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Samstag, den 21. April 1894.

21. Jahrgang

i.

ea. 3 Mill.

2.

ca. 3 Mill.

3.

stehen. Unser Zolltarif ist überhaupt veraltet und

von hier abreisen. Wa- die G-fahr betrifft, die mit drohen soll, so fürchte ich diesetbe nicht. Solltest Du eine solche zu befürchten haben, so kümmere ich mich nicht darum. Ich werde Dich nicht verrathen, denn Du bist mein Onkel: aber eine Bedingung stille ich, lasse mich endlich in Ruhe. Seit einem Jahre bereit- habe ich keine Nachricht mehr von meinem Manne; ich glaube Dir kein Wort mehr. Ich habe ihm geschrieben, daß ich hier wohne und auf ihn warten werde, bi- seine Strafe abgelaufen ist; in sechs Monaten wird er sich mit mir vereinigen. Du kannst Dich nun zurückziehe«, Onkel. Nur das Eine möchte ich noch bemerken, daß ich Deine Drohungen verlache. Ich halte Deine Sicher« heit in meiner Hand, wie Du weißt — Adieu."

Bei diesen Worten, welche sie mit etwa- erhobener Stimme gesprochen, hatte sich Mrria Ocdonnez er« hoben. Man fühlte, daß dieser Gefühl-anSbrnch lange zurückgkhalten worden war und sich nun mit elementarer Gewalt Bahn gebrochen hatte.

Isidor war von diesem plötzlichen Widerstand der Frau, welche et bisher als blinde Sklavin seine- Willens betrachtet hatte, hoch überrascht und sagte deS« halb mit wutherfüllter Stimme:

„Hüte Dich, meine Geduld vollständig zu erschöpfen; Du hast bereits zwei oder drei Mal Versacke der Empörung gemacht. Ich kündige Dir an. daß ich mich heute Abend um 9 Uhr hier einfinden werde, um Dich

Mercedes de Moron.

Bon Lambert de St. Croix.

Autorisirte freie Uebersetzmig von Philipp Freidank.

(19. Fortsetzung.)

Der eigenthümliche Gast der Taverne zum Affen stieg die Treppe herauf und erwiderte die Schmeicheleien der Hundes mit einem Streicheln der Kopfe- desselben. ' Beim Anblick ihres Besuches wurde die Gesichtsfarbe Maria Ordonnez um einen Ton blasser.

„Du bist eS, Isidor," sagte sie mit einem gewissen ■ Tone der Abneigung in ihrer Stimme, welchen sie nicht ; zurückhalten konnte; „was gibt es denn? Deine be« i stürzte Miene läßt mich nichts Guter errachen! Sage | mir, was sich ereignet hat?"

Die Polizei ist auf meiner und deiner Sp r, ant« ’ wartete der Abenteurer, aus dessen blassen Gesichts« zügen unverhohlener Schrecken sprach. „Tin Mann, welchen ich im Verdacht habe, ein Geheimpolizist zu sein, hat eine Menge von Erkundigungen über Dich Ungezogen."

„Wer ist dieser Mann?"

„Ich weiß er nicht, doch ist die Gefahr für einige i Stunden vorüber. Diesen Abend um 9 Uhr müssen wir ' noch nach Sevilla abreisen, von da weiß ich aber nicht, ■; wohin wir weiter zu flüchten haben."

* Die Entscheidung über die Tabak­steuervorlage

ist wie schon kurz berichtet in der vorgestrigen Sitzung der Tabaksteuer«Kommission gefallen. Herr Abg. Müller (Fulda) gab in Folge einstimmigen Beschlusses der vorgestrigen FractionSsitzung der CentrumSpartei und in deren Auftrag folgende Erklärungen ab:

