Einzelbild herunterladen
 

21. Jahrgang

Freitag, den 23. März 1894.

MaerWAeitüNg

gastlichen Verkehr. Wenn die Menschen besser werden, t», S-it-n besser, und den Weg zur Besserung

R. Atzert.

d.»"Z" ta “Äw »b M

. . — • rvn___ *1 uam 5»ah

Das Todesurtheil Jesu Christi.

Ein brasilianisches Blatt, der,Diario de Pernambuco', bringt ein merkwürdiges Schriftstück wieder an's Tageslicht, so merk­würdig, daß es aller Wahrscheinlichkeit nach apokryph ist und im Laufe der 1860 Jahre, die seit dem denkwürdigen Ereignisse, worauf es sich bezieht, verflossen sind, erfunden wurde. Aber selbst in dieser Voraussetzung bleibt das Todesurtheil Christi, denn um nichts Geringeres handelt es sich, ein interessantes und beachtenswerthes Schriftstück.

Im Kreuze Heil.

Wo anders als im Kreuze Ruht unser aller Heil, Im Kreuzesglauben wird's schon Hienieden uns zu Theil.

Wie ist's ein trostlos Wandern, Wenn nicht sein Helles Licht Strahlend wie Maiensonne Die Finsterniß durchbricht.

Wohl nehmen dunkle Wolken Durch's Menschenherz den Lauf, Und grelles Wetterleuchten Stört's aus dem Frieden auf. Doch oft spricht aus Gewittern Des Himmels gnäd'ge Hand, Gar Mancher erst nach Stürmen Im Kreuz den Frieden fand.

Laßt's gläubig uns umfassen. Dann bringt es hier schon Heil, Und ew'ger Osterjubel Wird uns dann einst zu Theil.

_.„n„ ____ mehr gesegnet, wenn

dsi christliche Ube sie tiefer und weiter durchdringe.

, Wegen des hl. Charfreitags er-

scheint das nächste Blatt erst am Samstag. ___

f Der Gag der Diebe.

zeigt uns der hl. Johannes in seinem Wchrspruch Liebet euch untereinander!

Also hat Sott die Welt gelebt, die ihn so schwer beleidigt hatte! Sollen wir nicht der Mitwelt nut Herz und Hand auch etwas Liebe reichen, um Meder zu finden, was uns für hier und dort unerläßlich ist. Liebe und Gnade.__

Nachdruck, daß die Mitmenschen uns Rücksicht, Schonung, Hilfe, Verzeihung und überhaupt Liebe in lebet Form gewähren. Aber wenn wir anderen geben sollen, was wir von ihnen in Anspruch nehmen, dann Mrd die Brüderlichkeit von der Selbstsucht bei Seite geschoben.

Und doch ist es nur wenig, was die Liebe an Opfern von uns verlangt. Ts find gleichsam nur die Brosamen von unser« Tisch, die wir den bedürftigen Nächsten geben sollen. Uns Durchschnitts - Menschen wird nicht zngcmuthet, daß wir mit Todesverachtung uns aufreiben in der Pfl ge eines Mitmenschen, der von einer ansteckenden Krankheit befallen »st; dazu hat der liebe Gott besondere Engel der Barmherzigkeit erweckt. Wir fühlen ja schon Versuchung zum Hoch- muth, wenn wir ein Stückchen von unserem Uebeifitrß opfern, um diese Veranstaltungen der Barmherzigkeit materiell zu stützen. Es fordert Niemand, daß wir theilen mit den Bedürftigen, wie es die ersten Christen in ihrem Eifer gethan, oder daß wrr wie die Heiligen uns selbst zu Bettlern machen, um den Armen zu helf-n. Wir sollen nur nach unseren Mitteln, soweit eS ohne Schaden für unsere und der Unsngen be­rechtigte Interessen geschehen kann, der Roth besiprrngen. Allerdings nicht blos mit kalter Gabe, sondern mst der Theilnahme und Geschicklichkeit m Wort und That. welche aus der wahren christlichen, brüderlichen L.ebe

Deutsches Reich.

