Einzelbild herunterladen
 

JV 96

Samstag, den 28. April 1894.

21. Jahrgang

uldaerWZeitiing

»glich. Sonn- und Stitrtage au#gen0*mtti. - Inserate kosten die einspaltig« Zeit« oder deren Kaum 16 Pk, M Mederholunarn entsprechender Rabat vierte.iährl.cher Abonnementspreis ohne Brrngerlohn nist» Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen" in Fulda und auswärts 1 Mark 60 Pfennig.

Deutsches Reich

Der Weg zur Arena war buchstäblich mit Men­schen, Wagen und Reitern besäet, welche Alle dem einen Ziele, der Arena, zustrebten. Diese ist aus Holz und Z,egelsteinen erbaut und eine monumental gebaute Fassade dient als Eingang.

Gensdarmen zu Pferde halten Ordnung in der Men^e, damit die Wagen ungehinderte Zufuhr haben. Der Eingang zu den Zuschauerräumen rst durch daS Vorhandensein vieler Thüren erleichtert.

ES herrschte em unbeschreiblich?- Gewühl und die Polizeibeamten hatten die größte Mühe den Zugang

Als die Torero- mit ihren Kampfgenossen ihre Wagen bestiegen hatten, ertönten brausende Hochrufe auf Lagartijo und FraSkuelo.

Man ist in Spanien über den Werth und Zweck der Stierkämpfer getheilter Anficht. Die einen bewun­dern die Kunst, mit welcher der vernunftbegabte Mensch mit Erfolg die rohe Kraft der Thiere bekämpft, der andere Theil hat lediglich seine Freude am Blut­vergießen, gleich den entarteten Römern, zu der Zeit als die ersten Christen mit wilden Thierea kämpfen mußten.

auf den formellen Standpunkt der Verfassung zurück­zieht. Uns wenigstens ist diese Fechtweise immer noch lieber, als da- Umspringen mit dem Wortlaute der Verfassung, wie eS Fürst Bismarck liebte. Der Fürst hat auf den „ I o h a n n e S t r i e b " der Nationalliberalen getrunken. Anscheinend bezog sich das auf die neu- erwachte Liebe zu ihm. Der nationalliberalen Par­tei wird aber keinJohanneStrieb mehr zu neuer Blüthe verhelfen.

Mercedes de Moron.

Bon Lambert de St. Croix.

Slutorisirte freie Uebersetzung von Philipp Freidank. (26. Fortsetzung,)

an die nationalliberalen RxichStagS-Abgeordneten als Wallfahrer in FciedrichSruh war politisch gehalten und eine Art Kartell-Programmrede. Für das Kartell scheint er immer noch zu schwärmen; erwünscht, daß in den Parteikämpfen Maß gehalten werde und daß die „staatSerhaltenden Parteien" sich nach Mög­lichkeit einander nähern und sich wie früher zu einem Kartell zusammenthun. Leider ist daS Programm, auf dem heute ein Kartell sich zusammenfinden könnte, sehr unficher von ihm umschrieben worden. Er sprach von der Nothwendigkeit der Deckung deS finanziellen Aus­falles in Folge der Zollverminderungen „unter Schonung der verschiedenen Klassen der Kontribualen" — was jede Partei freilich unterschreiben kann; die Frage ist nur, wie eS gemacht werden soll; die National­liberalen hätten guten Rath hierüber sicher dankbar an­genommen und ihn ihrem ehemaligen Kollegen Miquel übermittelt. C ' '

* Die Kede des Fürsten Dismarck H

Nicht übel illustrirt die ,Frkf. Ztg.' diesen Johannis­trieb, indem sie schreibt: Der nationallibernlen Junior­mannschaft war natürlich die ganze Rede segenspenden- deS Orakel; Herr Osann verflieg sich zu der Tirade, der Fürst habe dadurch, daß er immer noch seine mahnende und warnende Stimme hören laste, der Nation einen „neuen Mittelpunkt" gegeben, wofür sich der OmphaloS des Reiches, diesmal wirklich vom Geiste der WltzeS erleuchtet, mit einem Toast auf — den - v -----,-------------„------, „Johannistrieb" der nationalliberalen Partei revanchirte.

