JV 79 __Sonntag, den 8. AM 1894. 21. Jahrgang
Fuldaer MZeitaiig
wort finden werde.
[einen Antrag ein.
beten.
* Der Reichskanzler hat an den Arbeitsausschuß der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 ein Schreiben gerichtet, in dem er sagt, daß er den von dem Ausschuß eingenommenen Standpunkt vollkommen theile, namentlich insofern, als es auch ihm richtig und zweckmäßig erscheine, das Unternehmen aus Berlin zu beschränken und den Erfolg nicht durch die Erweiterung zu einer deutsch-nationalen Ausstellung in Frage zu stellen. In dieser Beschränkung sei seine Sympathie in der That dem Werke gewidmet. — Wie ferner mit- getheilt wird, soll in der Audienz, welche Oberbürgermeister Zelle in Gemeinschaft mit dem Präsidenten der Aeltesten Kollegiums der Berliner Kaufmannschaft, Geh. Kommerzienrath Frentzel, beim Reichskanzler hatte, der Letztere feine lebhafte Zustimmung für eine Berliner Ausstellung geäußert haben, ebenso entschieden habe er eine Beihilfe für eine deutsche Ausstellung ablehnen zu wüsten geglaubt.
* Herr Abg. Felix Frhr. v. ßoe veröff.nillcht folgende Erklärung:
Der Zusammenschluß -er europäischen Staaten für „kommende Gveutualitäten"
Lricheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. - Inserate kosten die einspalüge Zeile oder deren »an« 15JR-, b« Wiederholungen eMprM«»« Abatt- «etteljährlAr Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen m Fulda und auswärts 1 Mark M Nennig.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. April.
fallen, viele Franzosen zu finden, die bereit wären, beantragte, damit die verbündeten Regnwungen Ge- sich aufrichtig mit Deutschland zu versöhnen " legenheit hätten, vor Einbringung ihrer Vorlage die
Die .Kreuzztg.* hofft, daß Graf Caprivi auf diese Stimmung der Mehrheit des Reichstags kennen zu nicht mißzuverstchende Absage die entsprechende Ant- lernen, so war nicht bloß der Antrag selbst, sondern - - - auch dessen Motivirung einer Zustimmung bet der
1 Mehrheit der Reichstags gewiß. Nur die National- : liberalen und die Freisinnigen verweigerten dem An- i trage auf Besprechung der Interpellation ihre Unterstützung, und nur sie allein stellten sich mit der Erklärung des Staatssekretärs von Bötticher zufrieden, während Namen- des CentrumS Abg. Dr. Bachem, Namens der Konservativen Abg. Frhr. v. Manteuffel, Namens der Reichspartei Frhr. v. Stumm und dazu auch der Sozialdemokrat Wurmb, letzterer freilich unter . ausdrücklicher Abstandnahme von kirchlichen Interessen, i sich gegen eine weitere Hinausschiebung des Termins - für dar Inkrafttreten der Sonntagsruhe im FortbildungS- | unterricht erklärten. Die Regierung weiß jetzt, welche
* Der Kaiser ist heute früh an Bord des Schulschiffs „Moltke" von Abbazia in Pola eingetroffen, wo er vom Erzherzog Karl Stephan begrüßt wurde. Bei seinem Besuch in Venedig wird der Kaiser die dortigen Denkmäler und dar Arsenal besichtigen. Am Abend findet ein Galadiner zu 80 Gedecken statt; der MarkuSplotz wird glänzend illuminirt werden. Im Gefolge des Königs von Italien wird sich auch der Herzog der Abruzzen befinden. ----------,------— - - - c - - ... -
* Der Buudesrath überwies in feiner heutigen Aussichten die angekündigte Vorlage des „neuesten Sitzung -en Antrag Preußens betr. einen Nachtrag zu ? Kurses" bei der Mehrheit der Reichstags haben wird, dem Anträge auf Abänderung der Gewerbenovelle ! .««• »>..
