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-/V 107 ' Samstag, den 12. Mai 1894. 21. Mrgang

FuldacrWZritiing

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Deutsches Reich.

Berlin, 10 Mai

* lieber eine neue päpstliche Encyklika wird aus Rom dem .Sortiere nationale' in Turin geschrieben: „Em neuer, sehr wichtiges Dokument päpstlicher Weis­heit wird vorbereitet. Es ist eine sehr umfangreiche Encyklika, in welcher Se. Heiligkeit nach Aufzählung aller auf die Gesundung der Rationen und die Rettung der Religion, der Kirche und der Gesellschaft von der wiederauflebenden Barbarei des HeidenthumS gerichteten Akte seines glorreichen Pontifikats mit einem sehr leb­haften Appell fich an die christlichen abgezweigten Be­kenntnisse wendet und sie ermahnt, zur Rettung der Welt zur katholischen Einheit zurückzukehren. Die neue Encyklika ist schon gedruckt, doch ist wahrscheinlich, daß die Veröffentlichung derselben noch etwas aufgeschoben wird. Sie wird, wie man mir sagt, gewissermaßen dar religiös-politische Testament dieser großen Papstes Leo XIII. darstellen. Der hl. Vater hat davon auch in diesen Tagen mit mehreren auswärtigen Bischöfen gesprochen, welche sich in Rom aufhielten und von ihm in besonderer Audienz empfangen wurden." Die obige Meldung wird von der ,®ifefa' in Venedig wörtlich abgedruckt. Eine Bestätigung derselben in römischen Blättern liegt bisher nicht vor.

* Der ,Reichsanzeiger' meldet: Bei den Berhand- lungen von Vertretern der Regierungen von Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Badea, Hessen, Mecklen- burg-Schwerin und Oldenburg im Reichseisenbahnamt über die Frage der Sonntagsruhe im Eisenbahn­güterverkehr wurde Einverständuiß darüber erzielt, daß es angängig sei, aus allen deutschen Eisenbahnen deu Güterverkehr an Sonn- und Festtagen, abgesehen von den Zeiten des stärksten Verkehrs, wenn auch nicht ganz einzustellen, so doch wesentlich einzuschränken. ES ist in Aussicht genommen, nach Beendigung der nöthigen Vorbereitungen in diesem Sinne weiter vor­zugehen.

* Die XX Berliner Mastvieh-Ausstellung, welche gestern eröffnet wurde, ist trotz deS lähmenden Einfluss S, der von der über den Berliner Bühhof ver­hängten Sperre zu gewärtigen war, stärker besucht, als die vergangenen Ausstellungen. Die Sesammtzahl der Aussteller beträgt 142, die der zur Stau gebrachten Thiere 1054 gegen 119 bezw. 892 im Vorjahre und 80 bezw. 697 vor zwei Jahren. Stark und schön be­schickt ist diesmal die Abtheiluug Rindvieh mit 560 Nummern, sowie die Abtheiluug Schafe, die fast doppelt so stark beschickt ist, wie sonst. Die diesmal für die Abtheilung Schafe bestimmte, vom Kaiser verliehene goldene StaatL-Medatlle als Züchter-Ehrenpreis für die höchste Gesanimtleistung erhielt Sattig-Würthwitz.

* Der Vorstand der Deutschen LandwirthschaftS- ratht ist beim Bandesrath abermals um eine gesetz­liche Regelung der ländlichen Arbeiterverhältniffe vor­stellig geworden. Gewünscht wird strafrechtliche Ver­folgung böswilligen Kontraklbruchs sowie der Verleitung dazu, Gestattung der Einbehaltung des Lohnes bis zu einem vrozentualen Satze bis zur Erfüllung des Kon-

Mercedes de Moron.

Bon Lambert de St. Croix.

Autorisirte freie Ueberfetzung von Philipp Freibank.

(36. Fortfetznug.)

„WaS gibt es Neuer in 3Eete8, Herr Konsul?" faßte der Marquis. „Ihnen entgeht ja nichts in unserer Stadt."