Er sprach werter von der Nothlage Wollte er damit sagen, daß die Liebe zu spät

der Landwirthschaft und mag wohl recht haben komme oder daß ihr die LebenSkrast mangele?

rmt der Behauptung, daß die Pflege der landwirth- Vielleicht glaubte er den Pilgern beide Komplimente

schaftlrches Interessen zu den Aufgaben des Reiches ge- zugleich schuldig zu sein; richtig angebracht waren sie

höre. Aber wie sollen sich bei den Gegensätzen, die sich jedenfalls.

der Frage der Fürsorge für die Landwirthschaft in letzter Als übrigens Fürst Bismarck entlasten wurde, da Zeit so schroff herausgebildet haben, Rechts undLmkS waren gerade die Leute, welche heute mit ihrer Bis- sobald wieder zusammenfinden? Auf der Rechten thut marckverehrung prunken, nicht nur kleinlaut, sondern man jedenfalls wenig, die Freundschaft aufrecht zu er- direkt perfide gegen den Altreichskanzler. Damals halten; und wenn die nationalliberalen Pilger frei von hofften ste auf Bortheile vom „neuen Kurse." Heute der Leder weg hätten reden wollen, so würden sie dem ist eS durchaus ungefährlich, für Bismarck zu demon- Fürsten wohl gesagt haben, daß wir einem Kartell jetzt striren — ja, man kann auf diese Weise sogar billige ferner seien als je. Sodann sprach der Fürst in be- Lorbeeren einheimsen — darum auf gen Friedrichsruh! kannterWeise über die Sozialdemokratie und die -----------------------------

Polenfrage; hier würden sich die alten Kartellbrüder ja noch am ersten verständigen können. Aber diese idealen Fragen haben gegenüber den trennenden I Berlin, 26. April,

materiellen Interessen wenig Bindekraft. Am auSführ- * Unlängst gaben wir auS dem von der .Neuen lichsten verbreitete sich der Fürst über die Trennung Deutschen Rundschau' veröffentlichten Tagebuchs eines der Neuner des Reichskanzlers und der preußischen Deutsche« iu Kamern» einige Enthüllungen über Ministerpräsidenten. Hier toitb er allseitige Zustirn- daS Vorgehen des Kanzlers Leist und d-S Assessors

mung staden mit seiner Ausführung, daß der Reichs- Wehlau bei Ausübung ihrer civilisatorischen Thätig- kanzler in der Luft schwebe und keine Autorität habe, I leit. AuS dem Zusammenhang von Tagebuchnotizen wenn er sich nicht auf daS preußischeStaatSministerium ging hervor, daß der Verfasser derselben ein höherer

stützen könne. in der Regierung von Kamerun angestellt r Beamter

Man muß anerkennen, daß Fürst BiSmarck sich in war. Es handelt sich um den Vertreter in den seiner Rede an seine getreuesten Anhänger sehr maßvoll SekcetariatSgeschäften Dr. jur. Ballentin, der ausgesprochen hat, wenn man seine früheren Ansprachen früher Feldwebel, nachträglich studirt hat und seit damtt vergleicht. Semem Nachfolger hat er ja Mangel Januar 1893 in Kamerun ist. Wie jetzt die .Kreuz- an Vertrautheit mit unserem BersassungSleben Borge» zeitung' mittheilt, wird gegen Dr. Ballentin ein Dis- worfen, wre er ihn kaum für möglich gehalten undan ziplinarverfahren eingeleitet, weil er seine Be- i° hoher Stelle kaum gesucht hätte, aber daS ist noch obachtungen über die vorgekommenen Ausschreitungen unerwartet milde, wenn man bedenkt, daß sein Leib- der vorgesetzten Behörde hätte mittheilen müssen. Wenn matt ihm noch gerade an seinem Geburtstage in scharfer die Nachricht zutrifft, und man kann nach mancherlei Tonart das Recht wahrte, die von ihm als erkannte Erfahrungen sie wohl für wahr halten, so müßte man Politik des nmen Kurses za kcitifiren. UebrigenS sollte doppelt nachdrücklich verlangen, daß wenigstens der «r Mann, der so oft in rabulistifcher Weise Verfassung gleiche Eifer, der gegen bett Aufdecker der Uebelthaten Mid Gesetz in ihr Kegentheil umgebet et hat, dem angewenbet wird, auch gegen bie Uebelthäter selbst