(Fortbildungsschulunterricht) an die zuständigen Aus- schüffe und die vom Reichstage zu dem Etat für 1894/95 beschlostenen Resolutionen an den Reichskanzler.
* Die Stempelsteuerkommisfio» hat nach S. 18 < und 28 deS Berichtes beschlossen, den § 8 deS bestehenden Gesetzes aufzuheben, wonach mehrere Geschäfte, welche am gleichen Tage, von den gleichen Kontrahenten, über die gleiche Art von Wertheu abgeschlossen sind, als ein Geschäft versteuert werden. Der Antrag der Abg. Müller (Fulda), den Umsatzstempel (laufende Nummer 4 deS Tarifs) auf „je 1000 Mark oder einen Bruchtheil dieses Betrages" abzustufen, wurde von der Kommission abgelehnt, vielmehr beschlossen, die Fassung der Vorlage „für je volle 1000 Mark" beizubehalten. Der Abgeordnete Müller (Fulda) tritt in einer an hie Mitglieder des Reichstages vrrthellten Darlegung
— Freitag soll die Interpellation über die Silber- Prägungen zur Verhandlung kommen.
* In ReichStagSkreisen besteht, wie die,Post' meldet, die Absicht, eine Aussprache über die viel- ierufenen Angriffe deS .Kladderadatsch* gegen Beamte des auswärtigen Dienstes herbeizuführen.
• Dem Abgeordnetenhause ist heute der Gesetzentwurf über die Regelung der Berhättniffe der bei der Umgestaltung der Eifenbahnbehörde« nicht z« verwendende« Beamte» zugegangen.
* Das Abgeordnetenhaus setzte gestern die Wahl- Prüfungen fort. Eine längere Debatte rief die Wähl Neuwied-Altenkirchen hervor, wo die nationalliberalen Dietz und Dünkelberg mit 272 Stimmen gegen 227 Centrurnswahlmänner gewählt wurden. Die Abgg. MieS, Dasbach und Stephan beleuchteten die dortige Wahlkreisgeometrie, die zu Ungunsten des CenttumS besteht, und warfen auch dem Regierungspräsidenten zu Koblenz Wahlbeeinflussung vor. Sie beantragten, die Wahl zu beanstanden und Erhebungen über die in dem Protest behaupteten Unregelmäßigkeiten zu veranstalten. Das HauS lehnte den Antrag ab und erklärte, entsprechend dem Kommisfionsbeschluß, die Wahl für gültig. Die Wahlen der Abgg. Lyncker und Tamoschus werden für gültig erklärt. Die Wahlen der Abgg. Hilgendorff und Beleides werden beanstandet; über eine Reihe von Protestpunkten wird Beweiserhebung beschlossen. DaS HauS hat hierauf den Nachttagsetat, worin die erste Forderung für Durchführung der Reorganisation der Eisenbahnverwaltung verlangt wird, erledigt. Die Diskussion über die geplanten Aender- nngen in der Eisenbahnverwaltung war letzteren durchweg günstig. Freitag soll die zweite Berathung de» SiaatShauShaltsetatS beim Etat der Eifenbahnver- Wallung fortgesetzt werden.
• Die Eilberkommisfio« hat ihre Berathuugeu begonnen. Derselben liegt bereits ein beängstigend hoher Berg an Material, Anträge, Gutachten, statistische Zusammenstellungen u. s. w. vor. Man kann schon heute vorauesehen, daß der von der Kommission zu erstattende Bericht nicht minder umfangreich ausfallen wird, als der der Börfen-Erquete-Kommisfion.