„Man beschäftigt sich mit dem Feste de Cintas und alle jungen Damen sind mit Sticken vollauf be- schäftigt; überall findet eine „Gira" statt. Sind Sie mit von der Partie, Herr Graf?"

„Mit Vergnügen," erwiderte Raoul, „aber ich kann mich nicht beritten machen, denn zu dem Feste gehört, wie ich hörte, ein Esel."

„Seien Sie deswegen unbesorgt," meinte der Konsul, „ich werde Ihnen einen der meinigen geben. Werden Sie auch mitrnachen, Herr Marquis?"

„Gewiß, aber ich glaube kaum, daß sich der Graf von Ferstre dabei unterhalten wird", meinte de la Montana, welcher eS zu verhindern gedachte, daß der jung? Franzose dem Feste beiwohnte, an welchem auch die Herzogin Mercedes von Moron Theil nahm.

„Im Gegentheil, der Graf wird sich ausgezeichnet Unterhalter, denn eS gibt nichts hübscheres als eine „Gira," entgegnete der Konsul, welcher den Aerger '

i traktes durch den Arbeiter bei vorher erfolgter Ab- • machung sowie sofort vollstreckbaren Entscheidung der Ortspolizeibehörde bei Streitigkeiten über Antritt, Fortsetzung und Aufhebung deS Dienst« und Arbeits­verhältnisses unbeschadet der späteren gerichtlichen Ent­scheidung.

* Die amtlichen Verordnungsblätter deS Reichs veröffentlichen die Novelle zum Viehseuchengesetz und eine Bekanntmachung betreffend die Redaktion i dieses Gesetzes. Die Novelle bestimmt u. A., daß i wenn die Seuche in einem für den inländischen Vieh- i bestand bedrohlichen Umfang im AuSlande austritt, der Reichskanzler die Regierungen der betheiligten Bundes­staaten zur Anordnung und einheillichen Durchführung der nach Maßgabe dieses Gesetzes erforderliche« Ab­wehrmaßregeln zu veranlassen hat. Tritt die Seuche in einer solchen Gegend deS Reichsgebiets oder in z einer solchen Ausdehnung anf, daß von den zu er- greifrnden Maßregeln nothwendig die Gebiete mehrerer Bundesstaaten betroffen werden müssen, so hat der Reichskanzler oder ein von ihm bestellter Reichs­kommissar für Herstellung und Erhaltung der Einheit in den Seitens der Landesbehörden zu treffenden oder getroffenen Maßregeln zu sorgen und zu diesem Behuf doS erforderliche anzuordnen, nöthigenfallS auch die Behörden der betheiligten Bundesstaaten unmittelbar mit Weisungen zu versehen.

* Bon einem kompetentenBeurtheiler, der soeben vori der Antwerpener Ausstellung nach Berlin zurück- gekehrt ist, wird der ,Rat. Ztg.' bestätigt, daß die deutsche Abtheilung nächst der belgischen am weitesten vorgeschritten ist und den günstigsten Eindruck macht.

* Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht einen Bericht über die Verhandlungen, welche im Januar und März dr. IS. im Reichseisenbahnamt zwischen deutschen Eisenbahntechnikern über ihre Wahrnehmungen auf dem Gebiete deS nordamerikauischen Eisen­bahnwesens stattgefunden haben. Es wurde in der Besprechung u. A. festgestellt, daß die Ansicht, die amerikanischen Lokomotiven seien brffer konstruirt, sie lieferten einen günstigeren Nutzeffekt als die deutfchen, den Thatsachen nicht entspricht. Richtig iftjnur, daß der Amerikaner in der Lage ist, seine Lokomotive schwerer zu bauen und sie dadurch leistungsfähiger zu gestalten. Der Amerikaner kann die Belastung seiner Achsen nach den einzelnen Strecken bemesien, auf der die Lokomotive verkehren soll, während unsere Loko­motiven auf sämmtliche deutsche Hauptbahnen müffen übergehen können. Die amerikanischen Lokomotiven sind auffallend billig, halten aber nicht so lange auS, als die deutschen. Letzteres bietet iudeß den Vortheil, daß Fortschritte im Maschinenbau rascher zur Ein­führung gelangen können. Die Sonntagsruhe im ameri­kanischen Eisenbahndienst wird verschieden gehandhabt, im Allgemeinen aber nicht so streng gehalten, wie man bei uns anzunehmen pflegt. Auf weitere Einzelheiten deS intereffanten Berichts wird zurückzukommen sein.

