Einzelbild herunterladen
 

J\g 60

Donnerstag, den 15. März 1894.

21. Jahrgang

FlildlikrWZeitimg

Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Inserate kosten die einspaltige Zeüe oder deren Raum 15 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld mit der belletristischen Sonntagsbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.

8« 15. März «6

nehmen alle Postanstalten Bestellungen auf die,Fuldaer Zei­tung' für das zweite Vierteljahr 1894 an.

Neu hinzutretende Bezieher erhalten gegen Einsendung der Postquittung für das zweite Vierteljahr 1894 die »Ful­daer Zeitung' bis

Ende März kostenfrei

übermittelt.

Deutsches Keich.

Berlin, 14. März.

♦ Km 9. ds. MtS. hatte sich eine größere Anzahl Abgeordneter des CentrnmS in der Niederwallstraße 11 eingefanden, um über die Fortsetzung der im Jan. 1887 ans 5 Jahre begründeten Einigung deS St. BonifatinS - Verein« zur Linderung der Berliner Kirchennoth zu berathen. Diese Einigung, welcher särnrntliche Centrumsabgeordnete deS Abgeordneten­hauses als Mitglieder angehört haben, hatte in den letzten 5 Jahren Über 16,000 Ml. aufgebracht. Durch diese Gaben ist eS ermöglicht worden, die MisfionSstelle ad Sanctum Bonifatium vor dem Halle'schen Thor ins Leben zu rufen und wurde der erste Gottesdienst am 25. Dezember 1885 in einem gemietheten Lokale in der Aorkstraße abgehalten. Die neue Gemeinde hat fich außerordentlich rasch entwickelt, und eS hat dieselbe vor 2 Jahren Gneisenauerstraße 99/100 ein großes Grundstück erworben, in dessen Hoftaum eine Kirche erbaut worden ist, welche an 2000 Andächtige faßt, so daß für Jahrzehnte dem kirchlich« Bedürfnisse der Katholiken dieses StadttheilS Genüge geleistet sein wird. Auch steht zu hoffen, daß diese MisfionSstelle in aller Kürze zu einer amtlich anerkannten Pfarrei erklärt rsrrden wird. Die Versammlung vom 9. dS. MtS. beschloß die Einigung der St. BonifatiuSvereinS auf weitere 5 Jahre fortznsetzen. 68 sollen die Erträgnisse derselben auf Vorstellung deS fürstbischöflichen Dele­gaten Probst Dr. Jahnel zur Förderung der auf dem Straßburger Platz im Westen Berlins zum Andenke« an Dr. Ludwig Windthorst zu erbauenden St. Ludwigrkirche, für welche die Fundamente bereits ge­legt find, verwendet werden. An alle Freunde des Verewigten ergeht die Bitte, die Bemühung« der CeutrumSabgeordneten zur Förderung des Bauer der St. Ludwigrkirche zu unterstützen und so dazu beizu- tragen, das Andenken des CentrumSführerS, welcher in der Reichshauptstadt für die Rechte der katholischen Volker so erfolgreich gekämpft hat, in Ehren zu halten. Viele werden vielleicht gern die Gelegenheit der Wieder­kehr der TodeStager (14. März) von Excellenz Windt­horst benutzen, um ein Scherflein zum Bau der St. Ludwigrkirche beizutragen. Gaben nimmt mit Dank der Schatzmeister der Einigung, Herr Reichs - und Land- ragSabgeordneter LandgerichtSrath Schmidt in Berlin W. Bülow-Str. 5 entgegen.

Dach Sibirien verbannt.

Äon Louis Collar. Mit Genehmigung des BerfafferS in'S Deutsche übertragen von PH. Freibank.

(44. Fortsetzung.)

15.

Die letzten Etappen.

Unsere Expedition war mit der Ueberschreiinng der großen Maner in neue Verhältnisse eingetreten. Hinter nvS lagen die Länder der Romadm, die Wüste und Ebenen von beinahe unendlicher Größe. Wir kamen nun in daS eigentliche China, welches Land vierhundert Millionen Einwohner zählt (die Geographen geben dem himmlischen Reiche nur deren einhundertachtundzwanzig). Wir wurden weder von den Angriffen der wilde« Thiere, noch von den tausendfachen Fallstricken der wafferlosen Wüsten mehr bedroht, dafür harrten nnserer andere Gefahren, welche nnS verdoppelte Vorficht auf­erlegten.

Wir trotzten der argwöhnischen Politik der chine­sischen Regierung, welche eine ganz besondere Sorge auf den Ausschluß der Fremden legt und, obwohl oder weil fie durch die europäischen Mächte gezwungen wor- ben, ihr AbschließunzSsystrm theilweise aufzugeben, erst recht dem Eindringen von Europäern in daS Innere deS Reiches die größt« Schwierigkeiten in den Weg legte.

