Beilage zu Nr. 97 der .Fuldaer Zeitung'..
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Sonntag, den 29. April 1893. q
ben versöhnlichsten Blättern ist die Geduld ausgegangen. „La Croix" sagt: „Wir hatten gefürchtet, die neue Maßregel werde, Dank der Einschläferung, ruhig angenommen werden. Aber eS wird anders. Unsere lSischöfe werden aöthigen allS, gleich den rutschen, inS Sefängviß zu gehen wissen." Wohlverstanden ist die Entziehung der Einkünste ganz ungesetzlich, eine Willkür und Gewaltthat; selbst republi« anische Blätter gestehen eS ein.
Wie zaghaft verhält sich dagegen die Regierung gegen Sozialisten und Radikale. Als der sozialistische lbgeordnete Toussaint in Trignac mit anderen Ruhe« törern verhaftet worden, wurden diese verurtheilt, Toussaint aber vom StaatSanwalte freigelassen. Jetzt verlangt die Regierung die Ermächtigung zu dessen Verfolgung, welche dir Kammer sicher verweigern wird. Warum aber hat der Staatsanwalt nicht Toussaint, »er auf der That ertappt wurde, sofort aburtheilen assen? Doch nur, weil er nach den Weisungen der Regierung handelte! Bei Berurtheilung auf der That ertappter Abgeordneter bedarf eS keiner Ermächtigung »er Kammer.
Jedenfalls wird das heraufziehende Gewitter die Luft reinigen und die Katholiken des ganzen Landes aufrüttela. Für Letztere fällt der Umstand sehr Vortheilhaft in's Gewicht, daß ste jetzt in eine rein religiöse und konstitutionelle Opposition treten, dir nur »en Zweck hat, die Freiheit der Kirche und deS Volkes jochzuhalten, und Nichts mehr mit der Wiederaus« richtung der royalistischen Partei zu thun hat.
Der Poftdampser „Pennsylvania" der,Red Star Lme in Antwerpen ist laut Tckgraunn am 25. April wohlbehalten in Phttadckphia angekommen.
„Bei Leibe nicht," erwiderte dieser allen Ernstes. „Man wird die Eingeweide wieder in die Bauchhöhle zurückbringen, die furchtbaren Löcher mit Werg ver« stopfen und schließlich da« Fell der armen ThiereS wieder zuvähen. Dann wird eS der Pikador wieder besteigen und so lange reiten, bis eS tobt zusammenstürzt."
„Ah," sagte Raoul mit einem tiefen Gefühl beS AbscheueS — aber neue Biwer deS Schauspiels ließen ihn seinen Satz nicht vollenben.
Lagartijo fuhr fort, burch äußerst geschickte Bewegungen den Stier weiter zu reizen und hatte denselben bereits wieder mitten in die Arena gelockt. Einstimmige Bravos belohnten die überraschende Geschicklichkeit des ToreroS, welcher das wuthschnaubmde Thier wie ein Hündchen lenkte.
Endlich schien der Stier deS Spieles müde zu werden und er griff, als der zweite Pikador in der Arena erschien, diesen mit verdoppelter Äuth an. DaS Pferd wurde diesmal durch eine« Stoß mit den spitzen Hörnern, der bis an'S Herz drang, fofort getödtet und der Pikador an die Barriere gefchleudert, wo ihn die peones durch eine Gchiebethür sofort in den den Lesern bekannten Sang zogen. .
DaS Schauspiel gestaltete sich nun m der That widerlich. Der Stier zerfleischte mit seinen Hörnern in der blutgierigsten Weise den Kadaver deS Pferdes.
Raoul mußte die Augen von diesem blutigen Schauspiele abwenden; auch die Damen, welche die Sogen zierten, bargen ihr Antlitz hinter den Fächern.
Reue Trompetenfigvale ertönten. Die Banderillero« rückten heran, um ihren Theil deS Programms auSzu- führen. Mit großer Mühe verscheuchten die ChnloS da« wüthende Thier von feinem Opfer und benützten dabei die BanderilleroS als Deckung, welche sich in der Mitte der Arena befanden. _
Der schnaubende Stier betrachtete stieren Blicks einen Mann, welcher einige Meter von ihm entfernt feine Banderillas in der Hand schwang, ben Stier neckte uni» ihn auf sich zu loden suchte.
