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Donnerstag, den 8. März 1894.

__________________________________ 21. Jahrgang

iilbaerWZeitniig

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< eine rerchSaesetzliche Regelung verlangt, namentlich auch i nach der Richtung, daß bei deu Reisekosten möglichst nur die wirklichen AuSlaaen vergütet werden, wurde l obwohl in ihrem ersten Theil von der Regierung be- { anstandet, doch angenommen. Angenommen wurde ferner eine R-solution betriff3 Entschädigung der bei Friedensübungen verunglückten Mannschaften bette, deren Angehörigen. Auch im Übrigen wurde der Mili- | täretat durchweg nach den Anträgen der Kommission i erledigt. Morgen 2 Uhr: Identitätsnachweis.

* Das Abgeordnetenhaus setzte die Berathung i deS Kultusetats fort. Auf eine Beschwerde deS Abg. i Stötzel (Ctr.) wegen Nichtzulassung einer Franziskaner. • Niederlassung in Essen erwiderte Minister Dr. Bosse, : daß die angestellte Prüfung ein Bedürfniß für eine i solche Niederlassung nicht ergeben habe. Auf das Ser» ; langen des Abg. Porsch (Ctr.) nach Ausdehnung deS polnischen SpracherlasseS auf Oberschlesim, entgegnete der Minister, daß die deutsche Unterrichtssprache bleiben müsse. Darüber entspann sich eine längere Debatte, in der die Abgeordneten Heerenian, Stanke, Srmula und von Schalscha (säwmtlich Ctr.), sowie der der Pole v. IaqdzewSki für die Ausdehnung deS Sprache-lassiS auf Oberschlesien eintraten Weiterberatbung morgen.

* Der Militäretat ist von der Budgetkommission des Reichstags dies Mal ziemlich gründlich beschnitten worden. Die Kommissien hat, wie die ,Berl Pol. Rachr.' zusammenstellten, nicht weniger als 10 901,800 Mark gestrichen. Davon entfallen 2 516,500 Mark auf die fortdauernden Ausgaben. Bei den einmaligen ordentlichen Ausgaben sind 2,306,600 Mark abges.tzt worden. Danach soll namentlich der Neubau' ver­schiedener Kasernen. Cx-rzirhäuser, Magazingebäude rc. abgelkhnt werden. Auch die Forderung der ersten Rate für die evangelische Garnisonkirche in BreSlau, sowie die für die Anstellung eines Versuchs auf einem Re- montedipot, die R-mont-n.etft im Herbst an die Truppen au-zugeben, wurde» gestrichen. Die Absetzung vom außerordentlichen Etat beläuft sich auf 6 078,700 Mark. Der Haupttheil dieser Summe betrifft die"Be­schaffung für artilleristische Zwecke, auch die Position für die Beschaffung von Handwaffen ist um 15 Millionen reduzirt worden. Da daS Plenum bei Reichstags diese Streichungen zweifellos gutheißen, vielleicht noch vergrößern wird, so ist mit diesen Er- sparniss-n und dm vom CmtrumSabgeordmten Fritzen in seiner bekannten großen Rede zugebilligten Steuern für die Deckung der neuen Militär Vorlage gesorgt, ohne daß es der Miquel'schen Steuerprvjekte, welche der mittleren und ärmeren Klcssrn so schwer triff:« würden, bedürfte. Die M quel'sche Schwarzmalerei war also doppelt überflüssig.

* In der preußische« Justizverwaltung ist 13 Landrichtern der Charakter als Landgerichtsrath und 19 Amtsrichtern der Charakter als AmtSgerichtSrath verlühen. Die neuernannten Räthe sind Äff.fforen aus Dezember 1879 und Januar und Februar 1880, haben

Nomaden sich mit einer wahrhaft thierischen Gier auf die Vertilgung der Speisen warfen, wie sie, waS sie übrig ließen, zuerst dm Freuen und Kindern und dann schließlich den Hunden zuwarfen.

Alle Poesie vom Hirtenleben unverfälschter Natur und wie sonst alle diese Schaustücke naturalistischer Philosophie heißen, gingen bei diesem Schaustücke bru­taler Wirklichkeit in die Brüche.

Ehe ich wegging, gab ich dem Häuptling eine der Leiche des Obersten abgenommenen Pistolen und einen seiner Orden, um mich der Gunst deS Sultans zu versichern. Er nahm diese «uszeichnuna mit Eifer entgegen und später werden sich ruffische Reisende viel- leicht darüber gewundert habm, wie eS kam, daß der Häuptling dieser Nomadm mit einem der höchsten Orden ausgezeichnet war, mit welchem der Cz-r seine AuSerwählten zu schmücken beliebte.

„Werden Sie Ihre Hand auf die Feinde deS Kaisers deS OsteuS legen?" das war die letzte Frage von Baldibogdan. * a “

Ich antwortete natürlich, daß b.e8 mein höchstes Bestreben fei.

Da ich vor allem die Absicht hatte, weiter zu kommen, so bestrebte ich mich, die mir erwiesenen Ehren­bezeugungen möglichst abzukürzen, auch wenn im Verlauf deS Bankettes mir versichert wurde, daß der Ruhm unserer Expedition in allen AulS deS Khalkas gesunqm würde.

