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Hafer 2,4, Kartoffeln 2,4, 1 I Ziffern bedeuten 1 sehr gut,

5 sehr gering. Die Dezimall

Klee 3,1, Wiesen 2,2. Die

, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, _ sehr gering. Die Dezimalen bezeichnen die Zwischen­stufen. Der Stand des Wintergetreide ist vornehmlich in Süddeutschland und Mitteldeutschland sehr günstig, weniger im Osten, doch auch hier dars eure Durch­

tränken für die Gemeinden. Finanzminister Dr. Miquel erwiderte, es ständen bezüglich zunächst des Brannt­weins Erwägungen in dieser Frage innerhalb beS BundeSraths bevor. Bezüglich deS Weins habe schon die Weinsteuer-Borlage eine Aenderung der bestehenden RechtszustandeS in Aussicht genommen; jedenfalls sei es wünschenswerth, den Gemeinden zu gestatten, in allen Theilen des Reichs den Wein gleichmäßig zu be­steuern. Sine höhere Kommunalbesteuerung des Bieres stehe in innigem Zusammenhang mit einer anderweiten Regelung der Bkerbesteuerung in der norddeutschen Braugemeinschast. Uebrigens seien den Gemeinden durch das neue Kommunalabgabengesetz viel weitergehende Befugniffe eingeräumt worden. Schließlich wurden noch einige Wahlprüfungen erledigt. Freitag: Antrag Ring auf Abänderung der KreiSordnung, Fischerei in west­fälischen Privatflüssen.

* Die Silberkommisfion ist gestern Vormittag nach mehrwöchentlicher Vertagung wieder zusammen­getreten.

* Der .ReichSanzeigett veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung vom 21. Mai, dvrch welche mit diesem Tage das Verbot der Ausfuhr vo» Streu« und Futtermittel vom 4. Juli v. IS. außer Kraft gesetzt wird.

* Der Gesammtvorstand der Berliner Gewerbe- Ausstellung 1896 hat sich in geheimer Abstimmung mit 43 gegen 27 Stimmen für das Terrain am Lietzensee (Witzleben) in Charlottenburg als Aus­stellungsplatz enfchieden. Durch diesen Beschluß dürfte die Ausstellung insofern nachtheilig beeinflußt werdm, als hervorragende Berliner Industrielle erklärt haben, die Ausstellung nicht beschicken zu wollen, wenn die­selbe nicht nach dem Park zu Treptow verlegt werde.

* Nach dem Saatcustandbericht für Deutsch­land für Mitte Mai steht Winlerweizm 2,2, Sommer­weizen 2,3, Winterspelz 1,8, Sommerspelz 1,1, Winter­roggen >2,2, Sommerroggen 2,2, Sommergerste 2,2,

Mercedes de Moro«.

Bon Lambert de St. Croix.

Autorisirte freie Uebersetzung von Philipp Freidank.

(46. Fortfetzung.)

Die alte Marquise war untröstlich und Mercedes ermüdete nicht, sie zu bitten, doch vollständig ruhig zu sein. Die Marquise malte sich bereits in ihren Gedanken die schrecklichsten Folgen des nach ihrer Ansicht tollen Streicher ihrer Großnichte aus. „Wenn das der Herzog wüßte ....** begann die alte Dame an zu klagen.

Zum Glücke für Mercedes schnitt die Ankunft des Konsuls die Ausbrüche deS Jammers der würdigen Tante plötzlich ab.

„Was wünschen Sie, wein Fräulein, wom't kann ich dienen."

„Mein Herr," sagte daS junge Mädchen in höchster Verlegenheit nnd öfters die Farbe wechselnd, „ich möchte Sie uni einen Dienst bi.ten. Kann ich in Begleitung meiner Tante vielleicht den Grafen von Ferötre sprechen? Ich habe an denselben nur einige Fragen zu richten."

„Mercedes," bemerkte die Marquise, sie an ihrer Mantille zupfend, „laß uns lieber »ach Hause gehen."

