Einzelbild herunterladen
 

ulhtr

eitilng

‘^W-A

■ '

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeile oder deren Raum 16 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung' für das am 1. April beginnende

2. Gnartal 1894 wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verschieben, damit uns dieselben rechtzeitig über­mittelt werden können und prompte Zusendung ermög­licht wird.

Der Post - Abonnementspreis auf die »Fuldaer Zeitung' mit der illustrirten Sonntagsbeilage —- Sterne und Slumen beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Be­stellgeld.

Sb Neu zugehende Abonnenten erhalten die Zeitung nebst der Sonntagsbeilage gegen Einsen­dung der Post-Quittung bis Ende März gratis.

Probenummern unseres Blattes werden auf Wunsch jederzeit frei versendet.

* Ueber die gegenwärtige Reichstagssession schreibt eine von größeren Zeitungen benutzte Centrums- Korrespondenz:

Der Caprivische Theil der Reichstagssession ist nun vorüber; nach Ostern beginnt der Miquelsche.

Der Reichskanzler ist glatter durchgekommen, als selbst seine besten Freunde erwartet haben können. Die kleinen Handelsverträge waren nur nach schweren parlamentarischen Kämpfen durchzus tzen und fanden eine so bedenklich geringe Mehrheit, daß die Vorlegung der russischen Vertrags fast wie eine Herausforderung des Schicksals erschien. Die Opposition gegen diesen Vertrag wurde mit aller nur denkbaren Rücksichtslosig­keit von den Konservativen und dem „Bunde der Landwirthe" betrieben. Dazu kamen die Schwierig­keiten, die der BertragSpolitik im preußischen Mini­sterium unter Miquels Führung bereitet wurden. Noch unmittelbar vor der Entscheidung wußte Niemand mit Sicherheit zu sagen, ob daS Damoklesschwert der Auflösung, welches seit Wochen über dem Reichstage schwebte, nicht doch noch niedersausen werde. Die ruhige Prüfung aller Umstände, sowohl der wirthschaftlichen und politischen Folgen der Annahme, wie der sehr bedenklichen W rkungen der Verwerfung nach den ver­schiedensten Richtungen hin, hatte aber nach und nach manchen ursprünglichen Gegner des Vertrags umge­stimmt, so daß die Annahme mit der unerwartet großen Mehrheit von 54 Stimmen erfolgte. Die Schlußabstrmmung war so sicher für den Vertrag, daß Niemand mehr das Verlangen nach Namensaufruf äußerte. Die Maßlosigkeit in der Agitation und die Haltung des preußischen Finanzministers haben schließ­lich wohl auch die Zahl der Freunde deS Vertrags eher vermehrt als vermindert. Zubtzt kam das Ganze mehr auf eine Kraftprobe zwischen den Caprivi- Feinden und den verschiedenartigen Gegurr» dieser Bewegung, als auf eine Entscheidung der wirthschaft­lichen Frage hinaus. Darf man doch gewiß fein, daß die Konservativen selbst den Fall des Vertrages zum größten Theil nicht ernstlich wünschten. Für die Landwirthe, die den tönenden Worten der Herren von Plötz und Genossen bedeutenden sachlichen Werth beigemessen haben, wird es wohl von beruhigender Wirkung sein, daß Freiherr v. Schorlemer-Alst sich im wesentlichen im Sinne der Freunde des Ver­trages, wenigstens so weitste demCentrum angehören, ausgesprochen hat.

Der Reichskanzler wird freilich noch nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen können. Im Gegenthril hat der Bund der Landwirthe erst recht den Krieg bis aufs Messer angekündigt und dabei ausdrücklich seinen Kollegen im preußischen Staatsministerium zu ihrem Führer und Haupt ausgerufen. Man begreift nicht, wie die K o n s e r v a t i v e n den Todtengräber des christ­lichen Volksschulgesetzes zu ihrem Heerführer machen können. Fürchten fie denn nicht, daß der vielgewandte Herr Miquel sie nur als Sprungbrett benützen könnte, weil er der Ansicht ist, daß bei uns auf die Dauer nicht gegen die Herren des Ostens regiert wird? Vor­läufig wird freilich Herr Miquel mit anderen Sorgen zu kämpfen haben als mit den Sorgen um seine Be- sörderung. Nach Ostern kommen im Reichstage seine

