JV 110 Donnerstag, den 17. Mai 1894. 21. Jahrgang
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H. Dem AfrtKaverein deutscher Katholiken ist in jüngster Zeit ein evangelischer Afrikaverein an die Seite gestellt worden. Beide haben dieselben Ziele: Förderung des Missionswesens. Auch der Beitrag, mindestens eine Mark jährlich, ist bei beiden der gleiche. Angesichts dieser Konkurrenz dürfte die Mahnung an die Katholiken berechtigt sein, ihren Afrikaverein nicht so stiefmütterlich zu behandeln, wie daS in den letzten Jahren geschehen ist. Wir können heute die Mitgliederbeiträge zum Afrikaverein auf höchstens 100,000 Mark jährlich schätzen. AuS dieser geringen Summe müssen Beihülfen gewährt werden: 1) für die sieben Missionen der Väter vom hl. Geiste in Ostafrika, 2) für die sechs oder sieben Missionen der Weißen Väter an den großen Seen; 3) für die Benediktiner-Mission in Dar-es-Salaaw, 4) für die drei Missionen der Pallottiner in Kamerun, 5) für die drei Missionen der Sichler Kongregation im Togolande, endlich 6) für die Missionen der Süd- fee. Dazu kommt, daß auch die in Europa stattfindende Ausbildung der Missionare und'Schwestern erhebliche Mittel erfordert, und daß alljährlich neue Misstons- stationen gegründet werden müssen, soll die katholische Kirche an Boden gewinnen. In Bezug auf die Geldmittel stehen die Protestanten viel günstiger. Nicht allein die deutschen, auch die schweizer, die englischen und amerikanischen MissionS-Gesellschaften richten heute ihr Hauptaugenmerk auf Afrika. Ihnen ist keine Summe zu hoch. So haben drei Missions-Gesellschaften, die BaSler, eine amerikanische und die Berliner, lediglich für die Errichtung einer einzigen SLat on im deutschen Kamerungebirge 225,000 Mark gezeichnet! — Mit einer solchen Summe würden unsere Missionare zehn Stationen neu errichten. Unser Missions- Werk ist im Verhältniß zum protestantischen sehr wenig kostspielig, und doch krankt es leider sehr an dem Mangel an Existenzmitteln. Etwas mehr ließe sich durch eifrige Agitation für den Afrikaverein wohl erreichen; eine regelmäßige Jahreseinnahme von 200,000 Mark dürfte nicht zu viel fein für die dem Verein angehörenden Diözesen: Köln, Trier, Münster, Paderborn, Hildesheim, Osnabrück, Limburg, Fulda, Freiburg, Rottenburg und das apostolische Vikariat Sachsen. (Die übrigen Diözesen stehen leider dem Verein immer noch fern.) Er foll ja nicht vergessen werden, daß an die Börse der Katholiken vielfache Ansprüche für religiös Zwecke gestellt werden, wir dürfen aber auch nicht außer Acht lassen, daß eS sich in Afrika um deutsche Kolonien handelt, und daß vir Katholiken doch nicht theilnahmslos zusehen können, wenn diese heute noch uns zugänglichen Gebiete allmählich dem Protestantismus unterworfen werden. Dazu kommt, daß die Mijsionirung d:r Neger eine sehr lohnende Mühe ist, daß wirkliche und dauerhafte Erfolge mit verhältnißmäßig geringen Mitteln erzielt werden können.
Deshalb richten wir an alle Katholiken die Bitte, den Afrikaverein deutscher Katholiken zu unterstützen, denen aber, die berufen stad, in diesem Sinne anregend
zu wirken, möchten wir zurufen: Arbeitet, arbeitet, arbeitet, damit das Reich Gotter sich auSdehye, auch unter unseren schwarzen Landsleuten.
Deutsches Reich.
Berlin, 15 Mai.
* Das HaudelSprovisorium mit Spanien trat gestern (Dienstag) außer Kraft. Bis auf Weiteres, d. h. bis zu dem Zeitpunkt, wo der deutsch-spanische Handelsvertrag von 1893 die Zustimmung der CorteS erhalten haben wird, wird dann die deutsche Einfuhr nach Spanien dem spanischen, und die spanische Einfuhr nach Deutschland dem deutschen autonomen Tarif unterliegen.
* Eine Agrar-Konferenz behufs Berathung von Maßregeln zur Abhilfe der Roth der Land- Wirths chaft ist vom Landwirthschafts-Mmister von Hiyden auf den 28. Mai und die folgenden Tage eiyderufm worden.