Berlin, 21. März.

♦ Der Kaiser ist heute Nachmittag in Abbazia eingetroffen, woselbst große Vorbereitungen zu seinem Empfange getroffen waren.

* Der Geh. Leg.-Rath Herr v. Kiderle», der, wie noch dieser Tage offiziös mitgetheilt wurde, S. M. den Kaiser nach Abbazm begleiten sollte, befindet sich nicht im Gefolge des Monarchen, sondern ist m Berlin zurückgeblieben. Es liegt nahe, dies in Zusammenhang mit den bekannten »Kladderadatsch «Angriff« zu bringen. An Stelle des Herrn v. K-derlen begleitete der Gesandte Graf Eulenburg den Kaffer. Es steht fitzt ffft, daß Graf Eulmburg an Stelle des Prinzen Reuß den deutschen Botschafterposten m Wien em» nehmen wird und daß der G^andte bet ,^u Hansa« städten Frhr. von Thielmann Gesandter m München tolt* Im preußischen Landtage, der am 16. Jan. zusammentrat, bildete im ersten Abschnitt der Session die EtatSberathung an Umfang und Bedeutung den Hauptpunkt der Thätigkeit, obwohl eS trotziem nicht gelungen ist, die Etatsberathung zum Abschluß zu bringen, sodaß nach dem 1. April zunächstemebud« getlose Verwaltung eintreten muß. Vom konstitutio­nellen Standpunkte aus ist das sehr zu bedauern, denn eine Verletzung der Gesetze sollte am wenigsten von den gesetzgebenden Körperschaften auSgehen oder nur gedultet werden. Jedenfalls hätte man um die ge- schliche Vorschrift zu wahren, em Roth - EtatSgesetz machen sollen, was kurzer Hand hätte geschehen können, während sitzt mit dem 1. Bp-il ein verfassungswidriger Hustand eintritt. Man möchte gern dem Centrum die Schuld zuschieben, daß es durch die Debatten zum Kultusetat, die doch nur 10 Tage dauerten, die Ber- Handlungen ungebührlich hingezogen habe. Aoer haben die Debatten über die Handelsverträge, über bie Wah- rungSfrage usw. nicht ebenso eine lange Ze ft tn An­spruch genommen? Im Uebrigen ist, abgesehen von einigen untergeordneten Dingen, die EffenbahrVorlage und der Entwurf über die Ruhegehälter der Lehrer und Lchrennnen an nichtstaatlichen mittleren Schmer, genehmigt worden. Die Vorlagen über die Landwirth- schaftskammern und über die Cali-Bergwerke sind aus den Kommissionen noch nicht wieder an das Plenum gekommen. Deren Erledigung wird hauptsächlich den zweiten Abschnitt der Landtagssession ausfüllen.

* Die Kommission für die zweite Lesung des Ent-

«Renae mit Palmen und im Triumphe seinen Einzug m der Stadt und im Tempel Gottes zu halten, dafür am Kreuze büßen soll.

