58 Dienstag, den 13. März 1894. 21. Jahrgang
FMtrW Zeitung
Die Entscheidung über den deutsch-russischen
Handelsvertrag ist heute im Reichstage gefalleo und Artikel 8-18 genehmigt, sodann die Weiterberathuna
bis Montag vertagt.
in'S
bei der Abstimmung u. a. die Abg. Gescher und die beiden Grafen Kanitz, sowie der Abg. Steinmann. Die Artikel 2, 3 und 4 wurden ebenfalls angenommen, über die Artikel 6 und 7 die Debatte ausgesetzt und
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Deutsches Reich.
Berlin, 10. März.
Nach Sibirien verbannt.
Bon Louis CollaS. Mit Genehmigung des Verfassers Deutsche übertragen von PH. Freidank.
(42. Fortsetzung.)
„„ ^fahr offener Gehorsamsverweigerung war Sim?”™68, entschwunden, dafür fürchtete ich eine W"^Meutere., denn der Anblick EudoxiaS und £ ;£8f9Infi9tett mir' um in ihren Gesichtern, deu Meniien Haß und Zorn gegen mich heraus- n »'Uster und schweigsam hielten sie sich von hatten'"«»?' betett ^tung sie schon lange verscherzt ti°L=to‘r Dhal des gelben Flusses erreichten, ?!udien w,r noch das Gebirge übersteigen, welcher * ao^fle6lw tiOn 6er Hochebene der Mongolei W' ®,rk. erklommen das Gebirge bis zu jener Stelle, wo die maffrven Berge Juchan und Sinchan sich vereungen. Höhen von sechs bis sieb« tausend Met« über der Mcer-Sflache konnten Männer, di- die N'9^N"?Eetten Centrabifiens bezwungen hatten, nicht zurückschrecken. Gleichwohl hatte« wir ermüdende Stropazm in diesm engen Schluchten mit ihren reißen» den Wildbächen avszuhalten. Auf der anderen Seite der Gebirgszuges augelaugt, verlangte es uns, einiger Wild zu erlegen, denn unser ausgehungerter Magen bedurfte kräftiger Speise.
zwar zu Gunsten derselben, indem Artikel I des Vertrages in namentlicher Abstimmung mit 200 gegen 146 Stimmen angenommen wurde. Allerdings liegt mit dieser Abstimmung noch kein abschließendes Resultat vor, da wohl der eine oder andere Abgeordnete sich für die Schlußabstimmung sein freier Votum Vorbehalten wird, indessen ist nicht daran zu zweifeln, schreibt die .Germania', daß bei einer so ansehnlichen Mehrheit von 54 Stimmen die endgiltige Annahme der deutsch-russischen Handelsvertrags gesichert ist. Die Debatte über Artikel I brachte wider Erwarten keine langen Reden, sondern nur kurze Erklärungen und Plänkeleien, so daß schon kurz nach 4 Uhr die nament* liche Abstimmung beginnen konnte, während welcher er schon bald feststand, daß die Mehrheit der Reichstages für Artikel I ausfallen werde. Eine ganz vortreffliche Rede, die wohlthuend abstach gegen die allgemeinen Plänkeleien und deshalb ihres großen Eindrucks auf das mit größter Aufmerksamkeit zuhörende Haus nicht verfehlte, hielt der Abg. Frhr. v. Heeremann. Wäre die Stimme nicht etwas schwach gewesen, so würde Niemand vermuthet haben, daß der verehrte Abgeordnete sich von seinem Unfall noch nicht ganz erholt hat. War es auch bei der Debatte über § 1 nicht möglich, auf die inneren Verhältnisse der Land- wirthschaft näher einzugehen, so verstand es der Herr Abgeordnete doch meisterhaft, in großen Umrissen die speziell für den Westen maßgebenden Grundsätze bezüglich der Landwirthschaft gegenüber den Ausführungen Richters klarzulegen. Sogleich nach Verkündigung des Resultats der Abstimmung machte Staatssekretär v. Boetticher, welcher die Abstimmung durch Aufzeich» «ung der Stimmen für und gegen genau verfolgt hatte, dem Kaiser telegraphisch von dem Resultat der Ab- stimmung Mittheilung. Für den Vertrag stimmtm geschlossen nur die Sozialdemokraten, die