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Freitag, den 20. April 1894.

FuldaerMZeitimg

weise plötzlich änderte; er verkehrte jetzt meistentheilS außer dem Hause und gegen seine Frau, welche er leidenschaftlich geliebt hatte, wurde er kälter.....

Aber mein Lieber, wir trinken ja gar nicht! Auf Ihre Gesundheit! Sie werden sehen, wie interessant sich die Geschichte noch entwickeln wird . . . Eines Abends kam der Gemahl blassm und verstörten Antlitze- nach Hause.....Er hatte hoch gespielt und war beim

Falschspiel ertappt worden ..."

„Da- ist ja sehr interessant," sagte Antonio, der vom Weine bereit-erhitzt war. „Bitte, fahren Sie fort."

„Dem Elenden blieb nicht- weiter übrig, al- sich da- Hirn mittelst einer Kngel zu zerschmettern . . . . Er legte aber seiner Frau vorher ein vollständige-Ge« ständyiß ab und ... . trinken Sie doch, mein Lieber. Kellner, noch eine zweite Flasche Amontillado . . . . Nachdem der beklagen-werthe Mavn seiner Gattin Alle- gebeichtet hatte, frug er sie, waS er nun thun solle... Seine Frau, vollständig entrüstet, ließ sich die traurige Erzählung ihre- Gatten noch einmal wiederholen, wie wenn sie ihren eigene» Ohren nicht trauen dürfte und sagte dann in höchster Erregung zu chrem Manne: WaS, Du willst eine Memme, ein Feigling sein . . . Aber trinken Sie doch, mein Lieber, da- wrrkt beruhi­gend . . ."

„Ja, ja, es wirkt in der That beruhigend," stam-

legte schon seine Vereinfachung des Verwaltung-- «pparate-Zeugviß ab. Jetzt hat er auch für die Reform der Personentarife sich in der entschie« denstev Weife ausgesprochen. Er erklärt dar bestehende Konglomerat von zahllosen AuSnahmebilletS für ganz unhaltbar und will an dessen Stelle nicht- anderes setzm, als die einfache Fahrkarte. Da- ist offenbar das richtige Prinzip; die einfache Fahrt ist möglichst billig zu berechnen, und dann find alle befonderen Be» günstigungen für Rückfahrten, Rundreisen, Badereism rc. entbehrlich. Wie der einfache und unbedingt maß« gebende Tarif gestaltet werden soll, hat der Eisenbahn* Minister freilich noch verfchwiege». DaS begreift sich; denn er muß die Reform noch eine Weile verschieben, weil „die allgemeine Finanzlage des Staates er uns unmöglich macht, in ein großes Risiko mit Tarifveränderungen einzutretm" — d. h., weil Herr Miquel nicht will. ,