Ich befehle darum meinem Centurio Quintus Kornelms, daß er den JesuS Christus, gebunden und gegeißelt mit Purpur bekleidet und mit Dornen'gekrönt, sein Kreuz auf den Schultern tragend mit zwei Raubmördern öffentlich durch die Stadt Je­rusalem' sühre, damit er den Missethätern als Beispiel diene. Und alle werden durch das Thor, welches heute Antoma genannt wird, hinausgehen und sich bis zu dem Berge, genannt Calva- rius, begeben, wo sein Körper, nachdem er gekreuzlgt worden, als Schauspiel der den Verbrechern bevorstehenden Strafe aus­gestellt bleiben wird» Am Kreuze wird folgende Inschrift in den drei Sprachen Hebräisch. Griechisch und Lateimsch angebracht werden; in Hebräisch: Aloi olisidin, m Griechisch: Jeeos Naza- renos, in Lateinisch: Jesus Nazarenus, Rex sudasorum Des­gleichen besehlen wir, daß Niemand, welchem stände er auch anqehören möge, es wagen soll, die von uns m ihrer ganzen Strenge gehandhabte Gerechtigkeit zu beeinträchtigen, unter An­drohung der den Empörern gegen das Reich vorbehaltenenStrafen. Dieses Urtheil haben bestätigt: Für die 12Sl?”?Te Israels Raban, Daniel, Segundus, Johannes, Bencias, B^bas Jsabel, Presidan Für den Hohenpriester: Ranban, Judas, Boncasalon. czör die Pharisäer: Rollan, Simon, Daniel, Braban, MordaglN, Boncertassilio. Für das Reich und den Präsidenten von Rom: Lucius Sextilius und Amostrus SiliuS. Für die Heiden: Rostan

hei vorgeht.

Schwerere Opfer verlangt oft die elterliche Liebe von uns. Aber ihre Leistung toittt uns auch wffentlich erleichtert durch die Krvft des ratürltchen Triebes und die besondere Hilfe von Oben. Und ehe wir uns dessen rühmen, was wir für unsere Kinder und für unsere L:ber.sgefährtcn thun wollen, wollen wir unS auch bewußt werden, welch' eine Quelle des reinsten Glückes uns in dem Familienlieber- beschieden wird. Der Lohn für diese Liebe wird ost fchon voraus, fast immer wenigstens gleichzeitig reichlich gezahlt.

, Er ist wirklich dem menschlichen Kräftrmaß äuge- | paßt, was die Pflicht, der Li-be von uns verlangt, und wenn wir mit frischer, ^oher Seele die kleinen Ovfer leisten, so thun wir unS selbst erst recht etwas ' Liebe. Denn nichts beglückt so sehr, wie einen

Andern beglücken.

Das Kreuz ist daS Symbol beS Glaubens; ans

U"b DasArchiv vonSimancas bei Valladolid wo dieses P-rga- ment ausbewahrt sein soll, war lange Zeit hindurch für die Nach­forschungen der Gelehrten vollständig unzugänglich. Es ist dieses z von Karl V. gegründete Depot von Staatspapieren emes der

l miebtialten von ganz Europa und enthält mehrere Millwnen

' weUhvollster Dokumente. Erst seit dem Jahre 1844 gestattete

man einigen bevorzugten Gelehrten, im Archive von StmancoS

Nachforschungen anzustellen und bald nachher ^deck^ Don Jose

Es ist übrigens nicht das erste Mal, daß dieses Dokument ; fln’a Liebt gezogen wird. Schon im Jahre 1853 wurde es von ' einer spanischen Zeitung veröffentlicht, und zwar als em von Don ? Jose Ferrer de Conto gemachter Auszug aus dem berühmten 6 Archive von Simancas in Spanien. Sem Wortlaut ist folgender: i General - Archiv von Simancas. Staatsangelegenheiten, i Mtenbündel 847. Rom Nr. 1. Abschrift des von Pilatus gegen ! Christus, unferen Heiland, gefällten Urtherlsspruches, entdeckt,m ' Jahre 1580 m der Stadt Aquileja in den Abruzzen m den Rumen i eines Tempels. Es war in einem eisernen Cylmder emgeschloffen, '■ in hebräischen Buchstaben auf Pergament geschrieben und wurde - also übersetzt- Im Jahre XII der Regierung des Tiberius Casar, ' römischen Kaisers und unbesiegten Herrschers des Weltalls in , der Olympiade CXXI, im Jahre vier mal MCXLVII sett Er- ! schaffun q der Welt, nach Rechnung der Hebräer, im Jahre LXXIII des römischen Reiches und DCXVII der Rückkehr aus der baby­lonischen Gefangenschaft, als der Pontifex Maximus Luclus Pchnus und Macius Sanucus, Prokonsuln des unbesiegbaren Balerms Paleftinus Gouverneurs von Judäa, Konsuln waren, und Flavms Ouartus, Präsident, Gratissirnus, Regent und Gouverneur der Stadt Jerusalem war, als Pontius Pilatus Gouverneur von Unter-Galiläa, Anas und Kaiphas Patriarch und Hohepriester, Ales Maclos Tempelwächter und Quintus Kornelius SublimuS und Sextus Pompilius Rufus Centurionen der römischen Konsuln waren, am XXV. März: .

