21. Jahrgang
Mittwoch, den 25. April 1894.
iMerMZeitling
vielleicht in etwas umgeänderter Gestalt, in der nächsten Wahrung einlegen, daß ein Orden, der als Todfeind _ • » f «« *11 << <. -i- ... L. ..1X1 C.'f —.EL OtMmd irtwnavw OlliAtf*
dagegen.
Die sonstigen Vorlagen, die der Reichstag m der abgelaufenen Session erledigt hat, waren nicht von aufregender Natur. Außerordentlich war die Zahl der Anträge aus dem Haufe. Schon gleich zu Beginn der Tagnng lagen fast 50 vor, zu denen sich bald noch viele neue gesellten. Erledigt wurden nur fehr wenige von ihnen. Der wichtigste ist der CenttumS- antrag auf Aufhebung des Jesuitengesetzes. Die Gegner rechnen fest darauf, daß die verbündeten Regierungen ihm keine Folge geben werden. Wir glauben, die Regierung wird in Zukunft die Unterstützung der katholifcheu Bevölkerung nöchiger haben als je. Sie irrt aber, wenn sie meint, sich diese Unterstützung damit zu erwerben, daß fie dir elementarste Forderung der Gerechtigkeit unerfüllt läßt. DaS Centrum hat oft betont, eS betrachte dar Verlangen nach Aufhebung deS Jesuitengesetzes als eine Ehrenpflicht. Die katholische Bevölkerung fühlt sich ebenfalls in ihrer Ehre verletzt, toenn man ihre gerechten Wünsche stillschweigend ignorirt wie bisher. Die ReichStagS- session 1893/94 würde sich einen Platz in der Geschichte sichern, wenn sie zu ihren Ergebnissen die Aufhebung der JesuitengesetzeS zählen könnte.
nicht bloß der evangelischen Kirche, sondern auch einer geordneten Entwickelung der deutschen Reiches unter dem Sceptec eines evangelischen Kaisers artgesehen werden muß, wieder Raum im Reiche gewinne, und bitten den hohen Bundesrath unterthänigst, dem Anträge seine Zustimmung hochgeneigtest zu versagen." Schon deshalb sollte eigentlich der BundeSrath seinem eigenen Ansehen zu Liebe gegen die Petenten entleiben, damit er nicht den Anschein erweckt, als hätte er sich von einem solchen Machwerk beeinflussen lassen.
* Der Kaiser ist von der Königin von England zum Chef der ersten Royal Dragoner-RegimentS ernannt. ES ist das fast das älteste der englifchen Armee und hat schon bei Dettingen sich ruhmreich aus-
Tagung wieder einbringen will. Unmittelbar bevor der Reichstag auSeinanderging hat der Reichskanzler dar noch angekündigt.
Ob Herr Miquel in der nächsten Session die Triumphe erleben wird, Jbie ihm in dieser versagt waren, braucht unS heute noch kein Kopfzerbrechen zu machen. Zu sagen: eS war nichts und es wird nichts mit der „Steuerreform", wäre voreilig. ES hängt alles davon ab, ob und wieviel neue Einnahmen sich im nächsten Jahre als nothwendig werden nachweisen lassen, und welche Steuervorschläge gemacht werden. Daß dieselben Steuern, die jetzt klanglos in der Versenkung verschwanden, im nächsten Jahre mit freudiger Begeisterung sollten ausgenommen werden, betrachten wir als undenkbar. WaS jetzt gegen die Wein- und Tabaksteuer spricht, spricht auch nach einigen Monaten
Mercedes de Moro«.
Bon Lambert de St. Croix.
Aulorisirte freie Uebersetzung von Philipp Freibank.
(22. Fortsetzung.)
Endlich kam der Madrider Geheimpolizist in XereS an. Jakobo Muleta, so hieß der aus der Hauptstadt verschriebene Geheimpolizist, war nicht mehr jung, aber von großer Unternehmungslust und außerordentlicher Erfahrung. Er hatte sein ganzer Leben der Entdeckung von Verbrechern gewidmet, und denselben den Krieg bis auf's Messer erklärt. Seine lange Karriere als Detektiv war siets von günstigem Erfolg begleitet. Mit einem seltenen Scharfsinn verband er große Geduld und äußerst kaltes Blut. Mehr als eine verfahrene Sache hatte seine erfahrene Hand zum glücklichen Ende geführt.
Dem Blick seiner forschenden kleinen Augen konnte fast kein Verbrecher widerstehen. Nur wenige Angeklagte waren im Stande, den durchbohrenden Blick dieser Mannes, welcher in die tiefsten Falten der menschlichen Herzens einzudringen schien, auszuhalten, ohne sich auf Gnade oder Ungnade ergeben zu müssen.
Bon mittlerer Größe und von Körperkraft, welche Niemand vermuthete, pflegte sich der Madrider Detettiv recht gewählt zu kleiden.
