7^ 79 Sonntag, beit 8. ÄplÄ 1894. 21. Anhrgltng
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MM- Zweites Blatt. *>|
Parttat im Schulwesen.
(Schluß.)
Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medi- zinal-Anqckeq-nheiten Dr Boise antwortete darauf:
Meine Herren, ich bin weit entfernt, dem Herrn Abgeord- neten Dasbach, wie er sich ausgedrückt hat, die muthwillige Sucht iu imputiren, so viel Beschwerden wie möglich hier vorzubringen; aber ich möchte den Herrn Abgeordneten fragen: wie soll ich es ansangen, auf diefe vielen einzelnen und Spezial-Beschwerden, die hier vorgebracht werden, zu antworten? Es ist ja ganz unmöglich, hier eine Antwort aus alle diese Einzelheiten zu geben. Wenn ich hier in diese Spezialfälle eintreten wollte, meine Herren, so müßte ich auch die Gründe hier entwickeln, die in einzelnen Fällen dafür sprechen, daß eine bestimmte Person mit einem bestimmten Amte nicht betraut werden kann. Ich vermeide das auf's Sorg- faltigste, weil ich Bedenken habe, vor der Landesvertretung und vor dem Lande solche höchst persönlichen Dinge, die auch für dre Betroffenen nicht angenehm sein können, welche vielmehr unter Umständen sehr unangenehm werden können, hier zu erörtern, und ich glaube, daß ich hiermit im Interesse der Betroffenen handele, nicht aber gegen dieselben. Der Herr Abgeordnete Dasbach hat gesagt, man müsse die Betroffenen oder die Beschuldigten auch hören. Das thun wir: aber warum kommen denn diese Herren nicht selbst? Die katholischen Pfarrer, denen in ganz vereinzelten Fällen - ich kann Ihnen die Zahlen hier angeben — oieLokalschulinfpektion nicht anvertraut ist — fte sind 10 alle der Schreibens kundig — warum kommen sie denn nicht an Mich heran? Daan kann ich sie und die betreffende Regierung hören, die es bis dahin nicht für angemessen erachtet hat, ihnen Lokalschulinspektionen anzuvertrauen. Run mache ich darauf aufmerksam, der Herr Abgeordnete Dasbach hat gesagt, ein Schulinspektor habe sich in schroffer Form gegen einen katholischen Lehrerverein ausgesprochen und hier möchte ich eine ausdrückliche Direktive erlaffen, daß das nicht geschehen solle. Ja, meine Herren, erstens mache ich darauf aufmerksam, daß, als die Sache hier von Frei- herrn v. Heereman zur Sprache gebracht wurde, ich gesagt habe, daß meine Aeußerungen hier in diesem Hohen Hause vollständig genügten, um den Behörden im Lande zu zeigen, wie ich in Bezug auf die katholffchen Lehreroerenie stehe. Ich will ihnen dasselbe Recht einräumen, wie den anderen Lehrervereinen DaS ist keine private Aeußerung: wenn ich hier spreche, spreche ich ja nicht zu meinem Vergnügen, sondern das sind recht eigentlich amtliche Aeußerungen. die in alle Kreise der Behörden und des Lande« hinauSgehen. Ehe ich aber in diesem Falle in Bezug auf die KreiSichulinspektoren alles das thue, wovon der Herr Abgeordnete DaSbach geredet hat, muß ich dock, wiffen, wie die Sache liegt Hier muß ich den andern Theil hören. Damit, daß hier auf Grund einer einseitigen Zeitungsinformation die Sache vor dem Hohen Hause verhandelt wird, ist sie ncch nicht abgcthan. Hier hat doch der Mann Anspruch darauf, daß ec von mir zunächst amtlich gehört werden muß. Darauf kann ich also beim besten Willen nicht eingehen. (Bravo! rechts.) Nun kommt ei ja in einzelnen Fällen vor, daß die Verhältnisse eS nicht zulassen, die Lokalschulinfpektion dem betreffenden Geistlichen zu übertragen. Wir haben katholische geistliche OrtSschulinspek- toren in 6968 Schulen und schon diese Zahl beweist, daß es sich hier nur um eine ganz verschwindende Anzahl weniger Fälle handeln kann. DaS ist auch der Fall; denn ,m Regierungsbezirk Trier waren