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JW 101 Samstag, den 5. Mai 1894. 21. Jahrgang

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen" in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

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Annos eXoptat 1

BonVs QVIVI

* Die Samoafrage.

Fast noch schwieriger alr die orientalische Frage scheint die Samoa-Frage zu lösen zu sein. Dort glaubt man wenigstens schon die Umriffe zu erkennen, in denen stch das Zukunftsbild darstellen wird — in Betreff der Samoa-Inseln aber ist noch Aller dunkel. Gelt 16 Jahren führen drei Großmächte wegen diesen unbe­deutenden Inselchen eine lebhafte Korrespondenz mit­einander, eine umfangreiche Literatur ist darüber ent­standen, ganze Bände voll patriotischer, zorniger oder wehmüthiger Artikel sind in den Zeitungen geschrieben worden und wenn «an die Bertuste zusammenstellt, welche Deutschland, Großbritannien und die Bereinigten Staaten von Nordamerika wegen der 38,000 Samoaner erlitten haben — man denke nur an die beiden deutschen Kriegsschiffe „Adler" und „Eber", bei deren Untergang 90 brave Marinesoldatm und 5 Offiziere ihren Tod fanden —, dann erhält man eine Summe, welche um ein Vielfaches größer ist, als der Werth des ganzen Handels Samoa feit der Ent­deckung diefer Insel vor 172 Jahren. Fügen wir nun noch hinzu, daß auch in Zukunft unter den günstigsten Umständen dort keine derartigen Bortheile zu erringen wären, daß sie vttt gerade unglaublichen Aufwand an Blut, Geld und Mühe dreier Großmächte aufwiegen könnten, dann begreift man sofort, daß es sich bei dem ganzen Streit nicht um materielle Interessen handeln kann, sondern lediglich um jene Imponderabilien, welche zwar häufig in den Beziehungen der Völker zu einander eine bedeutsame Rolle spielen, aber ebenso oft auch nur dazu dienen, persönliche Interessen, Borurtheile und lichtscheueude Jntriguen zu decken.

Holländer haben die Inseln entdeckt. Die ersten Expeditionen haben die Amerikaner dorthin gesandt, ihre Flagge ist dort bereits im Jahre 1877 gehißt, taim aber wieder herunter geholt worden, weil man damals noch in Washington von einer Ausdehnung der Machtsphäre der Bereinigten Staaten außerhalb Amerikas nichts wissen wollte; es waren auch die Amerikaner, welche dm ersten Handelsvertrag mit Samoa abge­schlossen und sich zuerst eine Kohlenstation (Pago-Pago) gesichert habe». Den ausgedehntesten Handel betreiben jedoch die Dmtschen — noch im Jahre 1892 waren von den 48 Schiffen, welche in Apia einliefm, 28 deutsch; — und sie habm auch dm größten Grund­besitz auf dm Inseln. Dir Engländer wiederum glauben dar größte poliiische Interesse an den Inseln zu habm, weil diese mit Australien am meisten verkehren. Hat doch schon im Jahre 1872 Nm-Seeland den Antrag

Mercedes de Moron.

Bon Lambert de St. Croix.

Autorisiere freie Uebersetzung von Philipp Freibank.

(30. Fortsetzung.)

In diesen Räumen befavdm sich der mittelalter­lichen Bauart (gothischer Hallenbau) angemrssme Möbel und zahlreiche Waffmtrophäm. Diese Räume wurden in der Regel nur währmd der Sommers benutzt. In­dessen hatte der MarqaiS daselbst auch sein Rauchzim­mer. Die Wände derselben find mtt Leder von Kor- dova bekleidet, dar Mobilar einfach, die Bibliothek ge­wählt und die in derselben befindlichen Bücher enthiel­ten nicht nur die seltmsteu Werke, sondern zeichnetm fich auch durch ihre prächtigen Einbände auS.

Im Hinrergrusde der Atriums befand sich eine schöne Wmdeltreppe, welche in doppelter Umdrehung zum erstm Stock führte. Während, wie bemerkt, die Räume des ErdgeschoffeS als Sommerpalast dimm, wird der erste Stock im Winter bewohnt. Während der HundStage gewähren Atrium und die 0 immer deS Erdgeschosses angenehmen und kühlm Aufmthalt; die Härten des Winters werden in dm wohlgeheiztm Räu­men des erstm Stockes mit Behaglichkeit ertragen. Die Einrichtung der Privatgemächer der Marquis ist eine überaus kostbare und geschmackvolle. Alle- in diesem Hause zeugte von durchaus dmchgebildetem Geschmack

auf Annexion der Jnfeln gestellt und eS ist also nur die Wiederholung eines alten Wunsches, wenn jetzt von Auckland aus die Aufhebung der Samoa-Akte und die Uebertraguug der Verwaltung an die Regierung von Neu-Seeland angeregt wird. Es ist auf den erstm Blick klar, daß er nicht möglich ist, alle diese Ansprüche der verschiedenen Staaten zu befriedigen.