Das Gesicht glatt rasict und da? Haupthaar sorg-
* Der Reichstag
hat in der am 19. April beendeten Tagung 83 Sitzungen, und zwar meist außergewöhnlich lange, abgehalten. Als er am 16. November zusammentrat, dachte Nie- mand, daß er Mitte April bereits wieder nach Hause gehen werde. Die Steuervorlagen allein hätten Stoff für eine sehr lange Session gegeben. Nun kamen aber noch die vielumstrittenen Handelsverträge, die mit allem, was drum und dran hing, eine ganze Menge Sitzungen in Anspruch nahmen. Mindestens ebenso viel, wie bei der Berathung dieser Verträge, ist bei anderer Gelegenheit über sie und die Lage der Landwirthschaft gesprochen worden. So beim Etat, bei den Steuervorlagen, beiden verschiedenen Anträgen der Konservattven und zum Schluß noch bei der Interpellation Förster. Die ganze Session schien si-b über- Haupt nm um die Handelsverträge und ihren Einfluß auf die Lage der Landwirthschaft zu drehen. Daß der Bortheil für die Landwirthschaft auch nur einiger- maßen im Berhältniß zu der Menge und Länge der Reden über sie gestanden hätte, läst sich nicht be- haupten. Ja man ist versucht, die Frage aufzuwerfen, ob ihr nicht eher dadurch geschadet worden sei. Jedenfalls war die Art und Weise, wie die Konservativen stellenweise die Landwirthschaft vertreten haben, nicht immer dazu angethan, die Interessen der Landwirthschaft zu fördern. Der Reichskanzler ist aus allen Fährlichkeiten, mit denen die Konservativen chn umgaben, glücklich hervorgegangen. Die HandelSver- tröge find durchgegangen, der am meisten angefochtene russische sogar mit der größten Mehrheit.
DaS Kennzeichnende der Session ist aber weniger die Annahme der Verträge als die bis zum höchsten Grade gesteigerte Verschärfung der Gegensätze zwischen den Konservativen und der Regierung oder dem Reichskanzler. DaS offenkundige Ziel der Konservativen war der Gtnrz deS Reichskanzlers, den sie mit Hilfe deS preußischen Finanzministers durchzufetzm ge- dachtm. Das Ergebniß ist, daß sie selbst unter dem Eindrücke frischer und sehr blutiger Niederlagen heimkehren und der Reichskanzler fester als je und um vieles fester als HerrDr.Miquel dasteht. Bonseiner ganzen großen Finanzreform hat der preußische Finanzminister nur die Erhöhung der Börsensteuer durchgesetzt, die vielleicht selbst dann zu haben gewesen wäre, wenn von großen Bedürsnissen deS Reiches gar nicht die Rede sein könnte. Weinsteuer, Tabaksteuer und Reichsfinanzreform haben sich nach der ersten Lesnng gar nicht mehr im Plenum sehen lassen. Die Kommission sogar hat sich um sie nicht weiter bemüht, als daß sie nach wenigen gegen den Schluß der Session abgehaltenen Sitzungen mit 17 gegen 11 Stimmen die Tabaksteuer verwarf. Die Lage war so, daß die Regierung eine Entscheidung im Plenum zu vermeiden suchte und die KommissionSberathung hinausschieben half, bis es für eine Berathung der Vorlagen im Plenum zu spät wurde. Ihr war es unbequem, ein ablehnendes Votum zu erhalten, weil fie ihre Entwürfe,
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Deutsches Keich.
s Berlin, 23 April.
* Nach der Annahme des Jesuitenantrages im Reichstage schickt der »Evangelische Bund' sich an, den BundeSrath mit Petitionen zu bestürmen, damit er dem Beschlüsse deS Reichstages seine Zustimmung versage. Eine hübsche Probe der Unverfrorenheit, mit der die Bündler dabei zu Werke gehen, liefert die von dem Halberstädter Zweigverein auSge- hende Petition, die kurz und bündig allen Haß und alle gegen den Jesuitenorden geschleuderte Verleumdung in die Worte zusammenfaßt: „Hoher BundeSrath! Wir haben mit tiefem Unwillen vernommen, daß ein Reichstag deutfcher Nation den Antrag, betreffend Wiederzulaffung der Jesuiten im deutschen Reiche, angenommen hat. Wir müssen entschieden dagegen Ber- faltig gescheitelt, hatte der Geheimpolizist das Aussehen eines Advokaten oder eines sonstigen Rechtskundigen. Nichts verrieth an chm seinen gefährlichen Berni.
Kaum hatte er sich über den Stand der Untersuchung der Verbrechens iuformirt, so verlangte Jakobo Muleta Antonio zu sehen. Man führte ihn sofort in daS UntersuchungSgefängniß und nach einer Unterhaltung von zwei Stunden, welche er mit dem Gefangenen hatte, begab er sich nach dem Hauie von Maria Ordonnez, wo er von der UntersuchungS- kornmissiou schon erwartet wurde.
