jy 12o Mittwoch, den 30. Mai 1894. 21. Jahrgmg,
FuldaerWZeitiiiig
eg ihnen kaum mehr möglich machten, für das Mmi- sterium einzutreten. Das neue Ministerium dürfte weiter nach links liegen und ein Konzentrations-Ministerium, das heißt gemifcht aus Opportunisten und Radikalen, "^Auch weil Casimir Parier sich so wenig Mühe gab, die Verhandlungen zu lenken, schließt man, er habe sich schon vorher mit RücktrittSgedanken getragen. Dies kann aber doch dadurch sonderbar erscheinen angesichts des Umstandes, daß er gerade jetzt so fest rat Sattel zu sitzen schien. Die Radikalen und die Sozialisten sind die Sieger der Augenblicks. Das macht die Aufgabe des Präsidenten, sich mit neuen Ministern zu umgeben, nicht angenehmer. Casimir Psrier war für ihn fo etwas wie ein Retter gewesen, aus den er noch sür lange hoffte. Vom allgemeinen politischen Standpunkte aus verdient Casimir Psner ein vrrhältnißmäßig guter Zeugniß. Er hat den Beweis erbracht, daß er mehr Fäden >n der Hand zu -alten vermochte, als manche feiner Vorgänger; am Dienstag versuchte er eS mit einem Ruck der Zügel und das Roß schlug aus. Kommen du Radikalen etzt ans Ruder, wird man wohl noch öfters PönerS Geschick vermissen, der Seist der Versöhnung aber ist todt.
Für den Monat Juni werden Avonne- ments ans die 1
* Die ftmMsche Muisterkrtse.
Ganz unvermuthet »ft am Dienstag daS französische Ministerium Casimir Psrier zu Falle gekommen. Die nächste Veranlassung war unbedeutend. Der Arbeit»« minister Jonnart hatte sich in etwas schrrffer Weise gegen die Betheiligung der Staatsbahnarbeiter am National'Kongreß der Syndicate der Eisenbahnbedienste- ten ausgesprochen, und daraufhin war die vom Ministerpräsidenten Casimir Psrier verlangte einfache Tages- ordnung von einer aus Radikalen, Sozialisten und Konservativen gebildeten Majorität abgelehnt worden. Roch hoffte die Regierungspartei, Casimir Perlet, der sich mit seinen Kollegen sosort ins BerathungSzimmer zurückzog, zum Bleiben bewegen zu können; da ward aber inzwischeu die motivirte Tagesordnung der Kon- fervativen Deramel angenommen trab damit die Demission unaufhaltbar. UebrigenS würde Casimir Psrier auch sonst kaum nachgegeben haben. Er gilt ja als der ausfichtsvollste Gegenkandidat Carnotr bei der nächsten Präsidentenwahl und hat daher nicht Lust, sich als Ministerpräsident verbrauchen zu kaffen und eventuell unpopulär zu werden. Einen so schönen Anlaß zu einem ehrenvollen Rückzug von der Minister- Präsidentschaft hätte er sobald nicht gefunden.
DaS eigentlich Treibende bei diesem Ministersturze war aber etwas ganz Andere». Casimir Psrier ist ob der jüngsten KulturkampseS gefalle«. Mit dem Augenblicke, wo daS versöhnliche Wort Spuller'S vom neuen Geiste" durch die That wieder dkSavomrt zu werden anfing, begann auch die Zerbröckelung der Regierung» - Majorität. Durch alle in letzter Zeit den Radikalen hingkworfenen Brocken waren aber diese nicht von ihrem Hasse gegen daS Ministerium, an dem sie leinen Theil hatten, abzubringen, wobei sie auch der geheimen Sympathien deS Präsidenten der Republi' sich bewußt waren. Für die ForNxistenz des Ministerium» Casimir Psrier, welche» ja sonst ob seiner Energie alle Unterstützung verdient und gewiß gesunden hätte, wäre eS daher nothwendig gewesen, da» Wort vom „neuen Geiste" zur Thatsache zu machen oder mindesten» Alle» zu vermeiden, wodurch die Rechte direkt verletzt werden konnte, um ja deren Unterstützung nicht zu verscherzen. Frei! ch stand sie da im Widerspruch mit dem Präsidenten der Republik, der c» lieber mit den Radikalen nicht verderben will, und auf diese Art sind wohl die letzten schärfere« Maßnahmen kultur- kämpferischer Natur, zu allerletzt da» Verbot der offiziellen Theilnahme der Staatsbeamten und Offiziere an der Jean d'Arc-Feier, zu erklären, welche die Katholiken begreiflicherweise arg verstimmen mußten und
Vater mit derselben über ihre Herzensangelegenheit noch nicht gesprochen habe.
Unruhige Tage? WaS ist denn in der ruhig« Stadt Xere» passiert?" fragte die Schwester des Herzogs erstaunt.
