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JV 61

Frettag, den 16. März 1894.

21. Jahrgang

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nehmen alle Postanstalten Bestellungen auf die,Fuldaer Zei­tung' für daS zweite Vierteljahr 1894 an.

Neu hinzutretende Bezieher erhalten gegen Einsendung der Postquittung für daS zweite Vierteljahr 1894 die »Ful­daer Zeitung' bis

Ende März kostenfrei

übermittelt.

Deutsches Keich.

Berlin, 15. März.

* Heute (14. März) sind drei Jahre seit dem Tode der 86g. Tr. Windthorst verflossen. Auf Beran- laffung der Centrums wird eire hl. Messe für die Seelenruhe des Entschlafenen in der St. Hedwigkkirche gelesen. Der Todestag des seligen Wrndthorst ruft m verstärktem Maße die Erinnerung wach an den von unserem Heimgegangenen Führer so oft ausgesprochenen einzigenWunsche,wenn ihm die Katholiken Deutsch» landS ihre Huldigung darbrachten, den Wunsch: „Ge­denket meiner im Gebete, wenn ich nicht mehr bin." Möge dieser Wunsch in allen katholischen Gemeinden Deutschlands beherzigt werden.

* Die Landtagsverhandlnnge« sind leider nicht bloß für die Polen, sondern auch für «uS Katho­liken sehr verstimmend. ES stellt sich immer mehr heraus, daß Kultusminister Bosse zu einer viel schär­feren Auslegung und Anwendung der Gesetze neigt, als sein letzter Vorgänger. Seine juristischen DeutungS- künste und seine Berufung auf dar Gesetz, daS ihn binde, erinnern in ganz bedenklicher Weise an Falt'sche Eigenthümlichkeiten. Seine überaus scharfe Auslegung des Jesuitenges'tzes hatten wir schon erwähnt. Ein „würdiges" Seitenstück liefert die Handhabung der Ordensgesetzgebung in dem Essener F.>ll. In Essen, wo 60,000 Katholiken von den großstädtischen Ge­fahren und von der sozialdemokratischen Verführung bedroht sind, wünschte man dringend Franziskaner zur Aushilfe in der Seelsorge; die zwei Dutzend Pfarr- und Auftakts geistliche reichten nicht aus. Der frühere Kultusminister hatte die Zulasiung schon so gut wie versprochen. Dr. Bosse prüfte aber daS „Bedürfniß" nach seiner Art, indem er die weltlichen (vorwiegend protestantischen) Behörden befragte, die Ortszeistlichen und den Erzbischof ungefragt ließ, über den Rath seines katholischen Referenten sich hmwegfetzte und nach seinem (des Protestanten!) eigenen Ermessen entschied, daß die Schaffung von 4 ganzen weiteren Seelsorg­stellen genügen würde, ein „Bedürfniß" für weitere Aushilfe nicht vorliege und die Franziskaner auch des­halb, weil sie nicht wieder fortgmgen, nicht zugelaffen werden könnten. Dabei stellte er die Sache so dar, als ob daS Gesetz ihm eine andere Entscheidung verboten hätte, während im Gesetz ihm die volle Freiheit gelassen wird, Ordensleute als AuShilfS-Seelsorger zuzulassen. So wird in Preußen über daS Bedürfniß

Aach Sibirien verbannt.

Bon Louis Collas. Mit Genehmigung des Verfassers in'S Deutsche übertragen von PH. Freibank.

(45. Fortsetzung.)

Plötzlich bemerkten wir eine lebhafte Bewegung unter den Feldarbeitern, welche wir beobachtet hatten. Sie verließen ihre Arbeit, entflohen, indem sie ihre Arbeitsgerätbe wegwarfen, mit dem Rufe: „Die Taiping, die Taiping!" Die weite Ebene vor unS bedeckte sich alsbald mit einer schwarzen Wolke von Menschen, die so stark wie ein Armeekorps sein mochte. Die Ver­schiedenheit der Trachten bot einen malerischen Anblick. Die einen gingen beinahe nackt und trugen als einzige Bekleidung zerfetzte Lampen, welche kaum ihre Blöße bedeckten, während die anderen in reiche Seidenkleider in den buntesten Farben gekleidet waren; aber all' diese Leute schienen sich in recht trauriger Berfaffung zu be­finden. Wie ihre Tracht, so bot auch die Bewaffnung der Menge ein eigenartiges Gemenge. Ein Theil der Leute war mit Bogen und Säbeln der verschiedensten Größen, ein anderer mit alten schlechten Lunten- und Feuersteingewehren bewaffnet. Allem Anscheine nach befand sich vor unS eine Abtheilung der Anführer, die unter dem Namen Taiping oder Soldaten des weißen Henüfar u. A. die herrschende Dynastie zu stürzen ge­dachten und überall, wohin sie kamen, durch ihre un­menschlichen Grausamkeiten Schrecken verbreiteten.