DaS Thier blieb immer noch unbeweglich; der Mann setzte seine Versuche fort aber ohne Erfolg. DaS Publikum begann ungeduldig zu werden und überschüttete den Stier mit Schimpfwörtern aller Art. Endlich ging das Thier vorwärts und stürzte sich auf den Banderillero.
Dieser rührte sich nicht von der Stelle. Aber in dem Augenblicke, wo der Stier wie ein Blitz auf ihn zustürzte und nahe daran war, ihn zu zermalmen, wandte er sich mit fabelhafter Geschwindigkeit nach der rechten Seite und stieß dem wüthenden Thier die beiden mit Widerhaken versehenen Banderillas in den Widerrist zwischen die beiden Schultern. Der Banderillero wurde lebhaft beklatscht, worauf er seinen Platz an einen Kollegen abgab, welcher in ähnlicher Weise den Stier weiter reizte und neckte.
Zum dritten Male erklangen die Trompeten. Jetzt zeigten sie den Tod des heldenmüthig kämpfenden ThiereS an. _, , .,
Raoul begann sich nun lebhaft für daS Schauspiel zu interessiren; der Muth und da« kalte Blut dieser Männer hatte auf ihn den tiefsten Eindruck gemacht.
Lagartijo trat nun wieder in die Arena; in d« linken Hand hielt derselbe ein Schwert mit einem Guss in KreuzeSform. Er wandte sich gegen die Loge deS Präsidenten, ohne sich um daS Thier, welches von dem ChuloS so lauge beschäftigt wurde, zu bekümmern ; er verneigte sich und bat mit lauter vemehmlicher Sffmrne um die Erlaubniß, den Stier tödten zu dürfen, indem er versicherte, daß derselbe einen schnellen und ruhmreichen Tod finden werde.
Nachdem er diese Worte gesprochen hatte, verneigte er fich wieder, entblößte fein Haupt und warf seme Mütze weit von sich. m ,
Alsdann rückte er unbedeckten Hauptes, die Muleta (ein scharlachfarbenes Tuch) an der Spitze des Schwertes gleich einer Fahne tragend, gegen den Stier vor.
Bei diefeül Anblick wurde daS Thier von unbändiger Wuth ergriffen und stürzte sich auf da« rptoe Tuch. In dem Augenblick, als der rasende Stier »hm nahe kam, wich Lagartijo mit glänzender Gewandtheit auS und präsentirte ihm daS röche Tuch von der anderen Seite. _ ,, ...
So setzte der Torero sein kühnes Spiel mit der gewaltigen Kraft des Stieres noch oftmals fort, bis das Thier endlich vollständig stumpfsinnig geworden zu sein schien. Ermüdet durch feine zahlreichen Angriffe auf einen ungreifbaren Feind, stand eS, mit blutigem Schweiß bedeckt, still und rührte fich nutzt mehr, die Augen starr aus die Muleta gerichtet, welche der Torero sanft hin und her bewegte.
(Fortsetzung folgt.)
Mercedes de Moron.
Bon Lambert de St. Croix.
Autoristrte freie Uebersetzung von Philipp Freidank.
(26. Fortsetzung.)
Bor der Loge der Behörden angelangt, begrüßen die Stierkämpfer die Vertreter der Stadt in feierlicher Weise, wobei dem unbefangenen Beobachter unwillkürlich der Spruch der römischen Gladiatoren einfallen mußte: Ave Caesar, morituri te salutant.
Raoul hatte einen Platz in der Loge des französischen Konsuls gefunden. ES war daS erste Mal, daß er einem Stierkampfe anwohnte und voll Erwartung, um nicht zu sagen gepreßten Herzens, erwartete er den Beginn deS seltenen Schauspiels.
„Sie find ja ganz aufgeregt, mein lieber Graf," sagte der Konsul. Aber auch mir ging eS nicht anders, als ich zum ersten Male diesem Schauspiele anwohnte. DaS zweite Mal werden Sie bedeutend ruhiger und wie ich ganz hingerissen von dieser ritterlichen Uebung sein. Geben Sie Acht, eben öffnet der Diener daS Thor des Stierzwingers."