Steuervorlagen zur Berathung. Ec wird nicht das Glück haben, wie der Reichskanzler mit seinen Verträgen. Die verlangte „Antwort" wird man ihm ja geben, aber sie wird sehr knapp ausfallen. Man wird die Börsen- und Lotteriesteuer annehmen, im übrigen aber wohl ein rundes Nein für ihn haben. Nachdem der Reichstag an dem Etat stark gestrichen und gleichzeitig die Einnahmen um mehr als 11 Millionen aus guten Gründen höher angefetzt hat, als im Etatsentwurf geschehen, wird kein Bedürsaiß vorliegen, über die Börsen - und Lotteriesteuer hinaus noch etwas zu bewilligen. Damit erübrigen sich wohl auch die Kunst- und Schaumweinsteuer und die Er­höhung des Zolls auf ausländifche Cigarren, die man Herrn M qael noch in Aussicht gestellt hatte. Der gewandte Finanzminister wird umsonst reden; man wird rhm keine Steuern auf Borrath be­willigen und seine „Reichtfiaanzreform" ad acta legen. Er hat ja versichert, diese werde immer wieder­kehren; aber wenn sich nach einjähriger Erfahrung herausstellt, daß mit den bereits bewilligten Steuern ziemlich auSzukommen ist, so wird er erst recht kein Gehör fiaden im nächsten Jahre, vorausgesetzt, daß er dann überhaupt noch in der Lage ist, vom Bundes- ralhsstische aus zu sprechen, und nicht als der Unter­legene auS dem Kampfe mit dem Reichskanzler hervor- gegangen ist.

Deutsches Neich.

Berlin, 20. März.

* Der deutsch russische Handelsvertrag ist mit dem heutigen Tage in Kraft getreten. Die Aus­wechselung der Ratifikationen hat heute früh nach 8 Uhr im Auswärtigen Amte durch den Staatssekretär Freiherrn v. Marschall und den kaiserlich russischen Botschafter bei dem hiesigen Hofe Grafen Schuwalow stattgefunden.

* Der .Reichsanzeiger' veröfsintlicht die in Folge deS Abschlusses des russischen Handelsvertrags erfolgten Ordensverleihuuge». Bon deutschen Be­amten empfingen Staatssekretär Frhr. v. Marschall daS Großkreuz des Rothen Adlerordens, der preußische Ge­sandte in Hamburg Frhr. v. Thielmann den Kronen­orden 2. Klosse mit dem Stern, der Kaiser!. General­konsul in Antwerpen Frhr. v. Lamezan den Rothen Aölerorden 3. Klasse mit der Schleife und Geh. Reg.- Rath Heele, vortragender Rath im Reichsschatzamt, den Kronenorden 3. Klosse. Bon russischen Beamten erhielten Finanzminister W ite das Gcoßkreuz des Rothen Adler- ordenS, Wirkl. StaatLrath Timiriasiff den Kronen­orden 1. Klasse, Wirkt. Staatsrath von Koumanina bei der russischen Botschaft in Berlin den Kronenorden 2. Klasse mit dem Stern, BotschaftS-Rath v. Tschary- kost den Kronenorden 2. Klasse, der zweite BotschaftS- Sekretär Luoff den Kronenorden 3. Klasse und der Botschafts-Attache van der Bliet den Kronenorden 4. Klosse.

* Der Kaiser ist heute früh 8 Uhr 25 Minuten nach Abbazia abgereist. Die Ankunft deS Kaisers in Fiume erfolgt morgen früh gegen 3 Uhr. Dort begibt sich der Kaiser an Bord des Schulschiffs „Moltke", auf dem er die Reise nach Abbazia fortsetzt.

* Wie die .Post' hört, hat sich der Militärober- Pfarrer Hofprediger Fromme! am Montag nach Abbazia begeben, um während der Charwoche und der Ostertage den Gottesdienst für die kaiserliche Familie abzuhalten.

* Eine Berliner Korrespondenz schreibt: „In der Presse ist auch neuerdings weiter die Rede davon, der i t a l i e n i s ch e K r o n p r i n z gedenke sich mit der jüngsten Schwester der Kaiserin zu verloben. Diese Nachricht ist durchaus unbegründet. In gut unterrichteten Kreise» wird eS überhaupt für im höchsten Grade unwahr­scheinlich angesehen, daß der italienische Thronfolger mit einer nichtkatholischen Prinzessin die Ehe ein« gehen werde." Was das letztere betrifft, so halten wir den Grund für ziemlich windig; wer Sonntags nicht einmal zur Kirche geht, wird in dem Punkte auch wohl nicht scrupelhaft sein. Biel schwerwiegender wird wohl die Erwägung sein, daß derjenige, welcher sich ver- heirathen will, eine gesicherte Stellung haben soll.

* Der noch vor den Osterferien fertig gestillte Etat hat eine Reihe von Personal-Veränderungen in den Reichsämtern zur Folge. Die betreffenden Ernennungen dürften in diesen Tagen veröffentlicht werden. DaS Reichsamt deS Innern erhält einen zweiten Ab- theilungs- Direktor; in den betheiligten Kreisen wird