Mercedes nahm ihren ganzen Muth zusammen und legte, ihr schönes Gesichtchen gegm dar kalte Elsen- giftet pressend, mit halber Stimme da» Bekenntuch chreS HerzenSgeheimnisse» ab. Sie erzählte, wie sie Raoul kennen gelernt hatte, wie ihre Liebe zu ihm entstand, kurz Alles, was m de« letzten Wochen chr Herz bewegt hatte.
Die Aebtisfin hörte dem langen Herzenserguß ihrer Nichte ruhig zu, obwohl ihr Herz bei der Namensnennung des Grafen FerStre schmerzlich berührt wurde Doch überwand sie diese vorübergehende Schwache und fragte mit sanfter ruhiger Stimme:
Nickt wahr, Mercedes, er handelt sich um den Sohn der Grafen FerStre? wie alt ist derselbe?
Das weiß ich nicht," erwiderte Mercedes, von der Gelassenheit der Aebtissin ganz verblüfft. „Der junge Graf mag etwa dreißig Jahre zahlen.
„Schon so lange Zeit" flüsterte die Aebtisfin. „Und liebst Du den Grafen wirklich, liebe» Kind?
von allen Postanstalten, Land^iefboten, Zeitungsträgern und von der Spedition ^Harmonie) zum Preise von 50 Pfg. (nebst Bestellgeld) jederzeit entgegengenommen.
Mercedes de Moro«.
Bon Lambert de St. Croix.
Autorisirte freie Ueberfetzung von Philipp Freibank.
(49. Fortsetzung.)
Bei diesen wohlwollende« Worten der Marquise fiel ein schwerer Stein vom Herzen der junge« Herzogin. Sie dankte der würdigen Greisin für jeden Beweis ihrer Liebe und Fürsorge und sagte dann:
„Ich zittere doch vor dem Gedanken, vor der Aeb- tisfin ein« Namen auszusprechen, dtssm Träger ihr so vielen Kummer bereitet hat. Nur deshalb fürchte ich mich, derselbe« meine Liebe zu Raoul zu gestehen.
„Fass- Muth, mein Herzblatt, bedenke, daß e» fick «m Deine ganze Zukunft handelt. Wenn Dn erf außerhalb der Mauern von XereS weilst, so kannst Du sicher darauf bauen, daß Graf Feretre, wenn er Dick wirklich liebt, keine Stunde mehr länger hier zubrragen wird. Du mußt nachher wissen, woran Du Dich zu halten hast. Ich finde kS für zulässig, daß Du, wenn Du mit der Aebtissin gesprochen haben wirst, Gra FerL-re ganz offen von dem Resultat dieser Unter- Haltung Nachricht gibst, auf welche Weise wnd sich
theure Tante," sagte Mercede» und erhob sich. „Du hast vollständig recht; mein Vater
der April speziell in Eisen und Eisenwaaren ein Ausfuhr • Mehrauantum von 280,000 Dopprlcentuer, ra Maschinen u. s. w. eine solche von 48,000 Doppel- centner auf. E» sind da» gerade diejenigen Erzeugnisse, welche für die dmtsche Ausfuhr nach Rußland in erster Linie in Betracht komm«. Am meisten zurückgegangen ist die Ausfuhr von Getreide und landwirthfchaftlichen Erzeugniffe. ES wird gehofft, daß sich nach der er- folgten Aufhebung der Identitätsnachweises dieser Theil der deutschen Ausfuhr wieder heben werde.
* Die sächsische Regierung hat beim BundeSrath eme Aenderung der über den Verkehr mit Sprengstoffe» geltenden Vorschriften beantragt. Die bezügliche Verordnung bestimmt: „Die Leiter der Bergwerke, Stein- brücke, Bauten und gewerblichen Anlagen sind ver- pflichtet, Maßregeln zu treffen, welche eine Berwen- düng der zum Verbrauch im Betriebe verausgabten Sprengstoffe durch die Bergleute, Arbeiter «. s. w. zu anderen Zwecken ausschließen." Der Antrag geht nun dahin, vor daS Wort „ausschließen" da» Wort „thun- lichst" einzufügen, da Maßregeln, welche der citittm Vorschrift unbedingt entsprechen, thatsächlich nicht durch- führbar seien. , , m „
♦ Nach einer aus Olmütz hier angelangten Nach- richt wird der Hoch«. Herr Fürsterzbischof Theodor von Olmütz morgen (DimStag) ftüh hier eintreffen und im Hotel de Rome absteigen. Der Ansenthalt m Berlin ist auf vier bis fünf Tage berechnet.
* Arnsberg, 25. Mai. DaS ,Central-Vbl. schreibt: Wie wir vernehmen, ist eine Eingabe de» Dominikaner.Ordens an dar Ministerium um Genehmigung der Niederlassung genannten Orden« in unserer Stadt behusS Ausbildung der Zöglinge am hiesigen Gymnasium und Gründung eines Pensionat» für Gymnasialschüler vom Kultusminister abschlägig beschiede« worden. Diese Ablehnung ist nm so mehr zu bedauern, als die Ordensniederlassung zur Entlastuvg der hiesigen überbürdeten Seelsorge-Geistlichen gedient hätte. Dem Vernehmen nach ist die Niederlassung vo« Dominikanern in einem anderen Orte des Sauerlande» vom Minister gestattet worben; man nennt Brilon unb Meschede.