süddeutsche Volkspartei, die beiden freisinnigen Fraktionen und die Polen, die Mehrheit der Nationalliberalen und die Mehrheit des CentrumS, 9 Mitglieder Reichspartei und 2 Mitglieder der deutsch-konservativen Partei (die Abgg. Graf Dönhoff - Friedlichstem und Erbprinz Hohenlohe-Oehringen), sowie die wenigen anwesend«! Elsaß-Lothringer; gegen den Artikel 1 stimmten geschloffen nur die Antisemiten, ferner die Deutschkonser- Oliven mit den beiden vorhin erwähnten Ausnahmen, dte Mehrheit der ReichSpartei, vom Centrum 39 Abgeordnete, die bayerischen Mitglieder geschloffen, außerdem die rheinischen Abgg. Graf Hompesch, Pingen, Bender und Rudolphi, die schlesischen Abgg. Conrad, Horn, Hubrich, Klose, Nadbyl, der Abg. Schmidt lWarburg) der Abg. Krebs (BraunSberg), der Abg. Müller (Fulda) und Abg Bumiller(Hohenzollern). Bon den Natronolliberalen stimmtm 16 Abgeordnete flgfien den Artikel 1, von den Konservativen fehlten
I * Der Reichstag nahm die Verlängerung des Handelsprovisoriums mit Spanien debattenloS an und trat dann in die zweiteBerathung deSHandelS- Vertrags mit Rußland ein. Derselbm ging eine ; Geschäftsordnungsdebatte vorauf, in welcher Abg. Frhr. I v. Manteuffel Namens der Konservativen fein Bedauern darüber aussprach, daß in einer so wichtigen I Sache nicht einmal schriftlicher Bericht erstattet werde, Abg. Rickert begründet dies mit der Nothwmdigkeit, den Vertrag bis zum 20. März zu Stande zu bringm, Abg. Dr. Bachem mit der Rücksicht auf die bevorstehende Osterpause. Bei Artikel I antwortete der Reichskanzler Graf Caprivi auf bezügliche Anfragen deS Abg. Hasse (ntl.), daß wesentliche wirthschaftliche Bedenken, die Staffeltarife schon am 1. August aufzuheben, nicht bestehen, und daß logischerweise die Staffel- | tarife für die Dauer des russischen Vertrags aufgehoben bleiben, falls nicht NothstandSfälle ihre vorübergehende Einführung erheischen. Die nste Anregung zur Aufhebung der Staffeltarife sei von der mtscheidendsten Stelle in Prmßen ausgegangen. Auf eine andere Anfrage des Abg. Haffe erwiderte Staatssekretär v. Marschall, daß die Reichsregierung vollständig freie Hand behalte, russische Individuen auszuweisen, abzuschieben oder zuzulassen. Ein Fortschritt sei, daß Rußland nach dem Schlußprotokoll verpflichtet ist, Individuen aufzunehmen, welche die russische Staatsangehörigkeit verloren haben. Bisher war er dazu nicht verpflichtet. Abg. Lotze (Ref. P.) «klärte, daß seine Partei mit Rücksicht auf die in Folge Artikel I drohende Judeneinwanderung aus Rußland gegen dm Antrag stimme. Abg. Rickert bestritt, daß eine solche Gefahr bestehe. Abg. Liebermann von Sonnenberg (deutsche Ref.) bekämpfte den Antrag, der Rußland alle Bor- theile und uns Nachtheile bringe, und trat dm Kriegs- drohungm ruffischer Blätter für dm Fall der Ablehnung deS Vertrags entgegen. Abg. Frhr. v. Hammerstein (kons.) erklärte, mit seinen Freunden gegen Artikel I zu stimmen, weil dieser die Einwanderung d« Juden erleichtere. Abg. Fürst Radziwill erklärte die Zustimmung dn Polen für den Vertrag. Abg. Hilpnt I (bayer. Bauernbündler) stellte eine Bauerndemokratie in Aussicht für dm Fall, daß es mit dm Handels- | Verträgen so weit« gehe. Abg. Bachem (Cmtr.) pro- testirte gegen die Liebermann'sche Behandlung der Judenfrage. Der Reichskanzler Graf Caprivi stellte dem Abg. Grafen Arnim (Rp.) gegmüber sehr mt- schieden in Abrede, daß Preußen vom Reiche zur Aufhebung der Staffeltarife gezwungen wordm. Segen die Aufhebung der Staffeltarife sprachm die Abgg.
