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JV 95

Freitag, den 27. April 1894.

21. Jahrgang

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ö Die Würde des Kischoss.

Die Bischofswürde ist eine sehr hohe und verant­wortungsvolle, denn die Bischöfe stad, wie eS in der Apostelgeschichte heißt, vom hl. Triste gesetzt, die Kirche SotteS zu regieren. Daraus deutet auch der Name Bischof hin, welcher von dem griechischen Worte Epis« kopuS abgeleitet ist, was fo viel als Aufseher bedeutet. Die Bischöfe stad Nachfolger der Apostel, welche EhristuS selbst sich erwählte und auch zu ihrem er­habenen Amte weihte, als er sagte: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet hin in alle Welt und lehret alle Bölter.....und

lehret sie alles halten, was ich Euch befohlen habe. Die Apostel erfüllten treu und gewissenhaft diesen Auf­trag. PetruS, den der Herr zum Oberhaupte der ganzen Kirche, zum Weiden seiner Lämmer und Schafe bestellt hatte, bewahrte und übte die Schlüsselgewalt über die ganze Christengemeinde; die übrigen Apostel begaben sich in verschiedene Gegenden, sammelten die Gläubigen zu christlichen Gemeinden, wählten sich Mit­arbeiter, die sie zu diesem Behufe weihten. Diese Gehilfen, die unter den Aposteln standen, nannte man Priester (Aelteste). Begab sich dann ein Apostel von dem Orte seines bisherigen Wirkens fort, um die hl. ChristuSlehre weiter auSzubreiten und eine neue Ge­meinde zu gründen, fo wählte er sich aus den Gehilfen einen zu seinem unmittelbaren Nachfolger in seinem bisherigen Wirkungskreise. Diese Nachfolger der Apostel nannte man Bischöfe oder Aufseher. Die Bischöfe find also die rechtmäßigen Nachfolger der Apostel, die Apostelwürde aber, womit die Bischöfe bekleidet sind, ist göttlichen Ursprungs. Schon im zweiten Jahr­hundert erklärte der hl. JrenäuS: „Bon den Aposteln find eingesetzt die Bischöfe in der Kirche und find deren Nachfolger bis auf uns." Der hl. Cyprian fagt: „Die Apostel d. h. die Bifchöfe und Vorgesetzten hat der Herr erwählt." Da die Bischofswürde göttlicher Ein­setzung ist, so ist die Gewalt von Sott, und darum heißt eS: „Durch Gotter Gnade Bischof." Sind die Bischöfe Nachfolger der Apostel, so haben sie auch alle Pflichten und Rechte derselben, welche Christus diesen überttagen hat. Wegen der schweren Verantwortlichkeit der bischöflichen Amtes wurden auch die Bischöfe zu allen Zeiten mit der größten Sorgfalt gewählt, und oft verweigerten die heiligsten Männer die Annahme der Bischofswürde, ja, sie ergriffen die Flucht und ver­bargen fick, wenn man sie zu Bischöfen machen wollte.

Der Bischof muß darüber wachen, daß jeder Geist­liche in der Diözese in Ausübung seines Amtes ge- schützt und unterstützt werde. E: beaufsichtigt in der ganzen Diözese dre Ausspendung der Sakramente und die Abhaltung der öffentlichen Gottesdienstes; er sorgt dafür, daß alles Heilige heilig behandelt und namentlich das allerheiligste Meßopfer überall mit gebührender Würde und in vorgeschriebener Weise gefeiert werde. Er kann die Art und Weise des Gottesdienstes — mit Berücksichtigung der für die ganze katholische Kirche geltenden Satzungen — anordnen, neue Ceremonien, Andachtrübungen gestatten, einführen, oder vorschreiben;

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durch sein eigenes Blut erworben. Das halte fetz im Andenken und fei wachsam, auf daß nicht die Lehre verkehrt und die Herde von Wölfen verwüstet werde. Wie inhaltschwer sind diese Worte, wie ernst ist die Mahnung, die sie enthalten, wie groß und wichtig der Auftrag, den in ihnen jene ehrwürdigen Männer an mich ergehen lassen! Sie rufen mir darin zu,daS von ganzer Seele zu sein, was auch sie in ihrem Leben gewesen sind, Apostel der Religion Jesu, gute Hirten der ihnen anvertranten Herde, treue Bewahrer der

\ uralten Glaubens und Erhalter und Beförderer des ' Reiches Gottes unter den Menschen. Die Kirche der i Herrn, welche sie als feine begeisterten Sendboten unter I den Heiden gegründet und unter feinem Beistände in । allen Stürmen einer langen Zeit unerschüttert und unentweiht überwacht haben, soll auch ich bewachen gegen Verfall und Entweihung. Der Herde, die fie dem großen Hirten der Seelen, dem Fürsten der Hirten gesammelt haben, soll auch ich als ein treuer Hirt vor- stehen, nach seinem und ihrem Beispiele bereit sein, mein Leben für ihre Wohlfahrt einzusetzen, sie schützen gegen Räuber und Mietlinge und in ihr die Eintracht und Liebe erhalten, auf daß ein Hirt sei und eine Heerde."