Caprivi kemen Vorwurf barauS machen, wenn Platz greift, und baß man an maßgebender Stelle sich er sich allzu rücksichtslosen Angriffen gegenüber einmal beeilen möge, der Ocffentlichkeit jene volle Aufklärung

Zwischen diesem Wagengewirre bewegte sich eine Menge fliegender Händler, welche mit lautem Geschrei Zündhölzer, Orangen und EiSwasser feilboten und welche die lauten Rufe der Kutscher, die zum Ein­steigen einluden, zu überschreien versuchten. Denke man sich die auf - und abwogende Menge in schreiende Farben gekleideter Männer, Frauen und Kinder, ver­mischt mit den in ihrer besten Uniform einherstolziren- den Soldaten hinzu, so kann man sich einen schwachen Begriff davon machen, welche Bedeutung ein für daS Gefühl des Nordländers so widerliches Schauspiel, wie daS Stiergefecht, in einer südspanischen Stadt besitzt. Die Menge drängt sich gegen ein Restaurant, an besten Fenstern unb Thüren die in ihren phantastischen golb- strotzenden Anzügen gekleideten ToreroS zu erblicken find; dieselben sind im Begriffe, ihre Wagen zu be­steigen, nm nach der Arena zufahren. Jeder will die vom spanischen Volke so gefeierten Künstler sehen, welche so I zu den verschiedenen EingangSthüren offen zu 'ballen" woaer bem Tode ins Auge schauen können. Dadurch Mancher arme Schlucker bettelt die Vorübergebenden entstand em Gedränge, aus welchem eS nur einem um einen Peseta an, nicht um etwa seinen Hunger zu i spanischen Publikum möglich ist, sich ohne Lebensgefahr stillen, sondern um daS Eintrittsgeld zum Stiergefecht I wieder herauSzuwickeln. I zu bezahlen. !

zu gewähren, die sie zu fordern berechtigt ist. Man sollte meinen, dar Studium der Rose'schen Berichte könnte nachgerade so weit gefördert sein, um die er­forderlichen Mittheilungen zu ermöglichen.

* Das Herrenhaus erledigte heute bis auf den letzten Gegenstand eine längere Tagesordnung. Die Vorlage betr. den Elbe-Trave-Kanal wurde nach längerer Debatte, in welcher u. A. Graf Waldersee aus strategischen Gründen für bie Vorlage eintrat, angenommen. Die Vorlage betreffend das Pfandrecht an Privateisenbahnen und Kleinbahnen wurde an bie Kommission zurückverwiesen. Morgen EtatSberathnng.

