-V 78 __Samstag, den 7. April 1894. 21. Jahrcailfl
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Parität im Schulwesen.
(Fortsetzung statt Schluß.)
Abgeordneter Dasbach fortfahrend:
Meine Herren, in vielen Fällen, in denen man nicht den am Orte wohnenden katholischen Pfarrer zum Ortrschulinspektor über die katholischen Schulen gemacht hat, sah man sich genöthigt, entfernt wohnende Per« innen oder andersgläubige Personen mit diesem Amte zu betrauen. Bei dieser Sachlage müssen doch ganz l istige Ursache« für ein solches Verfahren vorliegen. Ich habe dm Ursachen nachzuforschen gesucht. Einer d-r betreffenden Pfarrer schreibt mir, daß er bei der Regierung nachgefrazt, aber keine Antwort erhalten hat. Merkwürdiger Weise gibt es sogar Pfarrer, die früher Lokalschulinspektoren gewesen find, aber jetzt, obgleich r izwischen gar kein Zwist vorgefallen ist, nicht mehr dieses Amt bekleiden, weil fie auf eine andere Pfarrei v ersetzt worden find, und man dem dortigen Lokalschul« Inspektor, einem Laien, nicht sein Amt hat abnehmm wollen; das sind die Pfarrer von Saarwellingen und Tawern. Wen» diese Pfarrer nun auf ihrer früheren Pfarrei Lokalschulinspektoren waren, find sie auch auf der neuen Pfarrei dazu geeignet. Wir haben sogar rinm Pfarrer, welcher nur über einen Theil der Schulen seiner Pfarrei Lokalschulinspektor ist; der Pfarrer von Wincheringen ist Lokalschulinspektor über die Schule in seiner Filiale Bilzingm; aber über die Schulen in seinem eigenen Wohnort ist nicht er, sondern der Ul/2 Kilometer entfernt wohnende Bürgermeister von Tawern der Ortrschulinspektor. Wie dar zu erklären ist, meine Herrm, dar ist mir nicht erfindlich. Er scheint, daß in den Zeiten der offenen Kulturkampfes ein sehr großes Mißtrauen gegen die katholischen Pfarrer gehegt worden ist, und daß man etwas voreilig die gegen fie vorge« brachten Anklagen für begründet gehaltm hat. Leider besteht nicht bet allen Staatsbehörden die Praxis, daß man dem Angeklagten auch die Anklageschrift vorlegt und ihm dadurch die Bertheidigung ermöglicht. Lin Herr verfichert mir, er habe im Jahre 1872 Mitglieder gewonnen für den in Mainz bestehenden Berem der Katholiken Deutschlands und sei gleich nachher als Lokalschulinspektor abgesetzt wordm: ob das der Grund war, weiß er nicht. Tin anderer Pfarrer hat sich sehr energisch gewehrt gegen die unbefugte Bertheilung der Pmsen des katholischen Katechismus, welche der Schul« rath Klein in Boppard vomehmen wollte; ob man deswegen ihn von der Lokalfchulinsprktion entfernt bat, vermuchet er; aber ganz sicher kann er es nicht wissen. Tin Pfarrer allerdings ist mir bekannt, welcher abge« lehnt hat, die Lokalschulinspektion anzunehmen; ober daS ist doch nur ein vereinzelter Fall; damit könnte man nur für gerechtfertigt erklärm, daß gerade er nicht Lokalschulinspektor geworden ist; aber ein Grund, Andere uuSzuschließen, ist dies doch nicht. Em anderer Pfarrer hat etwas gezögert, die ihm angebotene Schulinspektion anzunehmm; man hat sie darauf einem Anderen übertragen ; darüber klage ich nicht. Aber wenn solche Fälle mir vom Ministertisch enrgegengehalten würden, so wären daS doch nur vereirz lke Fälle, welche aber nicht
Mercedes de Moron.
Bon Lambert de St. Croix.
Autorisirte freie Übersetzung von Philipp Freidank. <7.
»Hier ist zunächst der Brief der Aebtiffin an den Kardinal - Erzbischof von Paris", erwiderte Dubois. -Gr lautet:
»Ew. Eminenz, Hochwürdigster Herr Erzbischof!