\ schristen über Kanaldauten und Flußregulirungen sowie über die Förderung der deutschen Ansiedelungen in den ! polnischen Landestheilen, wurden durch Kenntnißnahme , erledigt. Dann wurden Petitionen berathen. Die i Petition des Prinzen von Hanau wegen Ersatz von i Revenuen aus dem Vermögen be8 Kurfürsten von ! Hessen ist von dem Petenten zurückgezogen. Morgen

er kann deshalb in den Ritualen zweckmäßige Ser* besserungen vornehmen, Gesangbücher einführen und Fest- und Fasttage vorschreiben. In wichtigen Vor­fällen ober aus wichtigen Gründen beruft er Diözesan« Synoden; er kann nach Gutbefinden auch Pastoral­konferenzen anbefehlen. Ihm steht es zu, neue Pfarreien oder Bemfizien zu errichten, ältere zu theilen, ihren Umfang zu vergrößern oder zu verringern und nach Umständen für erloschen zu erklären. Nach altem Brauche ist der Bischof auch der Verwalter der milden Stiftungen; er beaufsichtigt deren Verwendung nach der Absicht der Stifter, und wo der ursprüngliche Zweck nicht mehr erreicht werden kann, setzt er einen andern an dessen Stelle, oder trifft anderweitige zweck­mäßige Verfügungen. Alle Armen, Kranken, Wittwen und Waisen und alle hierzu bezüglichen Anstalten sind besonders seiner väterlichen Fürsorge empfohlen. Um nun die Gewißheit zu erhalten, daß überall der Glaube rein bewahrt, die Sakramente kirchlich gespendet, der Gottesdienst nach Vorschrift abgehalten und überhaupt die gesammten kirchlichen Anordnungen treu erfüllt werden, hat der Bischof da- Recht und die Pflicht, feine ganze Diözese alljährlich oder nach Umständen wenigstens immer nach Verlauf einiger Jahre zu vifi- tiren, sich überall an Ort und Stelle von der Lage der Dinge zu überzeugen und demgemäß nöthigenfallS besondere ober allgemeine Verordnungen zu erlassen.

AlS der nachmalige Kardinal Johannes v. G eis sei zum Bischof von Spei er berufen war, erließ er an seine Diözesanen ein herrlicher Hirt enfch reiben, in welchem eS unter anberm heißt: „Durch Gottes erbarmende Gnade trete ich in die Reibe jener gott- §eweihten Männer, welche in dem Laufe der Jahr- unberte die altehrwürdige Kirche von Speier geleitet haben, und int Namen des Erlösers ergreife ich den Stab, der aus ihrer längst schon im Tode erstarrten Hand auf des Herrn Geheiß in die meinige übergeht. Wie aber bietet Stab, dar Erbe vieler Geschlechter, ein heiliges Sinnbild der mir mit ihm übertragenen apostolischen Gewalt ist, so gilt er mir zugleich auch als ein von meinen Vorgängern hinterlassener Bote, der mich mit beredter Zunge an die schweren Pflichten erinnert, die an ihn geknüpft sind. Durch diese« bedeutungsvolle Sinnbild mahnen mich zweiundachtzig Bischöfe an die Wichtigkeit des hohen Amtes, das sie mit ihm meiner Obhut anvertrauen. In dem feier­lichen Augenblicke, in welchem ich zum ersten Male die heilige Stätte bettete, an welcher sie vormals gewandelt haben, und zum ersten Male den ehrwürdigen Stuhl einnehme, auf dem sie im Leben gesessen, sehe : ich sie mit ernstem Antlitze auf mich niederblicken, und ich höre ihre Stimme, die so oft in dem Heiligthume ertönte, in ernster Mahnung zu mir sprechen. Sie ' rufen mir die apostolischen Worte zu: Behalte dar Vorbild der gesunden Lehre, die Du von un« gehört, i im Glauben und in der Liebe, in Jesus Christus, ! und bewahre den anvertrauten theuren Schatz durch ; den hl. Geist, der in uns gewohnt hat. Habe Acht - auf Dich und die ganze Herde, in welche der Herr i Dich gesetzt hat, die Kirche Gottes zu regieren, die er ;

Deutsches Keich.

Berlin, 25. April.

* Das Kaiser!, statistische Amt veröffentlicht Nach­richten über den Saatcnstand im deutschen Reiche um Mitte April d. I. Danach berechtigt der Stand der Saaten zu der Erwartung einer (Nr. 1 sehr guten, Nr. 2 guten, Nr. 3 mittleren sdurchschnittlichenj, Nr. 4 geringen, Nr. 5 sehr geringen) Ernte: Bei Winter- weizen 2,2, Sommerweizen 2,5, Winterspelz 2,0, Winter­roggen 2,3, Sommerroggen 2,6, Sommergerste 2,3, Hafer 2,5, Klee und Luzerne 3,2, Wiesen 2,9. Ans den daran geknüpften Bemerkungen ist zu entnehmen, daß die im Herbst bestelltm Saaten im Allgemeinen gut durch den Winter gekommen sind, daß aber die Trockenheit feit Mitte März der weiteren Entwickelung Eintrag gethan hat.

