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21. Jahrgang

Sonntag, den 25. März 1894.

JV 68

Zeitung

an«

W * A«r Posen wird aemeldet: Eine wichtige Ver­fügung hat der hiesige Regierungs-Präsident erlast«. Danach dürfen am erst« Oster-, Pfingst- und Weih- nachtSfeiertage während zweier Stunde« Kolmiial- waaren-, Blumen- und Cigarrengefchäste geöffnet imd während dieser Zeit Lehrlinge, Gehilfen und Arbeiter beschäftigt sei»; Back-, Fleisch- und Borkostwaarm dürfen während des ganzen Bormittags mit Ausnahme der für den Hauptgottesdienst bestimmten Stunden ver­kauft werden. Wie verlautet, werde« auch für andere Regierungsbezirke ähnliche Bestimmunge« erlassen werde«.

* A« die Stelle des i« den Ruhestand tretenden Regierungs-Präsidenten in Minden, des Wirkt. Geh. Ober-RegiermrgSrathS von Pilgrim, tritt der Ober- Präsident v. Aernstedt in Magdeburg, der bereits zu» Regierungs-Präsidenten ernauvt fei« soll.

Ausland.

Erscheint Sonn« und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltig« ZeSe oder deren Raum 15 A., btt Mederholungen entsprechend« Sabatt SierteljähÄichrrAbonnementSpreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage »Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

* Pari», 21. März. Die Presse bespricht m langen Arttkeln den vom französsischm Administrator der ägypttschen Eisevbahnm dem Institut ix Kairo vorgelegten Plan über die Schaffung eines Hafens in Kairo. Mehrere Blätter sind der Meinung, daß durch die Gründung dieses Hafens der englifch-ftanzö- fische Konflikt bedeutend verschärft werden würde.

* Grenoble, 22. März. Vorgestern explodirte im Eingang der Kirche deS Dorfes Jallien während des Gottesdienstes eine Bombe. Die Anwesend« drängt« erschreckt nach ben AuSgängm, wobei 20 Personen verletzt wurden, darunter drei schwer.

• Turin, 22. März. Die Ueberführung der Leich« Kossuth'S findet vorauSfichtltch nicht vor Montag oder Dienstag statt, da ungarische Abordnung« erwartet werden. Ein Sohn Kossuth'S reist nach Semra, um die Ausgrabung seiner Matter und Schwestern z« er­langen, der« Leichen gemeinsam mit Kosiuch nach Un­garn überführt werden soll«. General Tuerr ist gekommen.

* Palermo, 21. März. Der Belagerungszustand ist noch nicht aufgehoben. Die «arnison der Stadt ist bedeutend verstärkt wordm. Die Kriegsgerichte setz« ihre Arbett« fort. An 500 Person« find bereit» verurtheilt Word«.

* Sofia, 21. März. Fürst Ferdinand von Bul- garim, die Fürstin Louise und Prinz Boris werd« sich mittelst Separatzuges auf längere Zeit in da» Ausland, zunächst nach Wi« begeb«, worauf die Fürstin zur Herstellung ihrer Gesundheit ein südliche» Klima aufsuchen wird. Währmd der Abwefmheit de» Fürsten wird Stambulow als Statthalter fungirm.

