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JV 108 Sonntag, den 13. Mai 1894. 21. Jahrgang

FuldaerWZtitiliig

Erscheint täqlich Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

W* Hierzu errre Beilage. \

Wegen des hl. Pfingstfestes er- j scheint das nächste Blatt erst am Dienstag.

Aufruf.

Die Centrumssraktion des Abgeordnetenhauses hatte, in Anbetracht der in Berlin herrschenden Kirchennoth, im Jahre j 1887 eine Einigung des St. Bonifazius-Bereins behufs Errichtung > einer Missionsstelle im Süden der Stadt begründet. Nachdem ’ es ihr gelungen, einen regelmäßigen Gottesdienst in der Boni- j fazius-Kapelle einzurichten und letztere jetzt zu einer selbstständigen i Pfarrei erhoben ist. hat die Fraktion beschlossen, zum Andenken | an ihren unvergeßlichen Führer Dr. Ludwig Windthorst j und auf dem Schauplatz seines ruhmvollen Wirkens Beiträge s zur Gründung einer neuen Missionsstelle, diesmal im Westen j der Stadt, zu sammeln Diese „Ludwigskirche" soll auf - dem Sttaßburger Platze errichtet werden, wo der Baugrund seitens der Eigenthümer eigens zum Bau einer katholischen Kirche i geschenkt worden ist. Die Fundamente zu der Kirche sind bereits ; gelegt, jedoch fehlen die Mittel zum Weiterbau. ;

Angesichts dieser ebenso dringenden wie erhabenen, aber für : die materiellen Mittel einer parlamentarischen Pattei doch zu - weit reichenden Aufgabe, erfüllt uns die Erwägung mit Zuver- | sicht, daß Windthorst nicht nur der Führer unterer Fraktion, > sondern der Führer des ganzen katholischen Volkes gewesen, i dessen Treue und Begeisterung nicht nur seiner Person, sondern j weit mehr noch seinem Streben und seinen Zielen gegolten hat. ;

Ihm, der im Leben jede Bethätigung der Dankbarkeit auf ■ den Bau der Marienkirche in Hannover verwies, wüßten wir < kein schöneres, seinem Geiste entsprechenderes Denkmal zu setzen, als eine in der Berliner Diaspora zu errichtende und seinem Schutzheiligen zu widmende Kirche.

Wir wenden uns vertrauensvoll an alle unsere Konfessions­genossen und Freunde im Lande mit der dringenden Bitte, die Centrumseinigung auch hier zu unterstützen, menschliche Dank­barkeit zur Ehre Gottes und zum Heile der Seelen zu bethätigen.

Die Gaben wolle man an den mitunterzeichneten Kassirer, dem Abg. Landgerichtsrath Schmidt, Berlin W. Bülowstraße Nr. 5, oder an die Expedition des Blattes, welches diesen Aufruf abgedruckt, einsenden.

DieCentrumseiuigung des St. Bonifaziusvereins.

Jahnel, bischöflicher Delegat,

Ehrenpräsident. j

Franz Prinz von Arenberg, Peter Paul Cahensly, ; Reichs- und Landtagsabg. Landtagsabgeordneter, i Vorsitzender. stellvertretender Vorsitzender. •

Otto Schmidt,

Reichs- und Landtagsabgeordneter, Kassirer. ___________________ |

* Das hl. Wagstsest.

Dem Armen, den die Welt verstoßt, i Den Weinenden sei du ein Trost, Dem Müden werde süße Ruh'.

Erlöschen kannst du ewig nicht, - Unendlich reines Himmelslicht, Durchglüh' uns, unser Licht sei du!

Hymnus: Veni Creator.

Der hehre, heilige Tag ist wieder angebrochen, der uns bte Erinnerung an die Sendung deS „Geistes aus der Höhe" auf die ersten Zeugen und Kündiger unserer christlichen Heilsordnuag bringt. Wklch' eine erhabene Jlee, welch' tiefgründender Inhalt liegt doch sowohl in der religtons gesch ichti ich -n Tdatiach-', alS auch

Mercedes de Moron.

