Einzelbild herunterladen
 

ilhtt

in's

daß

anwendbar."

der ge« die be-

Aber der Kampf gegen die Menschen und Elemente, den wir überstanden hatten, ließ sanfte Gefühle nicht

Dach Sibirien oerbamt.

Bon Louis Collar. Mit Genehmigung des Verfassers Deutsche übertragen von PH. Freidank.

(37. Fortsetzung.»

aufkommen. Wir waren vor allem darauf bedacht, de« von dem Sandsturm für unS erkämpften Sieg nach jeder Richtung hin aurzunützen. Wir oemächttgtm unS deshalb der Waffen, der Munition und des Mundvor« rathe» der Tobten, welche uns dringlich nothwendig waren. Dann warfen wir unsere, durch dm langen Marsch bereit- schadhaft gewordenen Kleider ab und eigneten uns — eine harte aber peinliche Roth Wendig­keit — die der im Sande Begrabenen an. Ich selbst bmutzte die Uniform des armen Obersten Romanzoff.

Dank dieser Verkleidung dursten wir hoffen, unS fernerhin als Freunde Rußlands die Zelt- Führer der nomadifchen KhalkaS entgegenkommend öffnet würden und daß man unS, da wir auch Papiere der Gefallenen an uns genommen hatten, hilfllch fein würde, unser Fortkommen nach jeder Rich­tung hin zu besördern. „Muth und List," sagte ich mir AeneaS in gleicher Lage, ist „gegen jeden Feind

& Arbrtter-Wgerzug »ach Kam.

Die Zeitung .Christlicher Arbeiterfreund' plaidirt in Nr. 8 für einen Pilgerzug der deutschen Arbeiter nach Rom und im Anschluß an diese Pilgerfahrt (es werden nämlich auch noch aus anderen Ländern Prlgerzuge in Rom erscheinen) sür einen internationalen katholischen Arbeiterkongreß. Ich selbst bin für diese Idee durch­aus begeistert. Ich habe es immer bedauert als ich noch in Rom wohnte, wenn von allen Theilm der Erde Arbeiter zum heil. Vater zogen, und nur die deutschen Arbeiter sehr spärlich vertreten waren. Menschlicherwrise gesprochen dürfte es einen ja nicht wundern, wenn die Römer die Franzosen für treuere Anhänger des Papstes halten, als die Deutschen. Man bedenke nur den Eindruck, den es machen mußte, als im Anfang de« Jahres 1890 circa 8000 französische Arbeiter den Papst besuchtm und ihm ihre großartigen Ovationen darbrachten. Und die waren aus allen Theilen Frankreichs. Ich erinnere mich heute noch mit Vergnügen an die malerischen Trachten der Bre­tonen, an die kräftigen Gestalten der Vendeer, an die feurigen SaScogner. Also wie gesagt: ein Arbeiter- pilgerzug ist nur zu wünschen. Aber man darf die Sache nicht überstürzen, wenn etwas Ordentliches zu Stande kommen soll. Der .Christliche Arbeiterfreund' indeß geht meines Erachtens etwas zu eilig vor. Man möge mir daher gestatten, auf Grund meiner Er- fahrungen (ich habe selbst mehrfach bei Pilgerzügen im Comits plastisch mitgearbeitet) meine Anficht auS- einauderzusetzen.