* Wie die ,Boff. Ztg.' hört, ständen für den Mo­nat Mai überaus zahlreiche Veränderungen in der Armee bevor. Es sollen allein von dreißig Gene­ralen aller Waffen Abschiedsgesuche dem Kaiser zur Entscheidung vorliegen. Nicht minder stark soll der Ab­gang der Stabsoffiziere binnen Kurzem fein.

* Im Herrenhause erklärte sich Finanzminister Dr. Miquel zur Beantwortung der Interpellation der Herrn v. Platen betreffend die durch den Orkan vom 12. Februar dS. IS. angerichteten Schäden an einem vom Präsidenten zu bestimmenden Tage bereit. Denk*

Mercedes de Moron.

Bon Lambert de St. Croix.

Autorisiere freie Uebersetzung von Philipp Freidank.

(24. FortfrHnng,)

7. Kapitel.

Der Stierkampf.

Emige Tage nach dem Morde in der Straße Prieta legte XereS fein Festgewand an. SS war der Tag des hl. Johannes und zu dessen Feier war ein außer­ordentliches Stiergefecht auf 4 Uhr Nachmittags an­gezeigt. Am Morgen des Festtages erschallte Kanonen­donner und die hervorragendsten Gebäude der Stadt waren mit Fahnen in den nationalen Farben ge­schmückt.

Der Gottesdienst in den Kirchen der Stadt wurde zu Ehren de« Heiligen in besonders feierlicher Weise begangen und die Menge besuchte denselben äußerst zahlreich.

Die unseren Lesern schon bekannte Kollegiatkirche war weniger besucht wie die übrigen Gotteshäuser.

Mercedes von Moron hatte, von ihrer Zante be­gleitet, der Neunuhrmkffe bngewohnt und schickte sich eben an, die Kirche zu verlassen, als sie, an eine Säule des Chors gelehnt, einen jungen Mann bemerkte, der sie mit einer Beharrlichkeit anblickte, welche sie in

Verwirrung brachte. Dieser Franzose belästigte sie fort­gesetzt. Im Laufe von fechS Tagen war sie ihm schon vier Mal begegnet und jedes Mal fühlte sie sich von feinem Anblicke in unsagbarer Weise verstimmt.

Gerade weil Raoul ein eleganter hübscher Manu war, bäuchte eS der wohlerzogenen jungen Dame ans der besten Familie des Landes höchst sonderbar, daß dieser Fremde, welcher anscheinend vom besten Her­kommen war und in LereS längeren Aufenthalt zu nehmen schien, sich weder ihrer noch einer mit der ihrigen befreundeten Familie hatte vorstellen lassen.

Wenn der Graf vonFerStte aber nur ein einfacher Durchreisender war, so fühlte sie sich durch fein fort­gesetztes Anstarren doppelt verletzt; sie nahm sich der- bald vor, bei ihrem Vater, jedenfalls aber bei ihrer Tante über den Fremden Beschwerde zu führen. Sie konnte sich doch nicht durch ihre Tante ben jungen Franzosen selbst vorftellcu lassen, um ihm zu sagen, daß die Art seine« Benehmens sie höchlichst beleidige.

Als sie aus der Kirche heraustrat, folgte ihr Raoul in einiger Entfernung. Mercedes traf zufällig ihren Vater, nahm dessen Arm und kehrte um, um direkt auf den jungen Franzosen zuzugehen. Im Vorüber­gehen matz sie den jungen Mann, indem sie chn mit stolzem und verachtungsvollem Blick vom Kops dis zur

4:,v sichenden Augen.

Sie empfand bei diesem Akte weiblicher Rache ein gewisses Gefühl der Geuugthumig, um so mehr, als sie sich sicher unter dem Schutze ihre- Vaters fühlte.

Der Herzog war zerstreut; er bemerkte daher die ; Bewegung feiner Tochter und den Zweck ihres Zurück* i kehrens nicht. »Er dachte über die Anwesenheit der - Grafen Ferstre in LereS nach und über das Gerede, ; welches dieses Ereigniß in der sonst so stillen Stadt ! veranlassen mußte.

Zerstreut antwortete er seiner Tochter, welche von ihm allerlei Auskünfte erbat, und führte fie bann zu seinem auf sie harrenden Wagen. Der Herzog ließ seine Tante nebst Tochter einsteigen und gab die Ordre zu fahren, als er auf der andern Seite des Platzes s Raoul bemerkte. Aergerlich -stieg er in den Wagen und ! zog den Schlag fo heftig zu, daß die Marquise er- schreckt aufblickte.

; „War hast Du, lieber Neffe?" fragte fie gleich den ■ Herzog.

„Wenn ich diesen jungen Mann sehe, der die in­direkte Schuld an einem Verbrechen trägt, so gerathe \ ich in Zorn und noch mehr aber, da derselbe, wie ich bemerkte, meiner Tochter auf Schritt und Tritt nach- i geht", erwiderte dec Herzog.

' „Auch mir", sagte Mercedes mit festem Tone,