Mercedes de Moroin
Bon Lambert de St. Croix.
Autorifirte freie Ueberfetzung von Philipp Freidank.
(47. Fortsetzung.)
Graf Ferstre war durch die Arwesepheit Mercedes fo wonnetrunken uns ihre Freimüthigkeit hatte ihn so hingerissen, daß er entzückt von der Gleichstimmung chrer Lebensanschauungen einen genauen Bericht über seivm Streit mit dem Marquis erstattete, ohne etwas «lSzulasien oder hinzusetzen.
Mercedes vernahm den Bericht Ramls mit unbeschreiblicher Bewegung. Sie las mit Entzücken aus demselben heraus, wie leine Neigung zu ihr entstandm und durch all die PrZfungen gewachsen war. Endlich schloß der juuge Mann seine Darstellung, welche ihm sehr viele Anstrengung verursacht hatte.
Mit holder Scham übergossen, hatte Mercedes den mit Wärme vorgetragenen Bericht vernommen, der i« Großen und Ganzen nichts Anderes darstellte, als eide förmliche Liebeserklärung der jungen Grafen. Die Verwirrung raubte ihr vollständig die Sprache und er Aar ein Glück, daß die würbige Tante ihrer mädchenhaften Scham zu Hilfe kam.
„Aber, mein Liebling, Du siehst ja, wie erschöpft der Graf durch Deine Schuld ist; wir dürfM deshalb nicht länger mehr verweilen."
„Nicht 'doch", warf Raoul ein. „Sie wissen gar nicht, meine Damen, um viel besser ich mich befinde, seit Sie gekommen sind."
„Wir wollen Sie nicht weiter ermüden, mein Herr", betonte die Marquise etwas verdrossen Äer die Wendung, welche die Unterhaltung genommen hatte. Wir werden vielleicht an einem anvem Tage wiederkommen."
„Du hast Recht, liebe Tante", fügte Mercedes hinzu und erhob sich. „Wir müssen nun gehen, Herr Graf," wendete sie sich an Raoul; „haben Sie herzlichsten Dank für die Aufrichtigkeit, mit welcher Sie meine Fragen beantwortet haben."
„Und Sie werden den Marquis de la Montana nicht heirathen?" frag Raoul mit zagender Stimme.
Der unglückliche junge Mann konnte in seiner Herzensangst, die Geliebte seines Herzens zu verlieren, diese Frage nicht zurückhaltey, so sehr sie auch de« sonstigen Gebräuchen in der guten Gesellschaft widersprach.
Die Marquise, durch den heutigen Besuch in ihren Anschauungen über die Schicklichkeit schon schwer gekränkt, war durch diese Frage des Kranken nicht wenig erzürnt, sie versuchte deshalb Mercedes fortzuführev. Raoul bemerkte die Absicht der alten Dame und sagte, getrieben von der Allgewalt seiner so lange zurückgehaltenen Liebe zu Mercedes, sich direkt an das junge Mädchen wendend:
„Sie würden mich glücklich machen, wenn Sie die Bewerbung der Marquis de la Montana zurückwiesen. Ich glaube, dar wäre wahrer Balsam".
Aber Mercedes vernahm seine Worte kaum mehr; chre Tante hatte Sie hinauSgeführt, und, veranlaßt durch die etwas laute Unterhaltung, war auch Schwester Cölestine wieder in dar Krankenzimmer getreten.
Raoul fühlte sich durch die Aufregung sehr schwach.
Der Konsul, welcher die beiden Damen im Salon erwartet hatte, war nicht wenig überrascht, dieselben in so hoher GemüthSbewegung zu sehen.
„Wie ist der Besuch verlaufm, meine Damen?" fragte Leclerc beunruhigt.
„Ich fürchte, Herr Konsul", erwiderte Mercedes, „daß wir die Ursache eine- Rückfalls gewesen sind. Nachdem Graf Ferstre alle meine Fragm in der größten Ruhe beantwortet hatte, ließ er sich nicht abhalten, fortgesetzt zu sprechen, bis wir durch unser Weggehen ihn zum Schweigen zwangen. Bitte, treffen Sie sofort alle Borsorge für den Kranken und erwähnen Sie nirgendwo unseres Besuches. Wir rechnen bestimmt auf Ihr Ehrenwort."
„Sie können auf meine unbedingte Verschwiegenheit rechnen, Fräulein von Moron", beeilte sich der Konsul zu erwidern, welcher sich ernstlich über die Folgen des Besuches zu beunruhigen begann.
