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94 Donnerstag, den 26. April 1894. 21. Jahrgangs

Md aerW Zeitung

Mercedes de Moron.

Halt, wcs ist

Bringer mit dem Zeichen P. bezeichnen. Die Polizei wendet unS in jenem Gebiete alle Aufmerksamkeit zu. Verschwindet also und bleibt in C. bis zur Ankunft von B......Mano wird in Sevilla und XereS

zu gleicher Zeit sein. Schickt Geld nach Granada. Dringlichkeit ist nothwendig. Mißtrauet Sidro, e8 ist ein falscher Bruder. Juan ist einer Probe zu unter- werfen. Bewahret diese« Schreiben von Sidro, welcher Mano denunzirt hat."

Diese« seltsame Billet wurde von Jakobo mehrmals gelesen, ohne daß er dessen Sinn verstehen konnte. In­dessen ging dem Beamten, während er so überlegte und da« räthselhafte Schreiben in seinen Händen umher- drehte, plötzlich ein Licht auf. Da« Wort Mano mußte la Mano negra (die schwarze Hand) bedeuten, der Name einer Bande von Missethätern, welche den Süden Spamen« brandschatzten und welche sich mit ebenso viel Geschick­lichkeit und Erfolg bi« sitzt den Händen der Polizei und

den die Weinberge, da« einzige Besitzthum dieser Un­glücklichen, von der „Schwarzen Hand" unbarmherzig dem Erdboden gleichgemacht. Jeder größere Grund­besitzer, welcher dieser Bewegung entgegenzutreten den Muth besaß, weil er in ihr den Ruin de« Lande« er­blickte, wurde ermordet und sein Hau« niedergebrannt. Der Schrecken herrschte in der ganzen Provinz. Die Führer dieser unheimlichen Bewegung durchstreiften nach allen Richtungen da« Land und blieben der Hand de« Gesetze« vollständig unerreichbar. Die „SchwarzeHand" hatte im ganzyi Süden Spanien« Verzweigungen.

Der Tod von Maria Ordonnez wußte auf einen Befehl der schrecklichen Gesellschaft zurückgeführt werd« und Antonio deshalb unschuldig sein, wenn er nicht selbst dieser Verbindung angehörte, wa« dem Beamten aber gänzlich unwahrscheinlich erschien.

.Aber die Navaja," murmelte Jakobo zwischen den Zähnen, „fie gehört Antonio und stammt aus seinem Waarenpockrt." Der Mann, welcher ihn angeblich em-

Bon Lambert de St. Croix.

Autorisirtr freie Ueberfetzung von Philipp Freibank.

(23. Fortsetzung.)

DaS Innere war leer. Indessen fand der Krimi­nalbeamte in der Tiefe der Schrankes ein Blatt Papier, welches platt an der Rückwand lag und anscheinend festgeleimt war. Er versuchte, dasselbe mit den Finger­nägeln loSzureißen, was ihm aber nicht gelang. Er steckte daher ein Wachskerzchen an und leuchtete in den ziemlich tiefen Schrank hinein. Er sah alsdann, daß das Papier in der That an der Rückwand festklebte. Mit Hilfe feine« Taschenmesser« und mit Anwendung großer Sorgfalt war ei ihm möglich, da« Papier loS» zulösen. Ein Ausdruck der Freude war auf dem Ge­sichte de« Beamten zu bemerken; er glaubte fehr wohl zu wissen, weshalb man da« Papier auf diese Weise zu verbergen gesucht hatte und vermuthete, daß dasielbe etwa« Klarheit in die geheimnißvolle Angelegenheit bringen werde.

Seine Freude war nur von kurzer Dauer. Da« Stück Papier, welche« er in seiner Hand hielt, war nur ein Fragment eine« durch die Länge der Zeit ver­gilbten Schriftstücke«. ES trug in seiner engen Schrift folgende Zeilen:

„-----Sie müssen immer den Ueber-

leit in welche Lage sie uns durch Bewilligung unerwünschter Ausgaben im Reiche bringen! Das ist ja gerade der Haupwor- »ua der Klausel Franckenftein, daß die emzelstaatlichen Regie­rungen die Folgen einer schlechten Reichswirthschaft am eigenen Leibe fühlen und in dieser Theilhaberschaft auf Gedeih und Ver­derb das Recht und den Antrieb zu einer selbstständigen Thatig- keit im Bundesrathe finden. Die Regierung braucht sich demnach keinen Illusionen für die Session hinzugeben. Wenn Die Vor- lagen und die Verhältnisse nicht wesentlich anders werden, ,o wird auch dann nichts gelingen!" , ,