Wir ritten endlich ab und gelangten vor Einbruch

Während wir uns unterhielten, vernahm ich das klägliche Blöcken der Hümmel, welche man abschlachtete und das Röcheln stolzer Pferde, die unS zu Ehren ge- schlachtet wurden. Diese Vorbereitungen zu einem Mahle sagten mir, wie hoch man die Ehre unseres Besucher im Aul tchätzte. Obwohl das Pferdefleisch bei den KhalkaS sehr geschätzt ist, wird eS nur bei ! besonders festlichen Gelegenheiten verzehrt, z. B. beim : Begräbniß eines Häuptlings, oder wenn sich hochge- - schätzter Besuch im Lager befindet. Dann kommt eS - unter Umständen auf hundert Pferde, welche man zu ' Ehren der Gäste schlachtet, nicht an. .

So schmeichelhaft für mich diese Ehrung seitens - unserer Gastgeber war, so wenig entsprach sie, wenn ? ich offen sein darf, meinem Geschmacke. Dem harten ; weißsarbigen und unausstehlich riechenden Käfe, welcher i aus der Milch der Schafe und Ziegen dieser Nomaden ' gewonnen war, stand ebenbürtig das Fleisch der im ■ ganzen gekochten Hümmel zur Seite. Aber nach dem I Epnchwort Harpagons: „Man muß essen um zu leben ! nicht leben, um zu effen", zwang ich meinen Ekel nieder und beteiligte mich, so viel ich vermochte, an • dieser mehr als barbarischen Tafel.

Es war ein wirklich abstoßender Anblick, wie diese ■

Deutsches Reich.

Berlin, 6. März.

* Einzelne Blätter nehmen neuerdings wieder von dem Gerücht Notiz, daß es bei dem Besuch des Kaisers in FriedrichSrnh gegen die Absicht der Kaisers zu politischen Erörterungen gekommen ist, welche zu einem scharfen Disput geführt haben. AehnlicheS hat unmittelbar nach dem Besuch des Kaisers in FriedrichSrnh zirkulirt, es ist ober kein wahres Wort daran. Vielmehr steht fest und zwar durch unanfecht- bare Zeugniffe, daß bei dem ganzen Besuch von Po litt k überhaupt nicht die Rede war und daß sich die Herren in der besten Stimmung getrennt haben.

* Die Reise der Kaiserin und den kaiserlichen Kinder nach Abbazia ist auf den 12. d. Mts. ver- schoben worden.

* Der LandeSeisenbahnrath, der heute unter dem Vorsitz des Geh. Rath Brefeld taate, hat die Aufhebung der Staffeltarife mit 20 gegen 14 Stimmen angenommen.

* Zur Schaffung eines Agrarrechts wird ge- schrieben: Die von den zuständigen Behörden in An­griff genommene Statistik über die finanzielle Lage der Landwirthschaft erstreckt sich nicht allein auf die Ver- schuldung der Lwdwirthe, sondern auch auf deren Ein­nahmen und fortlaufende Lasten. Diefe Erhebungen stehen im Zusammenhang mit der geplanten Aus­arbeitung eines Agrarrechts, zu welchem der erste Schritt mit der dem preußischen Landtage vorgeschlagenen Errichtung von LandwirthschaftSkammern geschehen soll. Erst wenn diese Organisation hergestellt fein wird, kann an eine Ausbildung des Agrarrechts herangetreten werden.

Nach Sibirien verbannt.

Bon Louis Collas. Mit Genehmigung deS Verfassers Deutsche übertragen von PH. Freidank.

(38. Fortsetzung-)

also 14 Jahre bis zu ihrer Ernennung zu Räthen IV. Klaffe gebraucht.

* Eine Zuschrift der ,Times' vom Nordende deS Nyaffa-See vom 20. Dezember berichtet, daß Baron E l tz, einer der Therlnehmer der Wisfmann'sLen See­expedition, im Lande Muanguaras eine Sklaven- karawane abfiag, das Elfenbein zurückgab, um zu beweisen, daß Plünderung nicht sein Zweck sei, ober 211 Skioven, meist Weider, Knaben und Mädchen, zurückbehielt und theilweise an deutsche Missions­stationen vertheilte.

* 3» Betreff der Zeugenvernehmung hat der Justizminister der,Köln. Ztg.' zufolge kürzlich in einer für alle Gerichte bestimmten Verfügung daraus hin­gewiesen, daß die Richter bei Befragung dec Zeuge» nach ihren etwaigen Bestrafungen nur mit Vorsicht und nicht ohne bestimmten Anlaß zu Werke gehen mögen. Könne davon im einzelnen Falle nicht abge­sehen werden, dann möge wenigstens eine schonende Form gewählt werden. Liege doch auch die Gefahr nahe, daß eine schadenfrohe oder böswillige Bericht­erstattung aus der öffentlichen Gerich'ssitzung Einzel­heiten verbreite, die das Ansehen des Zeugen in der bürgerlichen Gesellschaft und fein Fortkommen in der Geschäftswelt in hohem Grade zu schad gen geeignet sind. Denselben Schutz will der Justizminister nach Möglichkeit auch den Angeklagten nicht versagt s'hen; zum mindesten insofern, als es in der Regel als entbehrlich bezeichnet wird, alle und jede voran- g gangenen Bestrafungen geringfügiger Art dem ange­legten vorzuhalten und damit der Veröffentlichung zu überliefern, wenn nicht ausnahmsweise davon die Ent- scheiduin in der vorliegenden Sache überhaupt oder wenigstens die Zumeffung der Strafe beeinflußt werden kann.