Dar Allererste, was nothwendig ist, um einen Arbeiterpilgerzug mit Erfolg inS Werk zu setzen, ist ein tüchtiger thatkrästiger Führer, der von Anfang an die ganze Angelegenheit in seine Hand nimmt und kettet. Eo ein Man« wie der Führer deS obm erwähnten französischen Pilgerzuges Lson Harmel, den die Fran­zosen den Arbeiterpapa nennen, ich glaube, wir würden in Deutschland auch nicht allzu weit nach einem solchen suchen müffen. Zweitens braucht eS drei bis vier Jahre Zeit zur Vorbereitung, denn der Arbeiter muß doch einigermaßen mit Gelb ausgerüstet sein, damit di- Strapazen der Reise gar nicht zu sehr fühlbar werden. 150—200 Mark wird man dock» für den einzelnen Arbeiter rechnen müssen. Drittens ist nothwendig ein Pilgerkomits, welches dem Führer zur Seite steht und bei dessen Mitgliedern ks nicht so sehr auf hochtönende Namen ankommt, als aus praktischen Sinn und Er­fahrung ! Ebenso maß im Jahre der Pilgerfahrt selber in Rom ein Komito constituirt werden, welches in Verbindung mit dem deutschen Romtie die nothwendigen Einrichtungen zu treffen bat und während des Aufmt- haltes der Arbeiter in Rom sich derselben annimmt. Die Kapläne der Anima und des Campo Santo würden sich, davon bin ich überzeugt, mit der größten Aufopferung dieser Aufgabe entledigen.

Nun käme die Havptftage! Wie ist das Geld zu beschaffen? Ich glaube, wir folgen am besten der Ein- richmng, welche der französische Arbeiter - Pilgerzug getroffen hat. Wir werden zunächst zwei Kategorien

per Woche...... 50 Mark,

oder per Jahr .... 2600 Mark, oder per 3 Jahre . . . 7800 Mark.

Wenn wir nun für einen Romreisenden 200 Mark rechnen, so können die obigen 500 Arbeiter durchs LooS zur Romreise auswählen 39 Mann.

Nun muß man noch bedenken, daß bei den 7800 Mark die Zinsen, die das Geld in der Sparkasse trägt, und die freiwilligen Gaben von Seiten der Arbeitgeber und anderer katholischer Arbeitrrfteunde noch gar nicht gerechnet find. Ich glaube deshalb mit Sicherheit an­nehmen zu können, daß 500 Mann in der Lage sein werden, nach dreijähriger Einzahlung von 10 Pfg. wöchentlich wenigstens 50 Delegirte nach Rom zu ent­senden. UebrigenS ist es natürlich jeder Kasse selbst überlassen, die Höhe deS Beitrages zu bestimmen. Das hängt ja vom Lohne und anderen Umständen ab. Sehr wichtig wird eS sein, daß sich in jedem Orte, wo eine solche Kasse gebildet werden kann, ein Geistlicher that- kräftig der Sache annimmt.

Die hier angeführten Berechnungen und Vorschläge können selbstverständlich nicht als in sich abgeschlossen betrachtet werden. Sie sollen nur die Anregung bieten, daß ein tüchtiger Führer, z. B. Fabrikbesitzer Brandts inM.-Gladbach, sich im Verein mit einem arbeitsamen Komitee der Sache annimmt und die ge­machten Vorschläge weiter ausarbeitet.

Bezüglich deS internattoualen katholischen Arbeiter- kongresseS werde ich vielleicht in einem anderen Artikel meine Ansicht klarzulegen suchen.

Im klebrigen möchte ich bemerken, daß die Sache gar nicht so schwierig ist, wie sie auf den ersten An­blick erscheinen möchte. Ich erinnere an die Zeit, als ein Heer a«S Freiwilligen aller Länder gebilvrt, den päpsttichen Thron verteidigte. Heute noch glauben manche Leute, dieser Heer hätte auS Franzosen nebst einigen Deutschen und Niederländern bestanden. (Di- Franzosen wußten eben von sich reden zu machen.) Das ist total unrichttg. Das größte Kontingent zu dieser Armee haben wir Deutsche gestellt, trotzdem wir uns in viel schwierigeren Umständen befanden, alS die anderen Stationen. Frankreich hatte in Rom ein Re­giment errichtet, in welchem jeder Franzose seiner Dienstpflicht genügen konnte, die sogen. Legion d'AntibeS, und selbst in diesem Regiment befanden sich unter 800 Soldaten mehrere Hundert Deutsche. Man denke nur einmal, Preußen hätte auch in Rom ein Regiment er- richtet, in dem jeder Preuße seiner Dienstpflicht hätte genügen können: das Regiment würde 20,000 Mann gezählt haben. Die berühmten päpstlichen Zuaven, welche in Deutschland selbst heute noch für Franzosen gehalten werden, bestanden in ihrer überwiegenden Majorität aus Deutschen. Alle diese Männer haben ! nicht etwa nur ihr Geld geopfert, sie haben Leib und Leben für den hl. Vater gegeben oder waren doch : bereit, es zu thun. Und da sollte man heute zweifeln : an der Möglichkeit eines deutschen ArbeiterpilgerzugeS? ; Gebt uns die rechte Organisation und wir wollen dem ! hl. Vater deutsche Arbeiter vorstellen, daß sich sein Baterauge ergötzen soll und sein geplagtes Herz freudig