* Madrid, 22. März. Bei dm Arbeit« in San­tander am Wrack des Schiffes „Machichaco" fand ei« Explosion statt. Die telegraphische Berbinduug mit Santander ist unterbrochen. 10 Person« wurde» aetödtet und 27 verwundet, ferner werden mehrere Person« vermißt. Ja der Stadt Santander herrscht große Panik. Die Explosion erfolgte um 9 Uhr Abend» tu dem Augenblick, als der Gouverneur die techuische Kommission verließ. Die Arbeit« wurdm bei elek­trischem Licht auSgeführt. Die Bevölkerung von San­tander durchläuft die Straß« und klagt die Behördm wegen Mangels an Borsicht an. Die bmachbattm Städte ward« um Trupp« zur Verstärkung der Polizei ersucht. Pattouill« durchzieh« die Straß«. — DaS Schiff „Machichaco" ist bekanntlich am 3. November iu die Lust geflogen; ein Theil des Schiffe» ist versunkm. Bei dm «rbetten zur Beseitigung de» Wrack» hat sich herauSgestellt, daß noch eine Mmge Dynamit sich darin befinde. Die Regierung hatte, wie bereit» gestern erwähnt wurde, auf Gmnd eine» SutachtmS von Sachverständigm Maßregeln getroffm, um eine möglichst gefahrlose Explosion z« veranlasse». Rach jmm Depesche» ist die Explosion nicht die beab­sichtigte gewesm. Ob Unvorsichttgkeit oder em unglück­licher Zufall vorliegt, dürste mau wohl bald erfahr«.

* London, 22. März. DaS Schreib« Gladstone» an die Wähler von Midlothiau besagt, er wolle sei» Mandat behalt«; aber seine Anwesmhett m der Sam­mer hänge von seiner Gesundhett ab. Er glaubt, der Konflikt der beidm Sammern werde demnächst eine Berufung an da- Land nöthig mach«. Die größt« Resultate für daS Reich würd« erzielt werd«, wen» Irland Serechttgkeit erhalt« habe.

* Aus Brasilien wird zwar gemeldet, die Revo­lution fei bemdet und die Aufständischm völlig nieder- geworf«. Diese Nachricht dürfte doch mit großer Vorsicht aufzunehmen sein. Admiral de Mello hatte

❖ Ostern 1894.

In diesem Jahre fällt das hl. Osterfest in dieselben Tage wie zur Zeit, da sich in Jerusalem die gewaltig« Ereigniffe vollzog«, welche die Grundlage unseres hohen Festes, der Auferstehung, bild«. Am 25. März nach unserer Zeitrechnung, da war vor 1894 Jahren Jeru­salem gefüllt mit dm Schaar« der Judm, die auS all« Theil« der bekannt« Welt herübergekommen warm, um ihr Oste« zu feie«. Niemand ahnte von ihn«, als sie hinanfzog« gm Zion, daß fie Zeug« fei» sollt« von dem bitter« Leid« und Sterb« ihres Mesfia», daß sie selbst die Wahl treff« würden zwischm ihrem durch die Prophet« und die Schrift« cmgekün- tagten Erlöser und einem gemein« Verbrecher. Ihr „Hosianna!" und ihr „Kreuzige ihn!" sicht mit Flam- mmschrist in der Geschichte verzeichnet, als treffmdster Beweis für die Berblmdung und Kurzsichtigkeit mensch­lich« Geistes.

Am Abend des 25. März war eS, da lagert« Taufmde und Sbertanseude um die Fried«Sf«er und das Blut der Osterlämmer floß in Sttömea. Am selb« Abmd da wankte der Berrächer in der Rotte durch die dunklen Straß« der Stadt hinaus über dm Bach Kwrou zum Oelgart«. Und dort auf dem ein­sam« Berge, femab von dem Jubel des Osterfestes, klang de» Heilandes Stimme in die Nacht. Leise llagmd, Ausdruck des uuendlichen göttlichen Schmerzes über die Blindheit der Mmsch« „Mit einem Kusse verräthst Du dm Mmschmsohn?" — Und wie viele verrach« noch heute dm Menschensohn? Wie viele find er auch heute, die um der Silberlinge willen nicht in bekennen wag«: Du bist wahrhaft JefuSChristus, der Sohn des lebendig« GotteS!

Die Osterlämmer Mutet«, und zurück durch all' dm Jubel der „Versöhnung" führt« die kaltherzigen Gcherg« d« verrathmen Menfchmsohn, daS edelste Opferlamm, zu feinem götttich« EclösungSwerke; sie, die Kinder Israels, das auSerwählte Bolk, feierten einBerföh- nungS-Fest, und er, der Sohn GotteS, war anf dem Wege, em BerföhvungSwerk zu vollbringen, die Menschheit zu retten, der« ganzes Elmd sein gött­licher Herz erfüllte, mit einem Schmerze erfüllte, dem kein anderer auf Erden gleichen kann.