„Wenn Sie Ihrer LiebenSwürdigkrtt die Krone aufzusetzen gewillt sind", setzte Mercedes ihrer vorherigen Bitte hinzu, „so haben Sie doch die Güte, uns täglich über dar Befinden des Grafen auf dem Laufenden zu halte«. Ich wäre untröstlich, wenn mein Besuch den Zustand Ihres lieben Kranken verschlimmert hätte. Auf Wiedersehen, Herr Konsul; ich werde Ihnen immer dankbar dafür fein, war Sie heute für mich gethan haben."
Mü diese« Worten reichte Mercedes Leclerc die Hand, welche derselbe galant mit den Lippen berührte.
Ehe die beiden Damen dar Konsulatsgebäude verließen, rekognoSzirte die Marquise die Straße de la Princesa und da sie Niemanden bemerkte, Katen sie schleunigst auS dem Hause.
Sonntag, den 27. Mai 1894.
Die beiden Damen gingen denselben Weg zurück, welchen sie im Herwege eingeschlagen hatten und nach Verlauf einer knappen Stunde befand sich Mercedes wieder in ihrem traulichen Zimmer, um auf den Knieen in heißem Gebete die Hilfe der Himmels für Raouls Genesung zu erflehen.
11. Kapitel.
Die Empfindungen Mercedes.
Graf Ferstrc erholte sich langsam von seiner Verwundung und der Arzt war erstaunt darüber, daß der Besuch Mercedes, den er niemals gestattet haben würde, keine bösen Folgen nach sich gezogen hatte.
Die Wunde Raouls begann zu heilen, so daß der Arzt dem jungen Franzosen in Aussicht stell,en konnte, daß er in etwa zehn Tagen den ersten AuSg,anz machen dürfe.
Was Raoul betrifft, so war er durch den Besuch hoch erfreut und er fühlte sich durch denselben körperlich und seelisch gekräftigt; nur eine dunkle Ahnung, nur ein Schatten trübte sein Glück, eS war die Frage, welche Mercedes an ihn bezüglich seines Vaters gerichtet hatte. Wie war es möglich, daß die Tochter des Herzogs von Moron Interesse an der Vergangen- heit des Grafen von FerStre haben konnte! Welche Beziehungen mochten zwischen seinem Vater und dem Hause der Herzogs von Moron bestehen, daß Mercedes eS wagte, ihm, Raoul, am hellen Tage einen Besuch abzustatten -und damit chre« -guten Ruf aus daL Spiel zu setzen.
Raoul Äravnte rS «s die Seele, hinter dieses ®e« hcimniß zr kommen und Mercedes um die Gründe chrer Frage anzugehen. .....
Der Herzog von Moron war nach dem Auftritte seiner Tante nach dem Kasino gegangen, um dort den Marquis de la Montana zu treffen. Er gedachte bei ihm die näheren Umstände zu erforschen, welche der ärgerliche« Scene auf der Alameda voran gegangen waren. De: Marquis war nämlich feinen Fragen nach dieser Richtung hin bisher geflissentlich aus dem Wege gegangen.
Der alte Edelmann hatte sich gegen feine Tochter in einen hohen Grad vo« Erregung hineingeärgert, und der Widerstand, den sie der Vermählung mit dem Marquis entgegensetzte, zeigte ihm nur zu deutlich, daß sie denselben verabscheute, den Franzosm aber liebe.
Im Kasino traf er den Marquis beim Billardspiele. Welche GemüthSruhr bei seinem künftigen Schwiegersöhne «ach der aufregenden Scene mit Mercedes!
Beim Eintritt des Herzogs verließ de la Montana seine Partie und begrüßte den Eintretenden herzlich.
„Wie befindet sich Mercedes?" fragte de la Montana mit großer Teilnahme.
„Danke, gut," erwiderte der Herzog mit einem gewissen kalten Stolze im Stimmfalle, „aber ich möchte von Ihnen einige Erklärungen erbitte«, Juan. Wir wollen aber in jenen Nebensalon gehen, um uns da ungestört allein unterhalten zu können."
Als sie sich allein befanden, ersuchte der Herzog den Marquis, ihm alles offenherzig und wahrheitsgetreu mitzutheilen, war seinem Streite mit dem Franzosen vorauSgegangen war. La Montana erzählte dem Herzog den Verlauf des Rennens in allen feinen Einzelheiten, ausgenommen denjenigen Theil, der sich hinter den Kouliffen, im Stalle, abspielte und was nicht zu feinen Gunsten gesprochen hätte. La Montana log dem Herzog einen ganzen Roman vor und schilderte den Franzose« in de« schwärzesten Farben.
ES war in der That nicht nothwendig und seitens des Marquis nicht sehr edelmüthig, bett Haß des Herzogs gegen Raoul noch mehr zu entflammen.
Zögernd fragte der Herzog:
„Sie stehen doch nicht etwa in Verbindung zu dem Ueberfalle des Fremden?"