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von katholischen Seelen nach geistlicher Versorgung vorn protestantischen Standpunkt in enger juri­stischer Auffassung entschieden! Es riecht sehr kultur­kämpferisch !

* Minister Bosse erklärte am Samstag im Abge- ordneteuhause, die Gründe für die Verweigerung der Lokal - Schulinspektion au einige katholische Geistliche könne er vor dem Lande nicht angeben; allein „die betriffenden Geistlichen könnten sich ja direkt an ihn um Aufklärung wenden". ES ist dm betreffenden Herren dringend anzuraihen, dieses zu thun. Sie erfahren auf diesem Wege, waS man gegen sie vorgebracht hat, und werden vielleicht manches Ueberraschmde iöcen. ES kann ja sein, daß sie denun- zirt sind und den Minister eines Besseren überzeugen können. Ma» bitte ihn also höflichst um Ausklärung, schreibt die »Köln. VolkSztg.'.

* Der Reichstag führte gestern die 2. Berothung des russischen Handelsvertrags zu Ende. Eine längere Debatte veranlaßte noch die Zulasiung russischen Ge­treides zu dm ermäßigten Zollsätzen nach Deutschland. Abgq. Dr. v. Frege, Frhr. v. Hammerstein, Freiherr v. Manteuffel und Graf Mirback beantragten Aufrecht­erhaltung veS 5 M -Zolls für Roggen und Weizen und 4 M.-ZollS für Hafer. Abgg. v. Stauty (tont) und Graf Arnim (Rp.) sprachen gegen die Getreidezoll- Herabsetzung Rußland gegenüber, wovon sie den Rain der deutschen Landwirthschast und damit eine schwere Schädigung des gesammtm Vaterlandes befürchten. Staatssekreiär Frhr. von Marschall meinte, mit dem erwähnten Anträge werde nur der Zollkrieg mit Ruß­land neu entfacht werden. DaS würde aber eine Art Hazardspiel sein, daS eine Regierung mit dm wich­tigsten Interessen des Lande» nicht treiben darf. Gegen dm Vertrag sprachen noch Abgg. v. Ploetz (kons), Burger (boyr.Ctr.) und Graf Holstein (kons.), für dm Vertrag Abgg. Dr. Schultz-Lup tz (ReichSP) und Dr. Bachem (Ctr), worauf der Zollsatz von 3'/z M. für Weizen mit Mehrheit, der Zollsatz von 3 Vs M. für Roggen in namentlicher Abstimmung mit 205 gegen 151 St. angenommen wurde. Die übrigen Positionen des deutschen Tarifs wurden meist debattelos ange­nommen. Ebenso die Bestimmungen über die Meist­begünstigung und das Schlußp olokoll womit die 2. Beraihung des Vertrags beendet. Morgen: Etat der Zölle und BertragSsteuern, 3. Beraihung der Auf­hebung deS Identitätsnachweises.

* DaS preußische Abgeordnetenhaus erledigte heute zunächst eine Reihe kleiner Vorlagen, welche im Herrenhaus« bereits Annahme gefunden haben, und ging bann zur Berathung von Petitionen über. Morgm Sekundärbahngesetz.

* AuS Kamerun sind in London Nachrichten vom 2. Februar eingetrvffen, die wieder von einem höchst bedauerlichen Vorfall Kunde geben. Der deutsche Dampfer „Admiral", so heißt eS, ist mit 200 weißen Soldaten in Kamerun angelangt. Als Samuda, der Anführer der meuterischen Dahomeher zur Hinrichtung

Wir befanden uns zwischen den Rebellen und den Bauern, welche sie verfolgten. Ich hatte meine Vor- bereitungen zum Gefechte getroffen und dazu eine recht vortheilhaste Stellung gewählt.

Wir standen kampfbereit da und waren sicher, daß wir der Uebermacht in Folge der Ueberlegmheit unserer Bewaffnung mit Erfolg begegnen konnten. Bei unserem Anblicke hielten die Rebellen mit ihrem Angriff inne und schienen zu berathm, was sie unternehmen sollten. Nach einiger Zeit schritt der Anführer der Taiping auf uns zu und ich ging ihm in Begleitung eines meiner Gefährten, welcher das Chinesische ziemlich beherrschte, entgegen.