Gestatte mit E«. Eminenz, mich vertrauensvoll zu nahen, um mein Gewissen von einer drückenden Last zu befreien. Ich bin Superiorin des Klosters der Augustinerinnen in Xeres. Bor etwa 5 Jahren erhielt ich den Besuch eines Franzosen, des Grafen von Fer4tre. Wre er mir mittheilte, kam er direkt aus Amerika und bat mich, für einige Tage ein Depot in Verwahrung zu nehmen, bestehend aus einer bedeutenden Summe Geldes und einer Schatulle, Familienpapiere, Schmuckfachen und werthvolle Edel- steine enthaltend. Der Werth all' dieser Dinge mag sich auf etwa eine Million Franken belaufen. Ich lehnte anfänglich die Bitte ab, aber der Fremde brachte so überzeugende Gründe vor, daß ich mich endlich entschloß, daS Depot anzunehmen, um so mehr ober, als er mir erklärte, daß er im Falle meiner Ablehnung genöthigt wäre, seinen in Paris lebenden
rechtfertigen, 60 katholischen Pfarrern der Diözese Trier die Lokalschulinspeltion über die katholischen Schulen ihrer Pfarrei vorzuenthalten. Einer dieser Herren, in dessen Pfarrei 7 katholische Schulen unter einem protestantischen Lokalschulinspektor, dem Bürgermeister von Eppelborn, sich befinden, schrieb mir, er habe sich nach dem Grunde der Vorenthaltung der Inspektion erkundigt, und es sei ihm gesagt worden: „Es hängt Ihnen noch etwa- ans der Eifel an!" Der Pfarrer war früher in der Eifel angestellt. Aber war denn „hängt ihm noch an"? Eine genaue Auskunft hat er mcht bekommen; er erklärt mir, daß er nie den allergeringsten Zwist mit den Schulbehörden gehabt habe; eS ist Pfarrer Sidmann in Thalexweiler. Nachdem ihm diese Antwort gegeben war, ist allerdings ein Zwist durch den Lehrer entstanden; der Pfarrer behauptet, daß er wegen dieser Vorfälle bei dem Bischof verklagt worden sei, daß dieser aber seine Rechtfertigung als begründet erklärt habe. Dieser Vorfall kam übrigens, wie gesagt, später vor, kann also auch kein Grund gewesen sein, ihm die Lokal« schulinspektion vorzuenthalten.
Der Herr Minister hat in diesem Hohen Hause am 1. März 1894 auf unsere Klagen wegen Imparität geantwortet:
„Der Grund davon liegt nicht in einer imparitätischen Auffassung der Handlungsweise der Staatsregierung; er liegt in anderen Verhältnissen, zum großen Theil in der katholischen Bevölkerung selbst, die uns die Kräfte nicht stellt, die wir gebrauchen.
Meine Herren, betreffs der Lokalschnlinspek« tionen trifft das sicher nicht zu. Die katholischen Geistlichen haben gymnafiale und akademische Bildung; der Unterricht ist ihre Lebensaufgabe, besonders der Unterricht der Kinder in der Religion. Also sind die Pfarrer ganz besonders befähigt, über die Schule zu wachen, und gerade durch ihr inniger Ber« hältniß zu ben Familien find fie die geborenen Vermittler zwischen Schule und FanMe. Auch die FamÜie hat ein Recht über die Schule; leider kommt dasselbe nach der Auffassung mancher Staatsbeamten bedeutend zu kurz. Der Pfarrer ist der geborene Vertreter der Familie in ihrer Beaufsichtigung der Schule. Gewiß hat über die Schule die Staatsbehörde ein gewisses Aufsichtsrecht: aber das Recht der Familie darf nicht verkümmert werden.
Ich glaube, der Herr Minister würde gut thun, wenn er die hier in Frage kommenden Regierungen in Koblenz und Trier veranlassen wollte, die hier vorliegenden Fälle noch einmal zu prüfen, und von ihnen einfordern würde den Beweis dafür, daß die gegen die Pfarrer vorgebrachten Thatsachen richtig find; außerdem möge er den Pfarrern Gelegenheit geben, noch nachträglich, nachdem sie ungehört verurtheilt worden sind, sich zu vertheidigen. Die Bertheidigung ermöglicht man einem jeden Angeklagten; man muß sie auch dem katholischen Pfarrer ermöglichen, welchem man die Lokalschulinspekrion vorenthält. (Bravo! im Centrum.)
(Schluß folgt.)
Sohn zu enterben. Ich gab endlich nach und daS war mein schlimmstes Vergehen.
. Ich gab ihm eire Empfangsbescheinigung über daS Depot, welches ich in einem Geheimfache eines Schrankes in meiner Zelle verschloß; ich habe es bis zu diesem Tage gewiffenhaft aufbewahrt. Der Graf reifte ab, nachdem er mir das Versprechen abgenommen hatte, keinem Menschen etwa- von diesem Depot zu verrathen, ehe er zurückgekehrt sei. Er wollte nur kurze Zeit abwesend fein. Seit drei Jahren habe ich ihn nicht wiedergesehen. Durch mein Versprechen gebunden, habe ich das Eigenthum des Grafen wie ein Heiligthum gehütet.
Die Zeiten sind in Spanien drohend und die Gesinnung schlecht geworden; eine Revolution droht auSzubrechen. Ich weiß aus Erfahrung, wozu eine irre geleitete Bevölkerung fähig ist; mit der Plünderung der Klöster wird der Anfang gemacht. Ich halte daher die Sicherheit des Depots für gefährdet und bitte Ew. Eminenz, mir Rathschläge za geben, wie ich mich meiner schweren Verantwortung ent« ledigen kann. Ich möchte nm jeden Preis vermieden scheu, daß diese- Depot seinem Eigenthümer entfremdet werde. Ich weiß nicht, wo sich der Graf bereite aufhält, vermuthe jedoch, daß Ew. Eminenz lehr leicht da- Nothwendige erfahren können.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. April.