* Der große Ausschuß für das Bismarck-Denkmal hat beschlossen, da« Denkmal vor dem Westportal des neuen ReichStagSgebäudeS aufzustellen. Der Kaiser als Protektor wird um Genehmigung dieses BeschluffeS ge
hre MitAieder des Reichstages vrrthei mit einer genaueren Berechnung für sei Er weist überzeugend nach, daß nach Inkrafttreten der von der Kommission beantragten Aenderung Der Effekten- Umsätze zur Ersparung von Stempelkosten in kleinere Geschäfte mit möglichster Ausnutzung der Stufengrenzen zerlegt werden würden. Arn vortheilhaftestev wäre diese Theilung in der Weise einzurichten, daß der Werth eines jeden Schlußscheines nicht ganz 2000 M. erreicht, aber doch möglichst nahe an diesen Betrag herankommt, weil für solche Emtheilungen der Tarif am günstigsten ist. Er würde hierdurch ein Nettocrsparniß von 38 bis 46 pCt. zu erzielen sein, wodurch die Stempeleinnahme des Reichs um mehrere Millionen Mark geschädigt würde. Dieser überzeugende Nachweis findet hoffentlich die verdiente Beachtung im Plenum.
* Der Reichstag hat gestern seine Plenar-Sitzungen wieder aufgenommen. Die erste war schwach besucht. Aus der Tagesordnung ftand zunächst die Interpellation der Abgeordneten Dr. Osann, Dr. Paasche und Möller (Dortmund) über den Fortbildungsunterricht an Sonntagen. Nachdem Abg. Dr. Osann die Inter« pellatton mit der Bedeutung des FortbildungSunter- rechts für da» Handwerk und auch für die Innungen begründet, eventuell ein Hinausfchieben des Jnkrast- tretens der betreffenden Bestimmungen des Arbeiter- fchutzgefetzeS verlangt hatte, erklärte Staatssekretär v. Bötticher, daß die verbündeten Regierungen über die fragliche Angelegenheit noch keinen Beschluß gefaßt hätten. Die Bedeutung des FortbildungSunterrichtS für die Ausbildung der jungen Handwerker werde von der Regierung anerkannt, andersettS aber auch daS kirchliche Interesse. SS komme darauf an, zwischen beiden Jntereffen einen Ausgleich zu finden, waS bei beiderseitigem Entgegenkommen wohl möglich sei. Bon Seiten der preußischen Regierung werde ein Antrag dem BundeSrath unterbreitet werden, welcher den Ter- min für das Inkrafttreten der gesetzlichen Bestimmungen über die Fortbildungsschulen vom 1. Oktober d. IS. bis auf 1. Oktober 1897 hinauSschiebt. Auf Antrag deS Abg. Frhr. v. Manteuffel trat daS HauS, dem Wunsche des Staatssekretärs v. Bötticher entgegen, in eine Besprechung der Interpellation ein. Staats- sekretär v. Bötticher schien die Stimmung der Reichs- tagSmehrheit vorauSzusehen, sagt die .Germania', als er nach Ankündigung einer Vorlage, welche den «in- führungStermin für die Sonntagsruhe im Fortbildung-« schuluuterricht auf drei Jahre Wetter hwauSfchieben will, um den Verzicht auf eine weitere Besprechung der Interpellation bat. Wenn Abg. Frhr. v. Man- teuftet trotzdem eine Besprechung der Interpellation
» Bekanntlich hat der Reichskanzler Graf Caprivi ! in seiner jüngsten Danziger Rede daS große Wort gelassen ausgesprochen, der Kaiser habe den russischen Handelsvertrag nicht allein für etwas angesehen, waS uns wirthschaftlich von Nutzen sei, er betrachte daS Werk nicht nur als eine erneute Bürgschaft des Friedens, sondern er habe weiter gesehen, und die Möglichkeit in's Auge gefaßt, daß das kommende Jahrhundert den Zusammenschluß der europäischen Völker fordert und daß einzelne derselben allein nicht die Kraft hätten, den kommenden Eventualitäten gegenüber gerüstet zu sein. An dieser dunklen Rede arbeiten nun schon eine ganze Woche die „Osfiziösen" mit wahrer Lust herum. Zum