Bon Lambert de St. Croix.

Autorisirte freie Uebersetzung von Philipp Freidank. i (37.

De la Montana überwachte nichtsdestoweniger den : jungen F anzosen m t ArguSaugen und bemerkte mit \ innerer Wuth, dar derselbe kaum einen Blick von dem ; jungen Mädchen wandte. Das grfick ihm ganz und ! gar nicht und instinktiv sagte er sich, seine Freundschaft - mit Raoul könne unt r sotanen llmftänbeu nicht von j langer Dauer sein, zudem ihm ein gewisses Vorgefühl - sagte, daß Raoul auch sein Nebenbuhler um die Liebe - Mercedes sei. Die Gefühl« der Aöneigung, welche l Merc de? gegen den Fremden früher besaß, waren de la Montana bekannt; aber, wie seine hmtigen Beob- a^tungm ftststelltm, hatte di« Abncigung der jungen Darre einer gewissen Wärme Platz gemacht. Sie plan- s derte mrtRrvul ungemein herzlich und er bemerkte so- ; gar, daß sie den Fremden mehrmals mit Aufmerksam- s keit betrachtete. Was Raoul betrifft, so schien er von \ Me-c-des voüständig hingerissen zu fein.

Dec Mai qais d-schlcß, obwohl es ihm innerlich gährt^, serne wahren Gefühle zu verheimlichen und unter- ! hielt sich in gewohnter freu Micher Weise mit Mercedes. !

Mercedes war häufig zerstreut; sie nadm zwar an ' der Unterhaltung, welche sich ringS um sie Sewegte,

in der Form, unter welcher sich diese Thatsache vor den Mafien des Volkes sichtbar und hörbar vollzogen hat!

Eine Religion deS Geistes soll gegründet, ein Reich höheren, unsterblichen Charakters soll begonnen, die Zeit mit der Ewigkeit, die Erde mit dem Himmel verbunden < werden. Daher strömt als heiliges Bindemittel zweier Welten aus dem Herzen des Vaters und des Sohnes, l des Schöpfers und des Erlösers, der Geist der Wahr- \ heil und der Liebe, und er ergießt sich über die i Bedürftigen und sehnsüchtigen Erdensöhne, die dadurch s in eine innige Lebensgemeinschaft mit ihrem Gott und - Herrn gebracht werden.

„Wir sind göttliche« Geschlechtes" hat schon der - alte Dichter ausgernfen, und der Bölkerapostel schreibt s an die Galater: „Wei! ihr Kinder seid, so sandte Gott I den Geist seines SobnrZ in euere Herzen, der da ruft: Abba, Vater." Und „durch Eine« Geist seid ihr Alle zu Einem Leib gelaust, Juden und Heiden, Knechte und Freie, und Alle sind mit Einem Geist getränkt".

Unter den Gaben, welche, wie die Regenbogen- färben, in dem Kranze der königlichen Pfingstgeschenke erstrahlen, erscheinen auch der F r i e d e und die F r e u d e als liebliche Schwestern. Wo sind sie aber hmgekommen, diese für das Wohl deS Volkes so unerläßlichen Güter! Es starren die Nationen in Waffen, wie Tiger zum Sprung über die Grenzen des Nachbars bereit, und nicht heidnische Horden sind er, sondern solche, die von jenem Geiste erfüllt sich wähnen, der für Andere in Selbstverleugnung und Opferdrang sein Herzblut ver­gossen hat. Und die Freude? Sie, die mit dem ersten Pulsschlag in jeder Menschenbrust unversiegbar lebt, hat sich in ungezählten Schaaren in eine bittere, welt­fluchende Stimmung vergiftet. Jene herrlichen Dinge, welche ein hoher und heiliger Geist verkündigt und gepflegt hat, haben keine Berechtigung mehr in der Absicht Derjenigen, welche der Menschheit einen neuen Odem einh-uchen wollen. Einen Brocken Erdenbrod und einen Becher Sinnenlust können sie ihm bieten, aber sie nehmen ihm mehr, als sie ihm zu geben ver­mögen, und darin liegt die Signatur eines verderben­bringenden Geister. Daher schwindet außer dem Frieden und der Freude auch die Geduld, Milde, Güte, Lang- muth, Sanftmuth, Treue, Mäßigkeit, Enthaltsamkeit und Lauterkeit (Gal. 5, 22, 23), welche der Herzen- kennende Paulus schon vor mehr als 17 hundert Jahren als die herrlichsten Früchte an den Zweigen des vom Pfiagstgeiste durchsasteten Lebensbaumes gepflückt hat, und welche zu allen Zeiten als die ebenso wahren und ächten, ai8 unerläßlichen Kennzeichen eines inner« heiligen, erhabenen geistigen Kerns betrachtet worden find.