* Münster, 25. Mai. Da die Domkapitulare Giese und TibuS in einem ungeraden Monat gestorben sind, hat die Staatsregierung das Vorschlagsrecht für die Neubesetzung der beiden Stellen. Al« künftiger Generalvikar wird Domkapitular v. Noel mel genannt.
* Trier, 27. Mai. Da« soeben erschienene vo« Bischof Ko rum herausgegebene Buch über die Wunder de« heiligen Rocks enthält 11 wunderbare Heilung« und 27 Gnadenbeweise. • .
* In Württemberg wird er mit der Bildung einet besonderen Centrumspartei für den württem- bergischen Landtag jetzt Ernst. Zu Ellwangen hat ra d« Tagen nach Pfingsten eine stark beachte katholische Volksversammlung statigefunden, welche sich mit der sozialen, mit der Schul- und Ordensfrage und mit der Bildung eines württembergischen LandtagScentrum» be- schäftigten. Die ständige Nichtberückstchtigung der
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Mai.
• Die vom preußischen Minister für Landwirth- chaft berufene Agrar-Konferenz ist heute im Bunde». rathSzimmer b S Reichstags zu ihrer ersten Sitzung msammengetreten. Eine Anzahl bet berufenen Herren hat sich zu einer Theilnahme an b« Verhandlungen außer Stande erklärt, so daß an ihre Stelle neue berufen werden mußten.
• Der .Reichsanzerger' meldet: In Folge der Klag« landwirthschaftlicher Kreise über Mißstände ans dem Buttermarkt in Folge derFabrikation und de» Ver. trieb» der Margarine leitete der Reichskanzler sür dar ganze Reichsgebiet Erhebungen über den gegen, wärtigen Stand der Margarinesabrikatiou, deren Einfluß auf den Handel mit Raturbutter, sowie über die Wahrnehmung in den einzelnen Bundesstaaten in Betreff bet Wirksamkeit und der etwaigen AbänderungS. bedürftigkeit des Gesetzes vom 12. Juni 1887 über den Verkehr der Ersatzmittel sür Butter ein. Aus Grund deS eingegangenen Materials werden die er. hobenen Beschwerden geprüft werden und die zur Be. seitigung obwaltenden Mißbräuche etwa veranlaßt« weiteren Maßnahmen erwog« »erb«.
* Die deutsche HandelS Bilauz ist bauernd un- günstig. In den ersten vier Monaten dieses Jahres betrug die Einfuhr ca. 9,7 Millionen Doppelcentnet mehr als in dem gleichen Zeitraum deS Vorjahres, während die Ausfuhr nur um 2,1 Millionen Doppel« centner zugenommen hat. Die Einfuhr ist um 11,7, die Ausfuhr um 3,2 °/0 gestiegen. Im April allem betrug die Einfuhr 26,6 Millionen (ca. 3 Mill, mehr), die Ausfuhr 17,1 Millionen (0,1 Millionen weniger), trotz deS rassischen Handelsvertrags. Allerdings weist soll niemals über seine Tochter erröthm und sich nie. malS beklagen dürfen, daß dieselbe gegen bu unge- tiriebenen unb boch so strengen Gesetze bet Wohlan, stänbigkeit unb der Ehre sich verfehlt habe. Ich werde nun ie Begleitung meiner Kammerzofe Pepa sofort m daS Kloster der Augustinerinnen gehen und hoffe Dtr bald übet den Erfolg der Unterredung mit meiner Tante Bericht erstatten zu können."
Mercedes verabschiedete sich nach diesen Worten von der Marquise unb schlug alSbalb mit ihrer Zofe den Weg nach btnt Kloster ein. Ihr Entschluß staub im Voraus fest. Sollte sie bei bet Aebtissin auf einen ernsthaften Wiberstanb stoßen, so war eS für sie be- schlossen Sache, sofort ihren Batet aufzusuchen unb bemselben ganz offen ihre Liebe zu Raoul zu gestehen. Je mehr sie sich bem Kloster näherte, um so tiefer würbe ihre Gemüthsbewegung unb Mercede» zitterte vor Aufregung, al» sie ihrer Tante Aebtissin, welche hinter dem Gitter de» Empfangszimmer» durch eine Kußhand ihren Gruß erwiderte, guten Tag wünschte.
Welche» Glück für mich, Dich bei mir zu sehen, mein Liebling," sagte die Supmotin. -Wie lange ist e» schon, daß ich Dich nicht gesehen habe. Wie ging e» Dir diese lange Zeit übet?" .
„Liebe Tante, ich habe unruhige Tage m dieser langen Zeit erlebt," erwiderte da» junge Mädchen,