Theil werden wirthschastliche „Even- tualitäten“ in Aussicht gestellt, ein anderer Theil der Presse ist der Ansicht, daß es sich um die Gefahren handle, mit welchen Sozialismus und Anarchie in ihrem weiteren Anwachsen die europäische Staatsordnung bedrohen. Für diese letztere Annahme sprach auch die Petersburger Meldung des ,Daily Telegr.' welche in der Bestätigung der Meldung von der Kaiserzn- sammenkunst bewerft, in den St. Petersburger höchsten politischen Kreisen werde der deutsch-russische Handelsvertrag als Grundstei» der im Rahmen „relig öser, monarchischer Grundsätze" zu errichtenden Schranke gegen Eingriffe deS Sozialismus und der Anarchie betrachtet. Diese Ansicht soll der Zar selber theilen; in einer Unterredung mit einem russischen Würdenträger habe er jüngst erklärt, die Anarchie sei der alleinige furchtbare Feind deS Friedens und müsse er« barvmngSloS auSgerottet werden. Da hätten wir also die Erklärung, waS unter den „näheren polttischen Beziehungen", die der Zar nach dem ,Hamb. Corr.' in seiner Depesche in Aussicht gestellt haben soll, zu verstehen ist, und waS der Kanzler in Danzig im Auge hatte, eine „heilige Allianz"! Jetzt kommt aber schon die Antwort auS Rußland. Die die Stimmung in der Umgebung deS Zaren wiedergebende .Nowoje Wremja' schreibt in einem Leitartikel u. a.: „Die Frage einer „Bereinigung aller europäischen Völker" zu berathen, ist nicht nur möglich, sondern auch zeitgemäß, seit auf die Initiative Deutschlands in Europa ein Wind weht, welcher dem direkt entgegengesetzt ist, der zur Begründung des Dreibundes und danach zu politischen Kombinationen führte, welche bestimmt waren, die internationale Gefahr der berüchtigten Friedensliga Snentratifiren. In den letztenMonaten ist von dempoliti«
en Horizonte mehr al» einer der Hindermsse geschwunden, welcher einer gesammteuropäischen Verständigung entgegenstand. Leider bleibt aber noch eine namhafte Zahl nicht überwundener Schwierigkeiten übrig. Die historischen Ereignisse deS letzten Viertel-Jahrhunderts haben tiefe Spuren hinterlassen. Frankreich hat Srdan nicht vergessen und denkt an die beiden Provinzen, die ihm entrissen wurden; die Folgen der doppelzüngigen Politik deS Fürsten Bismark auf dem Berliner-Kongreß sind nicht nur nicht ausgeglichen, sondern haben zu einer Lage auf der Balkan- Halbinsel geführt, die unter keinen Umständen von Rußland als die endgültige betrautet werden kann. Für Oesterreich'Ungarn und Jtalim hat der Dreibund die ernste Schwierigkeit gebracht, daß wirklich gute Beziehungen zu Rußland und Frankreich höchst schwer geworden sind. In England hält die Energie der Konservativen eine Politik aufrecht, welche zu einem Antagonismus dieser Macht mit den Interessen fast aller Kontinentalmächte gesührt hat." Daher, so fährt daS Blatt fort, fei eine Verständigung sehr schwierig, an Abrüstung nicht zu denken, auch eine gemeinsame Bekämpfung von Anarchismus und Sozialismus fei kaum möglich, feien doch die Sozialisten noch jüngst die Verbündeten der deutschen Regierung in der Frage des russischen Handelsvertrages gewesen, man werde sich daher schwer enffchließen, ihnen den Fehdehandschuh hinzuwerfen. Auch auf ö k o n o m i f ch e m Gebiete stünden in den verschiedenen Staaten entgegengesetzte Doktrinen sich gegenüber, endlich kämen die natwnalen Antipathieen in Betracht. An» England, Deutschland und Ungarn werden die Rassophilen schweren beseitigen sein, „und so lange Elsaß-Lorhringen ein Theil^deS Deutschen Reiches bleibt, wird es schwer