Wir mußten nvS den Weg durch weite Landstrecken

* Die Steuerkommisfio» des Reichstages be­riech heute über die QuittungS-, Frachtbrief- und Check­steuer in Verbindung mit dem Antrages, d. Gröben- Arnstein (Rechnungssteuer), für welche der Antragsteller zuerst daS Wort erhielt. Nach einer gründlichen Wider­legung, welche ihm von den Abgeordneten Dr.Rintele«, Müller (Fulda) und Eugen Richter zuTheil wurde und worin diese sich zugleich gegen jede Belästigung deS BerkhrS und Handwerks durch ungerecht wirkende Quittung-- und Frachtbriessteuern aussprachen und deren gänzliche Ablehnung verlangten, wurden diese Projekte Seitens der Vertreter deS BundeSratheS nur noch schwach vertheidigt. Den Ausschlag gab jedoch die Erklärung der Herrn Dr. Rintelen, daß die CentrnmSpartei einstimmigbeschlossen habe, die genannten Steuern ab z ul eh neu und daß demnach eigentlich jede weitere Diskussion derselben zwecklos werde. Hierauf wurde die Ablehnung mit allen gegen die 5 konservativen Stimmen beschlossen. Der Gesetzentwurf über die Reichs­stempelabgaben ist damit in der Kommission endgiltig festgestellt; er umfaßt nur noch die Börsen- und Lot­teriesteuern, während Quittungen, Checks und Fracht­briefe ausgeschieden find unb gar nicht mehr zur Be­schlußfassung an den Reichstag zurückgelangen. Es werden durch den erhöhten Börsen- und Lotterie­stempel (einschließlich der Steuer auf Renn-Wetten) etwa 24,400,000 Mk.

mehr aufgebracht werden; um etwa 11,500,000 „ haben sich die Einnahmen an8 der Post, Telegraphie und Eisenbahn­wesen erhöht und weitere .... 9,000,000 „

sind an Ausgaben für Heer und Schiffe im ordentlichen Etat gestrichen worden.__

Dies gibt zusammen........ 44,900,000 Mk.

so daß die Kosten des Militärgesetzes für dar laufende Jahr (46,500,000 Mk.) annähernd ausgeglichen find und er keiner weiteren neuen Stenern bedarf. Wenn die noch vorliegenden Projekte (Wein- nnd Tabaksteuer) gleichwohl nach Ostern berathen werden sollen, so könn­ten solche doch allenfalls nur zu dem Zwecke in Be­tracht kommen, um durch eine Steuer auf feinere Cigarren und theure Flaschenweine die Mittel zu ge­winnen, andere für die ärmeren Volkrklasien drückende Steuern zu ermäßigen oder abzuschaffen.

* Für unbegründet erklärt der .Hannover' sche Courier' daS neuerdings wiederum verbreitete Gerücht von der bevorstehenden Demission deS Oberpräsi­denten Dr. v. Bennigsen.

♦ Zur MandatSniederlegung deS Herr« von KoScielSki bringt der .Krakauer Czas' ein vom 10. d. M. datirteS Berliner Telegramm, in welchem eS reißt: „Die polnische Fraktion des Reichstags erklärte ich in ihrer gestrigen Abendsitzung gegen den Kredit ür die Panzerschiffe. Dr. v. JazdzewSki nannte diesen Beschluß die Antwort auf die Erklärungen BoffeS in der Angelegenheit der polnischen Sprache. In Folge dessen legte v. KoScielSki sein Mandat für den Reichs­tag nieder."

bahnen, welche von einer feindseligen und allem Frem- ! den abholden, zahllosen Bevölkerung bewohnt waren, ! und deren Stolz durch die Niederlage, welche China im Kampfe mit der französisch-englischen Armee erlitten hatte, tief gedemüthigt, aber nicht gebrochen war. Wir konnten nur durch Gewalt oder List die Hinderniffe beseitigen, welche unserem Weitermarsch im Wege standen. Da ich wußte, daß da- Reich, ebensowohl in Folge der erlittenen Niederlagen durch die Bestmächte, als durch den darauf folgenden Bürgerkrieg sich in voller Auf­lösung befand, so daß die Behörden recht wenig Macht und Ansehen genosien, so hoffte ich der Schwierigkeit« Herr zu werden, wenn nur die nothwendigr Klugheit, verbunden mit der entsprechenden Energie angewendet warde.

Die übrige« Befestigungen, welche die alten Dy­nastien deS himmlischen Reicher, um den Einfall der Tartaren zu verhindern, hatten Herstellen lassen, lagen wie die große Mauer zersallen in Ruinen.

Aufgehalten wnrde unser Marsch lediglich durch den elenden Zustand der Straßen, welche diese Festungs­werke sperren sollten. Wir kamen von dem gebirgigen s Lande bald in weite langweilige Ebenen; die alten ; chinesischen Herrscher hatten diese mit großartigen \ Park- bepflanzen lassen, in welche« fie sich dem Ber- ‘ gnügen der Jagd zu ergebe« pflegten. Heute wäre« diese künstlichen Schöpfungen vermildert und selbst die ; Kunstbauten: Kiokk, AuSsichtrthürme. Wasserspiele rc.

* Der Präsident deS evangelischen OberkirchenrathS Dr. Barkhause« ist zum Mitglied deS Herrenhauses berufen worden.