Grose weideten. Außerdem erblickte man den Aul eine« RomadendorfeS mit seinen spitzen Filzzelten, welcher sich an der silberglänzenden Fläche eines Sees ausbrei-

I tete. Ein wahrhaftes Paradies mitten in der entsetz- ; lichen Dürre der Wüste.

\ Ich glaubte zuerst selbst an die Wirklichkeit der un- i ermatteten Erscheinung, aber sehr bald überzeugte ich ' mich, daß wir eS mit einem in tett Wüsten nicht un- ; gewöhnlichen' Spiegelbild-, einer Fata Morgana, zu thun hatten. Das schreckte mich aber nicht ab, denn • die Natur konnte doch nur wiederspiegeln, waS sich in ° irgend einer Entfernung — und sei sie noch so groß ! — tatsächlich vorfand.

„Vorwärts!" rief ich mit einem Selbstvertrauen, ■ daS "sich meinen Schicksalsgenossen mittheilte.

Uniere Pferde fielen in einen rasenden Galopp, wie ? wenn sie ahnten, daß wir in kurzer Zeit ein bessere- j Land, bessere Futterstellen erreichen würden. Unsere Hoffnung wurde auch nicht getäuscht. Nach einem Ritte von einigen Stunden erblickten wir schon wieder spür- : lich- Vegetation, wie sie sich an den Rändern der Wüste i voifinder. Dadurch wurde die Zuversicht und daS - Selbftvrrttauen von Mensch und Thier nicht nur wieder- ■ hergestellt, sondern gehoben. Nach und nach zeigten üppiger GraSwuchS und kleine Wälver die Nähe von Wasser an. Bei den letzten Strahlen der Sonne er«

von Arbeitern zu unterscheiden haben: die erste, welche gedenkt, auf eigene Kosten zu reifen, die zweite, welche auf gemeinsame Kosten reist. Beginnen wir mit der zwetten. Die zweite Kategorie bildet eine Kasse, m welche jeder katholische Arbeiter einen näher zu be­stimmenden, ganz geringen Beitrag monatlich einzahlt. Ist die Zeit der Pilgerzuges gekommen, so wird daS Geld zusammengezählt und eine dem Selbe entsprechende Anzahl Arbeiter auS denen, die regelmäßig gezahlt haben, durch daS LooS gezogen. Diese haben alsdann alS Abgeordnete ihrer Kameraden das Recht, die Rom­reise zu machen. In diese Kossen werden selbstver- ständlich auch ausgenommen die freiwilligen Beiträge und Geschenke der Arbeitgeber, sowie sonstiger wohl­habender Katholiken, welche einen Beitrag zu einem gottgefälligen Werke leisten wollen.

