JV 98 - Dienstag, den 1. Mai 1894. 21. Jahrgang
FuIdaerMZeitung
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Nach der Bischosswahl.*)
SU-U-eil Dir, freudiger Tag, wo sich ganz Fulda freut, Glücklich über die Wahl, daß ihm ein Bischof ward. Der durch Ruhm und Verdienst lange schon glänzt und strahlt Und vor vielen geragt hervor!
Heil Dir, trefflicher Hirt, Hüter der Heerde Du, Die Du lange schon kennst, freundlicher Führer uns! Alle preisen vereint, was er gewirkt, geschafft, Alle preisen den edlen Mann.
Wer hat immer gesorgt, immer gewacht wie er, Daß uns wüchsen heran Priester und Kleriker, Die durch lauteren Sinn, Tugend und Tüchtigkeit Weise Lenker deS Volkes sind?
Wer so emsig und klug, wer so aufrichtig stets Alle Kräfte der Seel' und des Berstaud's gelieh'u. Wo nur immer ein Werk edel und nützlich war, Um zu fördern der Menschen Wohl? a
Möge noch Dir verleih'» Gott der Allmächtige Biel' der Jahre und Kraft, daß Du Jahrzehnte noch Schutz den Deinen und Hort, daß Du uuS Bater seist Wie einst Sankt BonisatiuS! G.
*) Wir glauben unseren Lesern diese von dem Herrn Ber- faffer uns zur Verfügung gestellte deutsche Uebersetzuug der in Nr. 97 S. 2 der ,Fuldaer Zeitung" mitgetheilten lateinischen Festode nicht vorenthalten zu sollen. Zugleich bemerken wir, daß in Zeile 1 derselben nicht quo, sondern qua zu lesen war.
x Das Ceutrum und die Tabaksteuer.
Fortwährend wird versucht, einen Gegensatz zwischen den in der Sitzung der Tabaksteuer-Kommission am 11. d. M. von dm Abgeordneten Müller- Fulda und Dr. Lieber abgegebenen Erklärungen heraus zufinden. Diese Versuche haben auch in Centrumtkreism vielfach irrige Ansichten herbeigeführt; darum erfordern sie eine Richtigstellung.
Nach den vom Aba. Müller-Fulda gemachten Ausführungen sprach sich Finanzminister Dr. Miqnel dahin aus, daß eine Arnderung der heutigen Form der Tabakbesteuerung an sich nöthig sei aus Gründen der Gerechtigkeit, gegenüber der ungerecht wirkenden Gewichtssteuer und daß man eine Aenderung vornehmen müsse, selbst wenn daraus gar kein Mehrertrag erzielt werden solle. Wenn indessen aus dem Tabak, der doch immerhin ein LuxuSbedürfniß sei, durch die Fabrtkatsteuer eine erhebliche Mehreinnohme erzielt werde, dann könne man andere drückendere Steuern, die jetzt auf den Bedürfnissen deS kleinen Mannes lasten, freigeben. In der weiteren Verhandlung suchte mon nun namentlich von konservativer Seite die AuSführunzen des Abgeordnetm Müller-Fulda so zu deuten, als ob die CentrumSpartei gemeinsam mit dem Freisinn Richters an einer begehenden ungerechten Tabaksteuer festhalte, um dadurch einer gerechteren Bettheilung der Lasten ent» gegenzuwirken und darum forderte man zu einer be»
Dem Hochwürdigsteu Herrn Prälaten Dr. Komp zu seiner Erwählung als Bischof von Falda.
Gottgesandten laß' dich grüßen,
Dir meine schlichten Worte weih'n, x^ÄD Ein Wort nur würde Alles sagen: „Du wirst ein guter Hirte sein."
„Des Volkes Stimme Gottes Stimme", Zur Freude hat es sich erfüllt;
Nun ist der Stuhl des heil'gen Sturmi Nicht mehr mit Trauerflor verhüllt.
Nun trägt er wieder einen Streiter Für Gottes Ehre Preis und Ruhm; Jetzt liegt der Schutz in guten Händen Bon Deutfchland'S größtem Heiligthum.
Du hast in Deiner früh'sten Jugend Dich schon dem Dienst des Herrn geweiht Und dann in heißem Wiflensdurste Geschöpft am Born der Christenheit.
Gereift zum Mann hast Du gepflanzet
Jn'S Herz der auserwählten Schaar Die SotteSlieb und ächte Weisheit, Sie treu geführt bis zum Altar.
Was Du gewirkt, was Du geschaffen, ES wird mit Stolz von unS genannt. Doch „Alles nur zu Gottes Ehre", DaS ist uns Allen auch bekannt.
schlußmäßigen Festlegung dieses; Standpunktes heraus.