angenommen, daß der Geh. Ob.-Reg.-RathSchröder aus der bisherigen I. BerwaltungS-Abtheilung diese Stellung und die neu abzuzweigende Abtheilung erhalten werde. Dann erhält das Reichsschatzamt einen Unterstaatssekretär, al« solcher ist d--m Vernehmen nach der jetzige Direktor Wirkl. Geh. Rath Aschenbor» in Aussicht genommen; an seiner Stelle muß ein »euer Direktor ernannt werden. An dieser Veränderung im Reichrschatzamte erkennt man, in welcher Weise sich die Reichsämter entwickeln. Als Mitte 1879 die Finanz- Angelegenheiten vom Reichsamte des Innern abgetrennt wurden, trat der damalige preußische Geh. Ober-Fmanz- rath Scholz als Unterstaatssekretär an die Spitze; ein Jahr später wurde daraus allerdings ein Staats­sekretär und jetzt wird neben ihm noch ein Unterstaats­sekretär eingesetzt. Im Auswärtigen Amte ist eine neue Direktorstelle zu besetzen; sie wird der bisherige Dirigent der Kolonialabtheilung Dr. Kayser erhalten; für diese Abtheilung sind auch noch ein vortragender Rath und zwei ständige Hilfsarbeiter zu ernennen. Auch in der handelspolitischen Abtheilung ist eine neue Raths- stelle geschaffen und ru besitzen.

* Ein großer Wucherprozeß wird demnächst in Berlin zur Verhandlung kommen. Den Anstoß dazu hat ein Verfahren gegeben, daS gegen den hiesigen Barquier Treuherz schwebt, der auS Rußland hier eingewandert ist. Die Geschädigten sind zum Theil hochgestellte Persönlichkeiten. Als Geldmänner bzw. Vermittler wird eine ganze Reihe von Namen genannt, l die zum Theil in Charlottenburg, zum Theil in Ber­lin wohnen. Es handelt sich in einzelnen Fällen um Summe» von 60,000 M., die aus Darlehen von nur 3 einigen tausend Mark entstanden sind. Die in den einzelnen Wohnungen vorgenommenen kriminal-polizeili- chen Durchsuchungen haben ein sehr umfangreiches Material an Wechseln und Briefschaften zum Vorschein gebracht. Wenn ein neuer Packet beschlagnahmter 1 Papiere gesichtet wird, fo ergeben sich jedes Mal neue Opfer und neue Wucherer. Wann die Sache zum Austrage kommen wird, laßt sich noch nickt absehen.

* Die Ersatzwahl im Reichstags - Wahlkreise Meseritz Bombst hat zunächst zu einer Stichwahl s geführt, welche in mehrfacher Hinsicht besonderes In­teresse bietet. Seit Bestehen des Reichstags lag dieses RrichStags-Mandat in den Hände» des Protestan- l tischen und freikonserv ativen Herrn v.Unruhe- I Bomst. Auch bei der letzten Reichstagswahl im Juni vorigen Jahres hatte dieser er wiederum behauptet, aber doch nur in der Stichwahl. Damals waren bei der Hauptwahl auf ihn 6958, auf den panischen Kandi­daten 6607 und auf einen freisinnigen Kandidaten 1381 Stimmen gefallen. In der Stichwahl batte dann der Freikonservative über den Polen mit 9250 gegen 7647 Stimmen gesiegt, legte aber vor Wochen das Mandat nieder. Und jetzt, bei der dadurch nothwendig gewor- : denen Ersatzwahl, hat sich dar Stimmenvechältniß i wesentlich zu Ungunsten deS freikonseivativen Kan- 5 didaten verschoben. Jetzt hat bei der Hauptwahl Herr ' Propst Szymanski, der diesmalige polnische Kandidat, schon 643 Stimmen mehr, als der polnische Kandidat ! bei der Hauptwahl im Juni, der freikonservative Kan- ■ didat aber 2048 Stimmen weniger, als Herr v. Un­ruhe bei der Hauptwahl im Juni. Es findet also Stichwahl zwischen Herrn Propst Szymanski und Herr» v. DziembowSki statt, bei welcher Jener guteAuSsichte« hat, wenn nur die Kath oliken deSWahlkreises gegen den Vertreter der alten Kulturkämpfer -Partei der Freikonfervativen ihre Schuldigkeit thun. Die Gelegen­heit, diese Partei »jetzt zum ersten Male und damit für immer auS dem Wahlkreise zu vertreiben, ist da und ' muß mit Eifer benutzt werden. — Die Antisemiten haben, wie die »Staatsbürger - Zeitung' berichtet, be­schlossen, zur Stichwahl in Meseritz-Bombst einen Auf­ruf zu erlassen, in welchem den antisemitischen Wählern von der Parteileitung empfohlen wird, ihre Stimmen - auf den Freikonservativen v. DziembowSki zu ver- i einigen. Man darf hoffen, daß eia nicht unbeträcht­licher Theil der Wähler etwas mehr politische Einsicht ; besitzt, als sie sich in obigem Beschluß, über dessen Za- ; standekommen in parlamentarischen Kreisen allerlei Ge- : rächte umgehen, zeigt. Immerhin ist der Beschluß für alle Katholiken des Wahlkreises ein neuer Ansporn, mit aller Kraft für Herrn Szymanski einzutreten.

* Darmstadt, 19 März. Die erste Kammer der Stände tritt morgen zusammen, um die Verlängerung des Budgets auf zwei Monate zu genehmigen. Weiter werde» die von der zweiten Kammer brschiedenen Re-