„Auf mein Wort nicht, Herr Herzog. Jedenfalls hat sich der Franzose durch seine Parteinahme für den Chulo Antonio hier Feinde zugezogen, welche ihm aufgelauert haben."
„Doch eS steht fest," meinte der Herzog, „daß durch den Stoß der Ravaja dieser verhaßte Eindringling meiner Tochter noch interessanter geworden ist, wie vorher."
„Sie scheinm doch etwas schwarz zu sehen, Herr Herzog," erwiderte geschmeidig der Marquis.
„Ich glaube, diese Schwärmerei wird sich bald ver- tieren und, obwohl Mercedes mir niemals Beweise chrer Neigung gegeben hat, so glaube ich auf die Hoff- nung nicht verzichten zu dürfen, mir ihre Liebe doch noch zu erwerben. Wenn Sie mit Mercedes auf längere Zeit die Stadt verlasien, so hege ich die feste Heber« zeugung, daß meine Verlobte diesen kleinen Roman wohl sehr bald vergessen haben wird."
„Sie haben vollständig Recht, Juan, und eben war ich im Begriffe, Ihnen mitzutheilen, daß ich enffchloffen bin, binnen kurzer Zeit mit Mercedes nach Madrid zu reifen, und daß ich darauf zähle, Sie dort wieder- zusehm."
„Gewiß mit großem Vergnügen.
„Treffen Sie daher bie nöthigen Vorkehrungen, um auch Ihre Abreise dahin bewerkstelligen zu können."
„Ich werde die nöthigen Vorbereitungen treffen. Wann findet die Abreise statt?"
„Heute über vierzehn Tage. Wir reisen zunächst nach Madrid und dann wahrscheinlich nach Paris."
„Ah! Nach Paris?"
„Ja. Denn ich möchte dort über den Franzosen einige Erkundigungen einziehen, welche, wie ich erwarte, meiner Tochter die Augen über denselben öffnen werden. In Madrid werden to:r bei dem Grafen de Casala- hnerta, einem meiner Vettern, absteigen. Soll ich demselben mittheilen, daß Sie auch mit dahinkommen werden? Er ist ja ebenfalls mit Ihnen verwandt."
„Nein," antwortete la Montana, „ich werde bei de« Gutlrerez absteigeu, doS ist zweckmäßiger." (F. f.)
Vermischtes.
* Das Seheimniß des Dowe'schen Panzers scheint in Kiel ermittelt zu sein. Ein Herr, der den Panzer unmittelbar nach einem Schuß untersuchte, machte folgende Feststellungen: Aus dem Grunde des Schußloches ließ sich durch das Gesühl eine Metallplatte erkennen, über der sich ein Wergpolster mtt Lederbezug befand. Die Rückseite ließ sich deutlich als Papptasel erkennen. Auf die Aeußerung: „Da ist ja vorn Wergpolsterung mit Leder und hinten Pappe!" erwiderte Dowe: „Dies ist allr2 dings richtig, soll aber nur das dazwischen liegende Geheimniß (sic) schützen." Was nun dieses Geheimniß selbst anlangt, so besteht dasselbe höchst wahrscheinlich aus nichts Geringerem, als aus einer Stahlplatte von vielleicht 15X15 cm Fläche und 20 mm Stärke. Erfahrungsgemäß bietet 10 mm starker Kruppscher Patentstahl Schutz gegen das Feuer der modernen Gewehre; ist die Platte aber 20 mm stark, so ist das Durchschießen unter allen Umständen ausgeschlossen. Diese Platte ist aus der Papptasel befestigt, welch' letztere gleichzeitig verhindert, daß beim Beklopfen die Konturen der Stahlplatte erkannt werden können. Ferner überträgt diese Pappplatte den Schlag des Geschosses auf die ganze Brust und ist somit doppelt unentbehrlich. Die Polsterung ist nicht nur erforderlich zum Auffangen der zcr- schellten Geschoßüücke, sondern auch zur Dämpfung des Klanges, welchen das auf die Stahlplatte fchlagende Geschoß verursacht. So findet diese märchenhafte Erfindung ihre natürliche und sehr naheliegende Erklärung.
