JV 113 Sonntag, den 20. Mai 1894. 21. Jahrgang
FilldacrMZeitiiiig
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ßV Hierzu et« Beiloge. -WD
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Mai.
* Die Antwort des Kaisers auf die Jmediateingabe des Gesammtvorfiandes der Berliner Gewerbeanß- stellnng 1896 um Bewilligung des „Hippodroms" als Platz für die Ausstellung ist ablehnend auSge« fallen. Der Kaiser betrachtet — und diese Auffassung ist ja allgemein — den Hippodrom nicht als ausreichend für die Zwicke der Ausstellung. Die angrenzenden Terrains des Thiergartens wären aber unter keinen Umständen erhältlich. Der Kaiser hat noch seine Meinung dahin geäußert, daß er von den in Betracht kommenden Plätzen das Gelände am Lietzrnsre (Charlotteuburg) als das für die Ausstellung geeignetere erachte.
* Der V. internationale Kongreß der Bergarbeiter hat sich mit 76 gegen 10 Stimmen für die gesetzliche Einführung des Achtstundentages erklärt. Die zehn Gegner waren Engländer. Angenommen wurde ferner eine Resolution zu Gunsten des Achtstundentages auch für die Arbeiten über Tage, sowie Resolutionen, wonach die Bergwerksunternehmer für alle den Arbeitern in ihren Gruben zustoßrnden Unfälle, gleichviel welcher Art, entschädigungSPflichtig sein sollen und wonach die Frauenarbeit innerhalb und außerhalb der Bergwerke verboten sein soll. Ein Antrag, wonach dar Lohnminimum in allen Ländern gesetzlich festgelegt werden soll, wurde durch die Engländer zu Fall gebracht.
* Das Abgeordnetenhaus setzte die 2. Lesung der Dortmund-Rheinkanalvorlage fort. Seitens der Regierung trat insbesondere Finanzminister Miquel für die Borlage ein. Nachdem einmal der Kanal Dortmund- Emden, also die kostspieligste und wenigst rentable Strecke im Bau sei, dürfe man nicht stecken bleiben. Werde diese Vorlage abgelehnt, so dürste das ganze große 1886 geplante Kanalprvjekt scheitern. Für die Borlage sprachen ferner die Abgg. Dr. Schultz-Bochum (nl.), Wayna (freit), Wallbrecht (nl), Im Walle und Stötzel (Centr), dagegen sprachen Abgg. Fritzen (Centr.), v. Schalscha (Centr.), Winkler (kons.) und Richter (frs. Bolkrp). Aög. Winkler empfahl eine Resolution, wonach die Regierung ersucht werden soll, 1) bei Feststellung der Kanalgebühren auf die Deckung der Ber- waltungs- und Unterhaltungskosten und Verzinsung der Anlagekapitals Bedacht zu nehmen und eine Prüfung der geltenden Kanalgebühren in diesem Sinne vorzu- nehmen; 2) auch für die Verbesserung der Flußläufe, die Einführung in gleicher Weise in Erwägung zu ziehen. Schließlich wurde der grundlegende § 1 mit 186 gegen 116 Stimmen ab gelehnt. Ebenso der Antrag Rintelen, der 10 Millionen für die Strecke Hamm-Datteln bewilligen will, sowie der Rest der Vorlage, die damit definitiv gefallen ist. Die Resolutionen, betr. die Regelung der Kanalgebühren, werten von der Tagesordnung abgesetzt. Morgen Ausführungs- Novelle zum Biehseuchengesitz.
Mercedes de Moro«.
Bon Lambert de St. Croix.
Autorisirte freie Übersetzung von Philipp Freibank, (42. Fortsetzung.)
Raoul drehte sich um, bemerkte aber zu seinem großen Erstaunen, daß nicht der Marquis de la Montana, sondern ein anderer Reiter am Posten stand."
„Wie kommt dar?" frug Raoul.
„Das werden wir gleich erfahren," erwiderte der Konsul, indem er einen der in den Gängen umher lungernden jungen Burschen, welcher ihm bekannt schien, herbei rief.
„Velosco", sagte der Konsul, „erkundige dich sofort, wcShalb Nummer sechs nicht am Rennen theilnimmt."
„Ich werde schleunigst Botschaft bringen, Herr Konsul," erwiderte der junge Mensch und stürzte fort.
Raoul nahm seine Beobachtung wieder auf und bemerkte, daß Mercedes sich zum Weggehen rüstete. Der Herzog stand an der Brüstung der Loge und hielt Umschau, wie wenn er Jemanden suche. Er schien feinen Zweck erreicht zu haben, denn daS Gesicht des alten EvelmanneS überflog ein Lächeln. Der Herzog drehte sich dann gegen eine im Hintergründe der Loge stehende Person um, und übergab derselbm einen in einer der großen Plakate gewickelten Gegenstand. Dann gab er seiner Tochter den Arm und velließ mit ihr
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I daß et morgen Tat ihm über die Angelegenheit seine»
* Der Landeseisenbahnrath ist für den 18. d. M. einberufen.