Nichts war seit dem Abend der Mordthat in dem Hause verändert, ausgenommen die Thatsache, daß der Leichnam Maria Ordonnez' in daS Hospital geschafft und dann begraben, und daß der Kadaver beS Hundes verscharrt wurde.
Die erste Sorge deS Detektivs war, ehe er in daS Haus eintrat, sorgfältig die HauSthür zu untersuchen.
Der von innen leicht zu schließende Riegel der Thür konnte von außen nur mit Hilfe eines Schlüssels in Thätigkeit gesetzt werden. Man konnte die Tyür von außen also ohne Schlüssel niemals schließen, sondern nur anlehnen. ES war nämlich ein Schloß ganz alter Konstruktion und die Anwendung beS Schlüssels von außen unbedingt nothwendig zum Ceffnen der Thür.
Daher erklärt sich die Unmöglichkeit für den Mörder, welcher nicht im Besitze eines Schlüssels war, die
gezeichnet.
* Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht amtlich die Berleih««g des schwarze« Adlerordens an den Erzherzog Karl Stephan von Oesterreich L la suite der kaiserl. deutschen Marine. Der .Reichsanz.' publizirt ferner die Versetzung beS deutschen Botschafters in Wien Heinrich VII. Prinzen Reuß unter Ber- leihung der Brillanten zum Schwarzen Adlerorden in den Ruhestand. Zum Nachfolger des Prinzen Reuß ist bekanntlich der bisherige Gesandte in München Gras Eulenburg bestimmt.
* Der langjährige Reichstagsabgeordnete v. Un- ruhe-Bomst, der kürzlich sein Mandat niederlegte, ist gestorben. „ .
* Das Abgeordnetenhaus trat heute m die z w eite Berathung des Gesetzentwurfs über die Land- wirthschaftSkarnmern, auf Grund der Beschlüsse der Kommission. Zum § 1, welcher eine obligatorische Einrichtung der LandwirthschaftSkammern in Aussicht nimmt, lagen von nationalliberaler und freikonservativer Seite Abänderungsanträge vor, welche nur eine fakultative Einführung wollen. Nach dem Anträge v. Heede («at.-lib) follen über diele Einführung zu beschließen haben die landwirthschaftticheu Centralvereine oder die Mehrheit der landwirthschaft- lichen Vereine einer Provinz, während Abg. Reinecke (freikons.) die Entfcheidung dem Provinziallandtage überlasten will. Für die Provinz Posen soll nach einem weiteren Anträge der Freikonservativen auch hier wieder eine Ausnahmebestimmung getroffen werden dadurch, daß ein Drittel der Mitglieder der Landwirth- schaftskammern — durch den Oberpcäsidenten ernannt werden soll nach Anhörung deS Provinzialraths. Die Debatte über den § 1, die sich bald zu einer Generaldebatte gesialtete, dehnte sich sehr lange aus. Zunächst begründete Abg. v. Heede seinen Antrag auf fakultative Einführung von LandwirthschaftSkammern, von dessen Annahme ein Theil der nationalliberalen Fraktion die Zustimmung zu dem ganzen Gesetze abhängig machen müsse. Man solle sich in Betreff der LandwirthschaftS- kammern keinen Illusionen hingebm, die kleinen Land- wirthe würden die neuen Steuern für die LandwirthschaftSkammern schwer empfinden. Abg. Frhr. von Erffa (kons.) sprach fich für die Kommissionsbeschlüsse HauSthür von außen zu schließen. Wk' N der Mörder den Schlüssel in Besitz gehabt hätte, würde er die Thür nicht halb offen gelassen haben. Andererseits aber würde Antonio, wenn er den Mord verübt hätte, die Thüre hinter sich verschloffen haben, um nicht die Aufmerksam- keit der Nachtwächter auf sich zu lenken. SuS diesem Grunde erschien die Erzählung Antonio'S, daß er die Thür halb offen gefunden, glaubwürdig. Der Schlüssel hatte sich bis heilte noch nicht vorgefunden.
Der Hund mußte nahe dem Herde qetödtet worden sein, wo sich heute noch eine große Lache schwarzen geronnenen States vorfand. Die tödtliche Verwundung deS Hundes schien, wie der Bericht des vereidigten ThierarzteS besagte, durch eine dem Thiere bekannte Person erfolgt zu sein. Der Thäter hatte den Hund wahrscheinlich an sich gelockt; der letztere stellte sich auf die Hinterfüße und während dieser Bewegung muß chn der Mörder am Halsband gefaßt und dem treuen Thiere mit ber Navaja die Halsschlagadern dnrchbohtt haben. Die tödtliche Wunde begann cirekt unter dem Halsband.
Alsdann schritt Muleta zum Verhöre beS WirtheS zum Affen, welcher Antonio Auskünfte über Maria Orbonnez und ihren bösartigen Hand gegeben hatte, eine Thatsache, welche von dem fatschen Hausirer vergessen worden zu sein schien.
DaS Blut des HundrS war auf den Feuerherd ge-