Bon den Samoanern selbst ist dabei fast nie die Rede und doch sollten sie, meinen wir, zuerst befragt werdm. Bürgerkriege hat er auf Samoa häufig ge­geben, denn die „königlichen" Häuser der Malietoa und Tapua lagen in beständiger Fehde mit emander und erst im Jahre 1873 beschlossen die Samoaner, stch eine neue Verfassung zu geben, mit einem Ober- und einem Unterhause und — zwei Königen. Trotzdem ging vor­läufig alles gut, bis im Jahre 1875 der Amerikaner Steinberger erschien, angeblich als Agent der Ber­einigten Staaten, in Wirklichkeit aber als Vertreter der Hamburger Hanse- Godeffroy, welches feit Jahren auf Samoa ein Geschäft betrieb, um den Inseln eine den Jnterefsen des Hauses mtsprechmde Verfassung zu geben. Der zweite König Tupua wurde abgesetzt und Steinberger zum Premierminister Malietoa'S ernannt. Man entdeckte jedoch bald die Schliche des Amerikaners, er wurde verhaftet und fortgeschickt, worauf die Ein­geborenen fich erhoben und Malietoa absetzten. Wieder wüthete aus Samoa der Bürgerkrieg, bis im Juni 1879 die Vertreter Deutschlands, Englands und der Set- einigten Staaten fich ins Mittel legtm und Malietoa als alleinigen rechtsmäßigen Herrscher anerkannten. Allem trotzdem kehrte die Ruhe nicht wieder und auch die Vertreter der drei genannten Mächte stellten ihre Jntriguen nicht ein. Im Jahre 1884 suchte der deutsche Konsul Dr. St übel durch einen Vertrag mit Malietoa, von welchem dieser in einem Briefe an Kaiser Wilhelm I. behauptete, daß er ihm „aufgezwungen" worden sei, die Regierung SamoaS unter deutsche Kontrole zu bringen. Malietoa bat um englischen Schutz, fand aber kein Gehör und bald darauf wurde die'deutsche Flagge ge­hißt. Im Januar 1885 erklärte der zweite König Tamasese, daß er in Leulumonga eine eigene Regierung eingerichtet habe und im August 1887 wurde Malietoa von den Deutschen abgesetzt und gefangen weggeführt, weil er nicht eine Entschädigung für beraubte deutsche Pflanzer zahlen und keine Genugthuung für die Beleidi­gung einiger Deutschen bei der Feier deS Geburtstages deS deutschen Kaisers gewähren wollte.

Die Einmischungen deS deutschen Konsuls wurden immer häufiger, die Hetzereien des amerikanischm Ver­treters immer rücksichtsloser, und nachdem am 28 Dez. 1888 eine auf Wunsch H deutschen Konsuls gelandete deutsche Truppenabtheilung, welche einen Strafzug unternehmen sollte, in einen Hinterhalt bei Bailele ge­lockt worden war, wobei 15 Soldaten und 1 Offizier fielen, da erkannte man auf allen Seiten die Roth- Wendigkeit einer Verständigung, und so trat am 29. April 1889 in Berlin eine Konferenz zusammen, deren Beschlüsse in der noch geltenden Samoa-Akte nieder­gelegt sind. Malietoa wurde wieder als König ein­

uni) von seltener Pracht. Alles «achte deshalb dm günstigsten Eindruck auf den Besucher, ausgenommen vielleicht den Besitzer aller dieser Herrlichkeiten selbst. Um dm Mund des Marquis spielte immer eine gewiße ironische Bewegung und seine Blicke waren nnstät, Wa­dern sonst recht ritterlich anssehendm Manne nicht zum Bortheil gereichte.

Als Raoul in diese Wohnung eingetreten war, empfand er das Gefühl höchster Ueberraschung und Be­wunderung. AlS Mann von Bildung und guter Er- ziehung wußte er nicht nur die Einrichtung des Bibliothek« zirnmerS, fondern auch die der werthvollen Bücher voll­auf zu würdigen. Der Diener hatte ihn nämlich in die Räume des SrdgefchofseS geführt, welche der Mar­quis vor kurzer Zeit mit feinem Winterpalaste vertauscht hatte.

Eine köstliche Frische herrschte in diesen Räumen und Raoul gestand sich selbst, daß er im Lande, wo zu dieser Jahreszeit um 10 Uhr des Morgens bereits eine Temperatur von 25 Grad im Schatten herrscht, eine Sommer- und Winterwohnung zu besitzen, bei einem jungen Millionär sehr verzeihlich war.

Beim Anblick Raoul'S erhob sich la Montana und begrüßte dmselbm mit außergewöhnlichem Eifer..