im Jahre 1891 noch 135 solche Fälle vorhanden, im Jahre 1892 noch 101, im Jahre 1893 noch 80 und im Jahre 1894 sind eS noch 60 Fälle, in denen die Behörden, die Regierungen nicht in der Lage gewesen sind, die Ortsschulaufficht den katholischen Pfarrern zu übertragen. Bei diesen 60 Fällen muß man immer noch cinrechnen, daß stets eine gewisse Zahl von Pfarren vakant ist. Wo es sich um weite Entfernungen handelt, wo daraus Unbequemlichkeiten für die Gemeinden, die Schulen, die Kinder hecvorgehen, kann ich nur den Schulen, den Gemeinden anheimgeben, daß sie sich an uns wenden mögen Dann wird eine Prüfung eintreten und eS werden solche Unzuträglichkeiten, wie sie hier zur Sprache gebracht sind, abgestellt werden
Ganz ähnlich geht eS mit den anderen Fällen, die der Herr Abgeordnete DaSbach hier zur Sprache gebracht hat. Er hat gesagt, in Mayen sei ein altkatholischer KreiSschuIinspektor. Ich bemerke, daß mir angezeigt worden ist, daß er am 1. Februar 1889 aus dem altkatholischen Verbände förmlich ausgefchieden ist. Aber, meine Herren, ich habe die altkatholischen Kreisschulinspektoren vocgefunden, das sind zum Theil, so viel ich weiß, alles durchaus gewissenhaste Männer. Nun wöge mir Herr Abg. Dasbach sagen: wohin soll ich die Leute versetzen? Was soll ich mit ihnen anfangen? Ich kann sie doch nicht todtschlagen! (Heiterkeit.) Nein, meine Herren, mit diesen Spezial-Beschwerden, ohne daß die Leute vorher gehört sind, ist, glaube ich, außerordentlich wenig gethan. Ich werde dankbar sein, wenn die Herren zu mir kommen, wenn sie sich an mich wenden; wenn ich in die Lage gebracht werde, den einzelnen Fall zu prüfen, dann werde ich Abhilfe schaffen, wenn die Verhäitniffe es nothwendig machen, foweü es in meinen Kräften steht Aber was soll aus unseren Kultus-Debatten werden, wenn wir in dieser Weise jeden einzelnen Spezialfall hier vorbringen? (Lebhafter Beifall.)
Betreffs des polnischen Lehrers gab der Herr Minister keine Antwort; auch die spätere Anfrage des Herrn Abg. v. CzarlieSki fand keine Beantwortung. Die Antwort deS Herrn Ministers, betr. der Lokalschulinspektion, ist befremdend. Am 23 Februar 1893 gab er e,ne Erklärung, welche die Bermuthung erwecken mußte, alS ob die Lokalfchnlin'p-ktion deSdalb vorrnt- halten werde, weck die Betroffenen „in Hellem Streite mit den SchulauffichtS - Behörden lebten." Nachdem jetzt Angabe der Thals ach en erbeten wüd, durch
welche eine solche Anklage bewiesen wird, unterläßt eS der Herr Minister, auch nur einen Fall solchen „Hellen Streiter" anzuführen und verweist die Geistlichen darauf, daß sie sich beschweren sollen!
* Zur Grgauisteuftuge schreibt man der Bonner .Deutschen ReichSzritung': Dar Amt einer Organisten versehen meisten- die BolkSschul- lehrer. Run ist er eine nicht zu leugnende Thatsache, daß die wirklich guten Orgelspieler immer seltener werden. Der Grunb liegt in den Veräußerung«, die in der Ausbildung der Lehrer stattgefunden haben. Bor zwanzig Jahren noch war die musikalische Vorbildung der Präparanden, die in'S Seminar ausgenommen wurden, eine bessere. Dieselben wurden von einem oder mehreren Lehrern ausgebildet, mußten auch die kirch- lichen Dienste mit versehen und wuchsen sozusagen auf der Orgelbau! auf. Wer nicht musikalisch begabt war, wurde überhaupt nicht angenommen. Da kamen die „Allgemeinen Bestimmungen" vom 15. Okt. 1872, in denen eS heißt:
„Wenn die unzureichenden Leistungen in der Musik im Mangel an Gehör begründet find, so kann gleichwohl die Aufnahme (in'S Seminar) stattfinden. Wegen ungenügender oder ganz mangelnder Vorbereitung eines Aspiranten im Orgelspiel darf demselben die Ausnahme nicht verweigert werden."