i Richter (fr. Ap.) und Holtz (Rp.), dafür Abg. v. Heere- | mann (Ctr). Artikel I wurde schließlich in namentlicher Abstimmung mit 200 gegen 146 ange-
Helena befand sich in meiner Gesellschaft, dm« ich hielt es für meine Pflicht, über sie zu wachen und sie für die geflissmtliche Gleichgiltigkeit einigermaßm zu entschädigen. ES herrschte an diesem Tage eine «- stickende Hitze. Sie konnte mir nicht folgen und bat mich, sie etwa» auSruhen zu laffm. Sie fetzte sich unter eine Robine (unechter Akazienbaum) dessen hübsch gefiedertes Blatt bekannt ist, während ich langsam toeitet ritt.
Einige Augmblickte nachher erblickte ich am Eingänge ein« Höhle eine Schlange, welche eben im Begriffe war, einen Bogel zu beschleichen, als ich sie mit einem wohlgezielten Schüsse tödtete.
Seit mein« Flucht von Sibirien hatte ich zahllose Schlangen gesehen, ab« keine schien mir so gefährlich zu fein, wie die soeben «legte. Sie maß etwa einen und einen halben Meter nnd ihre Haut war mit gelbm und mit schwarze« Flecken bedeckt. Sie gehörte einer d« giftigsten ihrer Gattungen an.
Als ich zurückkehrte, fand ich das getödtete Reptil nicht mehr vor. Ich legte d« Sache kein Gewicht bei und kehrte zn Helme zurück, welche inzwischen w tiefen Schlaf gesunken war. An ihr« Seite lag der Kadaver der Schlange, welche ich getödtet hatte und welcher, wie Spuren im Sand bewiesen, hi«h«geschleppt worden war. Ich dachte üb« dies seltsame Borkomm- niß nach, um dafür irgend eine vernünftige Erklärung
nommen. Damit ist die Annahme des ganzen B«- trag- gefich«t. Die Berathung wurde bis Artikel 18 gefördert und dann auf Montag vertagt.
* Dar Abgeordnetenhaus setzte die B«athung der KaltuSetatS fort, wobei seitens des CmttumS und der Polen wieder zahlreiche Beschwerden über unpari- z tätische Behandlung bei d« Schulaufsicht «hob« wurden. Beim Abschnitt Elementarschulwesen wurde über zu scharfe Heranziehung der Gemeinden zu dm persönlichen Schulausgaben geklagt. Weiterber. Montag.
* Der .Reichsanzeiger' meldet: D« amerikanische Botschafter drückte d« kaiserlichen Regierung im Auftrage des Präsidenten Cleveland die Anerkennung d« Regierung und der Bereinigten Staaten für die groß- artige Betheiligung Deutschlands an der Chicagoer Wett-AuSstellung aus. Gleichzeitig hat d« Botschaft«, unter Mittheilung der, diese Anerkennung billigmden Kongreßbeschlusses, ebmfallS im Auftrag deS Präsidenten der Union der hohen W«thschätzung gedacht, mit welch« die Regierung und das Volk d« Vereinigten Staaten die freundschaftliche Mitwirkung d« kaiserlichen Regierung zur Sicherstellung der Erfolge dn Ausstellung empfindm.