Meine politischen Freunde haben zu der Tabak« steuervorlage bereits bei der ersten Lesung deS Gesetz­entwurfs im Plenum des Reichs Stellung genommen. Den genauen Ausdruck dieser Stellungnahme finden Sie in der Etklärung der Abgeordneten Fritzen, die ich hier nicht zu wiederholen brauche. In der Zwischen­zeit sind keinerlei Verhältnisse eingetreten, welche unfern Standpunkt ändern könnten. Wir lehnen also die Tabakfabrikatsteuer ab, find jedoch, wie Herr Fritzen die- schon dargelegt hat, nicht abgeneigt, eine Erhöhung des Zolls auf ausländische Tabakfabrikate, insbesondere auf importirte Cigarren und Cigaretten zuzugestehen. Unser ablehnender Standpunkt ist nicht allein durch die von Herrn Fritzen abgegebenen Be­weggründe veranlaßt, sondern auch durch die gegen« wältrge Geschäftslage des Reichstags, welcher doch in wenigen Tagen geschloffen werden soll, ist aber auch durch die Lage der Finanzen gerechtfertigt. Nach dem sehr schätzenSwerthe« Exposö des Herrn Reichrschatz- sekretärS Graf von PosadowSky wird dar Defizit des ReichShauShaltS pro 1895/96 auf 18®/4 Millionen veranschlagt, wobei allerdings eine Mehrüberweisung an die Einzelstaaten nicht vorgesehen ist. Run sind meine politischen Freunde der Ansicht, daß die Einzel­staaten unter den gegenwärtigen Verhältnissen keine Mehrüberweisungev über die Matrikularbeiträge hinaus erhalten sollen; auch sie sollen die Folgen deS neuen Militärgesetzes erfahren und dar Programm der Herrn ReichSschatzfekretärS „verständige Sparsamkeit" an- nehmen, indem sie zunächst auf Ueberweisungen ver­zichten. WaS die Deckung der 188/4 Millionen betrifft, so wird solche durchaus nicht so schwierig sein; wir haben ja auch noch neue Einnahmen zu erwarten,

Gesetz wird, wenn die Zölle für importirte Cigarren rc. erhöht werden

wenn die Steuer auf Kunst- u. Schaum­

weine eingeführt wird ca. 4* 1/» Mill.

Darnach würden doch nur noch 81/* Millionen Defizit pro 1895/96 bleiben, über die sich im Laufe der künftigen Winters leicht eine Verständigung finden dürste. Ich möchte hierbei nur darauf binweisen, daß unser Zolltarif, wie schon die Novelle Nr. 310 zeigt, einer sorgfältigeren Klassifikation bedarf, wobei die feineren Prunk- und Luxusartikel etwas höher, die gerinqwerthigen Sachen etwas niedriger besteuert werden können; dadurch werden neue Einnahmen ent«

