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JV 115 • Mittwoch, dm 23. Mai 1894. 21. Jahrgang

FuldaerM Zeitung

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Reg.»Bez. Königsberg Gumbinnen Danzig Marienwerder Berlin Potsdam Frankfurt Stettin KöSlin Stralsund Posen Bromberg Breslau Liegnitz Oppeln Magdeburg Merseburg Erfurt

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Staat: 63 38

ein Doppeltes: 1. daß der .. im Durchschnitt der gaazen Staate- unb in jedem Regierungsbezirk erheblich stär­ker mit Schulden belastet ist als der ländliche; der städtische hat durchschnittlich 63 Prozent der Einkorn- meuS als Schuldenzinsen zu entrichten, der ländliche 38; 2. daß der ländliche Grundbesitz nur östlich der Elbe, wo der Großgrundbesitz überwiegt, höher verschuldet ist. Zu bemerken ist noch, daß er sich bei dieser Statistik nicht bloß um den Prozentautheil der­jenigen Schuldenzinsen handelt, die mit dem Gmndver-

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sammteinkommen in Abzug bringen. Ferner muß fest- gehalten werden, daß diese Statistik fich nur auf die­jenigen Personen bezieht, welche ein Reineinkommen von mindesten« dreitausend Mark habe«, da nur diese Personen verpflichtet find, chr Einkommen zu deklariren.

* Die Steuerveranlagung der Gebimdesteuer ix Preußen ist zum Abschluß gelangt. Rach den Be- stimmunge« der Gebäudesteuergrsetz-S vom 21. Mai 1861 soll bekanntlich alle fünfzehn Jahre eine Revi­sion der Sebäudesteuerveranlagung in Preußen aus- geführt werden, so daß jetzt dar Trgebniß der zweit en Revifion vorliegt. Danach wird die jährliche Sebände- steuer Mark 46,197,648 betragen, während die bir zum Inkrafttreten dieser Steuer (1. Januar 1895) zahlbare bisherige Steuer 38,557,288 Mark beträgt. Die zweite Revision hat also mehr ergeben Mark 7,640,360 oder 19,8 Prozent gegenüber 33,3 Prozent bei der ersten Revision. Bei beiden Revifion« steht aber der Westen dem Oste« im Prozents erhälttnß deSSteigmS der Gebäudesteuer merklich voran, was vorzugsweise in der rascheren Entwickelung des Westens und in dem damit Hand in Hand gehenden Steigen der Mieths- preise begründet ist. Im Osten (Ostpreußen, West- prenßen, Pommern, Posen, Schlesien, Brandenburg und Berlin) beträgt die Steigerung nur 2,609,083 Mark, im Westen (Sachsen, Schleswig-Holstein, Han­nover, Westfalen, Hessen-Nassau und Rheinland) da- gegen 5,031,277 Mark, das macht für dm Ost« 12,6 pCt., für den West« 28,2 pTt. Bon dem Mehrergebniß der zweiten Revision hn Betrage vov 7,640,360 Mark entfallen 5,4 Millionen auf dre Städte (Meckm) und 2,2 Millionen auf die Land­gemeinden und Gutsbezirke. Das Gesetz vom 14. Juli 1893 wegen Aufhebung direkter Staatsfteuern hat die Gebäudesteuer, wie die Grundsteuer, die Gewerbesteuer und die Bergwerksabgabe, für die Zeit vom 1. April 1895 ab gegenüber der Staatskaste außer Hebung gesetzt, um das Gebiet der Realsteuern für die Be­steuerung durch die Gemeinden und anderen tont« muualen Verbänden frei zu machen. Bei Ermittelvng des hierdurch der Staatskasse erwachsenden Einnahme« auSfalleS und bei Feststellung der DeckangSmittel durch Einführung einer ErgänzungSsteuer vom Bermögm, durch die Mehrerträge der Emkommmsteuer, durch die Aufhebung der lex Huene u. f. w. ist nach dm Ver­handlungen der Landtages die ausfallende Gebäude- steuer entsprechend dem Voranschlag im StaatShauS« Hallsetat für 1892/93 im Ganzen mit 35,086,000 Mark jährlich in Ansatz gekommen, und weiter wurde die regelmäßige Steigerung der Gebändestmer bis zum Jahre 1895 noch auf 2,5 Millionen, dar voraussicht­liche Mehr der zweitm Revifion auf 5 bis 6 Millioum Mark veranschlagt. Darnach ist ein GesammtauSfall an Gebäudesteuer von rund 43 Million« angenommen. Demgegenüber ergibt sich nunmehr, wo die Ergebniffe der zweitm Sebäudesteuerrmifion sicherer übersehm werden tonnen, für die Staatskasse em tatsächlicher

hatte dem jungm Mädchen seine« ga«zeu Muth wieder- gegeben. Als sie die Wohnung ihrer Großtante betrat und diese die verstörte» GestchtSzüge Mercedes erblickte, ging diese dem jungen Mädchen entgegen und frag besorgt:

„WaS fehlt Dir, «ein Liebling, Du hast ja ge­weint: was rst vorgefallen?"