Auf diese Anzapfung hin gab der Abg. Dr. Lieber die gebührende Zurückweisung: den oben erwähnten Auseinandersetzungen deS Herrn Finanzministers gegenüber erklärte er,daß, wen» künftig neue indirekte Steuern überhaupt bewilligt werden sollten, dies wesentlich auch zu demZwecke der Beseitigung besonders drückender undvor- zugsweise die untersten Schichten des Volkes belastender Steuern geschehen,diese Beseitigung jedoch Zug um Zug erfolgen müsse, »eil jedoch auch diese Voraussetzungen beim vorliegenden Tabakfabrikatfteuer-Gesetzmtwurf nicht zutreffen, müffe er denselben pro hic et hunc, d. h. so wie er vorgelegt sei und für jetzt, ab lehnen.
Hierin liegt durchaus kein Widerspruch gegen die Erklärung des Abg. Müller-Fulda; denn wenn Herr Finanzminister. Dr. Miquel es sicher gestellt hätte, daß mit der Annahme einer Tabakfabrikatsteuer gleichzeitig die Aufhebung drückender ungerechterer Steuern erfolge, dann wäre vielleicht eine andere Stellungnahme eingetreten; als eine solche drückende Steuer muß z.B. die Salzsteuer gelten, welche jetzt 6 Pfennige pro Pfund beträgt.
Einstweilen möge es uns jedoch gestattet sein, solche Ausführungen noch als „fata morgana“ anzusehen und über die Ablehnung der Tabaksteuervorlage mit etwas mehr Berechtigung zu denken: „Ende gut, Alles gut."
Deutsches Reich.
Berlin, 28. April.
* Die Kaiserin ist mit den kaiserl. Kindern heute wohlbehalten im Reuen PalaiS bei Potsdam eingetroffen. Die Kaiserin sieht ebenso wie die Prinz« und die Prinzessin sehr wohl au8.
• Die Kommission des Abgeordnetenhauses, welcher die Paragraphen der Vorlage über die Landwirthschaftskammern, die von dem Wahlver- fahren handeln, zu abermaliger Berathung überwiesen waren, ist gestern nach fünfstündiger Verhandlung er- gebnißloS auseinander gegangen. Die Vorschläge des Abg. v. Zedlitz toutben mit 17 gegen 11, deS Abg. v. Kardorff mit 16 gegen 12, des Abg. Herold (Ctr.) mit 16 gegen 12, die ursprünglichen Anträge der Kommission mit 16 gegen 12 und die Regierungsvorlage mit allen gegen 6 Stimmen ab gelehnt. — ES wird also wohl aus den Landwirthschaftskammern nichts werden.
* Die UuterrichtSkommifsto« des Abgeordnetenhauses berieth am Mittwoch Abend über Petitionen betreffend Gewährung von staatlichen AlterSzulagen an BolSschullehrer in Städten von 10,000 Einwohnern. Der Referent Frhr. v. Plettenberg-Mehrum berichtete zunächst über die Vorgänge in früheren Jahren, sowie über die in diesem Falle vorliegenden Petitionen von Städten und fünf von einzelnen BolkSschullehrern. Die betreffenden Stadtbehörden erkennen die Berechtigung der seitens der Lehrer an die städtischen Kommunen
WaS hast Du wohl für Schmerz «trogen, Als d« Verwüstung Zeit dann kam, Doch dies« Sturm ging auch vorüber, Weil man zu Gott die Zuflucht nahm.
Nun freue Dich und laß Dich grüßen, Du ziehst als Gottgefandter ein Und wirst an des Apostels Grabe Fürwahr ein guter Hirte fein!
Fulda, 29. April 1894. R. A.
Mercedes de Moron.
Bon Lambert de St. Croix.
Autorisirte freie Uebersetzuug von Philipp Freibank.
(27. Fortsetzung.)
Da nahte sich Lagartijo, den Degen festgefaßt in der rechten Hand, dem Stiere die Waffe mit der Spitze in der Höhe seiner Augen haltend und wartete einen Augenblick. Man konnte eine Fliege durch den »eiten Raum schwirren hören, so still war er. So vergingen einige erwartungsvolle Augenblicke. Plötzlich senkte sich der Degen wie ein Blitz und verschwanv zwischen den Schultern der Stierer, der sofort in die Äniee brach. Die scharfe Klinge hatte augenblicklich Lunge und Herz durchbohrt.
