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Dienstag, den 22. Mai 1894.

21. Jahrgang

FlildaklWZeitilng

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Deutsches Reich.

Berlin, 19 Mai

* Der König von Lachse« trifft mit dem Prinzen und der Prinzessin Georg von Sachsen am 29. d. M. in Berlin ein, um an der am nächsten Tage stattfinden» den großen Frühjahrsparade des Gardekorps theil- zunehmen.

* Die Pfingstwoche ist zu einer Kongreßwoche geworden. Aus der langen Reihe von Kongressen, welche in dieser Woche abgehalten wurden, erwähnen wir zunächst die katholischen Lehrerversamm» langen in dem „goldenen Mainz", die der Devise folgen: „Muthig voran im Kampfe für die christliche Volksschule!" In Stuttgart tagten dagegen dir libe« taten Lehrer, welche ihre Verhandlungen zwar mit einem protestantischen Choral einleitetev, aber bald daraus ihre wahre vom Geiste des modernen Un- glaubens verseuchte Gesinnung zu erkennen gaben, vielleicht wendet der „evangelisch-soziale Kon­greß", welche in dieser Woche in Frankfurt a. M. tagte, auch der christlichen Erziehung der Jugend als einem Hauptmittel zur Lösung der sozialen Frage seine Aufmerksamkeit zu.

* Eine besondere Ueberraschung hat in den letzten Tagen der LandwirthschaftSminister in Preußen bereitet, indem er eine Agrar-Konferenz zur Brrathung von Abhilse-Maßregeln gegenüber der Nothlage der Landwirthschaft einberufen hat. Reben allgemeinen Erörterungen über diese Nothlage soll die Konferenz, welche am 28. Mai in Berlin zusammentritt, vor­läufig Vorschläge betreffs Senderung des Erbrechts und des Kreditwesens erörtern. Die Konferenz besteht auS 28 Mitgliedern, davon sind 8 P r o f e s s o r e n der Nationalökonomie oder Erbrechts-Gelehrte, und von den übrigen 24 Mitgliedern ist ein Theil in hoher Beamtenstellung, ein anderer beträchtlicher Theil besteht auS^ Rittergutsbesitzern. Bedauerlicher Weise hat man im Landwirthschaftsministerium eS nicht für nothwendig gehalten, auch Vertreter des Bauern­standes zu der Konferenz einzuladen, auch hätte man statt der einen oder des anderen Professors unseres Erachtens 6t ff er einige erfahrene und erprobte Grund­buchrichter hinzugezogen. Die Rheinprovinz ist in der Agrar-Konferenz am schwächsten vertreten, nämlich nur durch den LandeSdirektor Klein, aus Westfalen sind zwei Mitglieder berufen: Oekonomierath v. Laer und Freiherr v. Schorlemer-Alst, auS Schlesien ist Freiherr v. Huerie zur Theilnahme an der Konferenz eingeladen worden. Die Rittergutsbesitzer aus dem Osten bilden das Hauptkontingent der Konferenz, nur 4 Mitglieder derselben sind katholisch. Wir wollen auS letzterem Umstande, der für die Parität in Preußen wieder einmal sehr charakteristisch ist, kein Mißtrauen gegen die Konferenz herlriten, ober bei der vom Landwirth- fchaftSmimster beliebten Zusammensetzung der Konferenz sind wir leider euch nicht im Stande, derselben ein volles Vertrauen und große Hoffnungen auf Erfolge entgegenzubringen.

Mercedes de Moro«.

Bon Lambert de St. Croix.

Autorisirte freie Uebersetzung von Philipp Freidank.

(43. Fottfetznng.)

10. Kapitel. Die Erklärung.

„Ec ist gut und kräftig dieser Trank, er wird Sie stärken," sagte die Krankenschwester, indem sie das bleiche Haupt Raouls errporhob und ihm von dem stärkenden Getränke einflößte. „Sie find in der Wiederherstellung begriffen und da müssen sie nun wacker zugreifen. In vierzehn Tagen können Sie be­reits wieder aufstehen."

Niemand hatte in dem abgezehrten bleichen jungen Manne, der auf dem Schmerzenlager gebettet war, den vor Gesundheit strotzenden Raoul wieder erkannt; so sehr hatte ihn das Wundfieber mitgenommen. Seit vier Wochen bereits lag Raoul in einem wohleinge­richteten Zimmer des französischen KonsulatSgebäudks. Der Stich der Ravaja hatte Raoul miten in die Brust getroffen, nur wenige Milimetrr vom Herzen entfernt. Die Wunde war schwer und sehr schmerzlich. Der Kranke beuöthigte absolute Ruhe und erst seit vierzehn Tagen war er außer Lebensgefahr.

Als der Konsul von der schweren Verwundung der Grafen von Frrstre Botschaft erhielt, hatte er ihn

* Bezüglich des Landwirthschaftskammerge- feßes haben sich die Konservativen, Freikonservativen und die Mehrheit der Nationalliberalen auf den frei- konservativen Kompromißantrag geeinigt. Die Grundlage desselben geht dahin: Die Errichtung der Kammern erfolgt nach Anhörung der Provinzial- landtage, die erstmalige Wahl geschieht durch die Kreistage. Die Wahlbestimmungen werden später statutarisch durch die Kammern festgesetzt. Der Kompromißantag hat bereits die Unterschriften aller Konservativen, aller Freikonservativen und von etwa 30 Nationalliberalen erhalten.