Der Rebellenführer hatte listig blickende, schief ge­schlitzte Augen, hervorragende Backenknochen, sein Ge­sicht war von olivenähnlicher Färbung; ein langer Zopf baumelte auf feinem Rücken: sein GestchtsauSdruck ließ unschwer seine Verschlagenheit und Grausamkeit erratheu. Seine Kopfbedeckung glich der seiner Truppe, aber in der Kleidung unterschied er sich durch seinen karmoistn- rothen Rock von schwerer Seide, welcher mit allerlei wilden und phantastischen Thmfizuren, als Tigern, Löwen, Drachen u. s. w. besteckt war, wie um den Feindenschon durch seinen Anblick Schrecken einzujagen. Er trug einen mit einem herrlichen Nephrit (Nieren­stein) geschmückten Stab, das Zeichen seiner Würde als Anführer.

geführt wurde, rief er dem anwesenden Gouverneur zu, die Meuterei wäre lediglich durch seine Schuld ent­standen; Genugthuung hätte eS den Dahomehern be­reitet, wenn sie ihn hätten tödten können. Der Gou­verneur gerieth dadurch in solche Wnth, daß er einem Soldaten dar Gewehr entriß und mit dem Kolben Samuda einen furchtbaren Schlag auf den Kopf ver­setzte. Da Gouverneur v. Zimmerer zu jener Zeit noch nicht in Kamerun war, muß eS sich hier um den Kanzler Leist gehandelt haben. ES erscheint fast unglaublich, daß der Vertreter des ersten Beamten der deutschen Kolonie einen zum Tode verurtheilten Menschen miß­handelt Hot, weil dieser seiner wirklichen Empfindung noÄ unter dem Galgen Ausdruck gab. Nach den Leistungen, die Leist bei der Züchtigung der Da Homeh- Weiber gezeigt hat, erscheint indeß die Meldung nicht unglaubwürdig.

‘ * Mainz, 12. März. Eine von 3000 Personen besuchte Katholikenversammlung tagte gestern im Frank­furter Hof. Herr Pfarrer Wassermann behandelte die Jesuitenfrage vom Standpunkt des Rechts und der Freiheit. Herr Kaufmann Molthan verlangte die Auf­hebung der hesstschen Ordensgesetzgebung und die Wiedereinführung der konfessionellen Schule. Dr. Masierell geißelte den Mangel an Parität in Hessen und forderte volle Freiheit der Kirche. LandtagSabge- oibneter Dr. Schmitt, welcher den Vorsitz führte, wies die Einmischung der protestantischen Synode in die Jesniteufrage scharf zurück und kündigte die Abhaltung eines al lg em einen hessischen Katholik en tags in Darmstadt an. Die Versammlung erhob am Schluß einmülhig Einspruch gegen den Beschluß der Synode.

Ausland.

* Wien, 13. März. Ungefähr 30,000 Arbeiter begaben sich gestern gruppenweise nach dem Central- Friedhof, um am Grabe der am 13. März 1848 Ge­fallenen Kränze niederzulegen. Es ereignete sich kein Zwischenfall.

* Prag, 13. März. Heute begann der Prozeß gegen die beiden Mörder des früheren Mitglieder der Omladina, Mrva, und gegen die beiden Anstifter zur That. Zunächst wurde die Anklageschrift verlesen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird die Verhand­lung zum Theil unter Ausschluß der O°ffentlichkeit statt­finden.

* Pest, 12. März. Bei der heutigen Borberathung der Vorlage über die provisorische Regelung der Han­delsbeziehungen mit Rußland lehnten mehrere Redner der Oppositions-Partei die Vorlage ab unter Hinweis auf die Schädigung der ungarischen Landwirth- schäft durch die letzten Handelsverträge. Handelsminister v. LnkLcS vertheidigte die Regierung gegen den Vor­wurf, daß sie die Landwirthfchaft mangelhaft schütze; sie behalte die Forderungen der Landwirthschast stets im Auge. Ebenso wieS der Minister den Vorwurf als unberechtigt zurück, als ob die Verträge nur der öfter-

„Wer bist Du?" frug er mich, „und weshalb ver­weigerst Du mir den Durchzug?"

„Wir sind die Männer des Westens, welche nicht unthätig zuzusehen gewillt sind, daß der Schwache vom Starken unterdrückt werde. Weshalb greisst Du diese armen Menschen, welche Niemandem etwas BöseS zu- fügen, an?"

„Ich bin der Bertheidiger der Abkömmlinge der Dynastie der Ming, welche ich auf den Thron ihrer Vorfahren zurückzuführen gedenke. Der Mandschu, welcher in Peking herrscht, ist ein Thronräuber und er muß deshalb einem würdigeren Herrscher Platz machen. China fällt in Trümmer unter der Herrschaft dieser Eindringlinge und deshalb habe ich es mir zur Auf­gabe gestellt, die Regierung deS Landes umzugestalten."

„Indem Du Ströme von Blut vergießest?" frug ich bitter.

„Die Natur läßt aus dem Schooße des Todes neues Leben »sprießen. Wir machen eS nicht anders," er­widerte der Rebellenchef.

„Da Du Dir selbst Deinen Auftrag ertheilt hast und ihn nur mittelst allerlei Abscheulichkeiten und Ver­brechen zu erhärten scheinst, so erkenne ich Deine Macht nicht an."

„Du bist im Umecht. Wir bekämpfen die Unter­drücker dieses Landes. Die Muselmanen und Christen, welche gegenüber den Anhängern des Konfuzius, Buddha» und Lao-TseeS in gewaltiger Minderheit sich befinden,