Und warum will Herr Miquel nicht? Ist das Risiko einer besonnenen Tarifreform wirklich so arg, daß der preußische Staat eS nicht ertragen könnte? Wir glauben eS nicht. Der Eisenbahn-Haushalt hat sich in der letzten Zeit erheblich gebessert. Die allgemeine Finanzlage ist so wmig beängstigend, daß sogar der nationalliberale Abg. Dr. Sattler, der unter dem Segel Miquel- einen Gen er al bericht zur Unterstützung der Steuerreform angefertigt hat, zum richtigen Schwarz* malen nicht kommen konnte und schließlich nichts weiter verlangt, als dar Gleichgewicht zwischen Matrikular- beiträgen und Ueberweisungen, womit die 40 Millionen Miquel'scher neue Reichssteuern für entbehrlich erklärt find. Der Widerstand Miquels gegen die Eisenbahn* reformen wurzelt tiefer, cklk in der Sorge für das augenblickliche Gleichgewicht. Der Herr Minister, der einst so sozialreformerisch angehaucht war, ist nach und nach so fiskalisch geworden, daß auch er die Eisen­bahnen nur vom Gesichtspunkte der hohen lieber« schuss er für die Staatskasse betrachtet. Sie sind ihm Milchkuh für den FiSkuS; ob sie nebenbei dem Verkehr und der wirthfchastlich-sozialen Entwickelung bienen oder nicht dienen, ist ihm Nebensache. Daraus erklärt sich der bekanntlich durchgefallene Vorschlag der Fracht« briefstemprlS, der den MittelftandS-Verkehr ungerecht und verderblich belastet hätte. Daraus erklärt sich auch die sonderbare Drohung mit einer Erhöhung der Eisenbahntarife zur Deckung deS angeblichen Defizits in Preußen. Eine solche Tariferhöhung wäre das Thörichtste, was sich denken läßt. Erstens bringt sie nichts Rechter für den FiSkuS ein, weil die Ber« theuerung fofort den Verkehr verringert; auf diese Weise können erhöhte Tarife leicht zu einer Minder- Einnahme führen. Zweitens würde die Tariferhöhung gerade im jetzigen Augenblick wirthschaftlich sehr ver­derblich fein; der langsame, mühselige Aufschwung von Handel und Wandel aus tiefer Roth, in dem wir uns jetzt befinden, kann eine höhere Belastung durch höhere Tarife gar nicht vertragen. Das gäbe einen Rückschlag, der den Volkswohlstand um Milliarden schädigen könnte.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. April.

* Der Kaiser ist heute Vormittag von Karlsruhe nach K o b u r g abgereist, wird daselbst morgen (Donners­tag und übermorgen (Freitag) verweilen und dann nach der Wartburg reism. Der kurze Besuch in Dresden am Montag zur Beglückwünschung deS Königs von Sachsen zu dessen Geburtstage erfolgt von der Wartburg aus, wohin der Kaifer «och an dem­selben Tage zurückkehrt, um daselbst noch einige Tage zu verweilen.

• Heute Vormittag hat in der Hasenhaide zu Berlin nnter großer militärischer Prachtentfaltung und in Gegenwart deS als Vertreter des Kaisers erschienenen Prinzen Friedrich Leopold die Grundsteinlegung der beiden neuen Garuisoukirche« (einer katholischen und einer evangelischen) stattgefunden.

* Die Steuer * Kommission des Reichstage- setzte heute, am dritten Tage, die Berathung der Ta­baksteuer-Vorlage fort. Abg. Müller-Fulda (Centr.) erklärte fich gegen die Fabrikatsteuer, aber, wie früher Fritzen im Plenum, für die Erhöhung der Steuer auf ausländische Tabakfabrikate; doch müsse die Angelegen­heit wegen deS bevorstehenden Schlusses der Session vertagt werden. Schatzsekretär PasadowSky entgeg­nete, die Regierung sn gerne bereit, die SesfionSdaner eventuell zu verlängern, wenn nur der § 4 zum Be- weise, daß man überhaupt etwas bewilligm wolle, an- gmommm würde. Hiergegen wendet sich u. A. heute auch Lieber, indem er betonte, daß Müller die vom Abg. Fritzen Ihn Plenum abgegebenen Erklärungen wiederholt habe. Finanzmivister Miquel sagte, daß daS Bedürfniß einer höheren Besteuerung des Tabak- anerkannt sei und daß die Regierungen in Folge dessen, falls die Kommiffion die jetzige Vorlage ablehnen sollte, mit einer neuen Vorlage in der nächsten Session wiederkommen werden. Hierauf erfolgte die Abstim­mung, bei welcher der § 4 der Tabaksteuervorlage mit 17 gegen 11 Stimme« abgelehnt wurde. Die Korn* Mission vertagte sich hierauf auf unbestimmte Zeit.