* Das preußische Staatsministerium hielt heute Vormittag unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Grafen Eulenburg eine Sitzung ab. In derselben kamen, wie verlautet, das Kompromiß über die Vorlage betreffend die Landwirthschaftskammern zur Erörterung.

* Das Abgeordnetenhaus überwies in seiner heutigen Sitzung den Gesetzentwurf betr. die Fischerei der Ufereigenthümer in den Privatflüssen der Provinz Westfalen an eine 14er Kommission zur Borberathung. In der Debatte wurde von allen Seiten anerkannt, daß es nothwendig fei, der Raubfischerei entgegenzu­treten ; doch wurden vereinzelte Bedenken nach der Richtung laut, daß der Gesetzentwurf zu sehr in da» Privatrecht eingreife. Das AukführungSgefetz zum neuen Reichsviehseuchengesetz wurde in 1. und 2. Lesung angenommen. Auf den Wunsch, daß auch Maßnahmen gegen die Tuberkulose der Rinder ergriffen werden möchten, erwiderte LandwirthschaftSminister v. Heyden, daß die Impfung mit Tuberkulin zu einem positiven Resultat bisher noch nicht geführt habe, der ferneren versuchsweisen Verwendung des Tuberkulins aber nichts entgegenstehe. Endlich wurde der Gesetzentwurs bett, die Rechte deS Vermiethers an den in die MiethSräume eingebrachten Sachen in 2. Lesung mit den von der Kommission vorgeschlagenen Modifikationen debattenlos angenumme». Montag Landwirthschaftskammern.

* Der 5. internationale Bergarbeiter-Kongreß ist heute geschlossen worden. Die englischen Delr- girten waren schon gestern abgereist und hatten nur zwei zu ihrer Vertretung zurückgelassen. Zum nächsten Kongreßort wurde Paris gewählt. Zum Generalsekretär der internationalen Geschäftskommission wurde Pickard gewählt. /

* Der russisch österreichische Handelsvertrag ist am Freitag in Petersburg unterzeichnet worden. Die Zugeständnisse, welche Rußland über den Rahmen dlS deut sch-russischen Vertrags hinaus an Oesterreich- Ungarn gemacht hat, komme vermöge der Meistbe­günstigungsklausel auch Deutschland zu Gute. Die Veröffentlichung einer Uebersicht derselben von amt­licher deutscher Seite steht bevor.

* Der Kaiser hat den Reichskanzler durch Ver­ordnung vom 2. d. M. ermächtigt, für diejenigen inner­halb einer deutschen Interessensphäre in Afrika ge­legenen, zu dem Schutzgebiet bisher nicht gehörenden GebietSlheile, hinsichtlich deren der fortschreitende Ein­fluß der deutschen Verwaltung die Bereinigung mit

sofort vom Hotel noch seinem Hause transportieren lassen und ihn der sorgsamen Pflege einer Kranken­schwester anvertraut. Der beste Arzt der Stadt wurde zu Rathe gezogen; derselbe erklärte dem Konsul, welcher für Raoul eine beinahe väterliche Zuneigung empfand und in Folge des äußerst brutalen Attentas gänzlich gebrochen war, daß Hoffnung vorhanden, feinen Schütz­ling am Leben zu erhalten. Doch lassen wir Raoul einstweilen auf feinem Krankenbette und beschäftigen wir uns mit den anderen Personen der Erzählung.

Das Gerücht von dem Ueberfall des Fremden hotte sich rasch in der Stadt verbreitet, wie auch das Re- kontra Raouls mit dem Marquis auf der Alameda nicht verborgen blieb. Niemand wagte es aber, la Montana, einen Granden von Spanien, in Verbindung mit dem feigen Meuchelmörder zu bringen, der spurlos verschwunden zu sein schien.

Raoul hatte Niemanden gesehen und andere Zeugen des MordanfalleS waren keine vorhanden. So blieben die Nachforschungen der Polizei, auch wenn sie noch eingehender geführt worden wären, ergebnißloS und in wenigen Wochen war dieser Mordversuch bei der Menge in Vergessenheit gerathen.

Sowohl der Herzog als der Marquis trafen nach dem Schärpenrennen Vorbereitungen zur Vermählung, bereit Tag bereits festgesetzt war.

Dem Herzog lag es vor allen Dingen daran, seine

: dem Schutzgebiet angezeigt erscheinen läßt, die hierzu ; erforderlichen Anordnungen betreffs der Organisatton ; der Verwaltung und Rechtspflege nach Maßgabe der ? für das Schutzgebiet geltenden Vorschriften zu treffen.