Mercedes hatte vollständiges Vertrauen zu chrer Großtante, sie nahm daher berat Hände in die ihrigen und vertraute berfelbm ihre Kümmernisse au.

„Ich muß Dir mein ganzer Herz auSschüttm, liebe Tante. Ich liebe den Grafen Fervtre, welcher ver­wundet, und in dieser Stunde vielleicht schon gestorben ist."

„War, dm Franzos«?" rief die würdige Dame erstaunt auS, welche da« Bekmntniß ihrer Richte nicht ernst nehrnm konnte.

„Gewiß! ich liebe Raoul; er ist von Meuchel­mördern schmählich verwundet worden. Ich bitte Dich um Alle«, liebe Tante, schicke Jemandm, um Nach- richte» über dar Befinden der Grafen eiuzuziehm. Im Namen Deiner mütterlichen Liebe, welche Du mir immer bewiesm hast, bitte ich um diesen Dimst."

„Aber wen soll ich schicken?" unterbrach die Mar­quise Mercedes. „Weißt Du überhaupt, wo der Fremde wohnt?"

„Nein", erwiderte da« junge Mädchen zögernd. „Aber ... ich glaube, der französische Konsul weiß die Wohnung RaoulS. Derselbe ist einer seiner beste«

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Mai

* Im Reichspostamt ist ein Gesetzentwurf über eine auderweite Regelung de» Postdebit» der Zeitungen ausgearbeitet wordm, welcher dem Reichstage bei dessen Wiederzusammentritt im Herbste zugehen wird, da die Zustimmung der BundeSrathS als gesichert anzusehen ist.

* Während der vom Minister für Laudwirth- schäft einberufmm Konferenz nach Ansicht der frei« finnigen Preffe eine viel zu umfangreiche Aufgabe gestellt worden ist, geht ander« Krittker« daS Be- rathungSprogramm nicht weit genug. Sie wollen eine allgemeine Enquete nach Art der Börfenmquete, mit Vernehmung einer Schaar von Sachverständigen rc. Die Börfenenqukte hat fteilich eine Unmaffe fchätzbarm Materials aufgehäuft, aber gesetzgeberische Früchte der großm Arbeit sehen wir noch nicht. Bon einer ähn­liche« Behandlung der ganzen großen Agrarfrage würdm wir uns auch erst praktische Wirkungm für dar nächste Jahrhundert versprechen können. Eine allgemeine Enquete auf dem landwirthschastlichen Gebiete ist nur insofern zweckmäßig, als ste statistische» Material über die gegenwärtige Lage der landwirthschastlichen Gewerbes zur Stelle schafft. Diese umfafimde Stattstik ist ja auch neulich im Reichstage verlangt worde», zunächst vom Abg. Dr. Bachem. Sie gehört zum ersten Punkte der ministeriellm Arbeitsprogramms: „Die landwirthschastliche Krisis in ihren Haupt- erscheinungsformen." Die folgenden Punkte (Ursachen der Krisis, Schäden und Gefahren derselbe«, Mittel zur Abhülfe), welche die logische und gesetz­geberische Berarbeituug der gegeben« Materials an- strebe«, könne« bester gruppenweffe, al» in einer einzig« übermäßigen Kraftanstrengung bewältigt werden. Rach der Fassung des „ArbeitSprogrammS" scheint daS landwirthschastliche Mtaisterinm auf die S t a t i st i k verzichten zu wollm und fich bettest» der „ErscheinungS- formen" mit den vorhandenen Materialstücken begnüge» zu wollen. Wir würden daS bedauern. Es bleibt abzuwarten, ob nicht schon diese BerschuldungS-Konfereuz die Rothwendigkeit weiterer statistischer Erhebungen ergibt.

* DaS Abgeordnetenhaus berieth heute in dritter Lefmtg die Borlage über die LandwirthschastSkammern. ES lagen dazu die von den beiden konservativen Parttie«, sowie einer Anzahl Rationalliberaler gestellten, 231 Unterschriften tragende« Kowpromißanträge (Achenbach v. Sen.) vor. Danach sollen die LandwirthschaftS- kümmern durch königliche Verordnung nach Anhörung des Provinziallaudtage» errichtet werde« können. Rach § 5c soll die erstmalige Wahl durch die passiv wahl­berechtigten Mitglieder der Kreistage erfolgen. Ferner soll nach § 5d unter königlicher Genehmigung durch die LandwirchschaftSkammeru eine Aendervng des Wahl­verfahrens auf einer Grundlage befchlosten werden können, welche in verfchickentlicher Hinsicht von dem in der Vorlage enthaltenen abweicht; n. A. das Wahl­recht auch an Eigentümer und Pächter von kleinerem,

mögen i« Zusammenhang stehen, sondern um die Schuldenzinse« überhaupt, da die Einkommen­steuerdeklarationen zwar die einzelnen Arten der Ein­kommen unterscheiden, die Schulden aber, abgesehen von den auf gewerbltchm Unternehmungen lastendm und vorweg abzuziehenden Schulden, allgemein vom Ge­walt aus dem Salon und ließ ben Marquis, sprachlos vor Erstaunen, allein zurück. Mercedes war voll inneren Zornes unfähig, wettere Worte zu machen, begleitete ihren Vater, der ganz widerstandslos war, zu ihrem Wagm und fuhr mit ihm davon.