Der Konsul war in höchster Verlegenheit. Einer­seits hatte dec Arzt strenge untersagt, irgend einen Besuch bei dem Verwundeten vorzulassen, andererseits

Hermann v. Mallinckrodt hat Recht behalten, die Mittel der Priester-AuSweisung haben nicht verfangm und daS ExpatriirungSgesetz ist inzwischen auch längst wieder aufgehoben. Möge die „Wirkung der christlichen Ueberzeugung" wie vor 20 Jahren so auch jetzt und für immer unS beseelen! Per crucem ad lucem!

* Die Direktoren der süd- und westdeutschen Reichs- baukaustalte« treten in den nächsten Tagen in Fr a nk- furt a. M. zu einer Konferenz zusammen, der auch Reichsbankpräsident Dr. Koch beiwohnen wird.

* Der Berliner Anwaltvereiu hat in einer von ca. 300 Anwälten besuchten Versammlung einstimmig folgende Erklärung beschlosfen: daß die Leitung der Hauptverhandlung in der Strafsache gegen die Re­dakteure Adam und Genossen durch den Vorsitzenden, daS wiederholte Betonen einer schon vor vollständiger Beweiserhebung gefaßten Ansicht über den der Anklage zu Grund liegendm Thatbestand, die Art der Ver­nehmung der Angeklagten, die ungleiche Behandlung der Be- und Entlastungszeugen und daS Verhalten des Vorsitzenden gegenüber den Bertheidigerp, insbesondere die Beschränkung der Befugnisse derselben ein dem Geiste unserer Gesetzgebung widersprechender gewesm und ge­eignet ist, der Achtung der Volkes vor der Rechtspflege Abbruch zu thun und eine gedeihliche Mitwirkung der Bertheidigung bei der Rechtspflege in Frage zu stellen.

* Der BundeSrath hat gestern der Vorlage betr. die Zollabfertigung harter Kammgarne feine Zu­stimmung ertheilt.

* DaS Herrenhaus tritt am 29. d. M. wieder zusammen. Auf der Tagesordnung steht u. A. der Gesetzentwurf betr. das Ruhegehalt der Lehrer mtb Lehrerinnen an den öffentlichen nicht staatlichen mittleren Schulen und die Fürsorge für ihre Hinterbliebenen. — Die HerrenhauSkommisfion ftir den Gesetz­entwurf über die LandwirtHschaftSkammern hat denselben unverändert nach den Beschlüssen der Abge­ordnetenhauses angenommen. In der Justizkom- Mission des Herrenhauses wurde seitens der Regie­rung erklärt, daß sie bei dem vorgerückten Stadium Per Landtagssession auf die Erledigung der Vorlage, betr. die Verpfändung bei Kleineisenbahnen, kein Ge­wicht mehr lege. Der Gegenstand scheidet damit von den Aufgaben dieser Session aus, so daß der Schluß der letzteren mit Ablauf dieser Monats erfolgen kann.

* Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des AbgeordueteuhauseS stand zunächst die Bermhung der zu der Vorlage betr. Dortmund-Rhein-Kanal ge­stellt gewesenen Resolutionen um Regelung der Kanal- grbüh en nach der Richtung, daß dieselben die Ber« waltungS- und UnterhaltangSkosten decken und eine entsprechende Verzinsung der Anlagekapitals ergeben. Nachdem Finanzmiuister Dr. Miquel die Ueberein- stimmung der Regierung mit dem in der Resolutionnieder­gelegten Gedanken erklärt hatte, wurden die Reso­lutionen zurückgezogen, da deren Zweck durch die Er­klärung der Regierung völlig erreicht sei. Abgeordneter v. Eyuern begründete dann seine Interpellation betr. eine erweiterte Gestattung indirekter Steuern von Ge- SSSSSSSSS^SSSS^^^^SSS^SSSSSSS^ aber hatte er auch keine besonders große Lust, sich mit dem Herzog von Moron, der von diesem auffälligen Besuch seiner Tochter gewiß keine Kenntniß hatte, da­durch noch mehr zu entzweien, daß er daS Unternehmen seiner Tochter noch unterstütze.