* Gegen den Reichstagsabgeordneten Ahlwardt ist gestern von der Berliner Siaatsanwaltschaft An­klage wegen Beleidigung deS Finanzministers Miquel des Marquis wohl bemerkt hatte und dem er des­wegen gern den Spaß verderben wollte.

Der Konsul liebte den Marquis durchaus nicht und empfand im Gegentheil, wie auch Raoul, eine innerliche Abneigung gegen den Spanier, welcher in seiner Ächtung nicht besonders hoch stand.

„Man wird fich um 10 Uhr des Morgens zu- sammenfinden. Als Ausflugsplatz ist der Berg Sa« Juan de Temblcque bestimmt. Jeder Theilnehmer bringt seinen Theil am allgemeinen Mahle mit, sei es eine Platte kalten Fleisches, fei eS eine Anzahl Flaschen Wein. Es findet also, wie man bei Ihnen sagt, ein Pikuik statt. Ich werde eS mir zur Ehre rechnen, lieber Graf, für uns Beide den nöthigen Antheil an dem Mahle zu senden. Auf Wiedersehen, ich muß mich nun zur Ruhe begeben," fügte der würdige Mann mit einem malitiösen Lächeln für de la Montana bei und begab fich zu feinem Wagen.

De la Montana sagte kein Wort mehr, grüßte Raoul recht förmlich und begab sich in den Ballsaal zurück. Raoul blickte ihm mit dem Gef ihl voller Ber- achtung nach uid sah, wie derselbe neben Mercedes Platz nahm und mit ihr zu plaudern begann.

Graf Raoul empfand kein Vergnügen mehr an dem Balle, besonders da es ihm kaum mehr möglich sein konnte, mit Fräulein von Moron einige Worte zu wechseln. -

j erhoben worden. Die Beleidigung wird in einer Rede - gefunden, die Ahlwardt in einer Berliner BolkSver- t sammlung gehalten und in der er fein sogenannter i Aktenmaterial behandelt hatte.

* Bei der bevorstehenden Jahresversammlung deS „Katholischen Lehrer - Verband» Deutschlands", r welche an den Pfingsttagen in Mainz tagt, stehen in- i tereffante Verhandlungen in Aussicht. Von den zur s Debatte anaemeldeten Fragen nennen wir:

1) Welche Schnitte sind zu thun, um a. eine Aendeiung deS ; Gesetzes vom 26. Mai 1887, b. eine bessere Versorgung der ; Hinterbliebenen der Lehrer, c. eine gleiche Gesammtdaucr der r Ferien zu erlangen?

2) Wie stellt sich der Katholische Lehrerverband zur Kellner» s stiftung?

3) Wie stellt sich der Katholische Lehrerverband zu der Frage ! des Einjährig-Freiwilligendienstes der Lehrer?

4) Aus welche Weise kann das Studium der Werke der ka- I! tholischen Pädagogen gefördert werden?

Die etngeluufer en Anträge lauten:

1) Verbandsversammlung, a. Die jedesmalige Ber- bandsversammlung bestimmt den Provinzial-(Diözekan)-Berein, der die folgende Versammlung vorbereitet; b. die Verbandsver­sammlung findet alle zwei Jahre um Pfingsten statt; c. die Provinz Westfalen übernimmt die VI. Generalversammlung.

2) Jahrbuch, a. Die Studienkommission erhält einen zweiten Obmann, brr einen Theil der Arbeiten für das Jahr­buch übernimmt und int Behinderungssalle des ersten Obmanns ganz an dessen Stelle tritt; b. jedes Berbandsmitglied ist ver­pflichtet, ein Exemplar deS Jahrbuches zum Preise von 1 Mk. zu kaufen, wohingegen dann die Zahlung des Beitrages an die Verbandskasse (und für den Rechtsschutz) erlassen wird.