Um Heftigen bemerken wir noch, daß Herr Abg. Dr. Lieber nach Rücksprache mit den CentrumS- KommissionSmitgliedem, insbesondere mit Zustimmung de« Abg. Müller (Fulda) das Wort ergriffen hat, um der mißverständlichen Auslegung der an sich vollkommen korrekten Erklärung des Abg. Müller (Fulda) - welche mißverständliche Auslegung durch den Finanz- Minister Miquel und durch den Abg. Bescher gegeben war — entgegenzutreten. £

• Beide Häuser deS Landtags hielten heute Sitzungen ab. Da« Abgeordnetenhaus setzte die Berathung deS Gesetzes über die LandwirthschaftSkammern fort. Abg. Richter bemängelte die gestern vom Minister für Landwirthschaft gegebene VerschuldungSstatifttk und suchte die Ursache der Verschuldung m der Nlchtdurch- führung der Stein-Hardenberg'schen Gesetzgebung irn Osten, insbesondere in den hier bestehend« Hmder- nisten der freien Theilbarkeit de« Grundbesitze«. Minister Dr. Miquel widersprach dem. Die mechanische Uebertragung der Grundsätze de» römischen Recht« auf den Osten würde bei der Verschiedenheit der Verhalt- niste und der Entwickelung ein großer Fehler fern. Wie der Staat geholfen habe, die Feudallasten zu be­seitigen, so habe er auch hier mitzuhelfen an der Be- feitigmtg von Lasten, die viel drückender seien al« Feudallasten. Abg. v. Mandel-Stewseld (kons.) sprach sich entschieden für obligatorischeLandwirthschaftskammern an«, während Abg. Schmidt-Erkelenz (Ctt.) im Gegen­satz zu seinem FrakttonSgenosten Grafen Hoenrbroech die Vorlage ungünstig beurtheitte, insbesondere wegen ihres obligatorischen Charatter«, des geringen Wahl­rechts der Kleinbesitzer und der Steuerbestimmungen. Für fakultative Kammern traten noch ein die Abgg. Krause und Seer (ntl), während Abg. Rickert vom freisinnigen Standpunkt au« die Vorlage bekämpfte und in der Feststellung einer VerschuldungSgrenze einen Schritt zur Sozialdemokratie erblicken zu müssen glaubte. Dem traten Minister v. Heyden und Gras v. Ho«S- broech (Ctr.) entgegen, worauf der Antrag auf Errich­tung nur fakultativer Kammern mit 206 gegen 133 Stimmen abgelehnt und § 1, also obligatorische Kam­mern, mit 230 gegen 109 Stimmen angenommen wurde. Weiterberathung morgen. — Da« Herrenhaus nahm den Gesetzentwurf über die Eintragung von Vornamen in Geburtsregister im Gebiete des rheinischen Recht» an. Nächste Sitzung morgen.

* Unter den Zollfragen spielt seit einiger Zeit da» Quebrachoholz eine nicht geringe Rolle. Dem Reichs­tag lag ein Antrag auf Einführung eine« Zolls für dieses südamerikanische Produkt vor, tm Abgeordneten­hause ist die Frage schon mehrfach zur Erörterung

der übrig« Behörden zu entziehen verstanden hatten. Waarmpacket. Der Mann, weiter lyn angem.m em- sÄTrtnem W« mar Me broaffarte Macht balle, »Sie tanntMi1WghM»*

auf Gebot en um die Führer dieser anarchistischen Bande an« dem Waarenballen gestohlen hab.n. Das ist aber S?enSer»Xafung « bring«. Dieselbe trieb ebenfalls kaum wahrscheinlich. Der Besitz r des Cafe KnbSen ibr verbrecherisches Handwerk der Geschäftsreisenden ist andererseits em schlechter Mensch Md Äe W «hl di-I- F-b-l Mit »w « SJ- hj, Dubstäble und Brandstittmiaru. Sobald einer brr klügelt haben. Aber welcherJnteresft hatte ber kölsche nSSS! Wn bei ben „sirren Haufirer? « »ar hur tttch» »u st-hl-n. dma d" ! Bikttzern,» bem althergebrachten Lohne arbeitete, wur. krmorhete schwamm nicht IM Solde. Halt, MS Ist

tionen de« Reichstags zum EtatSkontrolegesktz, zur Biehs«ch«novelle, zur KonkurSordnungSnovelle und zu verschieden« Petition«, sowie die Resolution betr. die Vorlegung eine« HeimstättengesetzeS.