Der Schreck« auf Golgatha zog vorüber, die Finster- »iß, welche der Sonne strahlend Licht verdeckte, damit sie sicht dm Frevel der Mmsch« schaue, schwand hin­weg, und golden leuchtete der herrliche Ostermorgen der erlösten Menschheit entgegm, die ihr« Heiland noch nicht erkannte. „Alleluja!" jauchzte der Engel am leer« Grabe, und „Alleluja!" jauchz« heute Mil- lioum auf der ganz« weit« Welt. Damals waren er nur feine Getreum und heute ist er die ganze Mmfchheit, die ihr Alleluja hinaufsmdet in die FrühlmgSlust. — Sind nun hmte die Pharisäer, Soülduzäer u. s. w. verschwunden, ist die wankelmüthige Menge beständig gewordm? Eine trübe Frage, die in dm Osterjubel hinein nicht piff« will: Der ge­zähmte Löwe, der wieder in feine Wildheit verfällt, ist wilder, blutdürstiger dmn zuvor. So ergeht er dem Menscher», der, vorn ewigen Fluche erlöst, die Gnade wieder von sich stößt. Unsere Zett ist „reich" au solch« Mmsch«, reich au Unglauben und GotteSfeiudm. Auch 1894 zeigt uns in unserem Baterlande keine Auferstehung auS beit Bmb« bet Borurtheile gegen unferm Glau- bm, trotzdem die Katholiken mit redlichem Willm die Gebote uud Lehren ihres Heilandes zum Wohle deS Rächst« und deS gefammtm Vaterlandes zu erfüll« fuchm. Such iv diesem Jahre ist die Frage der sozial« Notstände noch nicht gelöst und die wirthschaft- liche Rothlage zeigt uns noch keine Neigung zum Auf­schwung. WenigstmS aber einen Trost haben wtt, daß der F r i e d e u, so wett mmfchliche Berechnung zu urtheilm vermag, sobald nicht gestört wird. DaS ist ein großer Trost. So wollm wir denn hmte amOstertage unsere Herz« sich aufschwingen laff« wie die Lerche. Wie sie, wollen wir dem Besieger deS TodeS unser ftmdigeS „Alleluja!" darbriug« und auf ihu die Hoffnung der Zukunft fetz«.

Die Osterglocken lliugm ihr süßes „Auferstanden!" und der Kivdhett selige Zett, der unschuchvolle Glaub«, er zieht beseligmd in unser Herz und füllt eS mit reiner

Frmde. Auch dem Menschwkinde, dessen Herz am Ostermorgen herbes Weh durchzieht, ihm rufen die thmrm Klänge zu: Wach' auf aus Deinem Schmerze, verzage nicht; war aufersteh« will, muß erst dm Kelch deS Leidens leer«. Verzage nicht! Nach bitterem Leid undGrabeSweh folgt Auferstehen, folgt auch Dein Oster- tag. Damm darfst auch Du dem Auferstandm« Dein Alleluja sing«, darfst auch Du frohgemuth und hoff- nuugSfteudig dem Glockenklange und Lerchmfchlage lausch«. Und wenn Du hinauSwandelst in Feld und Wald, dann sieh Dir nur die Natur an; auch sie Melt ein stummer, aber nicht minder beredtes „Alle­luja!" in taufenden frifchm, grünen Spitzchen, Hälmchen und Blättch«: nach langer WirtterSnacht Zeichen des AuferstehmS, des Wiedererw ichenS. Und wenn Du dann am Baum oder Strauch noch dürre Blätter häng« siehst, die nicht mehr paff« wallen zu dem jung« Grün, dann laß die Hoffnung auch in Dein Herz einziehen; unter dem dürren Blatte Deines Schmerzes keimt schon das frische Oftergrün, das Zeichm der Auferstehung. Alleluja!