Lasten beitragen. Vielmehr find wesentlich drei Bedenken gegen die Vorlage erhoben: die außerordentlich drückenden, geradezu unerträglichen Kontrolvorschriften, verschärft durch die im Hinter­gründe drohende Ausführung durch die unteren Organe; die so hohe Bemessung der Steuer, daß ein erheblicher BerbrauchS- rückgang anscheinend unausbleiblich; und endlich die dadurch nothwendig bedingte Brodlosmachung von vielen Tausenden nicht nur industrieller, sondern höchst wahrscheinlich auch land- wirthschaftlicher Arbeiter. Man kann überhaupt ganz wohl einer Finanzreform das Wort reden, ohne sich deswegen für das gegenwärtige Steuerbouquet der verbündeten Regierungen oder auch nur eine einzige Blume aus demselben zu begeistern. Im Gegentheil erwächst gerade für das Centrum und seine intimen Beziehungen zur Franckeusteiu'schen Clausel aus dem finanziellen Schicksal, welches dieselbe durch die Entwickelung unserer ReichSfinanzwirthschaft erlitten, die Verpflichtung, nicht abermals die Hand zu Bieten, ohne sich ausreichend zu stchertl, einmal, daß man nur wirklich zweckförderliche Mittel zur Erhaltung der Klausel anwende, und dann, daß man nicht wieder nach einer Reihe von Jahren sich um die finanzielle Wirkung, wie jetzt, gebracht sehe. Wie nothwendig das ist, den verbündeten Regierungen zu zeigen, daß man im Centrum fast die Hoffnung aufgegebcn hat, auf dem seitherigen Weg voran zu kommen, dazu habe ich seiner Zeit im Plenum neben vielen anderen Aussprüchen auS unserer Mitte auch jene beiden der Abgeordneten Dr. Windthorst und Freiherr von Huene verlesen, worin dieselben für etwaige neue Reichsbedürfnisse geradezu auf die direkten Steuern der Einzelftaaten hingewiesen haben. Trotz­dem hat man zu allem sonstigen Reichsmehrbedarf die neue Militärvorlage gefügt und darf uns nicht verdenken, wenn wir unS und das deutsche Volk zuvor dagegen, daß man nicht neue Steuerquellen neuerdings lediglich zur Speisung neuer „Bcdürf- nifle" benütze, vollkommen und für immer sicher stellen wollen, ehe wir dieser Finanzreform überhaupt näher treten können. Der preußische Herr Finanzminister wird sich auch bescheiden müssen, daß es noch völlig andere Wege geben könnte, zu einer gedeihlichen Reform zu kommen, und daß wir uns die aus­reichende Frist zur freien und gründlichen Prüfung aller dieser Fragen Vorbehalten. Dabei sei mir gestattet, noch Eins hervor­zuheben. Der Herr Minister Dr. Miquel hat, wenn ich recht verstanden, selbst eine Erleichterung besonders drückender und vorzugsweise die untersten Schichten der Bevölkerung unverhältuiß- mäßig schwer belastender indirekter Steuern in Aussicht ge­nommen. Ich darf erklären, daß wenn wir überhaupt in Zukunft zu der Bewilligung neuer indirekter Steuern kommen sollten, jene Erleichterung ein wesentlicher Zweck für un8 sein würde und Zug um Zug geschehen müßte. Im Äu$en6li(f ist keine zwingende Roth; das vorgeschlagene Gesetz ist sicher kein rechtes Mittel; die Sache der Finanzreform ist überhaupt noch lange nicht nach allen Seiten spruchreif: aus diesen Gründen — das ist der Wortlaut und die Meinung der Erklärung Müller — lehnen wir pro hie et nunc ab. Wir stimmen überhaupt nicht über Grundsätze ab: wir stimmen auch bei diesem Paragraphen gegen kein Princip; wir lehnen diesen § 4 ab, so wie er lautet und im Zusammenhang dieses Entwurfes liegt."

Der grundlegende § 4 der Vorlage und damit diese selbst wurde alsdann mit 17 gegen 11 Stimmen abgelehrit. Die Cen­trumSpartei stimmte geschlossen dagegen.

Der Abgeordnete Müller (Fulda) sprach hierbei im Namen und ausdrücklichen Auftrag seiner Partei. In einer um Abend vorher stattgehabten stark besuchten FcaktionSsitznng hatte Herr Müller auf Ersuchen des Vorsitzenden Bericht erstattet sowohl über die Tabaksteuer als über die Finanzlage. Seine Ausführungen und Vorschläge wurden Seitens der Fraktion einstimmig genehmigt und ihm das Mandat übertragen, für die CentrumSpartei und in deren Namen zu sprechen.

nämlich:

wenn die Zolltarif-Novelle Nr. 310

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder beten Raum 16bei Wiederholungen entforedjenber Rabatt vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen m Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

zurückgeblieben, wobei ich jedoch erwähnen will, daß ich bei der Revision keineswegs an eine solche im industriell-schutzzöllnerischen Sinne denke. (Redner führt hier Beispiele an.) Schließlich komme ich zu dem an­geblichen Interesse, welches die Tabaksteuervorlage sür die Landwirthschaft haben soll. Meine politischen Freunde sind, wie ich hier ausdrücklich konstätiren will, stets gerne bereit, alles zu thun, was im Interesse der Landwirthschaft vernünftiger und billiger Weise gethan werden kann. ES ist jedoch weder durch die der Vorlage beigegebenen Motive, noch die Ausführungen der Mitglieder der Kommission für unS der Nachweis erbracht worden, daß dieser Gesetz ein Vortheil für die Landwirthschaft sei. Im Gegentheil können wir die Befürchtung nicht unterdrücken, daß die hohe Belastung, welche auf daS fertige Fabrikat gelegt werden soll, vielleicht auf den Tabakbauer zum Theil abgewälzt werden wird, und daß auch der Konsum deS inländischen Tabaks dadurch einen Rückgang erfahren könnte. Dann wäre der deutsche Tabakbauer durch daS Gesetz erst recht ge­schädigt.