Aus Herzensgrund mag daher an jedem wieder­kehrenden Pfi-tgstfeste, besonders aber heute, das heiße ; Flehen nach Oben dringen: „Spende uns deinen gött­lichen, heiligen Geist, damit das Angesicht der Erde erneuert werde." Aber nicht blos an eine Klasse der Menschen, nicht nur an eine religiöse oder politische Partei ist hierbei gedacht — nein, sondern alle be­dürfen dieses Lichtes, dieser Kraft von Oben, denn Alle sind sir nicht auf jener Höhr, wo der Geist ihr Haupt

berühren könnte, angefangen von drn Kronenträgern, die vielfach das Bewußtsein ihrer verantwortlichen Stellung verloren und von der Hand in den Mund leben, bis hinab zu den Schaaren der Gaffe, welche i in zehrender Gier die unreinen Genüsse der Stunde aufsuchen. Alle bedürfen wir einer Erneuerung, einer ; Wiederbelebung, einer Wiedergesundung. Darum: l „Komm, o Geist der Weisheit und des Verstandes, der - Kraft und Stärke, der Wissenschaft und Frömmigkeit ! uttb der Furcht des Herrn."

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Mai.

* Aus Anlaß der Einweihung der Lutherkirche I theilte der Hofmarschall der Kaiserin, Freiherr v. Mir­bach, mit, daß in den letzten fünf Jahren mit einem Kostenaufwand von 16 Millionen 15 protestantische Kirchen eingeweiht wurden, 6 bis 7 folgen noch in diesem Jahre, 8 weitere sind im Bau. Die „volle Be­seitigung der evangelischen Kirchennoth" soll erst auf­hören, wen» dann noch 18 Kirchen gebaut und außerdem für den Zuzug nach Berlin alljährlich zwei neue Kirchm errichtet werden. — Wie gering erscheint dagegen das, was von katholischer Seite zur Hebung der Kirchennoth hier und anderwärts aufgebracht werden kann! Freilich flehen denselben auch nicht hohe Einflüfie aller Art und nicht die Kassen von BanquierS und anderen unendlich reichen Leuten zur Verfügung. Aber jene Thatsache« geben doch zu denken, sie müfien den deutschen Katholiken einen neuen Impuls geben, Bedeutendes und jedenfalls viel mehr als seither aufzuwenden, um der Kirchennoth ihrer Glaubensgenossen in der Diaspora zu steuern.

* Der Prozeß gegen die nenn Redakteure in Berlin hat Befremden hervorgerufen. Man fragt, warum der Strafantrag nur gegen die oppositionelle Blätter gestellt worden sei. Konservative, national­liberale mrd antisemitische Blätter, welche doch die­selben Berichte veröffentlichten und theilweise noch schärfere Uttheile über das Verhalten der Polizei aus­gesprochen haben, blieben von der Anklage verschont. Diese auffallende Handhabung des Anklagerechtes wird voraussichtlich zu einer Interpellation im Ab- geodnetenhause an den Hm. Mmistec des Innern, als bat Chef der die Strafanträge stellenden Polizei- Behörde, führen.