Der alte Edelmann suchte seine aufgeregte Tochter während der Fahrt möglichst zu beruhigen. Seine Bemühungen warm aber vollständig vergmlich. DaS Blut deS Herzogs begann ebmfalls zu kochen, da er aber die Aufregung feiner Tochter nicht vermehrm wollte, so beschloß er zu schweigm. I« der Rahe der KafinoS ließ er dm Wagm halttn und stieg, ohne Mercedes Adim zn sagm, aus. Ec wollte dort in aller Ruhe überlegen, war nun zu machm sei.

Die Verlobung war öffentlich bekannt gegebm wordm; eS erschien deshalb sehr schwierig, sie anfzu- lösen, insbesondere deswegen, weil alle Welt dm Mord- ansall auf den Franzosen mit dem Namen deS zu­künftigen Schwiegersohnes deS Herzogs in Verbindung brachte. Obwohl der letzttre überzeugt war daß die Polizei es nicht wagm werde, gegen dm Marquis einzuschrettm, der seiner Ansicht nach mit dem Attentat nicht in Verbindung stand, so waren die Srwägungm de» Herzog» nicht wmiger als angenehmer Natur. Doch überlasten wir chn seinem Berdruste über dar Schülern seiner Pläne und kehrm wir zu der bedauern«- werthen Mercedes zurück.

Der beinahe beleidigende Abschied ihres BaterS

Reg.-Bez. Schleswig Hannover Hildesheim Lüneburg Stade O-nabrück Aurich Münster Minden Arnsberg

Wiesbaden Koblenz Düsseldorf Köln Trier Aachen

I als in der Vorlage unter Ziffer 1 angegebenen Grund- I besitz verliehen werden tonnen. Vom Abg. v. Schalscha lagen außerdem Anträge vor, welche daS Wahlrecht der kleinerm Besitzer weiter stärken wolltm. In der Gmeraldebatte sprachen die CentrurnSredner Graf HoenS- broech, Heereman, Graw-Allenstein, DaSbach, Klose, Konrad und Herold, ferner Abg. Dr. Kranfe Ramm» einer Minderheit der Rationalliberalm und Abg. Jagd- zewSki RarnmS der Polm gegen die Kompromißanträge, während von den Konservativen Abgg. Kröcher, v. Erffa und v. Plötz, von den Freikonservativen Abgg. Frhr. v. Zedlitz, v. Tidemann -Bomst und Tzschappe, von den Rattonalliberalen Abgg. v. Heede und v. Eynern für dieselben eintraten. Minister v. Heydm billigte persönlich die Kowpromißanträge. Die §§ 1 bis 5d wurden in der Kompromißfassang angmommen und darauf die Weiterberathung auf morgen vertagt.

* Finanzminister Miquel hat an der Hand der Einkommensteuernachweifungen auS Grundvermögen für das Jahr 1893/94 eine Stattstik über die Berffchul- dm»g de» Grundbesitze» in Preußen aufnehmen last«. Hiernach verthellt sich der Prozentantheil der Schuldenzinsen am geschätzt« Einkommen einerseits au» städtischem, andererseits au« ländlichem Grundbesitz für sammtliche Regierungsbezirke wie folgt:

Städte Land

Mercedes de Moro«.

Bou Lambert de St. Croix.

Autorifirte freie Uebersetzung von Philipp Freidank.

(44. Fortsetzung.)

Sie empfand e« besonder« schmerzlich, daß ihr eigener Vater sie so entsetzlich getäuscht hatte, und barm schien chr eine innere Stimme zuzufiüstern, daß der Marqui« an der Verwundung Raoul« jedenfalls schuldig sei. Sie sah Raoul in Gckmnk« bereit« starr und tobt, mindesten« aber schwer verwundet, und ein süßes Gefühl hatte plötzlich i» ihrem Herzen nme Wurzel gefaßt, das ihrer inuigm Liebe zu dem Fremd- king. Ihr ganze« Sein war zu Raoul hiugezogm, md mit süßem Schauer empfand sie, daß sie ohne dmselben nicht mehr lebm könne. Gegm den Mam, der fich ihr Verlobter nenn« butfte, war sie voll­ständig empört.

B»S jetzt war ihr la Moutma gleichglltig, von heute aber empfanb fie gegm denselben ein« mit Ab­scheu gemischt« Haß.

Mit einer heftig« Bewegung erhob fich Mercedes endlich, ergriff ben Arm ihres Vater«, welchen diese Szene ganz sastungSloS gemacht hatte, und sagte zu chm mit unheimlich kalter Stimme:

„Romme mit mir, lieber Papa; ich will kein« Augenblick mehr unter dies« Dache weilen." Mit diesen Worten führte fie ihr« Vater beinahe mit ®e-

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