„Wieliebenswürdig ist es vonJhnm, mich sobald zu besuchen, lieber Graf. Ich hoffe, Sie werden mir

gesetzt, Apia erhielt eine eigene, aus Weißen bestehende Munizipal - Verwaltung, deren Vorsitzender zugleich Rathgeber deS Königs sein sollte. Ein europälscher Oberrichter sollte die Ausübung der Justiz leiten und eine Landkommission die sehr verwickeltm Ansprüche der Eingebormen und Weißen regeln. Wie dieser ver­wickelte Regierungsapparat zu beständigen Reibnngm geführt hat, dwsistin der »Frankfurter Zeitung' wieder­holt geschildert worden, und er kann daher feinem Zweifel unterliegen, daß die Aufhebung des Vertrages ober wenigstens eine Revision desselben durchaus noth- wendig ist.

Wie sich eine solche Revision gestalten soll, darüber scheinm noch von keiner Seite Vorschläge gemacht toorben zu sein. AlS die amerikanischen Delegirtm zur Samoa-Konferenz vor fünf Jahren vom Fürstm Bismarck empfangen wurden, herrschte m Washington eine Stimmung, welche zu einer Ver­ständigung weniger günstig als jetzt war, allein trotz­dem darf man annehmen, daß Cleveland ebenso wmig wie Lord Rosebery WillmS ist, auf die Geltendmachung der in der Samoa-Akte festgestellten Rechte der Ser. Staaten beziehungsweise Englands zu Gunsten Deutsch­lands zu verzichten. Dasselbe gilt von Deutschland. Son den 70,000 Acres der Südsee - und Plantagen- Gesellschaft, welche aus dem Godeffroy'schen Geschäfte hervorgegangen ist, befinden sich 8000 Acres unter Kultur und die Gesellschaft unterhält 40 Stationen. Auf dem englischen Landbesitz (9000 Acres) existiren nur zwei Plantagen und auf dm amerikanischm Ländereien (9500 Acres) ist nicht eine einzige Plan­tage zu finden. Es liegt auf der Hand, daß die dmtsche Regierung nicht nm ein Recht sondern auch die Pflicht hat, dem dmtschen Privat-Besitz ans Samoa dmselbm Schutz angedeihen zu lassen, wie er allen deutschen Staatsangehörigen überall zu Theil wird. Dazu gehört aber durchaus nicht die Ausübung einer direkten Kontrole über die Regierung von Samoa. Das Sodeffroy'sche Geschäft hatte sich ttotz der be- ständigen Bürgerkriege und ohne daß Vertreter Deutsch- land- in der Regierung SamoaS faßen, erfolgreich ent­wickelt und es ist nicht einznsehm, warum fich nicht auch jetzt Handel und Plantagmbau entwickeln fallen, ohne daß wir eine Verantwortung für die gute Re­gierung deS Landes übernehmen. „DaS Beste scheint uns immer noch zu fein", so schrieb die,Franks. Zig.' vor fünf Jahren, „daß man die Samoaner sich selbst überläßt. Der Handel hat unter ihren inneren Streitigkeiten nur wenig gelitten; erst als die Europäer anfingen, stch in ihre Angelegenheiten zu mischen und den einen Häuptling gegen den andern auSzuspielm, richteten sich die Feindseligkeiten auch gegen die Fremden. Die Samoaner selbst habm ein zu lebhafte- Interesse an der Aufrechterhaltung der Handelsbeziehungen mit dm Fremden, als daß fie nicht, wmn sie ihre Selbstständigkeit gewahrt sehm, Alles daran setzen sollten, um Frieden unv Ordnung auf­recht zu erhalten." DaS scheint nnS auch heute noch da- Beste zu sein und eS sollte die Aufgabe einer

die Ehre fcheaken, daS Frühstück bei mir einzanehmen," fügte der MaiquiS bei.

„Zu meinem großm Bedanem muß ich Ihre freund- liche Einladung ausschlagen," erwiderte Raoul, „denn ich habe bereits eine Einladung zum Dejeuner bei un­serem Konsul angenommen."

„DaS ist recht schade; nun Sie werdm mir hoffmt- lich ein anderer Mal die Ehre geben. Wie waren Sie mit Ihrem gestrigen Tage zufrieden, lieber Graf?"

„Ich bin ganz hingerissen," sagte Raoul, „und wäre gern bereit, heute einem zweiten Stiergefechte bei­zuwohnen." '

„Bravo! DaS läßt darauf schließen, daß Sie noch einige Tage hier zubringm werdm. Wir werden dem­nächst eine ganze Serie von Festlichkeiten hier hab« und werde e- mir zur besonderen Ehre anrechnen, »ernt Sie denselben anwohnm wollten."

„Sie werden sehm, daß eS bei denselben sehr munter hergeht. Zunächst habm wir einen Ball im Kasino. Sind Sie schon eingeladm, Herr Graf?"

„Nein, verehrter Herr."

„DaS schickt sich ja prächtig. Da Sie hier nicht gut bleiben köanm, ohne unserer Gesellschaft anzuge- hören, so werde ich Sie heute als zeitige- Mitglied de- Kasino- vorstellen und morgen werdm Sie die Einladung zu unserem Balle erhaltm."

„Bielen Dank, Herr Marquis."