* Welche Zerrbilder von katholischen Ber- hältniffen in protestantischen Köpfen leben, davon gibt der,Grophic', bekanntlich eine der bedmtmdstm illu- strirtm Wochmzeitnngm Englands, ein interessantes Beispiel. Ueber dm Prinzen Max von Sachsen, der zur Erlangung der Priesterweihe in das Eichstätt« Seminar getreten ist, schreibt der ,Graphic' unter d« Marke: „Ein fürstlicher Mönch" FolgmdeS: „Große Bestürzung hat eS in Deutschland, zumal in dem protestantischen Sachsen erregt, daß Prinz Max von Sachse«, ein Neffe König Albert'S noch nicht 23 Jahre alt, « das Kloster zu Eisenach als Mönch eingetretm ist. 68 wird dann kurz der LebeuSgang des Prinzen berührt nnd natürlich die Frage aufgeworfen, war den „jungen, talentvollen, hochgebildeten, jungen Mann, der kurz vorh« mit Auszeichnung ben Doktorhut gewann," zu solchem Schritte veranlaßt haben könne. Run, war wohl? — WaS anders, als die Jesuiten? Denn das ist nach dem ,Graphic' der allgemeine Glaube in Sachsm, „daß Seine Königliche Hoheit dem jesuitischen Einflüsse «legen ist, den Bischof Wahl in DreSdm auSübt." Läßt d« Mann doch „nichts unversucht, um die Macht des Katholizismus im Sachsenlande auSzu« dehnen, genau nach den Rezepten von Ignatius von Loyola." Prinz MaxenS Entschluß ist — wie könnte er anders? — eine Frucht dieser Propaganda. „Der fürstliche Priester" heißt -S dann zum Schluffe, „b« wohlbemerkt, katholisch ist, wie alle Mitglieder de» fächfischm Königshauses, ist trotz seines jugendlich« Alters vom Papste bereits zum apostolischen Vikar von Sachsen bestimmt (oppointed)." War doch so ein,Grophic' nicht aller wiffm kann und seinen Lesem bieten darf! Prinz Max, der Seminarist im Eichstätt« Seminar — ein Mönch, im Kloster zu Eisenach schon Priester und apostolischer Vikar von Sachsen, und dar Aller durch die Jesuiten! Fürchterliche Leute!
zu find«, als ich plötzlich eine dnselbe« Gattung angehörige Schlange bemerkte, welche sich, dm plattge« drückten Kopf «hobm, mit hestigm Zischen auf Helena stürzm wollte. Ich feuerte sofort einen Schuß auf dar schreckliche Thier, deffen Biß unbedingt tödlich war, ab und tödtete eS wie daS erste. Wie kam es, daß das Reptil, das ich zuerst erlegt hatte, von dem von hi« ziemlich weit entf«nten Platze, hierher geschleppt wordm war? ftug ich mich. Ich konnte diese Thal- fache nur mit einem Plane von höllischer Schwärze in Verbindung bringen.
Bei den wildesten Thi«en besteht eine zärtliche Leidenschaft zwischen dem Paare und ihren Jungen; sie vertheidigen sich gegenseitig bis zum Tode. Ss ist nichts Neues, daß ein Löwe oder ein Tiger mitten in )ie Reihen der Jäger einbringt und ben Tod ob« staub beS Gatten ob« ber Jungen zu rächen sucht. Auch bie Schlangen besitzm diesen Jnstinft — denn von Liebe und Zuneigung kann ja bei Thinen keine Rede sei». ES war dah« nnr zu erklärlich, daß die «letzt getödtete Schlange männlichen Geschlechts $« Spuren gefolgt war, welche der Kadaver deS zu He- eua geschleppt« Weibchens zurückgelassen hatte und len Tod desselben zu rächen suchte. Auf diese Eigen- chaft deS thierischrn Instinkts baute sich der höllische Sedanke auf, die tobte Schlange in die Nähe mein« Jugendfreundin zu bringen. D« teuflische Plan wäre