In diesem Augenblicke ertönte ein langgezogener Trompetenstoß. Der Präsident hatte durch einen Wink mit seinem Taschentuche das Zeichen zum Beginn der StiergesechteS gegeben.
Eine tiefe Bewegung ging durch die zahllose Menge, als sich die Thür des Zwingers öffnete und der Stier mit einem Satze in die Arena sprang, wo er einen Augenblick mit gesenktem Haupte stille stand.
Raoul konnte einen Schrei der Bewunderung nicht unterdrücken, als er dieses prächtige Thier mit den gewaltigen spitzen Hörnern in die Arena stürmen sah. ES stampfte mit Ungeduld den sandbedeckten Boden und hocherhobenen Kopfe« forschte er nach seinen Gegnern; weißer Geifer schäumte aus seinem Maule.
Alsbald erblickte es den Pikador und stürzte sich gesenkten Haupte« auf denselben zum Angriff. Der kühne Reiter, der ziemlich gut zu Pferde saß, empfing den wüthenden Stier mit eingelegter Lanze und versetzte ihm einen leichten Stich, welcher die Wuth de« ThiereS nur «och mehr reizte. Beim Anprall deS Stieres war daS Pferd auf die Hinterhacken zusammen- gesunken, ohne daß ihm wettereS Leid geschah.
Der zweite Angriff deS Stieres verlies für daS Pferd weit unglücklicher. Der Stier unterlief dasselbe mit feinen fpitzen Hörnern, riß ihm den Leib auf und warf eS nebst feinem Reiter in den Gand.
Die peones eilten zur Hilfe herbei, zu gleicher Zeit auch der Torero Lagartijo, welcher ben Stier, ber zum britten Male auf das Pferd und feine« unglücklichen Reiter losstürzen wollte, von feinem Opfer ablenkte. Er bewirkte dies durch seine bewunderungswürdigen Bewegungen mit der Kaper, welche sein Geheinmiß bildete.
Pikador war gerettet; der Torero spielte nur mit dem Stiere. Das gewaltige Thier wurde durch die gewandten Bewegungen de« Matador« von dem Pferde, welches schwer verletzt im Blute schwamm, abgelevkt, worauf die peones herbeieilten, daS Pferd durch Peitschenhiebe zum Aufstehen zwangen uud eS hinauSsührten — ein ganz abscheulicher Anblick für einen Menschen, der nur noch einen Funken von Mitleid in seiner Brust fühlt.
„WaS wird man mit dem armen Thiere anfangen?" ftagte Raoul den Konsul. „Man wird eS doch hoffentlich sofort tödten, nicht wahr?"
Die Gehaltssperre des Erzbischofs von Lyon.
* DaS Vorgehen der französischen Regierung in Sachen deS Kirchenfabrik-GesetzeS gegen die Bischöfe im Allgemeinen und gegen den Erzbischof von Lyon, Msgr. Coullie, im Besonderen, denen daS Gesetz wegen seiner Schärfe und Schädlichkeit nicht gefällt, wirft em recht eigenthümliche- Licht auf den „neuen Geist", von dem neulich der ftanzösische Kultusminister Spuller noch so laut behauptete, daß er über daS ganze Land wehe. Freilich kann man der französischen Regierung durchaus keinen Borwurf machen, »enn sie dem einmal bestehenden Gesetz Geltung zu verschaffen sucht. Aber dann muß sie vor allen Dinge« Sorge tragen, daß sie selbst in den legalen Schranken bleibt, und nicht, wie sie eS hier gethan hat, durch eine reine Willkürmaßregel, zu der ihr jeder Anlaß fehlte und, war die Hauptsache ist, jedes Recht abgesprochen werden muß, da« Gehalt der Erzbischofs von Lyon zu sperren. Setzt sich die ftanzösische Regierung damit in Unrecht, so beg ht sie zu gleicher Zeit eine Unklugheit sondergleichen, wenn sie durch die Citirung de« betreffenden HirtebriefeS vor daS Forum deS StaatSrathS, und durch das sondern französischen Kultusminister Spuller an alle Bischöfe Frank eich« gerichtete Rundschreiben einen Kulturkampf £in Scene setzt, mit dem sie sich selbst nur schaden kann.