* In der bet Silberkommission zugegangenen lieber» : sicht über den deutschen Thaler«Umlauf wirb bet ; noch existirenbe Thaler-Borrath in Maximum auf 403 ; Millionen Mark geschätzt, einschließlich bet österreichi­schen BereinSthaler, bie auf 501/, Millionen Mark nach Ablieferung bet von Oesterreich übernommenen 26 Millionen veranschlagt sinb.

* AuS bet Silbetkommission ist Freiherr v. Schorlemer - Alst auS Gesundheitsrücksichten aus- i geschieden und an seine Stelle bet Abg. v. Schalscha > in bie Kommission berufen worden.

* Fürst Bismarck wirb, bem ,L-ipz. Tgbl.' zu- f folge, in nächster Woche nach Halberstadt kommen, um 5 das ihm verliehene Regiment bet Seyblitz'schen Kürassiere ' zu besichtigen. Fürst Bismarck ist Ehrenbürger von t Halberstadt.

* Der Ausstand der Bötticher der Berliner Brauereien wirb als beenbet angesehen. ES sinb über - 120 Böttchergesellen toieber eingestellt unb mehr werben, ‘ nachdem das Pfingstgeschäft vorüber, nicht gebraucht.

* DaS Gebäude in München, in dem sich die ehe- i malige Schack sche Gallerte befindet, welches dem | Bruder deS verstorbenen Grafen Schack letztwillig bet* * ! macht war, ist jetzt definitiv in den Besitz deS | Kaisers übergegangen.

* Münster, 19. Mai. Der langjährige, hochver- ' biente Generalvikar unserer Diözese Prälat Dr. Joseph \ Giese ist in vergangener Nacht gestorben.

* Essen, 16. Mai. Im großen Saale bes Stadt- ‘ gattens tagte gestern der IX. HauptverbandStag i des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen, i Mehr als 500 Lehrerinnen auS Rheinland, Westfalen > und Hessen-Nassau wohnten der Versammlung bei. ; Nach dem Hochamt in der GrrtrudiSkirche, gehalten zu . Ehren des hl. Geistes, wurde bie Versammlung durch i Herrn Domkapitular unb Geistlichen Rath Hilpisch . aus Limburg an bet Lahn, der den Vorsitz führte, i eröffnet. Nach dem von Herrn ReligionSlehrer Walbeck s erstatteten Geschäftsbericht über baS Jahr 1893 beläuft sich bie Zahl der Mitglieder beS Vereins auf 2046, s wovon auf bas Rheinland 1337 entfallen. Den ersten ; Vortrag hielt Herr Pfarrer Hünewinckel auS Köln I über das Thema: „Legt die katholische Lehrerin auf ihre unterrichtliche Thätigkeit deshalb weniger Werth, weil sie die erziehliche Thätigkeit als eine ihrer Haupt­pflichten betrachtet?" Darauf sprach Herr Kaplan Eus- i kirchen aus Krefeld über „Bedeutung unb zweckmäßige Organisation von Zweigvereinen." Um 2 Uhr fand | das gemeinschaftliche Festmahl statt. Nach 4 Uhr er­folgte bie Fortsetzung der Versammlung. Herr Rektor Dörner verbreitete sich in begeisterter unb in hohem ' Grabe begeiffernbet Rede über das Thema: „DaS ; Berhältniß der Lehrerin zur Familie." Als Vertreter ; des Herrn Kardinals Krementz war Herr Domkapitular ! Selten auS Köln erschienen. Als Oct des nächst-

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’ Tochter zu verheiraten, ehe der junge Franzose wieder . hergestellt war. Mercedes hatte sich erst mit allen ! ihren Kräften gegen eine Verbindung mit la Montana ' gesträubt, bis ihr in einet ernsten Unterredung mit ; ihrem Batet bas Geheimniß ihrer Tante entschleiert wurde. \ Ihr Batet hatte Mercedes rundweg erklärt, daß sie, i so lange er lebe, niemals bie Gemahlin des Sohnes beSjenigen werben könne, ber das LebenSglück seiner Schwester vernichtet habe.

• Mercedes wurde durch die Enthüllung des Geheim­nisses ihrer Tante, von welchem sie gar keine Ahnung ■ gehabt hatte, gapz niedergeschmettert; überdies hatte ihr i Vater ihren Argwohn gegen Raoul dadurch geschürt, ; daß derselbe ihr geschickt beizubringen verstand, die Zu- ■ rücksendung ber Schärpe burch ben Grasen könne nicht anberS ausgelegt werden, als daß er darauf verzichte, um ihre Hand weiter zu werben.

Mit einer Geschicklichkeit, welche nur durch den Haß deS Herzogs gegen Raoul erklärt werden konnte, stellte z dieser die Handlungsweise deS jungen Franzosen mit ; ber seines BaterS auf bie gleiche Stufe. Derselbe habe i nur mit ihrem Herzen gespielt, sonst hätte er ein so : kostbares Andenken, wie die gewonnene Schärpe, nicht : in so verletzender Weise znrückjchicken können. Sie solle den Elenden vergeffen, denn derselbe sei keiner Thräne j würdig. — Der Herzog hatte seiner Tochter nämlich nichts von dem vorhergegangenen heftigen Streite Raoul«