* Als die Semriacher Affäre im Mittelpunkte des allgemeinen Interesses stand, wurde der Vorschlag gemacht, eine Ex. p-dition auszurüsten, um — den eigentlichen Namen der vielgenannten Höhle zu erfahren. Sie wurde in den Zeitungen Lugloch, Luegloch, Lueloch und Lurloch genannt und Niemand wußte, welcher Name eigentlich der richttge ist. In der Grazer Tagespost' wird nun ausgeführt, daß gegen die Bezeichnung Lueloch sich nicht viel elnwenden lasse, richtiger aber sei jedenfalls Lurloch, unrichtig und willkürlich der Name Lugloch, denn es handelt sich weder um ein Loch zum auslugen, noch um em Lügenloch, vielmehr ist die bewußte Höhle, aus welcher heraus das Gurgeln und Lärmen des Waffers hallt und tönt, ein „lautes" Loch, wie die Lurlei (Leie — Schiefer) ein hal- lcnder, tönender Fels, und zwar wegen des dort vorkommenden starken Wiederhalles, ist. Unsere Altvordern haben bekanntlich mit solchen hallenden Stätten ihren Glauben an die Nornen und Nixen verbunden, und wahrscheinlich ist von dem Lurloch ähnlich wie von dem Felsen am Rhein von lockenden Weibern erzählt worden und wird vielleicht noch erzähtt.
* Gegen das Taschentuch als einen der bedenklichsten Ge- brauchsgegenstände wendet sich Stabsarzt Dr. Jaeger, Privat- 5ozent für Hygiene an der Hochschule in Stuttgart, in einem Artikel der neuesten Nummer der ,Deutschen Med. Wochenschrift'. Daß die Taschentücher der Schwindsüchtigen, weil sie den Spucknapf vertreten müssen, außerordentlich gefährlich sind, ist ja allgemein bekannt. Auch Kranke mit Lungenentzündung, Influenza u. s. w. bringen mit dem Auswurf zahllose Keime ihrer Krankheit in das Taschentuch, aus dem sie späterhin, wenn die getrockneten Tücher vor der Wäsche wieder aufgeriffen und sorgsam gezählt worden, mit dem Staube aufwirbeln. Daß Schnupfen leicht durch Taschen- und Handtücher übertragen werden kann, wird ja allgemein angenommen. Sehr beachtenswerth ist nun, daß Dr. Jaeger durch Versuche gemeinsam mit Stabsarzt Dr. Scherer die Gefährlichkeit des Taschentuchs auch hinsichtlich der Rose erweisen konnte. Die Gesichtsrose befällt ja namentlich ältere Personen gern mehrmals kurz hintereinander, man darf also rn solchem Falle auch an eine Selbstansteckung mittels des Taschentuchs denken. Besonders wichttg ist aber, daß nach den Versuchen dieser Aerzte auch die epidemische Genickstarre und Drphtheritis auf diese Weise verbreitet werden können. Auf Grund seiner Versuche kommt Dr. Jäeger zu dem Schluß, daß unsere Taschentücher Transportmittel für die Jnfektionsstoffe pur excellence sind, und daß sie allgemein bei Kranken abgeschafft werden müßten, wie ja auch seit geraumer Zeit in vielen Spitälern Schwindsüchtigen und Diphtheriekranken statt der Taschentücher Stücke von Verbandmull gereicht werden. Dieser Stoff ist, weil zu dünn und durchlässig, wenig geeignet und auch zu theuer. Dr. Jaeger empfiehlt statt dessen einen mit Papier verwobenen Stoff, der weich und geschmeidig ist, viel Flüssigkeiten aufsaugt, aber doch nicht reißt. Nach einmaligem Gebrauch wird dieses Taschentuch vernichtet, wie es ja die Chinesen schon längst thun. Die Einführung stellt sich so billig, daß die Ausgabe für die BeMffung schon durch das Waschgeld der bisherigen Taschentücher gedeckt wird. Und nun die Taschen, in denen von Hoch und Niedrig die Taschentücher getragen werden l Sie sind jedenfalls hygienisch nicht minder bedenklich, als chr Inhalt.
* (Ein Schlummerwinkel im preußischen Abgeordneten» Hause.) Ein nicht mehr ganz schlanker Abgeordneter, so plaudert ein Besucher des Abgeordnetenhauses in der .Köln. VolkSztg.', hat sich in die hinterste Ecke des Saales zurückgezogen, um ein kleines Schläfchen zu machen. Von oben allein kann man ihn bemerken. Aber die Journalisten sind ja verschwiegen. Es ist auch keine Unthat, denn jene Ecke hat das Vorrecht, „allen- fallsige" Schlafbedürstige gastlich aufzunehmen. Sie liegt hinter, den Bänken der Nationalliberalen und ihre Plätze zeichnen sich dadurch aus, daß sie keine Pulte vor sich haben; man kann also die Beine recht bequem ausstrecken. In srüheren Jahren war der Abg. Löwe ein ziemlich häufiger Besucher dieser stillen Winkels; da hieß er die Löwenhöhle. Später bemerkte man zuweilen den Abg. Fuchs dort, die Arena musternd; da bekam er den Ranen Fuchsbau. In jüngster Zeit soll der Abg. Fisch der eifrigste Besucher gewesen sein; nun heißt er der Fisch- ka sten.