Nach längerem Ueberlegen entschied die Zuneigung des Konsuls zu Raoul zu Gunsten deS Wunsches der jungen Herzogin. Wußte er ja doch im Voraus, daß sein junger Freund eS ihm niemals verzeihen würde, wenn er Mercedes verhinderte, ihn zu besuchen. DaS junge Mädchen hatte zudem seine Großtante als Ehren- taute bei sich, weshalb sollte er noch länger zögern, chre Bitte zu erfüllen.

Mercedes fahr in ihren Erklärungen mit folgenden Worten fort: „ES handelt sich um mein ganzer Lebens- glück, und Sie werden die Verantwortung gewiy nicht auf sich nehmen wollen, eS vielleicht zu zerstören, in- ! dem Sie meine Bitte ablehnen."

„Mein Fräulein," erwiderte £t clerc noch immer zögernd, „ich glaube kaum, daß eS klug ist, mit dem Grafen jetzt ein Wiedersehen zu veranstalten; für ge­radezu gefährlich halte ich eS aber, wenn der Kranke zum Sprechen veranlaßt werden sollte. Der Arzt hat das strenge Gebot gegeben, den theueren Verwundeten vor jeder Aufregung zu bewahren und ich zweifle daran, daß Ihr Besuch ohne Gemüthrbewegung für ihn ver- lanftn wird." >

Deutsches Reich.

Berlin, 24 Mai

* Ein Gedenktag für daS katholische Deutschland ist der 26. Mai. Zwanzig Jahre sind an diesem Tage verflossen, seit Hermann v. Mallinckrodt, einer unserer hervorragendsten Führer in den ersten schweren Jahren des Kulturkampfes, nach kurzer Krankhett allzu­früh dm Seinen, seinen politischen Mitkämpfern und dem ganzen katholischen Deutschland entrissen wurde. Nachdem er noch einige Tage vorher mit glänzendem Geschick, mit hohem Math und unverzagter Aufopferung an den aufregenden Redekämpfen Theil genommen, wurde er von einer heftigen Lungen- und Rippenfell­entzündung ergriffen, die seine ohnehin schwachen und in langem und heftigem Kampfe aufgeriebenen Körper- kläfte vollends aufzehrte. Nach 4 bis 5tägiger Krank­heit entschlief er, mit der einen Hand die Rechte seiner Gattin, mit der anderen daS Kreuz, für welches er im hl. Kampfe sich aufgerieben, fest umfassend. Hermann v. Mallinckrodt starb auf dem Felde der Ehre, wie ein General auf dem Schlachtfelde, an dessen Leiche auch dec Feind in stummer Ehrfurcht die Fahnen senkt. Selbst seine erbittertsten politischen Gegner mußten bei seinem Tode anerkmnen, daß in Mallinckrodt nicht nur einer der bedeutmdstm Parlammtarier und Redner geschieden sei, sondern auch ein Mann, in dessm Charakter Lauterkeit und Liebenswürdigkeit, Festigkeit und Milde, Entschiedenheit und Duldsamkeit sich paarten, dessen Wissen nicht minder hervorragend war wie seine parlamentarische Beredtsamkeit. Wer Hermann von Mallinckrodt persönlich gekannt nnd sein Wesen ver­standen hat, wird niemals den Mann vergessen können, der auch beim „Knirschen deS inneren Menschen", wie er selbst einmal seine Stimmung bezeichnete, Selbst­beherrschung zu übm verstand, und der im Tode noch die schönen Worte sprach: „Sollten Christen nicht einander mehr verstehen können?" Sein vielseitiges, gründlicher Wissen machte ihn ebenso wie seine schlag­fertige und hinreißende Beredtsamkeit zu einem der hervorragendsten Parlamentarier, zu einem der Führer der Centrums, auf den das katholische Deutschland immerdar mit Stolz Hinweisen darf. Neben Windt- horst und ReichenSperger wird der Name Mallinck­rodt ehrenvoll und unvergeßlich bleiben. Wir können diese dankbare Erinnernng an den großen BolkSmann und tapfern Streiter sür Wahrheit, Freiheit und Recht nicht besser schließen als durch Wiederholung deS Schluß, fatzes seiner letzten Reichstagsrede am 21. April 1874 bei Berathung des ExpatriirungSgesetzer:

„Sie kennen nicht die Wirkung der christlichen Ueberzeugung. Da ist daS Eigenthümliche, daß Leiden die Bereitwilligkeit zum Leiden erzeugen, und wenn Sie sehen, daß unsere Hirten in Kerker und Banden oder in ber Verbannung sind, glauben Sie, eS fehlte an Bereitwilligkeit, diesem Schicksale sich ebenfalls aus- zusetzen? Und wenn die Geistlichen dem Beispiele gefolgt sind und folgen, die Laien lehnen es auch nicht ab, und die Mittel, meine Herren, die verfangen nicht mit dem Ausweisen! Sie werden zu noch schärferen Waffen greifen müssen! Bedenken Sie sich, welche Waffen Sie schaffen wollen; wir aber denken in­zwischen: Per crucem ad lucem l Durch Kreuz zum Lichte!"

schnittSernte ermattet werden. DaS Sommergetreide ist durch Drahtwurm, Engerlinge rc. stellenweise er­heblich geschädigt. Aelterer Klee und Luzerner stehen meist gut. Dm Wiesen stehen in den meisten Gegenden eine gute, theilweiie sogar reichliche Heuernte in Aussicht.

* Nach amtlichen Berichten über den Saatenstand in Preußen nm die Mitte Mai steht Winterweizen 2,4, Sommerweizen 2,3, Winterspelz 1,9, Sommer­spelz 3,0, Winterroggen 2,3, Sommerroggen 2,5, Sommergerste 2,4, Hafer 2,5, Kartoffeln 2,4, Erbsen 2,6, Klee 3,4, Wiesen 2,5. (Es bedeutet 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering). Die Be­fürchtungen deS Aprilberichts, daß eine anhaltende Trockenheit den Saatenstand verschlechtern könnte, ist theilweise eingetroffen, insbesondere habm die Saaten

So ist er also wahr, daß er mich liebt, dachte Mercedes und ihr Herz klopfte vor freudiger Erregung beinahe hörbar.,

„Er soll ganz gewiß nicht sprechen, Herr Konsul," sagte Mercedes, „aber Sie werden begreifen, daß, wenn ich auf dem Besuche bestehe, mich höchst wichtige Gründe dazu bewegen müffen. Sagen Sie mir ganz offen, verehrter» Herr, glauben Sie, daß der Graf Ferstre im Stande ist, mir einige wichtige Fragen mit einfachem Ja oder Nein zu beantwortm? Wenn dies heute unmöglich sein sollte, so werden wir wieder­kommen; nicht wahr, Tante?"

„Ertauben Sie mir zunächst nach dem Krankm zu sehen," meinte der Konsul sich verbeugend, „ich werde Ihnen im Augenblick Antwoit bringen." Rach tiefen Worten begab sich Leclerc durch daS Nebenzimmer in i das Gemach Raouls.

Bei seinem Eintritt erhob sich der Verwundete, durch die Krankenschwester unterstützt, von seinen Kissen und sagte in munterem Tone zu dem Eintreteuden: „Lieber Freund, in 12 Tagen darf ich bereits aufstehen."

„Na, na, ich finde Ihr Aussehen noch lange nicht so gut, aber ich beuge mich gern vor dem Ausspruch der ärztlichen Wissenschaft. Apropos, sind Sie aus­gelegt, h ute einen Besuch zu empfangen?"

„Mein lieber Gott, wer sollte hier in XereS an ' mich denken außer Ihnen?!" rief Raoul aus.

JV 117

Samstag, den 26. Mai 1894.

21. Jahrgang

FiildaerMZeitüng