* Die letzte Revision der prenß. Gebändestener- Veranlagung hat zu einem Steuermehr von 7,640,360 Mark geführt, d. i. 19,8%. Bei der vor 15 Jahren ausgeführtrn Revision betrug dar Mehr 33,3 %. Bei beiden Revisionen steht der Westen dem Osten im Prozenwerhältuiß des Steigens der Gebäudesteuer merklich voran. Bei der letzten Revision betrug das Mehr in den Ostprovinzen einschließlich Berlins 12,6 %, im Westen 28,2 %. Berlin speziell bringt nur ein
ein ganzes Dorf zu uns herüber, war aber das schönste war: die Bewegung ist jetzt auch nach Süden gedrungen und hat die Urans ergriffen; auch alles Römische." — Also statt Heiden für dar Christeuthum zu gewinnen, finden diese wackeren „Missionare" es bequemer, den Katholiken die jungen Christen wegzufangen! Da wundert es uns freilich nicht, wenn sie mit dem Gelbe nicht auSkommen können. Der Bericht deutet schließlich an.
Mehr von 7,5%.
• Die ständige Deputation des deutsche» Juristen- tage- hat beschlossen, den Juristentag im September 1895 in Bremen abzuhalten.
♦ Die nach Maßgabe der Gesetzes vom 18. Juli 1892 festzustellenden Entschädigungen für die Auf- Hebung des den vormals «»mittelbaren deutsche» Reichsstäude» zustehenden Rechts auf Freiheit von ordentlichen Personalsteuern Pud, wie der ,Staats- anzeiger^ meldet, nunmehr zum Gesammtbetrage von 1,645,646 Mark ermittelt, während dieser Betrag in den Motiven des betr. Gesetzentwurfs auf 2,400,000 bis 2,700,000 Mark veranschlagt war. Hiermit ist nunmehr die volle Rechtsgleichheit in der Tragung der Staatslasten hergestellt und eine in früherer Zeit zu vielen politischen Differenzen führende Streitfrage unter Schonung der bestehenden Rechtsverhältnisse in befriedigender Weise erledigt worden.
* Die deutsche überseeische Auswanderung i über deutsche Häfen und Antwerpen betrug im April d. I. 5513 Personen gegen 12;253 im April v. I. Ueber deutsche Häfen allein gingen 4877 deutsche Auswanderer, außerdem noch über Hamburg und Bremen
die Soge, in welcher eine ältere Dame mit zwei jungen verabschiedete sich vonz Konsul mit der M'tthe'.luvg, Mädchen zurück blieb. - daß er morgen Tat ihm über die Angelegenheit seine»
Raoul begab sich in die Wandelgänge der Arena Streiter de la Montana sprechen w.rde. Und sah von civer BÄsstradk ans, daß Mercedes mit —-—1
ihrem Vater ihren Wagen bestieg.
Der junge Franzose vernahm ist diesem Augenblicke Schritte, drehte sich um und befand sich dem Manne gegenüber, dem der Herzog in seiner Log« übergeben hatte. Derselbe trug daS Packet und Raoul sah ganz deutlich einen Thril der von ihm gewonnenen Schärpe hervorlugen.
Wem sollte dieser Mann das Packet überbringen, vielleicht dem Marquis? Sollte der Herzog in der That dar von ihm (Raoul) so sauer erkämpfte Eigen- thum verschenken wollen? Graf Ferstre stand schon im Begriffe, dem Bedienten dar Packet mit Gewalt zu entreißen, als sein kühler Verstand wieder die Oberhand gewann; er sagte sich, daß eine solche Gewaltthat den Herzog noch mehr gegen ihn einuehmen mußte. Inzwischen war der Diener vorübergegangen und Raoul begab sich in die Loge zurück.
BelaSco hatte inzwischen dem Konsul die Nachricht gebracht, daß der Marquis unwohl gewordm sei, weshalb Nummer sechs ausfallen mußte.
Raoul, der durch den heftigen Kampf mit dem Pferde und durch die übrigen Aufregungen des Tager ganz erschöpft war, beschloß nach Hause zu gehen. Er
„daß neben diesen Lichtseiten tiefe Schattenseiten auch nicht fehlen." Er will sie aber für dieser Mal im Hintergrund lassen, wohl um den Zahlungseffer für diese „Missionsarbeit" nicht abzuschwächen.
* Nach der im preußischen Arbeitsministerium aufgestellten Statistik der Güterbewegrmg auf dm ■ deutschen Eisenbahnen ist im Jahre 1893 der Güter- - verkehr auf den deutschm Bahnen, von 157,922,176 ■ Tonnen im Jahre 1892, auf 165,514,507 Tonnen, d. i. um 4,8 pCt. gestiegen.
* DaS vom Hamburger Senat erlassene Verbot der Einfuhr vo» Wiederkäuer» »»d Schweine» au» > Schwede» ist dahin abgeändert worden, daß die Eiu- - fuhr von Rindern aus Schweden auf dem Seewege ? zur alsbaldigm Abschlachtung auf de« Hamburger - Schlachthofe wieder gestattet ist, sofern die vor der ’ Landung der Transports an Bord deS Schiffes vor- I zunehmende Untersuchung durch einen beamteten Thier- ? arzt ergibt, daß sämmtliche an Bord befindliche Thiere ! gesund sind.
