigkeit des rechte« Aug-S. Johann Wecker a»S Berten, von Darm tuberkulöse. Schwester Stephanie wurde die Grafit nach dem Diner von einer Reu- ralgie befallen, und war deshalb gezwungen, ihre Tochter der Obhut der Gemahlin des Botschafters, ihrer Koustne, anzuvertrauen.
Der Herzog war über diese Entdeckung sehr ärger- lich, und stand auf dem Punkte, mit seiner Tochter den Ball wieder zu verlassen, besann sich aber doch einer Besseren, und überließ Mercedes der Gesellschaft der Tochter der Gräfin nebst de« beiden Töchtern deS Botschafter?. Darauf verließ er den Ballsaal.
Fräulein de Baldanalo war hoch erfreut, Mercedes wieder zu sehen find beeilte sich, dieselbe ihren Freundinnen vorzustellen.
DaS EiS ist zwischen den jungen Domen bald gebrochen und in kurzer Zeit hatte MerceoeS, Dank der Liebenswürdigkeit ihrer neuen Freundinnen, ihre Ball- karte beinahe vollständig mit Namen von Tänzer« bedeckt, da diese dieser bevorzugten Ecke deS BallsaaleS natürlich nur so zuströmten. Doch hatte Mercedes, um sich nicht zu sehr zu ermüden, einige Tänze nicht vergeben. t
Ein hochgewachsener blonder langer Mann hatte Mercedes soeben zum Tanze eingeladen; eS war ein Attache der spanischen Botschaft. Sie tanzte mit dem- selben einige Walzertouren, aber sie fühlte sich doch nicht recht zum Tanzen aufgelegt. Sie halte, wie
Einbildung oder Suggestion zufchreiben wollte, wie dies manchmal mit Unrecht geschieht. Wer die oben angeführten Berichte von hysterischen Krankheiten gelesen hat, wird sich gewiß sagen, daß er sich bei den geheilten Personen nicht um Einbildung gehandelt hat. Nein, eS waren schwere Leiden nervöser Natur, wie: langjährige Lähmung, unstillbares Erbreche«, Stimmlosigkeit «. s. w., welche allen ärztliche« Bemühungen gespottet hatten. Dar Wunder ist daS eigenste Werk GotteS. In unbeschränkter Freiheit wirkt eS, wann, wo und wie eS ihm beliebt. Ueberall können wir aber eine der göttlichen Weisheit und Liebe entsprechende Absicht wahrnehmen. Der Herr lehrt uns dm hohen Werth der kindlichen Demuth und deS unerschütterlichen BertranenS auf seine Vatergüte, et offenbart seine Allmacht, besonder- aber will er de« Glauben der Menschen von neuem wecken und beleben. Die Wunder sind gleichsam ein liebevoller Mahnruf an die armen Verirrten, welche von den großartigen Errungen- schastm der Wissenschaft geblendet, dem Glauben ihrer Kindheit wie ein Ammenmärchen entsagten und in der öden Wüste deS Unglauben- Herz und Geist verkomme« lassen. Hoffen wir, daß dieser Mahnruf von Vielen beherzigt wird.
Wir gebm auSzüglich Folgende- wieder:
Helena Daniel aus Recht, Kreis Malmeby, bald 14 Jahre alt. AerztlicheS Attest. Helene Daniel in Recht leibet seit mehreren Jahren am Schwunb bes rechten Sehnerven unb infolge besten an gänzlichem Verlust ber Sehfähigkeit bes afft» zierten Auges. Daß bie bisher angewandten Mittel irgend welche Befferung bes schweren LeibenS nicht bewirkt haben, bescheinigt hiermit auf Verlangen. Malmeby, den 26. September 1891. Dr. Nouprez.
Gutachten bes Arztes.
Malmeby, ben 8. Oktober 1891.
Als Helene Daniel mir am 2. Juni b. I. zum ersten Male zugeführt wurde, konnte sie mit dem rechten Auge bie Bewegungen meiner Hanb nicht mehr unterscheiben; mit bent linken Auge vermochte sie noch mit Mühe mittelgroßen Druck zu lesen. Aeußerlich war an bett Augen der Patientin nicht- Besonderes zu sehen, herbe Pupillen waren ziemlich stark erweitert, glänzenb unb ganz klar. Die Untersuchung mit dem Augenspiegel ergab für bas rechte Auge atrophische Beränberungen ber Netzhaut (Ausbreitung des Sehnerven) als Residuum einer abgelaufenen Entzündung. Die pathologischen Veränderungen des Sehnerven und seiner Ausbreitung waren derart, daß ich eine Wiederherstellung der Sehkraft dieses Auges nicht mehr erwartete; ich theilte das dem Bater mit und eröffnete ihm gleichzeitig, ich sei bereit, das Kind in Behandlung zu nehmen, um das linke Auge, dessen Sehkraft bereits abgenommen, und dessen Netzhaut starke Blutüberfüllung, d. h. beginnende Entzündung zeigte, vor dem Schicksal des rechten Auges, wenn möglich, zu bewahren. Allmählich trat auch wirklich eine Befferung des linken Auges ein, auf welches ich fortan meine besondere Ausmerksamkeit richtete, da ich das andere als unrettbar verloren erachtete. Nachdem bas Kinb einige Zeit bei mir in Behandlung geblieben war, ging es nach HauS, unb seitbem sah ich es nur in längeren Zwischenräumen wieder.
AIS am vorigen Sonntag (3. b. Mts.) bie Kleine von Trier zurückkehrte, wo sie auf Grund eines von mir ausgestellten Ältestes zur Berührung deS hl. Rockes zugelassen worden war, erklärte mit ber sie begleitenbe Vater freudestrahlend, daS Kind könne mit dem früher erblindeten rechten Auge wieder sehen, worauf ich zu meinem nicht geringen Erstaunen in der Thal konstatirte, daß sie mit diesem Auge die feinste Diamantschrift zu lesen int Stande sei.
Bei der am folgenden Tage wiederholten Untersuchung las die Kleine wie am vorhergehenden mit dem rechten Auge die und gaben ein bunte« Bild mit großartiger Stsammt- wirkung.
Eine der ersten Kapellen der Hauptstadt trug ihre Weifen vor, und bald bewegten sich die tanzenden Paare in den einschmeichelnde« Rychmeir de- Walzer-. Die spanische Kolonie hatte ihre schönsten Vertreter- innen zürn Balle entsendet und diese wetteiferten mit ihren Pariser Schwestern erfolgreich an Grazie und Liebenswürdigkeit.
Bei seinem Eintritte wurde der Herzog von Moron von dem spanischen Botschafter auf da- Resp ktvovste empfangen und an Mercedes richtete er seine wohlgesetzten Komplimente. Die Toilette deS jungen Mädchen- erhöhte den Glanz ihrer jugendlichen Schönheit wesentlich. Sie trug eine Robe von mattrosa Mousselin, besäet mit kleinen Silberblättchen, und gerade die Einfachheit dieser ihrer Toilette verlieh ihrer südlichen Schönheit einen ganz besonderen Reiz. D e Bewegung, von der sie beim Eintritt in die GesellschaftSräume ergriffen wurde, belebte ihren sonst mattweißen Teint und färbte ihre Wangen rosig.
Der Herzog bahnte sich mit seiner Tochter einen Weg durch die Menge und wendete sich gegen den Ballsaal, wo er die Tochter der Gräfin Valdanalo bemerkte. Ec war sehr erstaunt, daß die Gräfin dem Balle ferne geblieben war. Wie der Herzog hörte,