* Der ,Allg. Ztg.' zufolge hat der Kaiser den konservativen Reichstagsabgeordneten Graf Dönhoff, der sich jetzt für den Handelsvertrag erklärt hat, zn dieser Umkehr telegraphisch mit den Worten beglück­wünscht: „Bravo! Recht wie ein Edelmann gehan­delt!" WaS wird dazu Herr Miquel sagen, der un­längst für die Agrarier, die nicht gegen den Handels­vertrag stimmen würden, eine Bezeichnung brauchte, die außer dem Anfangsbuchstaben mit der vom Kaiser angewendeten nichts gemein hat?

* Das Abgeordnetenhaus führte heute die Be- rathung des KultuSetatS zu Ende. Beim Kapitel „Kultus und Unterricht gemeinsam" beantragte daS Centrum Pfarrergehaltseihöhung aus den Dispositions­fonds also auch für Missionspfarrer, ferner Erhöhung der Altersunterstützung« der katholisch« Geistliche«. Die Anträge wurden nach längerer Debatte abgelehnt. Beim Kapitel Medizinalwefen theilte der Kultusminister mit, daß ein Gesetzentwurf 6etr. die Reform des Apo- thekenwesenS dem Reichskanzler eingereicht fei. Eine längere Auseinandersetzung veranlaßten die während der Cholerazeit von den Holzflößern nsw. an der ruf- fischen Grenze erhobenen Uebergangsgebühren zur Deckung der Kosten der Kontrolmaßregeln. Die Angelegenheit wurde schließlich an die Kommission zurückoerwiesen. Morgen: Kleine Vorlagen.

* Der Reichskanzler hat beim BundeSrath beantragt, derselbe möge sich damtt einverstanden erklären, daß ca. 11,000,000 M. in Fünfmarkstücken, 7,000,000 in Zwei- und 4,000,000 in Einmarkstücken ne« ausgeprägt werden. In der Motivirung wird darauf hingewiesev, daß schon seit längerer Zeit in den sächsischen imb rheinisch-wesifälischen Jndnstriebezirken sich der Mangel an größeren Silberschridemünzen sehr fühlbar mache unb daß auf Grund deS Artikels 4 des Münzgesetze» unter Berücksichtigung der letzten Volkszählung noch über 22,000,000 M. an Silbermünzen geprägt werd« könne«.

* Der «eue PostzeitungStarif soll, wie der Direktor deS Reichspostamts, Sachse, in einer Audienz dem Verleger der .Allgemeinen Fleischerzeitung' mit- theilte, schon in der nächsten ReichStagSsesfio« vorge­legt werden. Ec soll dabei nach der Meldung eines Berichterstatters h'mzugefügt haben, daß dieser Tarif namentlich für die „billigen" Zeitungen manche Ueber- raschnng bringen dürfte. Bezüglich deS Wunsches, auch denjenigen Zeitungen, die wöchentlich weniger wie drei Mal erscheinen, daS Recht einzuräumen, nach dem 1. Quartalsmonat zwei- bezw. einmonatliche Abonnement­entgegenzunehmen, versprach er „wohlwollende Er­wägung". Dagegen verhielt er sich ablehnend gegen den Wunsch, eine uneingeschränkte Ueberweisung direkter Abonnenten an die Post zu gestatten.

* Karlsruhe, 10. Nov. Am Donnerstag hat die Kommission für die kirchenpolitischen Anträge

von der üppig wuchernden Vegetation überwuchert. Diese verwilderten Anlagen boten ein Spiegelbild von dem Zustande deS „himmlischen Reiche«."

Roch hatten wir wenig bevölkerte Orte erreicht. Die einzige Stadt, welche sich in der Nachbarschaft befand, war Kalgan, beten Bevölkerung etwa zwa- hunderttausend Seelen erreichen mochte. In derselben trafen fich die mit Waaren aller Art reich versehen« Karawanen,au- Sibirien, der Tartarei, Manschurei und der südliche« Provinzen de« weiten Reiches. Die Ruffen, welchen die berechttgte Furcht des „Sohne» de- Himmels" früher das Betreten des Reiches ver­boten hatte, kamen feit 1858 in großer Anzahl nach diesem Handelsplätze. Wir aber hatten alle Ursache, diesen rnsfischen Handelsleuten ans dem Wege zu gehen. Wir hüteten un8 also wohlweislich, uns dieser Stadt zu nähern und schlugen eine weniger besuchte Straße ein, welche uns allmählich südwärts führte.

Als wir in der Nähe eines Berges, de- letzten vor der Ebene von Pei-ho anlangten, bestieg ich dmselbe« in Begleitung von Platoff, Bramii und einigen der übrigen meiner Gefährten. Hinter unS lag die gebirgige, mit Holz bestandene Landschaft und vor unS dehnten fich weite Ebenen ohne jede Bodmerhöhang aus. Z« unserer Linken erblickten wir in nicht zu weiter Ent­fernung die Begräbnißstätte ber MingS, eines der be- merkenswerthesten Denkmäler Chinas, welches von dem Glanz und der Macht feiner früheren Herrscher eis