In den 70er Jahren, zur Zeit deS Lehrermangels, machten sich viele Schüler der höheren Lehranstalten, der Realschulen und Gymnasien, diese Bestimmung zu Nutze und traten in ein Seminar ein, wo man sie, um die Lücken zu füllen, auch aufuahm. Die musikalische Vorbildung dieser jungen Leute war meistens gering» sügig oder mangelte auch ganz. Weiter wurde gestattet, daß musikalisch unbefähigte Seminaristen vom Orgel» und Klavierspiel dispensirt werden können. Auch von dieser Bestimmung mußte z".m Leidwesen der Seminar» Musiklehrer ausgiebig Gebrauch gemacht werden. Dazu kam, daß die wissenschaftlichen Lehrgegenstände in den Seminarien vermehrt und dadurch nothwendiger Weife die Lehr- und UebungSstunden in der Musik vermindert wurden. Um den daraus erwachsenden Uebelständen zu begegnen, halten die Provinzial - Schulkollegien die jungen Lehrer an, sich nach der Entlassung aus dem Seminar in der Musik weiter auszubilden und bei der zweiten Prüfung auch ein Orgelexamen abzulegen. Dieser Anregung wird jedoch nur in wenigen Fällen nachgegeben, da die jungen Lehrer gar nicht geneigt sind, den Organistendienst zu übernehmen. — WaS ist aber der Grund dieser auffallenden Erscheinung? Die Musik ist eine Kunst, bereit Erlernung viel Zeit u« d M ü h e beansprucht. Nun wird aber der Organisten- dienst dementsprechend nicht bezahlt. In vielen Fällen wird die Besoldung dafür sogar noch in daS Lehrergehalt eingerechnet, so daß der kirchliche Dienst umsonst gethan werden muß. Der Organist ist ferner durch seinen Dienst gebunden; selbst während der Schulferien muß er anwesend sein ober für Vertretung sorgen. Wenn nun bet junge Lehrer steht, baß er auf einer Stelle ohne kirchlichen Dienst ebensoviel Gehalt unb weniger Arbeit hat, kann man eS ihm da verargen, wenn er nach einer Stelle mit Organistendienst kein Verlangen trägt? Darum bezahle man dar Orgelspiel angemeffen, wie eS einer im Dienste der Kirche stehenden Kunst zukommt, namentlich aber beseitige man die Ungerechtigkeit, die Besoldung dafür in daS Lehrer- gehalt einzurechnen; dann werden sich auch genug geeignete Bewerber für Stellen mit Kirchendienst finden und bann werben solche Stellen ben Lehrern auch be» gehrenSwerth erscheinen. (Vorausgesetzt, baß auch bie nökhigen Mittel dazu vorhanden sind.)
Mercedes de Moro«.
Bon Lambert de St. Croix.
Autorisirte freie Ueberfetzung von Philipp Freidank.
(8. Fortfetzung.)
„Erlaube mir zu bemerken, lieber Freund," wars sein Onkel ein, „daß ich er war, welcher deinen Vater, als er sich bei seiner Rückkehr von Amerika in Havre ausschisste — eS war vor etwa sünf Jahren — zuerst begrüßte. Wir fuhren sofort nach Paris zurück unb bas Schiff kam, war ich noch bemerken möchte, nicht ans Spanien, sondern anS Rew-Iork."
„Der Graf kann ja später in Spanien gewesen sein," fügte der Sachwalter bei.
„Ich erinnere mich nicht, daß er jemals brr mir
von einer Reise nach Spanien gesprochen hat," meinte Dubois hartnäckig.
„Unb boch erinnere ich mich, daß er während bei Jahres nach seiner Rückkehr aus Amerika einen Monat lang verreist war," fiel ber junge Mann ein.
„In ber That, ich erinnere mich, daß er in jener Zeit nach Wien fuhr, um, wie er mir sagte, ein Paar werthvolle Wagenpferbe zu kaufen, welche ihm besonder» gepriefen würben. Er blieb einen Monat abwesend und kam mit ben Pferben zurück. Brauchte er wirklich volle vier Wochen zu biefew Hanbel unb konnte er in biefer Zeit nicht nach Spanien gereift fein?"