* „Gude gut, alles gut" — glaubte Herr Finanz- Minister Miquel am Ende der letzten Sitzung der Steuerkommission sagen zu dürf«. Wir haben bereits ausgeführt, sagt die .Germania', tote wenig sachlich berechtigt diese theatralische Bemerkung war. Dieselbe Auffassung, dieselbe Stellung zu der Tabaksteuer und zur „Reichifinanzrefom" wird in der ganzen CentrumSpresse einmüthig vertreten. Eine KorrespondeiH, die wir in mehreren CentrumSblättern finden, macht dazu u. A. folgende treffenden Bemerkungen:

.Seit dem „einstimmigen", sang- und klanglosen Durchfall keiner Quitlungs-, Check- und Frachtbriessteuer ist Herr Miquel ehr genügsam geworden. Er hält es schon für einen großen Eriola und eine herrliche Aussicht, wenn Jemand anerkennt, daß allenfalls noch Fälle in der Zukunft denkbar seien, wo man ver­suchen könnte, eine geeignete Form für eine höhere Emnahme vom Tabak zu finden. Da eS sich nicht um eine grundsätzliche, sondern um eine Zweckmäßigkeits-Frage handelt, so kann natür- lick kein besonnener Politiker unbedingt und für ewige Zeiten si» aus die b e st e h e n d e Tabaksteuer als daS Höchste und Beste einschwören. Das hat auch weder der Abg. Fritzen, noch der Aba Müller (Fulda) gethan. Nun zapfte aber Herr Miquel den Abg, Dr. Lieber noch persönlich an, und Letzterer hob nun seinerseits noch ausdrücklich hervor daß die Ablehnung dieser Vorlage nicht bedeuten könne,, daß man absolut und für immer jede weitere Besteuerung des Tabaks verwerfen wolle. Diese Rede Liebers werden nun Herr Miquel und seine Freunde vermuthlich den ganzen Sommer und Herbst hindurch m der angeschlagenen Tonart auszubeuten suchen, um d,e künftige Tabak­steuervorlage ausstchtSvoll erscheinen zu lassen. Alle unbefange­nen Beurtheiler werden aber bald erkennen, daß hier eine tenden­ziöse Mißdeutung vorliegt. Herr Dr. Lieber hat die Erklärung der Parteiredner Müller und Fritzen in keiner Weise korrigiren, sondern nur gegen Angriffe wegen unbedingter und ewiger Op­position vertheidigen wollen. Eine künftige Tabakfteuervor- lage wird das Centrum genau nach denselben finanz- und wirth- schastspolitischen Gesichtspunkten prüfen, welche gegenüber der jetzigen Vorlage vom Centrum geltend gewacht find. Wenn nickt die Vorlage ganz anders wird und die Finanzlage sich ebenfalls ganz anders gestaltet, wird das künftige Votum deS Centrums dasselbe bleiben. Das hat auch der Abg. Dr. Lieber iebr deutlich hervorgehoben, indem er einerseits auf die nnrth- chaftlich-sozialen Gefahren dieser Tabakfabrikatsteuer hmw.es und andererseits die Bewilligung von sog. „Steuern auf Berrath , die zu neuen Ausgaben verwerthet werden könnten, entschieden ablehnte. Wir sehen also durchaus nicht ein, wie Herr Miquel auf diese Rede neue Hoffnungen für seine alten Plane bauen kann. Herr Miquel zog auch die Klausel Franckenstem und seinen sogenannten „Reformplan" wieder hinein in die De­batte. Dabei hantirte er abermals mit dem argen Jrrthum, als ob eS eine „Aufhebung der Klausel Franckenftein" bedeute, wenn dieUeberweisungen nicht höher wären, als die Matrikular- beiträge, sondern bloß im Gleichgewicht ständen. Wir haben schon wiederholt ausgeführt, wie grundfalsch das ist. Die Klausel Franckenftein wurde 187d geschaffen und bis 1884/85 blieben die Ueberweisungen hinter de» Matrikularbeiträgen zurück. DaS Wesen der Klausel ist nicht in einem ziffermäßigen Geldergebmß zu suchen sondern in der unmittelbaren Betheiligung der Emzel- staaten an dem Soll und Haben der Reichswirthschaft und des­halb bedeutet gerade die Miquel'sche „Reform" die Ausbebung der Klausel Wie das Centrum, der berufene Anwalt der Klausel, deren Wesen versteht und zu wahren entschlossen ist, kann die Reqierunq aus der Erklärung des Fraktionsredners Müller (Fulda) ersehen, die es geradezu ablehnte, aus dasMiquel'scheSystem der Mehrüberweisungen an die Bundesstaaten einzugehen und als Hauptgrund anführte: die Ministir der Einzelstaaten sollen füh-

Huudertjahresfeier der Geburt Pius IX.