* 3m Abgeordneteuhause wurde heute bie Be- rathung der LandwirthschaftSkammern bei den Paragraphen 6 bis 14, welche von dem Wahlrecht zur Landwirthschaftskammer und dem Wahlverfahren handelt, fortgesetzt. Die Abgg. Frecher v. Zedlitz- Neukirch (frk.) und Herold (Centr.) haben die Zurückverweisung dieser Paragraphen an die Korn- Mission beantragt, letzterer mit der Direktive, baß durch Dreitheilung des Grundsteuer-Reinertrages ein Drei- klassen-Wahtsystem für Groß-, Mittel- unb Kleingrund­besitz eingerichtet werden soll. Abg. Srffa (kcnserv.) erklärte, daß seine Partei gegen bie Zurückverweisung dieser Paragraphen an die Kommission stimmen werde, weil daS Wahlrecht und das Wahloerfahren in der Kommission bereits eingehend berathen worden sei und eine nochmalige Berathung schwerlich ein besserer Resultat ergeben werde. Ein Wahlsystem, dar alle Parteien deS Hauses befriedige, werde man schwerlich finden. Der Antrag Herold sei schon deshalb zu verwerfen, weil er der Kommission gleich eine Direktive geben wolle. Das Centrum möge doch bedenken, daß nur die Freisinnigen und die Nationalliberalen Freude darüber empfinden würden, wenn in Folge der Rück- Verweisung an die Kommission daS Gesetz scheitern sollte. Abg. Dr. Sattler (natl.) erklärte sich für Rückverweisung an die Kommission. Nicht um daS Gesetz zu Falle zu bringen, sondern um burch Ambe- rung des Wahlrechts einen Versuch zu machen, daS Gesetz zu Stande zu bringen, feien die Anträge auf Rückverweisung an die Kommission gestellt worden. Für Rückverweisung sprachen sich auch die Abgg. von Bülow-WandSbeck (frk.) und Rickert (freis. Bgg.) aus, letzterer allerdings in der Voraussetzung, baß bei einer abermaligen KommissionSberathung doch nichts herauskommen würde. RegierungSkommiffar Thiel befürwortete nochmals das von der Regierung vorge­schlagene Wahlverfahren, indessen wurde dem Antrag Zedlitz gemäß die einfache Zurückverweisung an die Kommission gegen die Stimmen der Konservativen be» schlossen, womit der Antrag Herold beseitigt ist. § 15, welcher bestimmt, daß die Mitglieder der Landwirth­schaftSkammern auf 6 Jahre gewählt werden sollen, wurde mit einem dazu gestellten Zusatzantrage deS Abg. v. Strombeck ebenfalls an die Kommission zurückverwiesen. Ein Antrag des Abg. v. Eynern (natL), nunmehr die Weiterberathung zu vertagen, wurde gegen bie Stimmen der Nationalliberalen unb

DaS Volk ist von frenetrischer Lust ergriffen, dem blutigen Schauspiele anzuwohuen. Deshalb erklärt ei sich, weshalb eS beinahe unmöglich ist, den alle schlechte Leidenschaften befördernden Stierkampf zu beseitigen. Mehr als einmal schon dachte man daran, diese Schau­stellungen zu unterdrücken; jeder Mal aber mußte die Regierung vor dem allgemeinen Schrei der Entrüstung die Waffen strecken.

Im Innern der Arena wogte eine brausende Menge; Zuschauer und Zuschauerinnen saßen gedrängt beisammen und schienen durch die fast senkrecht auf ihre Häupter fallenden Sonnenstrahlen nicht im Ge- ringften belästigt zu sein; sie beklagten sich zum wenigsten nicht und begnügten sich damit, die glück­licheren Besucher der Arena, welche auf den reservirten Plätzen im Schatten saßen, zu beneiden. (Die mit einem Zeltdache versehenen höheren Plätze heißen Sumbra)

Diese Logen sind von Damen in den elegantesten Toiletten besetzt, welche alle die landesübliche, mit Rosen geschmückte Mantilla tragen. Sie fächeln sich, sehnlichst den Augenblick der Vorstellung erwartend, Kühlung zu; sie bedienten sich vielleicht auch deS Fächers hier und da, um damit ein kokettes Spiel zu treiben oder irgend welche innere Bewegung zu ver­bergen.

Inmitten des Gebäudes befindet sich bet burch hohe