* Königsberg i. Pr., 3. März. In einer gestern abg-haltenen Versammlung der Wähler des Reichstags­wahlkreises Königsberg Land-Fischhausen hielt der Abg. Graf Dönhoff-Friedrichftein einen Vortrag, in welchem er für den deutsch-russischen Handelsvertrag eintrat. ES wurde darauf von der Versammlung eine Resolution angenommen, welche den Grafen Dönhoff von seinem Versprechen, gegen den Vertrag zu stimmen, entbindet und ihm bei der Abstimmung im Reichstage freie Hand läßt.

* Paderborn, 5. März. Die gestrige Vertrauens­männer - Versammlung der Centrumspartei der Wahlkreises Paderborn-Büren war zahlreich besucht und eS zeigte sich Einmüthigkeit in allen wesentlichen Punkten. Allgemein war man der Ansicht, daß im Hinblick auf die Sachlage dem bewährten Vertreter im Reichstage, Herrn Hesse, für seine Abstimmung über den deutsch- russischen Handelsvertrag freie Hand gelassen werden müsse, von verschiedenen Seiten wurde aber die Aufhebung der Staffeltarife als eine wer th- volle Gegenkonzession und zugleich als nothwendige und berechtigte Forderung des Westens hervorgehoben. Diese der Rächt zu dem benachbarten Aul, an drssen Häupt­ling wir von Baldibogdan bestens empfohlen waren. Wir fanden die Bewohner des Auls in der größten Aufregung. Lautes Geschrei und Verwünschungen er­tönten überall und die Herden entflohen, als wir ein­rückten, nach allen Richtungen. Wie wir erfuhren, handelte es sich um einen jener Raubanfälle, welche von Zeit zu Zeit von den benachbarten kriegerischen Stämmen auf die in den Steppen ansässigen Hirten­völker gemacht werden, und gegen welche man sich all­seitig zu rüsten pflegt.

Das war eine günstige Gelegenheit als irrende Reiter aufzutreten, welche sich der Sache der Unter­drückten annehmen. Meine Kameraden waren glücklich darüber, endlich einmal mit andern Gegnern als Hunger» Durst und Ermüdung kämpfen zu können. Sie stürzten sofort ins Handgemeng-, und, Dank ihrer Tapferkeit und der Ueberlegenheit ihrer Waffen, gaben sie dem Kampf sofort eine andere W ndung. Platoff der hier znm ersten Male Pulver roch, t|it sich im Kampfe durch Muth und Tapferkeit besonders hervor. Er setzte eine Anzahl der Räuber außer Gefecht und streckte sogar den Häuptling derselben durch einen kräftigen Säbelhieb zu seinen Füßen nieder. Schließlich schritt ich ein und brachte den Kampf zum Abschluß. Platoff zeigte mir den Führer der Räuber, den er getöbtet hatte. Es war ein noch sehr kräftiger Alter mit wallendem weißen Barte, der ihm ein ehrwürdiges Aenßere verlieh.

* Der Reichstag überwies den Gesetzentwurf betr. den Schutz der Brieftauben an eine Kommission und fitzte dann die Bera> hang deL Militäretats fort. Kriegs- Minister v. Bronsart trat den Angaben der Zeitungen entgegen, wonach er gestern seine Auslassungen vom Sonnabend über den Fall Kirchhoff abgeschwächt habe. Abg. Bebel wollte daraus hin auf den Fall Kirchhoff zurückkommen, wurde aber vom Präsiointen daran gehinderr. Beim Kapitel Geldverpflegung bet Truppen vertheidigte der Kriegsminister das vom Abg. Bebel angegriffene Kantinenwesen, die Verwendung von Sol­daten bei Treibjagden rc. Bei den Titeln zu Gefechts­übungen wurden regierungsseitig Versuche mit der Magazinveiwaltung in Aussicht gestellt. Ein Antrag die von der Kommission bei der Position für kleinere Neu- und Reparaturbauten gemachten Abstriche wieder aufzuheben, wurde mit kleiner Mehrheit abgelehnt. Auf eine Anfrage des Abg. Dr. Hammacher (ntl) erklärte der Kriegsministrr, eS seien dem Kaiser Vorschläge ge» macht worden, welche auf eine Entlastung des Ge- päcks rc. der Mannschaften um 13 bis 14 Pfand ab- zielten. Eine von der Kommission beantragte R-so- - hition, welche für die Reisekosten und Tagegelder s