Die erste Kategorie, welche auf eigene Kosten reisen > will, hat wöchentlich einen bestimmten Beittag zu ent­richten, der dem zu beschaffendm Reisegelde entspricht. DaS hängt natürlich von der Länge der Zeit ab, während welcher einer bezahlt. Selbstverständlich kann die erste Kategorie daS Geld in die oben erwähnte rasse einzahlen, nur muß dann getrennte Buchung ge« ührt werden. . „

Eine weitere Frage ist die, wie können die Kassen zusammengesetzt »erben? Es können doch nicht alle Arbeiter Deutschlands in eine Kasse zahlen. Ma« wirb diese Frage am besten durch katholische Vereine regeln. Ss gibt ja doch in jeder Stadt einen katho- lischen Gesellenverein, eine Männer-Kongregation ober einen katholischen Arbeiterverein, welche gerne bereit fein bürsten, bie Kaffe zu übernehmen refp. daS Selb in einer Sparkasse unterzubringen. ES werden jeden- salls eine ganze Reihe katholischer Arbeiter, auch solche, welche den genannten Vereinen nicht angehören, der Kaffe beitreten, w-r-n drc Sache nur durch Zeitungen und Borträge genügend bekannt und populär gemacht wird. WaS wird aber geschehen, so fragt man, wenn em Arbeiter ober Gefell- seinen bisherigen Wohnort verläßt? Die Sache ist sehr einfach: emroeber erhält et baS eingezahlte Gelb zurück unb kann dasselbe aus eine Bescheinigung seine« KaffenvorstandeS hin in die Kasse seine« neuen Wohnortes einlegen, oder er zahlt, wenn daS möglich ist, an seine erste Kasse weiter. Was geschieht, wenn ein Arbeiter nicht weiter zahlen kann oder will? Dann erhält er daS eirigezahlte Geld zurück ohne Zins. .

ES gilt noch einen Haupteinwurf, gegen den ich mich wenden muß. Man wird sagen, die Zeiten sind so schlecht, daß die Arbeiter nothwendig ihr Geld brauchen, und daß -S überhaupt eine Thorheit ist, ihr Geld für solche Zwecke anszugebeu. Auf daS letztere antworte ich gar nicht. Die erftere Schwierigkeit ist i nicht so schlimm, wie sie auSsieht. Rehmen wir an, ! 500 Arbeiter haben sich zusammengethan, um eine , gemeinsame Kaffe zu bilden. Jeder Arbeiter trinkt । wöchentlich ein kleines GlaS Bier weniger (deswegen muß er weder früher sterben, noch seine Familie Noch leiden), bann kann er per Woche 10 Pfg. an bie Kasse zahlen. Da« macht für 500 Arbeiter

Ueberhaupt überfiele« mich in ber Wüste häufig genug klassische Erinnerungen. Die großartigen Natur- erscheinungen, welche wir erlebten, sührten von selbst zu bem Gedanken an Bott, gegen dessen Walten in der Natur der Mensch so klein und machlloS erscheint. In diesen unendlichen Steppen hatte TschmgiS • Khan im Mittelalter seine zahllosen Horden gesammelt, um den ganzen Osten zu erobern. WaS aber blieb von seinen großartigen Eroberungen übrig?

Während ich derart meinen Gedanken nachgivg und mein Pferd nach feinem Belieben traben ließ, befand sich plötzlich Helena an meiner Seite, tote immer trau- rigen Antlitzes, aber trotzdem heiteren Gemüches, baS sie die Mühen und Anstrengungen ber Flucht mit un- vergleichlicher Energie ertragen ließ. Plötzlich sagte sie zu mir: „SigiSmund, betrachten Sie doch den herr­lichen Anblick."

Ich folgte der mir angedeuteten Richtung und er­blickte ein LandschaftSbild von unsagbarer Schönheit, doppelt verführerisch für Menschen, welche seit langen Tagen nur den Anblick ber düftern nackten Wüste ge­habt hatten. 3« Hintergrunbe erblickte ich in sast-g- stem Grün prangende Wälder, welche die Abhänge s-r- । ner Gebirge bedeckten, über die steilen Felsen stürzten , sich in kühnen Kaskaden hellblinkende QreUen zur Esene, in welcher Herden von zahlloser Menge in üppigstem