Allerdings glaubte die ftanzösische Regierung damit den fortgesetzten Drohungen und Hetzer i n der Radikalen und Sozialisten, welche ihr vorwarfen, sie stehe mit dem „neuen Geist" im klerikalen Fahrwasser, die Spitze abznbr chen; allein dabei hat sie sich gewaltig verrechnet. Es heißt, die Panamitenfippc mit Ribot, Bourgeois und Cavaignac an der Spitze, wolle da- Ministerium bei der Wiederkehr der Kammer mttelft der „klerikalen Frage" stürzen. Dem wollten die Minister zuvorkommen und deshalb ist ihnen der „neuen Geist" sofort verflogen. Denn der Borwand, um den Erzbischof zu maßregeln, ist so saden« scheinig als möglich. Es find folgende Zeilen der Hirtenbriefe-:
„Im Vertrauen auf die Berechtigung der den Regierungen «emachten Vorstellungen, überzeugt, daß eine so mächtige, hwierige Frage klargestellt werden wird, halten wir unsere fMheren Weisungen bezüglich der Aufstellung der Kirchenrech« nungen aufrecht; sie werden dieselben in ber bisherigen Form aufstellen."
Der Erzbischof erkennt, daß daS neue Gesetz über die Kirchenfabrik«(BerwaltungS«)räthe nicht ohne Nachtheile durchgeführt werde« kann, macht deshalb der Regierung Vorstellungen, schreibt viermal an ben K ultuSminister, läßt baher einstweilen Rechnungen nach ber bisherigen Ordnung ausstellen. Hierzu hat er unbedingt das Recht, denn die kirchliche Behörde ist in der Verwaltung deS Kirchengutes dem Staate gleich geordnet. Der FabrkSrath besteht gesetzlich aus dem Pfarrer und Maire, als geborenen Mitgliedern, fowie sieben ober neun Mitgliedern, von denen der Bischof vier ober fünf, ber Präfekt drei oder vier ernennt. Einmal eingesetzt, ergänzt sich der FabrikSrath durch Zuwahl.
Uvd wegen dieses durchaus gesetzlichen, versöhnlichen Verhaltens werden dem Erzbischof seine Em- - künfte entzogen, sein Hirtenschreiben dem StaatSrathe zur Aburtheilung übergeben! Fürwahr, man muß wirklich besonderen, politischen Grund haben, um so vorzugehen. Aber auch selbst die Radikalen, so weit sie nicht an der amtlichen Krippe fressen, find von dem Vorgehen nicht beftiedigt. Spuller fordert dabei durch Rundschreibm alle Bischöfe auf, binnen acht Tagen ihre auf das Fabriksgesetz bezüglichen Hirtenbriefe und Verordnungen einzuschicken. Der Kultusminister verspricht, ähnlich gegen alle Bischöfe vorzugehen, welche fich nicht glatt unterworfen habe«. Der Erzbischof von SenS, Msgr. Ardin, hatte ebenfalls der Regierung Borstellungen gemacht, aber unterdessen die Durch- führung deS einsettig erlassenen, ungerechten Gesetzes angeordnet. Seine Hoffnung, die Regierung werde auf die gerechten Aenderungm eingehen, ist bitter ge- - täuscht worden. Die Regierung setzt fich aufs hohe Pferd Uno droht im ,Tempi': „Die Regierung, welche mit der Mehrheit deS Landes und der Kammer die Erhaltung des religiösen Friedens will, hat keine Ursache, die Dinge auf die Spitze zu treiben. Ebsn so wenig die Bischöfe, die fich nichts einbilden dürfen. Sie haben keinen weiteren Fehler mehr zu begehen, ausgenommen, daß sie die Abschaffung deS Kultus»Budgets wollen." Gewiß kennzeichnend für — die beim „neuen Seist" herrschenden Anschauungen: die Bischöfe und Katholiken sind die Friedensstörer weil sie fich über den gegen fie geführten VertilgungS- krieg beklagen.
Lieber weg mit dem Kultusbudget, als daß solch entwürdigende Drohungen noch länger gebraucht, die Geistlichkeit von der besoldeten Preßmente als Lohn- < knechte des Staates beschimpft werden. Die „Rouvelliste" in Lyon hat am ersten Tage 8000 Francs gesammelt, um dem Erzbischof feine Einkünfte zu ersetzen. Selbst