Se. Heiligkeit Papst Leo XIII. hat dem Komitee für die Feier des hundertsten Geburtstages des unvergeßlichen,Papstes Pius IX. mittheilen lassen, daß Er bereitwilligst alle dieiemgen Katholiken in Audienz empfangen werde, welche sich anläßlich der Einweihung der Grabkapelle ,n San Lorenzo, woselbst die sterbliche Hülle Seines glorreichen Vorgängers ruht, m Rom rinfinden werden. In Rom wende man sich an den Präsidenten des dortigen Lokalkomitees Comm. Phil. Toll«, via.Sa Chiara 33.

Das internationale Komitee für die Gedachtmßfeier hat folgendes Programm ausgestellt:

1. In Rom.

Samstag, den 5. Mai 1894: Feierliches Reqmem tu San Lorenzo fuori le mura, Gedächtnißrede Sr. Eminenz des Kardinalvikars Parocchi, Einweihung der Grabkapelle Sonntag',"deu^'o. Mai: Akademische Feier zu Ehren Papst Mus IX. . _ .

Montag, den 7. oder Dienstag, de« 8. Ma«: Feierliche Audienz bei Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII.

2. I« Loreto.

Freitag, de« 11. und S-mStag, de« 12. Mai: Wallfahrt zum hl. Hause, wohin Pius IX. im Jahre 1857 pilgerte. In 3. Sinigaglia, dem Geburtsorte Pins IX.

Sonntag, de« 13. und Sonntag, den 20. Mai: Einweihung des in eine Gedächtnißkapelle für Pius IX. umgewandelten Baptisteriums. ’

Wallfahrt zum Heiligthume „Unserer üeben Frau von der Hoffnung", woselbst Pius IX. als Kind täglich für die Besreiung Seiner verehrenswürdigen Vorgänger Pius VL und Pius VII. betete, woselbst Er die erste hl. Kom­munion empfing. . •

Besuch der zu Ehren deS Gedächtnisses Pius IX. in Sinigaglia veranstalteten Ausstellung. .

Im Dezember er. wird in Rom, Loreto und Simgaglm eine Schlußfeier der Centenarfeier stattfinden, deren Programm später veröffentlickt wird.

Deutsches Keich.

Berlin, 24. April.

* Der Kaiser wird am Mittwoch, den 2. Mai, von Schloß Friedrich-Hof kornrnmd, im Neuen Palais bei Potsdam erwartet. Die Kaiserin trifft mit d« kaiserlichen Kindern bereits am Sonnabend au« Abbazia im Neuen Palais ein. — Der Kaiser hat am heutigen Todestage des Seneralfeldmarschall« Moltke einen großen Lorbeerkranz mit weißen Rosen aus dem Sarkophage niederlegen lassen.

* Der Saateustaud ist sür Mitte April in Preußen wie folgt festgestellt Word«, wobei die Ziffern bedeut«: 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, resp. durchschnittlich, 4 gering, 5 sehr gering: Wintertoaiz« 2,3, Sommerwaizen 2,3, Winterspelz 1,8, Winter- roggen 2,3, Sommerroggen 2,5, Gerste 2,2, Hafer 2,4, Erbsen 2,3, Klee und Luzern 3,4, Wiesen 2,8. Weg« Auswinterung und ähnlicher Gründe wurden umge- pflügt 1,6 pCt. der Anbaufläche von Waizen und 3,3 pCt. von Klee, während Spelz und Roggen unter Auswinterung nicht litten.

* Der Bundesrath nahm gestern die Stempel­steuernovelle in der vom Reichstag beschloffmen Fassung an. Dem Reichskanzler bezw. den zuständigen Aus­schüssen wurden überwiesen: der Gesetzentwurf über die Kündigungsfrist der HandlungSgehülf«, die Resoln-