* Der Kaiser trifft am 13. d. M., von Abbazia ! kommend, in Wien ein, von wo er sich am nächsten Tage nach Karlsruhe begibt. Hier ist ein drei« . tägiger Aufenthalt in Aussicht genommen, worauf der Kaiser zu den Hochzeitsfestlichkeiten nach Kobnrg ! reist. In Kobnrg verbleibt der Kaiser am 19. und ; 20. d. M. und begibt sich dann nach der Wartburg.
* In der AffaireMadderadatsch'-AuSwärtiges - Amt bringt die ,Nat.-Ztg.' zwei Schreiben zum Ab- i druck, die ihr vorn Redakteur der .Kladderadatsch' > Polstorff und vom Verleger beffeiben R. Hofmann > zugegangen sinb. Danach ist bie im .Kladderadatsch'« i Briefkasten vom 1. April erwähnte angebliche Mit« ’ theilung beS Auswärtigen Amtes barauf znrückzuführen, ! daß Generalmajor v. Spitz mit Herrn Hofmann eine ! Unterredung hatte, in bereit Verlauf er diesem sagte, \ daß die unbegründeten Angriffe deS Blatte- auf die ' Beamten von Holstein und von Kiderlen • Wächter im ' Auswärtigen Amte sehr unangenehm empfunden würden. \ Die Unterredung schloß mit dem Ersuchen, die Angelegenheit doch nun im .Kladderadatsch' ruhen zu lasten. Daß eine Aeußerung: „ES seien ungehörige Dinge vorgefallen" thatsächlich m jenem Gespräch gefallen sein soll, verneint Herr Hofmann ausdrücklich. Herrn Polstorff trifft damit der nicht abzuweisende Borwurf, baß er geflunkert hat.
* Die Urtheile gegen die bei dem Spielerprozeß in Hannover beteiligten Offiziere sind nunmehr erfolgt. 15 Offiziere find nach der,Kreuzzeitung' infolge beflen verabschiedet worden.
* Sine auf die Branntweinsteuer bezügliche Vorlage, wovon in ben letzten Tagen in der Presse bie Rebe war, wird Weber vom Reichsschatzamt, noch vom preußischen Finanzministerium beabsichtigt.
* Reben dem Entwurf eines preußischen Waffer- rechts find seitens der Regierung gutachtliche Aeußer- nngen eingeforbert worden. Die vorzunehmende Prüfung soll sich sowohl auf die Grundzüge deS Gesetzentwurfs al- auf die UebergangSvorschriften erstrecken; ferner auf bie Revision bet beigegebenen Verzeichnisse ber Ströme unb Schifffahrtskanäle. Endlich sollen durch bie MeliorationSbeamten Ermittelungen darüber vorgenommen werden, welche Wasserläufe in den einzelnen Provinzen als Hochwasserflüsse bezw. Flüffe und Kanäle im Sinne deS Entwurfs anzusehen seien.
* Das Abgeordnetenhaus erledigte im gort» gange der gestrigen Sitzung noch bie Prüfung ber Wahl ber nationalliberalen Abgg. vom Rath unb OSwalt in Frankfurt a. M. Die WahlprüfungS- kommission beantragte Giltigkeitserklärung ber Wahl, von ben Abgg. Schmieder (freif.) und v. b. Acht wurde ber Antrag gestellt, bie Sache an bie Wahl- prüfungSkommissiou zurückzuverweisen. Die ganze Ber» hanblnng würbe lange Zeit nur geführt von den Mitgliedern der freisinnigen und der Centrumspartei. Der Abgeordnete Hansen (freikons.) hatte sich zwar zum Worte gemeldet, aber er verzichtete auf datselde. Erst
Ich mache deshalb Ew. Eminenz den folgenden Vorschlag:
Ich kenne einen armen, aber mir ganz ergebenen Mann, welcher bereit ist, nach Paris zu reisen, und Ihnen daS Depot zur Uebergabe an die Erben zu überbringen. Dieser Mann reist nach Paris ab, so bald er die Summe von zehntausend Frauken erhalten haben wich. Diese Summe dürfte Ihnen hoch bemessen erscheinen, aber Sie müssen bedenken, daß ich für die Ehrlichkeit derselben Bürgschaft leiste.
Anderseits ist zu überlegen, daß dar Depot ganz sicher von der Genossenschaft der „Schwarzen Hand" geplündert werden wird, wenn es im Kloster verbleibt und wäre endlich eine große Unklugheit, sich Jemanden hier oniunertränen, wo einer den ander» kennt. DaS Depot nach Paris durch die Post senden, wäre unter den jetzigen Zeitnmständen doppelt ge» gefährlich.
Ich möchte Ew. Eminenz ergeben ft bemerken, daß daS Kloster Gegenstand von allerlei Denunziationen ist nnd scharf bewacht wird. Ew. Eminenz wollen daher die Güte haben, einen Check über zehntausend Franken, zahlbar beim Bankhause Samuel Ortega in 3Eere8 an Frau Maria Ordenez, meine Milchschwester. Straße Prieta Nr. 12, abzusenden; dieselbe ist die Frau der zuverlässigen Boten, den ich Ew.