Wenn wir dagegen den Herrn Reichsschatzsekretär richtig verstanden haben, ist eine Erleichterung der Kontrolvorschriften für den inländischen Tabakbau ge­plant, und möchten wir die verbündeten Regierungen nur bitten, diese Erleichterung auch ohne daS neue Gesetz zu gewähren. Wir sind bereit, falls unS die anderen Parteien hierbei unterstützen wollen, alsbald eine Resolution in diesem Sinne zu beantragen. Im Uebrigen fassen wir unseren Standpunkt nochmals dahin zusammen, daß wir keine Neubelastung von 50 oder 55 Millionen für nöthig halten und deshalb den § 4 und auch das ganze Gesetz ablehnen."

Auf die Entgegnungen de» Herrn Reichrfchatz- fekretärS und der Herrn FinanzministerS Dr. Miquel antwortete Herr Dr. Lieber:

„Die Betrachtungen, welche der König!. Preuß. Herr Finanz­minister an die Erklärung meines Freundes, deS Herrn Abg. Müller (Fulda), geknüpft hat, veranlaffen mich zu folgender Auslassung. Die Erklärung meines Freundes kann nur im Zusammenhänge mit den von uns in früheren Stadien der Be­ratung im Reichstag abgegebenen Erklärungen richtig verstanden werden. Hinsichtlich deS Tabaksteuer-Entwurfs hat schon der Abg. Gescher auf diejenigen Ausführungen Bezug genommen, welche unser Freund Fritzen über diesen Gegenstand gemacht. Hinsichtlich der Franckeusteiu'schen Klausel und im Zusammen­hang mit dieser der gejammten Finanzreform war ich eS, der die Erklärung der Partei im Reichstag — der größeren Sicher­heit und Feierlichkeit wegen — sogar verles-n hat. Schon die Erinnerung daran, daß wir damals ausdrücklich ausgesprochen haben, wir wollten die Franckenstein'sche Clausel nicht nur in ihrer konstitutionellen Bedeutung immer und unbedingt, sondern auch in ihrer finanziellen Wirkung nach Möglichkeit erhalten wissen, hätte vor einer Auslegung der Erklärung des Abg. Müller, wie Herr Minister Dr. Miquel sie gegeben, bewahren müssen. Jene Erklärung Müller galt dem vorliegenden Ent­würfe und dem gegenwärtigen Augenblick. In letzterem Be­tracht ist bargelegt, daß das Geldbedürfniß nicht mehr so zwingend sei, um ohne Aufschub Abhilfe schaffen zu müssen. In erster Richtung ist nicht einmal der Gedanke ausgesprochen, es könne der Tabak unter keinerlei Umständen, zu keiner Zeit und in keiner Gestalt mehr zur Bestreitung der öffentlichen

„Noch einmal abreifen? Und wenn ich mich nun weigere, mitzugehen?"

„Ich werde Dich dazu zu zwingen verstehen," schrie Isidor, von plötzlicher Wuth ergriffen.

„Wie, ich soll noch einmal dieses umherziehende Leben beginnen?" erwiderte die arme Frau mit blitzen­den Augkn. „kaum zehn Monate lebe ich nun hier und erfreue mich endlich einmal einiger Ruhe. Du willst also, daß ich diese- Leben voll Kummer und Elend, welches ich seit drei Jahren führen muß, wieder aufnehme? Nein, das wird niemals geschehen. Du bist von jeher der böse Geist meine- Leben- gewesen; ich werde diese- Mal nicht mehr auf Dich hören. Du tiägst die Schuld, daß mein Gatte Ehre und Freiheit verloren hat, und wenn ich bi- heute in Deine Bor«

I schlage gewilligt habe, so geschah e- nur auf dm : formellen Befehl meines Mannes, welcher auf den Philippinen in der Verbannung schmachtet. Ich habe mich bi- jetzt blind seinen Anweisungen gefügt und mich der Bewegung gewidmet, welche Du als einer der Führer leitest. Und ich habe Dir Glauben geschenkt, als Du mir daS Vermögen und das Glück, welches mir und meinem Gatten winken sollte, in der Ferne ! zeigtest! Und wohin hat uns Alle- dies geführt? Zu । nichts als zum entsetzlichen Elmd. Ich will von dieser ; Sache nicht- mehr wissen. Ich verdime hier etwa- i Geld, thue Niemand etwas zu Leide und will nicht