* Der Reichstag erklärte heute die Wahlen der Abgeordneten v. Hollmffer (5 Lieanitz) und Dr. Böhme (21 Sachsen) für gütig. Bezüglich der letzteren Wahl follen indessen noch Erhebungen über angebliche Unregel­mäßigkeiten bei der Wahl stattfinden. Die Wahl deS Abg. Wamhoff (4 Hannover) wurde beanstandet. Die Wahlen der Abgg. Graf v. Moltke (6 SchleSw.-Holst.) nnd v. Polenz (23 Sachsen) wurden dagegen für un* gütig erklärt, die Wahl des Abg. Graf Moltke gegen dm Antrag der Kommission, welche Giltiykeitserkläruug beantragt hatte. Sodann fand die »wette Berathung des Entwurf- eine- Heimstätten-Gefetzes statt, statt deffen wurde eine Refolution angenommen, worin die verbün­deten Regierungen um Vorlegung eines bezüglichen Ge­setzentwurfs in der nächsten Session ersucht »erben. In 3. Berathung würben schließlich angenommen die Novelle« zum Viehseuche«-Gesetz und zur Konkur-ordnung und der Gesetzentwurf zum Schutze der Waarmbezeichnungm. weite Antonio mit schwerer Zunge, welcher fühlte, daß er seine Augen kaum offen halten konnte und mit Mühe gegen einen unüberwindbaren Schlaf kämpfte.

„Alsdann," fuhr der seltsame Freund Antonio'S fort, „nahm Maria Ordonnez, welche bemerkte, daß ihr Man« fliehen wollte, einen Revolver und schoß ihrm Mann kaltblüttg nieder. Dann ergriff sie nochmals dm Revolver .... Aber, mein Herr, Sie hören ja gar nicht mehr! zu . . . Mein Pulver hat seine Schul­digkeit gethan, wie ich sehe," murmelte der Unbekannte. „Sie ist nicht schlecht, meine Geschichte, aber ich bin zufrieden. Dieser Man« ist ein Geheimpolizist; ich werde sofort nach der Straße Prieta laufen, um Vor­sichtsmaßregeln anznordnm. Ein wmig später und der Geheimpolizist hätte Maria Ordonnez zum Sprechm gebracht!"

Antonio war vollständig eingeschlafen; sein Kopf ruhte auf feinem rechten Arm. DaS Narcotium, daS ihm sein Begleiter mit großer Geschicklichkeit beim Ein* schenken in den Wein mischte, hatte gewirtt.

Antonio, der nur Ohr für die Erzählung hatte, die ihm sein neuer Freund vorgetragen, hatte von diesem Manöver nicht- gesehen und dem Weine keine Bei­mischung angemerkt. Im Uebrigen hatte er fünf bi- an den Rand gefüllte Gläser de- schweren Weine- ge­turnten. Nachdem sich der Fremde versichert hatte, daß

* Eisrubahularise «ud Ftuanjlage.

Der Eismbahnmimster Thielen möchte vor­wärts auf dem Wege gesunder Reformm, der Finanz­minister Miquel aber ist der Bremser, der „Vater der Hindernisse." DaS ist daS Ergebniß der jüngsten Eismblchnverhandlungev im Sbgeordnetmhause. Neben­bei hat sich auch wieder gezeigt, daß die ko ns er* vative Partei hinter dem Scheuleder ihrer Ritter« gntSinteressm dm Blick sür die Verhältnisse und Be­dürfnisse im Lande gänzlich verliert.