* In Sachen der Landwirthschaftskammern sind, wie man hört, nun von Seiten des landwirth- schaftlichen Mmisteriums neue Vorschläge zur Regelung der Frage des Wahlrechts ausgearbeitet worden, welche vermuthlich für die Kompromiß-Verhand- lungen, die einstweilen ruhen und nach Wiederzusammentritt des Abgeordnetenhauses wieder ausgenommen werden sollen, als Grundlage dienen werden. \ Damit wäre die Sache Plötzlich auf einen ganz andern > Boden geschoben, nachdem die bisherigen Kompromiß- s Verhandlungen bald zwischen Konservativen und Centrum, bald zwischen Konservativen und Natioralliberalen, bald zwischen Nationalliberalen und Centrum ein so wenig erfreuliches Schauspiel geboten haben. Eine ordentliche Komunsstons - Berathung über jene Vorschläge ist nicht mehr möglich; man wird also zu dem auch sonst schon angewandten Mittel einer freien Kommission greifen müssen. Zu einer solchen wären * selbstredend Mitglieder aller Parleien zuzuzieheu, nicht ! nur die Mitglieder derjenigen Parteien, mit denen man in erster Linie eine Mchrheit zu bilden hofft oder wünscht. Aber auch dann könnte man diesen Verhandlungen nicht mehr mit allzu viel Vertrauen entgegenblicken. Die Frage des Wahlrechts für eine Einrichtung, welche zur Organisirung eines großen Berufsstandes führen soll, ist eben keine solche, daß sie, wenn der eine, ursprünglich von der Regierung vorgeschlagene Boden sich als unannehmbar erwiesen hat, in kurzer Frist auf auderm Boden gelöst werden kann, ohne daß die Entscheidung an großer Unsicherheit leidet. DaS hat sich bei den bisherigen Verhandlungen ganz klar herausgestellt. Nach wie vor bleibt aber auch bei den jetzigen neuen Vorschlägen der Regieruug der Mangel, daß man für alle Provinzen Preußens dasselbe System deS Wahlrechts annehmen w ll. Soll etwas für die Zukunft Brauchbares geschaffen werden, so wird man wohl besser thun, diesen bisher mit so wenig Glück verfolgten Weg endlich fahren zu lassen. Ein Wahlrecht, welches für den Osten paßt, paßt nicht
für den Westen und umgekehrt, und ein Kompromiß zwischen bett Bedürfnissen der verschiedenen Gebiete möchte schließlich für keines von beiden paffen. Auch daS muß nun doch allmälig bei den bisherigen Verhandlungen Jedem klar geworden fein. Warum soll man sich aber auch davor scheuen, eine Verschiedenheit im Wahlrecht zuzulassen? Wenn dieser Weg der richtige war, als man die politische Selbstverwaltung organisirte, indem man für die östlichen Pro- I vinzen, für Rheinland, Westfalen, Hannover, Hessen- s Nassau, KreiSordnungen u. s. w. mit ganz verschiedenem i Wahlrecht machte, so ist er noch viel mehr angezeigt, l wenn eS sich um die Organisation der Landwirthschaft handelt, welche eben im Osten und W-sten so außerordent- j lich verschieden gestaltet ist. Wie bei den KreiSordnungen, > müßte über acch für die Landwirthschaftskammern daS i für Oft- u d West v richieden zu bestimmende Wahl- i recht gesetzlich festgelegt werden. Dar Beschreiten ; dieses Weges würde bedeuten, daß dir Verabschiedung ; des LandwrrthfchaftSkawmerngesetzes auf die nächste i Session vertagt würde. Doch glauben wir, daß . dieser kurze Aufschub unter allen Umständen dar - mindere Uebel wäre gegenüber der Aussicht, ein Gesetz z zu bekommen, welches für die Besonderheiten der ein- I z-lnen Gegenden nicht paßt und dann seinen Zweck ° verfehlt.
* Die heutige Sitzung der internationalen Berg- arbeiterkougreffes begann mit den Mandatsprüfungen.
; Dann beantragte der Delegirte Horn, sächsischer Land- I tagsabgeordneter, einen Protest gegen die polizeiliche l Ausweisung des Desuisseavx, die eine Verletzung des Gastrechis und eine Störung der friedlichen Arbeit des Kongresses sei. Der Protest soll erst verhandelt werden, wenn er gedruckt vorliezt. Es folgen Berichte über die Lage der Bergarbeiter in verschiedenen Ländern.
* Am Psiagstsormtag Mittag ist, wie schon kurz ' mitgetheilt, in Berlin der bekannte ehemalige Gesandte | Kurt v Schiözer gestorben. Schlözer, der am 5. Ja- i nuar 1822 zu Lübeck geboren wurde und somit ein Alter von 72 Jahren erreicht hat, widmete sich in ä Göttingen, Bonn und Berlin orientalischen und histo- i rischen Studien, deren reiche Ergebniffe er in einer An- | zahl größerer und kleinerer Schriften niedergelegt hat. } Später trat er in den preußischen diplomatischen Dienst, ' wurde zunächst Geschäftsträger in Rom, dann Minister- ; resident des Norddeutschen Bundes in Mxiko, 1871 s deutscher Gesandter in Washington und 1882 preußischer Gesandter beim päpstlichen Stuhl in Rom.