„Welch' seltsames Geheimniß mag hinter all biesen Dingen verborgen sein!" murmelte der Sachwalter. „Wie kommt eS, daß ber Graf Ferst« bei seinem Tobe nur sechshundertfünfzig Taufend Frank« und fein Houin Paris hinterlassen hat? War die- nicht ganz die» felbe Ziffer feines Vermögen- vor feiner Abreife nach Amerika, lieber Dubois?"
„Gewiß," erwiderte der ehemalige Fabrikant, „und gerade deshalb geht mir dieser Brief an den Kardinal so im Kopfe herum. Der Graf von Ferstre mußte in Amerika viel Geld gewonnen haben, denn in jedem Briefe, fo selten er schrieb, wiederholte er, daß sein Vermögen sich fortgesetzt vermehre. In seinem letzt« Briese, der hier vorliegt und in welchem er seine Ab- reise nach Frankreich anzeigte, bemerkt er ausdrücklich, daß er Alle- mitbringe, um die Zukunft seines Sohnes für alle Zeiten sicher zu stellen."
„Hat er Ihnen nach feiner Rückkehr von diese« neuermotbenm Vermögen niemals etwas mitgetheilt?'' frug Pigeorrain. , t
„Niemals hat er darüber gesprochen und auf meine Frag« lediglich geantwortet: Laßt mich nur machen. Alle- wird aufs Beste gehen. Ihr werdet sehen, daß alle- wohl geoibnet ist." * -
„Mein armer Vater!" rief Raoul. „Er hatte seit seiner Rückkunst nur den einzigen Gedanken, nur Be- weise seiner Zärtlichkeit und Siebe zu geb«, bi» zu jenem Tage, wo Gott ihn abrief. Muß dieser Brief an d« Kardinal nicht mein Schmerz auf'- neue aufleben lassen, und bin ich eS nicht dem Andmkm meines Vater- schuldig, in den Besitz seines Vermögen» und der Familienpapiere zu komm«? WaS da- Gew betrifft, so habe ich mir vorgenommen da- Ganze d« Arm« und Rothleidend« zu schenken. Mein »er- mögen ist, Dank sei Sott und der Hülfe meine» Bor- wundes, so bedeutend, daß eS für meine Bedürfnisse vollständig hinreicht. Der Brief der Sebtissin ist fo bestimmt, und wenn man da- Depot nicht zu rett« sucht, so weit eS noch vorhanden ist, wird eS unter den Händen der Revolutionäre demnächst verschwinden. Vielleicht befindet sich unter den Dokumenten ein Testament meine- Vater-. Gehen wir also vor, meine lieben Freunde; bie Würfel sind gefallen, und ich werde nicht eher ruhig werd«, bi- das spanische Geheimniß enthüllt sein wird. Wann reisen Wir ab?
„Ich habe nicht- bagegm einzuwenden und halte mich ganz zu Ihrer Verfügung" erwiderte ^igeotrain.
„Auch ich habe nicht- gegen diese Reise vorzu- bringen,“ ließ sich der Onkel DuboiS vemehmen. „Rur da- Eine gebe ich zu bedenk«, daß Wir vielleicht bei unserer Ankunst in Spanien uns mitten in der Revo» lution befind« werden, wie ber Brief ber Aebtisfin andeutet. Soviel mir aber bekannt ist, hat man noch nicht- von Unruhen jeufeitS ber Pyrenäen gehört. Vor allen Dingen gehe ich nun zu Sr Eminenz dem Her« Erzbischof, bei welchem ich wohl nähere Aufklärung erhalten werbe." _ . „
„ES ist in ber That sehr seltsam, daß ber Hen Erzbischof un- biefen Brief ohne alle weitere Aufklärung zugefanbt hat", meinte Pigeoirain.
„Mir dünkt die Sache sehr einfach, erwiderte Raoul. „Der Herr Erzbischof ließ unS dm Bries des- weg« ohne Begleitfchreib« zugehen, weil er lediglich unS betrifft?" ...
„In der That, sie haben recht," erwiderte Pigeorram.
Aber e- gilt noch eine Seite deS Falles gründlich zu beleucht«. Ich kenne dm Polizeipräfekim sehr genau und eS dürfte nothwendig erscheinen, daß ich vorerst durch chn die nothwendigen Untersuchungen anstell« laffe, Wie lange Dein Vater in Wien verweilte, und ob er dort außer dem Pferdeeinkauf nicht ander» weitige Geschäfte besorgte."
„Du übersiehst, lieber Onkel, baß feit bieser Reise