3) Fortbildungsschulen, a. Wenn irgend thunlich, ist in der obligatorischen Fortbildungsschule auch dem Religions­unterricht eine Stelle einzuräumen; b macht die Zahl der Schüler einer obligatorischen Fortbildungsschule die Errichtung von Parallelklassen nothwendig, so sind die Schüler nach der Kon­fession zu vertheilen und von Lehrern ihrer Konfession zu unter­richten.

4) Zwangserziehung. Die Gesetze über die Zwangs­erziehung verwahrloster Kinder mögen bestimmen, a daß die Strafunmündigkeit bis zum vollendeten 14. Lebensjahr hinaus­geschoben werde; b. daß auch solche Verwahrloste zur Zwangs­erziehung verurtheilt werden können, welche mehr als 14, jedoch nicht über 16 Jabre alt sind; c. daß die Zwangserziehung in allen Fällen der Verwahrlosung auch dann verhängt werden könne, wenn kein gerichtlich strafbares Vergehen vorliegt; <l. daß das Urtheil in mündlicher Verhandlung von einer Kommission gefällt werde, die aus Vertretern des Gerichts, der Staats- und Ortsbehörde, der Kirche und der Schule besteht.

5) Berathung einer Geschäftsordnung für den Vorstand des Katholischen Lehrerverbandes.

Bor nage find angzmelbft über die Themen: a. „Erziehung und Christenthnm"; b. „Volksschule und BolkSfchullthrer, eine Stütze für Thron und Vaterland." Indem wir auf das in fämmtlichen katholischen päda­gogischen Blättern veröffentlichte Programm verweisen, bemerken wir noch, daß der am Pfingstmittwoch Vor­mittags 10 Uhr beginnenden Hauptversammlung, in der die genannten Borträge gehalten werden, ein um 8'/z Uhr im hohen Dome beginnender Pontifikalamt vorauSgeht, in welchem der Mainzer Domchor seinen Kunstgesaug ertönen lassen wird.

* Hildesheim, 8. Mai. Die Vorstände der katho­lischen Lehrervereine Hildesheim und UntereichS- feld haben an die katholischen Lehrer und Schulfreunde der Diözese Hildesheim einen Aufruf und eine Ein­ladung zu einer am 16 d. M. Hierselbst stattfindenden

Er beschloß deshalb, ebenfalls wegzugehen. Dir f'ische Nachtiust gab ihm die nöthige Rahe wieder. Wie bizarr war alles, war er in LereS schon erlebt hatte. Seit beinahe drei Wochen befand er sich in einer Art von Traumzustande und er fragte fich allen Ernstes, ob eS für ihn nützlich fei, diesen Traum weiter zu spinnen und dem Phantome nachzujagen, dar junge Mädchen, welches all seine Sinne gefangen genommen hatte, als feine' Gattin heimzuführen.

Diesen theilS schmerzlichen, theil» süßen Gedanken nachhängend, irrte Raoul über zwei Stunden in bat Straßen der Stadt herum. Um 3 Uhr des Morgens kehrte er in sein Hotel zurück.

Auf dem Tische fand er einen Brief von feinem Onkel DuboiS. Der Geheimpolizist war auS Wien zurückgekehrt und hatte als Resultat seiner Nachforsch­ungen mstgetheilt, daß dec Vater deS Grafen in Wien drei Wochen im Hotel Imperial gewohnt habe und daun sofort nach Paris zurückgekehrt sei. DuboiS er­suchte seinen Neffen allen Ernstes, nach Paris zurück- zickhcen und die Verwaltung seiner Güter, mit denen eS nicht zum besten stände, selbst in die Hand zu nehmen. Das Gut BezonS fei noch immer nicht ver­kauft.

Raoul las den Brief ohne jedes Jntereffe; feine Gedanken weilten an ganz anderer Stelle.