* Der Generaladjutant Kaiser Wilhelms I., General Graf von Bismarck-Bohlen, ist am Mittwoch im Alter von 76 Jahren gestorben. Derselbe war 1866 Kommandant von Hannover, seit 1868 Kommandant s von Berlin und Chef der Landgendarmerie und 1870/71 General-Gouverneur von Elsaß-Lothringm.

* Der Bnndesrath beschloß, der Eingabe des Verbandes der deutschen Thierschutzvereine auf Erlaß eines Verbots deS FeilbietenS lebender B ögel wäh­rend der Schonzeit keine Folge zu geben.

* Bor dem Berliner Landgericht begann gestern der Wucherprozeß gegen den Kaufmann WilSenow

gebührenden Antheil, aber nichtSdefioweniger mußte ein scharfer Beobachter konstatiren, daß ihre Gedanken in der Regel nicht bei der Sacke waren-

Die junge Herzogin versuchte in der That, sich in Gedanken Rechenschaft darüber abz-ulegen, wie sie eigent­lich zu Raoul stehe.

Sie hatte sich vorgerommen, ihn zu hassen, ihn zu fliehen; thatsächlich aber fühlte sie eine geheime Zu­neigung zu ibm, und sie sehnte sich sogar danach, ihn sprechen zu hören.

Irr demselben Maße, wix ihre Reizung zu Raoul wuchs, verminderte sich ihr Interesse an dem Marquis. War er ihr schon früher gleichgiltig, so verabscheute sie ihn jetzt beinahe.

Und doch drängte sie diese Gedanken in das Innerste ihrer Seele zurück und gab sich Mühe, sich gegen bte beiben jungen Männer gleich liebenswürdig zu er­weisen.

Endlich kam man an der Stätte an, wo dar länd- , liche Mahl eingenommen werden sollte.

Der Ort war bewunderungswürdig ausgewählt. Eine weite Lichtung mitten in einem Tannenwalöe, und war in diesem Lande ziemlich selten ist, der Boden der Waldblöße bestand aus einem schwellenden Teppich mit grasuntermischtem Moose.

Nicht weit von dem Lagerplatz; sprudelte unter einem FclSblocke eine Quelle prächtigen Wassers.

Die ersten Ankömmlinge auf dem Rendez-vouS- Platze waren Marquis be la Montana, Mercedes, Raoul und der Konsul.

Raoul sprang zuerst aus dem Sattel und gedachte der Tochter deS Herzogs von Moron auS dem Sattel zu helfen; er hatte aber ohne den Marquis gerechnet, welcher dem jungen Franzosen zuvorgekommen war. Der Marquis blickte Raoul höhnisch an und richtete ferne Schritte gegen die ankommenden Wagen. Raoul war tief verletzt durch das herausfordernde Gebühren de la Montanas; doch beschloß er, sich sorgfältig in Acht zu nehmen und nicht m-t gleicher Münze ihm heimzuzahleu Ec drehte daher dem Spanier den Rücke«. Dabei bemerkte er, daß Mercedes sich auf ein Fels­stück im Schatten eines Baumes gesetzt hatte und daß ihr diese stumm; Szene nicht entgangen sein konnte. Raoul glaubte in ihren Augen etwas Aehnlich s wie einen stummen Dank zu bemerken, daß er die Heraus­forderung des Marquis so leicht genommen Häse.

Die ganz- Kavalkade war nach und nach einge­troffen und hatte sich um ein enormes T.feltnch ge­lagert, welches die mitgebrachte Dienerschaft an eiirr geeigneten Stelle muten im Gras ausgebreitet hatte. Diese Naturtaf.l wurde gedeckt und mit den mitge- brachte« Speisen beladen. Es entwickelte sich nun bei dem guten W-ine eine recht ungezwungene Unterhaltung, an welchem sich Alt und Jung betheüigte.