* Braunschweig, 17. Mai. Die Versammlung deS Vereins deutscher StrafanstaltS-Beamte» beschloß: Die mit den kurzzeitigen Freiheitsstrafen bei ihrem gegenwärtigen BollzugSakte gemachtm Erfahrungen drängen zur Aenderung im Vollzüge derselben. Die Versammlung stellte eingehende Grundsätze und Maßnahmen für die erforderlichen Aenderungm auf. Zu« zweiten Punkte der Tagesordnung ^beschloß die Versammlung: Die kurzzeitigm Freiheitsstrafen sind un- entbehrlich und an sich nicht verwerflich, auch nicht im Mindestmaße von einem Tage, finden aber auf Grund der jetzigen Gesetzgebung eine zu ausgedehnte Anwendung; es erscheint daher eine Einschränkung derselbm in Bezug auf die Ausdehnung der Anwendung gebotm. f Die Versammlung stellte auch hierfür eingehende AuS- \ führungs-Thesen auf.
) * München, 18. Mai. Der Petition?auSschuß
i ber Abgeordnetenkammer hat die Petition um fakultative I Gestattung der Leickenverbrennung abgelehnt.
• Stuttgart, 17. Mai. In der heutigen Hauptversammlung der Lehrertages, der ber Kriegs- Minister beiwohnte, sprach Hauptlehrer Heyd über bte Militärbienstpflicht ber BolkSschullehrer. Die Lehrer müßten gegen bie gegenwärtige Ausnahmestellung protestiren unb verlangen, daß die AbgangSprü- : fang aus dem Seminar zum Einjährig - Freiwilligen- ; Dienst berechtige. Der heutige Zustand gefährde die soziale Stellung der Lehrer. Auch liege es im Staats- intereffe, bie Lehrer zum militärischen Avancement zu-
ferner noch zwei weitere Umstänbe: Die Furcht, von MercebeS, einer Angehörigen ber ritterlichsten Station ber Welt, ber Feigheit geziehen zu werden, und daS lieblose Urtheil seiner StandeSgmossen in Spanien unb Frankreick, wenn er diesem Ehrenhandel auS dem Wege ging. Gegen ein Duell empörte fich fein ritterliches Sesthl, die Gebote der Kirche, mit welcher er fich, wie wir wiffen, in XereB erst wieder auSgesöhnt hatte, aus einem solchen Anlaß gröblich wieder zu vertetzm, dagegen sprach ferner, da er einen Degen äußerst gewandt zu handhaben verstand, das Gefühl, daß er im Falle eines Sieges ben Verdacht auf sich labe, einen Nebenbuhler auf dem Wege deS erlaubten Morde« auS dem Wege geräumt zu haben.
Raoul verbrachte unter dirsm Erwägungen ein
, In seinem Hotel angelangt, suchte Raoul sofort sein | Lager auf und ließ die ernsten Ereignisse deS Tage» ' an seinem geistigen Auge vorüberziehen.
.. ____________ Er kämpfte einen harten Kampf mit sich selbst. Die
seiner Loge daS Packet - Ehrbegriffe, welche durch seine ganze Erziehung und daS Packet in der Hand I seinen Stand aiS Offizier in ihm verkörpert waren, ' forderten gebieterisch, daß er auf dem Wege der Selbst- i Hilfe, deS Duells, von dem Marquis Genugthuuug ! fordern müffe. Für ein Duell mit la Montana sprachen
5477 Angehörige fremder Staaten.
* Seltsame Misfionsarbeit scheint bei protestantischen Missionaren vorzukommen. Der Berliner Hilfsverein für bie evangelische Mission unter ben Kols in Berrgalen veröffentlicht einen Bericht, ans bem zunächst hervorgeht, daß in ben letzten brei Jahren bedeutend mehr ausgegeben als eingenommen worben ist. Ueber 148,000 Mk. sind zugesetzt worden. WaS für das Geld unter ben Heiden geleistet worden ist, ist aus dem Bericht nicht recht ersichtlich; derselbe spricht nur davon, daß sich au verschiedenen Orten Missionare angesiedelt haben und ein Krankenhaus errichtet worben ist. Dann aber heißt eS: „Weitaus bas Erfreulichste ist die Entwiklnng ber Bewegung unter ben römisch-katholischen Heidenchristen, welche sich der deutschen Kolsmission in immer weiterem Maße und tieferem Anschluffe zuwenden. Zwei Missionare, ein eingeborener Geistlicher, eine Anzahl Katechisten stehen theilS an dem Mittelpunkte, theilS auf verschiedenen Dörfern ringsum. Sowohl die beiden jungen deutschen Boten, welche dort arbeiten, als auch ältere Missionäre, welche behufs Inspektion dahin gereist waren, sind voll fröhlicher Endrücke. Missionar Hahn, der alles hat entstehen und kommen gesehen, uuwur, ««. s»--
ruft au5: Dort wehen FiühlingSlüfte; wieder kam zulaffen. Redner legt drei entsprechende Thesen vor.