* Karlsruhe, 15. Mai. Der 6. Allgem. deutsche Philologentag wurde heute Vormittag von Professor Müller-Karlsruhe hier eröffnet. AIS Vertreter der Regierung begrüßte Oberschulrath Jos die Theil- ! nehmer. Anwesend sind etwa 200 Philologen. Nach । einem Vortrage deS Professors Scheffler über „Bild \ und Lektüre" wurde eine Resolution angenommen, da- - hingehend, die städtischen und staatlichen Behörden um i Unterstützung der Schulen zu ersuchen und den Anschauungsunterricht zu ermöglichen und zu fördern.
Mercedes de Moron.
Bon Lambert de St. Croix.
Autorisirte freie Uebersetzung von Philipp Freidank.
'39. Fortjetznnz.)
Raoul nahm, dem Konsul für seine Rathschläge herzlich dankend, Abschied und beschloß seinem Ruch- zu folgen. Das einzige Hwderniß, welch;» im Wege stand, war der Mmq ris. Im Kopfe Raouls keimte der unheimliche und wenig christliche Gedanke, de la Montana zu fordern; er unterdrückte diesen Gedanken aber sofort durch die Erwägung, daß ein solcher blutiger Weg niemals zum Herzen Mercedes führen könne, ganz abgesehen von der sicheren Folge, daß der H'rzog von Moron n emals dem Mörder deS sür feine Tochter bestimmten Gemahls die Hand derselben geben würde. Trotz all' diesen Erwägungen schwebte daS blutige Gespenst eines Duells vor seinem geistigen Auge.
Raoul wurde von dem Herzog de San Isidro sehr wohl ausgenommen; doch verlief daS Diner fit ihn herzlich wenig anregend, um so mehr, als demselben auch de la Montana anwohnte. Der Marquis überschüttete den jungen Franzosen mit einer gewissen Absicht mit Liebenswürdigkeiten aller Art und schien die frostige Höflichkeit Raouls gar nicht bemerken zu wollen. Er theilte Raoul mit, daß daS Rennen der CintaS übermorgen Abend stattfiaden werde.
De la Montana wiederholte sein Anerbieten, Raoul ! „Der Herr Marquis ist abwesend, und hat mich daS beste Pferd aus seinem Stalle zu stellen. ; beauftragt, dem Herrn Grafen mrtzuthrilen, daß das i Da Raoul dieses freundliche Anerbieten bereits j Pferd auf dem Rennplätze zur Verfügung des Herrn näher angenommen hatte, so war eS ihm unmöglich, Grafen bereit stehen werde." dasselbe heute abzuschlagen. M t schlecht verhehltem ; Raoul verzichtete darauf, etwas zu erwidern.
Widerwillen nahm er also an. In dem Tone der Stimme ; Dieser Mangel von Rücksichten kränkte Raoul ganz
Raouls lag aber ein gewisses Etwas, welches den : besonders, umsomehr, als er in diesem Augenblicke die MarquiS verletzen mußte. ‘ Stimme des Marquis vernahm, der einem seiner Hunde
Gewiß, Raoul schmollte ihm und der Grund war : rief. Er stand auf dem Punkte, den Eingang zu et» ihm sehr wohl bekannt. Als erfahrener Weltmann hitte - zwingen und einen Skandal zu v rursachen. Ein Rest der Marquis daL Verletzende in dem Tone Raoul'S ; von Klugheit hielt ihn aber von diesem Schritt-, der sofort herauSgefunden, grüßte aber, als er sich verab- ’ unbedingt zu feinem Nachtheile ausschlagen mußte, schiedete, nichtdestoweniger äußerst höflich und zog sich i zurück, doch nahm er sich vor, diese Zurücksetzung dem dann, ohne seinem Nebenbuhler die Hand zu reichen, • Herrn MarquiS nicht zu schenkm.
zurück. De la Montana war jetzt sehr ärgerlich darüber, i Gern hätte Graf Feilte das Pferd vor dem daß er dem Franzosen eines feinet Pferde angeboten . Rennen probirt; denn obwohl oder besser, weil Raoul hatte; doch die Reue kam in diesem Falle zu spät. f ein ausgezeichneter Reiter war, machte eS ihm doch
Dec Tag des Rennens kam heran und Raoul war s Sorge, daß er mit einem fremden Pferde eine klägliche nichts weniger als gut gelaunt, doch mußte er gute \ Figur spielen könne. Es war aber jetzt zu spät für Miene zum bösen Spiel machen. Er begab sich zur i ihn, auf das Rennen zu verzichten, einmal, weil er ! üblichen Besuchszeit zum Marquis, um avzufragen, zu ■ bereits eingeschrieben war, und bann, wsil sein Verzicht welcher Stunbe er sich auf dem Rennplätze einzu- : nur dem MarquiS he la Montana zu Gute kommen finden habe. \ mußte.
Raoul läutete an dem Palais deS MmquiS und ; Die ihm zugeschickte Rennkarte trug die Nummer 3. wurde von einem Diener, welchem gemessene Weisung ! Es lag also klar auf der Hand, daß der MarquiS, ertheilt worden sein mußte, empfangen; derselbe sagte, indem er verhinderte, daß Raoul daS Pferd vor dem ohne die Anrede Raouls abzuwarten: ' Rennen zur Probe ritt, sich schwer gegen den üblichen