ES ist ja ein sehr begreiflicher mtb berechtigter Wunsch der Konservativen, den Abfluß der Arbeits­kräfte vom platten Lande in die Städte gehemmt zu sehm. Aber wie man daran denken kann» dieses Ziel durch eine Bertheuerung im Berliner Vororts­verkehr zu erreichen, ist gar nicht zu verstehen. Wenn der ganze Berliner Eiseybahn-BorortSverkehr mitsammt dm Arbeiterwochenkarten in die Lust flöge, so mürben doch gerobe so viel junge Leute vom Laube nach bet verlockmbm Großstadt ziehen. Ja, wmn man die gewöhnlichen Eismbahnpreise, erhöhen wollte, so würde auch das den Zuzug nicht in nennmswerther Weise verhindern; denn die einmalige Ausgabe für die Fahrt vom HeimathSorte nach Berlin fällt kaum in'S Gewicht, am allerwmigsten für die Einzelpersonen, die unverheirathetm Burschen und Mädchen, bereu Abfluß ber Landwirthschaft besonders empfindlich ist. HöchstmS könnte die Erhöhung der Fahrpreise be- wirke«, daß mau erwerbsunfähige Personen noch vmiger als bisher nach der Großstadt mitnähme, was fteüich für das platte Land kein Gewinn wäre.

Die Arbetterbevölkeruvg, die den Vorortverkehr regelmäßig bmutzt, fährt auf Arbeiterwochen­karten, weil sie damit noch billiger fortkommt, als mit Einzelkarten nach dem vielgepriesenen Bororttarif. Die Arbeiterwochenkarten gelten aber für das ganze Land, für alle Strecken. Wie kann man die Ber­liner Arbeiter schlechter stellen wollm, als alle andern Arbeiter int Laude? Und wenn man die Arbeiter­wochenkarten überhaupt auf höbe, würden dann die Arbeiter etwa zu den „geflickten Strohdächern" des Grafen Kanitz zurückkehrm? Nein, sie würden fich in denbe Maffenquartiere in ber Nähe ihrer Arbeitsstätte zufammenbrängen. Die materiellen unb sittlichen Ver­hältnisse im Arbeiterstunde würden verschlechtert, und dm Gewinn davon hätten nicht die Großgmndbefitzer, sondern die Kneipwirthe.

Der Eisenbahnminister hat die ungeheuerliche Ver­irrung der Konservativen ganz vortrefflich beleuchtet. Er bedauert lebhaft den „Zug in der Großstadt," aber er erkennt die rechten Ursachen dieser traurigen Ettömung und in Folge dessen die Wirkungslosigkeit hoher Eisenbahntarife. Er stellt sich auch mit mehr Entschiedenheit, wie wir bisher von ihm gewohnt waren, auf den einzig richtigen Standpunkt, daß die Eifenbahnen dazu da sind, den Verkehr zu fördern, und seine Aufgabe nicht die Hemmung des Verkehrs fein kann.

Bon dem Reformbetrieb des Eisenbahnministers

Mercedes de Moron.

Bon Lambert de St. Croix.

Autorifirle freie Uebersetzung von Philipp Freidank.

(18. Fortsetzung,)

Die Voreingenommenheit gegen seinen neuen Kame­raden schwand bei Antonio hin wie Schnee vor ber Sonne. Der falsche Hausirer hatte nämlich einen klemm Fehler; er war ein besonderer Verehrer eines guten Glases Wein im Allgemeinen und im Besonderen der von Amontillado. Als sein Nachbar eine Flasche seine- Liebling-getränke- bestellte, stieg derselbe ganz bedm- tend in seiner Achtung. Er beruhigte sich mit dem Gedanken, daß e- sehr nützlich sei, von dem Unbekann­ten Näheres über die falsche Milchschwester der Aebtissin zu erfahren. Sein Plan war gefaßt. Er gedachte, seinen sonderbaren Gastgeber trunten zu machen und daun Alles von ihm zu erfahre«. Es kam aber anders.

Der Wein wurde gebracht. Antonio füllte die Gläser und bat feinen Freund, nachdem er sein Glas bis zur Neige geleert, mit seiner Erzählung zu beginum.

„Maria Ordonnez ist die Tochter eines berühmten Bankiers zu Liblar; noch in sehr jugendlichem Alter heirathete sie einen jungen, sehr reichen Advokaten von Cordova. Einige Monate nach ihrer Vermählung be­merkte die junge Frau, daß ihr Gemahl seine Leben--