Er zog den bluttriefenden Degen aus dem Körper
gestellten Ansprüche auf Gehaltserhöhung an, weisen aber auf die mangelnde PrästationSfähiakeit hin nnd erstreben theilweise eine Aufhebung der gesetzlich fixirten Bevölkerungsgrenze. Ein Theil unterbreitet gleichzeitig bestimmte Vorschläge znr Feststellung der Leistungsfähigkeit der betr- Kommunen nach dem Kommunal- steuergesetz. Diese Frage hat daS Haus und die Unter» richtSkommission schon seit Jahren beschäfttgt. Seitens des RegierungSkommiffarS wurde die Absicht einer Reu- regulirung der Bertheilung der staatlichen Beihilfen für die Unterhaltung der Volksschulen betreffend die Lehrer« gehälter, sowie die fundamentale Neuordnung der hier in Betracht kommenden Fragen beim bevorstehenden Schuldotationsgesetz geltend gemacht. Die Kommission faßte mit Rücksicht auf die gegebenen Erklärung« des Vertreters der StaatSregiernng den einstimmigen Beschluß, diese Petitionen als M a t e r i a l für die künfttge gesetzliche Regelung der Lehrerbesoldungen der Staats« regierung zu überweisen.
* Das Herrenhaus setzte die Berathnng des Etats für 1893/94 fort. Beim Forstetat erwiderte Minister Thielen auf eine Anregung des Grafen Mirbach, daß von der Verwendung hölzerner Schwellen beim Eisenbahnbau nicht Abstand genommen werden solle. Bei« Eisenbahnetat begründete Minister Thielen gegenüber Herrn v. Levetzow die Nothwendigkeit der Einführung von Staffeltarifen auf der Ostbahu. Frhr. v. Maltzahn und v. Klizing sprachen sich gegen die Einrichtung der Arbeiterrückfahrkarten aus, durch welche das Familienleben geschädigt und die Sozialdemokratte gefördert werde. Oberbürgermeister Bräsicke befürwortete eine Tilgungssumme für die Eisenbahnschulden und die Bildung einer Reservefonds für den Eisenbahnbetrieb und kündigte eventuell die Einbringung einer bezüglich« besonderen Gesetzentwurfs an. Oberbürgerm. Dr. Baumbach wünschte Einrichtung einer Centralifirung für die Sewerberäthe, was Minister v. Berlepsch für später zusagte. Beim Ministerium deS Innern vertheidigte Ministerpräsident Graf Eulenbnrg dem Grafen Hohnthal gegenüber die Erneuerung der Verfügung über das Verhalten der Beamten in politischen Parteiangelegenheiten. Auf eine bezügliche Anfrage des Grafen Kliukowströ« erwiderte Minister v. Heyden, daß generelle Maßregeln zu Gunsten der Landwtrthschast nicht vorgelegt werd« könnten, sondern daß Abhilfe unter Berücksichtigung des einzelnen Falles geschaffen werden müffe. Der Etat wurde schließlich im Ganzen genehmigt. Nächste Sitzung unbestimmt.
* DaS AbgeordueteuhauS begann beute die zweite Berathung der Novelle zur evangel. Kirchengemeinde. Ordnung. Die Freikonservattven beantragt«, daß die Vorschriften über die kirchlichen Wahlen an die gesetzgeberische Zustimmung deS Staates gebunden bleib« soll«. Em Antrag der Nationalliberalen forderte diese Bindung auch für daS Gelöbniß. Abgeordneter v. Eynern (ntL) bekämpfte die Vorlage als friedens« störend. Die Kirche solle der Orthodoxie ausgeliefert, die evangelische Freiheit vernichtet werden. DaS Gesetz werde nur gegen die Mehrheit der evangelischen Kirche mit Hilfe der Katholiken zu Stande kommen. Dem Träger der evangel. Kirche rufe er zu viäsaut oou-
deS Stieres, wischte die Waffe sorgfälttg an der Muleta ab und grüßte mit derselben gegen die Loge der Be« Hörde. Bon allen Seiten erhob sich Frendmgeschrei und laute BravoS wurden dem Sieger gebracht. Apfelsinen, Fächer, Hüte und Cigarrm flog« in die Arena »u Füßen LagartijoS. .
Lagarttjo ging mit Grandezza rmgS um den ZirkuS, dantte würdevoll für beu Beifall und hob bie gefpm« bet« Cigarren auf, während er Hüte und Fächer wieder Jen« zurückschickte, welche keine anderen SRittet be- saßen, um ihre Befriedigung anSzudrückm. Die Musik spielte muntere Weis« und die Menge überschüttete tat Sieger noch fortgesetzt mit BeisallSsalven.
Währmd dieser Zeit ging die Tragödie zu Ende. Der Stier, welcher noch einiges Leben zeigte, erhielt mit einem spitz« dreikantigen Dolch dm Gmickstoß, cachetero genannt. Dann erschienen die reichgeschirrt« Maulesel auf dem Platze, um den Kadaver deS Stieres und deS gefallenen Pferdes hinauSzufchlepp«.
Die peones überschütteten die Blutlachen in der Arma mit frischem Sande und ebnet« denselben wieder ein. In diesem Augenblicke ertönt« aus'S Rme Tro»- petmstöße, welche dm zwetten Kampf ankündigtm. j Dieses Mal sollte der tapfere FraScuelo au die Reihe kommen.