Alleluja auch dm Mmsch«, dmm das Licht der Auferstehungsmorgens nicht mS Herz dringm kann, auf daß der gute Wille in hne» Einkehr hält, und daS tobte Samenkorn, dar in ihrem Innern schlummert, zu fröhlichem Leben erwache. Alleluja! Niemals seit dem ersten Ostertage war bet Menschheit ein Erwach«, ein Auferstehen nothwmdiger, als hmte. Daß biefe Erkmntniß sich schon vielfach Bahn gebrochen hat, baS macht uns bie Osterglocken diesmal doppelt früh« lich tön«, und weckt in «nS die Hoffnung, baß doch noch bet Ostermorgen erscheinen wird, an welchem die Mehrzahl der Menschheit bie Auferstehung feiert, bie allein ber Völker jetziges und zukünftiges Glück be­brütet. Möge biefer Tag nicht allzufeme fein!

„SS frme sich, wer im Lichte lebt!" Auch wir wollen uns ftmm ber göM chm Gnade, die uns deS Glaubens köstlich Gut iu die iL «fl legte, des Glaubens, ber uns nicht Tod und GradeSnacht zu fchmm lehrt. Er, ber Grab mtb Tob besiegte, ber göttliche Menschen- fteund, er hat ben«, bie an ihn glaube», b« einstigen herrlichst« Ostermorgen errungen, b«n er selbst ist bie Auferstehung unb das Leben.

Fr«bige« Hetzen- und voll Zuversicht wollm wtt deshalb hmte mit einstimmm in dm Osterjubel und mitsing« und sagen allezeit:

Alleluja! Alleluja!

Deutsches Keich.

Berlin, 22. März

* Der württembergische Gesandte in Berlin, v. Moser, ist auf sein Ansuchen unter Vorbehalt späterer Wiederverwendung in dm bleibmdm Ruhrstand ver­setzt Word« und hat gleichzeitig daS Großkreuz des Friedrichordms erhalte».

♦ Auf Befehl deS Kaisers soll da« Seefoldatm- Detachement, bestehend auS 4 Offizier«, 1 Oberarzt, 1 Zahlmristerafpirautm und 120 Mann, welches am 28. Janvar in Karner«» gelandet war, zurückgezogm werd«. Das Detachemmt wird mittels Privatdampfer der Heimath zugeführt werden.

* Ein deutscher Innung»- und allgemeiner Handwetckertag findet am 9. und 10. April in Berlin statt, um zu dm Borschlägm deS preußisch« Handels- Ministers bett, die Organisation der Handwerks (Hand- werker-Kammern) Stellung zu nehmen. Dm Beratungen werd« die Gegenvorschläge zu Grunde gelegt, welche in einer Mitte Februar unter Hinzuziehung von Reichs­tags- und LandtagSabgeordnetm stattzefuvdmm Kon­ferenz festgestellt worden sind.

* Der Bundesrath hat befchloffm, daß dem Artikel Petroleum im amtlichm Waarmverzrichniß zum Zoll­tarif folgmde Bestimmung hinzugefügt wird: „Petro- lmm und andere zu BeleuchtungSzweckm geeignete raffinirte Mineralöle der Pof. 29 a können beim Ein­gang aus meistbegünstigt« Ländern auf Antrag auch nach dem Raumgehatt verzollt werdm, wobei 125 1 bei einer Temperatur von (4) 15® C. gleich 100 kg netto zu rechnen find. Dem ermttteltm Nettogewicht find zum Zweck der Zollbetechmmg 25 pCt. Tara zu­zuschlagen."

• Der frühere verantwortliche Redattmr deS »Sozialist', Schloffrr Röder, wurde heute weg« Auf­reizung zum Klaffmhaß zu 9 Monaten 14 Tag« @e» fänguiß verurtheilt. Der Mttangeklagte Buchdruckerei- befitzer Werner, Führer der „Unabhängigen", ist flüchtig.