Ich Pontius Pilatus, Vertreter des römischen Reiches tn diesem Palaste vonLarchi, unserer Residenz, richte und verurtheile ’ zur Todesstrafe Jesus, genannt Christus Nazarenus aus dem Lande Galiläa, Mann deS mosaischen Gesetzes und Aufwiegler gegen den großen Kaiser Tiberius Cäsar, und beschließe aus nachfolgend angeführten Gründen daß er als schuldig erkannt, zahlreiche Reiche und Arme um sich geschaart und unablässig in ganz Galiläa Unruhen gestiftet, sich den Sohn Gottes und König von Israel genannt, Jerusalem und das heilige Reich mit Ver- mdituna beurobt. Dem *,*.**•<• •».».«ny. —

I untersangen zu haben, gleich einem Fürsten, gefolgt von der stu .

i.........

Oft erbebt sich tie Klage: tu Herzen werden kälter, die Selbstsucht wächst, die Liebe schwindet. Der Kampf um'S Dasein" wird „wissenschaftlich nach ollen Regeln der Raubthiermoral behandelt, um die Entwickelung als eine „Auslese" der kräftigsten Indi­viduen erscheinen zu lasten, d. h. die Großen, Starken und Gefühllosen zum rücksichtslosen Ausbeuten und Vernichten der Kleinen, Schwachen und Zarten aufzu- muntern. Wenn das „Kultur" sein soll, so »st aller« dingS das Christenthu« kulturfeindlich, denn es lehrt nicht bloß Gerechtigkeit, sondern Siebe, nicht bloß Schonung, sondern aufopfernde Hilfe. Ja, der Kampf um's Dasein zeitigt viele giftige Früchte, welche die moderne „Forschung" als die regelrechten Samentrager hinstellen möchte; aber zum Heil der MensMert spricht dar Herz auch noch mit im Treiben der Welt. DaS edle Gefühl berichtigt den Verstand, der sich von der kalten Selbstsucht zu irrigen Trugschlüssen verleiten läßt, und er hält die Hand auf. die zu erner harten That der „Auslese" ausholt. Ob man eS Gefühl, Gewissen, Gemüth oder Liebe nennt, eS ist 'mWeseut- liehen dasselbe: der Rest von dem göttlichen Atbem, den unser Stammvater bei seiner Schöpfung empfing, erhalten und ergänzt durch den himmlischen Hauch, den der Erlöser in die Welt gebracht. DaS Chtistenthum gab der Menschheit die warme Seele wieder, eS rettete der Welt die Liebe. B ™

«lso hat Gott die Welt geliebt. Das »st die hehre Devise deS heutigen Gedenktages. Die un- aläubige Zweffelsucht will W große Gehemmiß des LiebeSopferS von Golgatha nicht begreifen; aber das edle Herz faßt das Wunder übermenschlicher Güte »m scheuen Mitgefühl und Drang «ach Nachahmung. Unsere schwachen Kräfte reichen nicht aus, das . Vor­bild zu erreichen; doch von Niemanden w»rd mehr gefordert, als er bei ernstem Willen zu leisten vermag.

Daß jeder Mensch der Bruder des anderen »st, ergab sich schon aus der Schöpfung. In der Erlösung

l0Dl9B^ lYfam“ 6 ®»n«$ toi?" haben daS Wort oft ! Die Vorbedingung dazu ist aver die Durchdringung

8'”* S mü 8-»-» b'H». Md