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unsere Flucht.
12.
Pferde an und ruhten, nicht ohne Schildwochen au-zu- teilen, welche mir bei jeder verdächtigen Annäherung allarmieren mußten. , ,
Bei Sonnenaufgang genossen ton em grotzarttgrS Naturschauspiel. Die Strahlen der ausgehenden Sonne zauberten auf den schneebedeckten Gipfeln der hohen Berge Lichteffekte hervor, welche geradezu unvergleichlich chön waren. Die Selinga, welche sich in den Baikal- ee ergießt, erschien uns mit ihren Nebenflüssen wie Werne von dem Smaragd der Steppen eingefaßte Länder. Außerhalb der Schneegrenze erblickten wir prächtige mit Bäumen bestandene Wälder, die denen >er europäischen Waldflora glichen, aber sich vor ihren westlichen Genossen durch mächtigeren Wuchs aus- zeichneten. Der Ausblick auf das friedliche Land zu unseren Füßen hob unsere Herzen himmelwärts und erfüllte sie mit Dankgefühlen gegen Gott, welcher unser Unternehmen so sichtbar beschützt hatte.
Unsere direkteste und schnellste Route mußte östlich gerichtet werden, doch befanden sich dort Wasserläufe von beträchtlicher Tiefe und Breite, durch welche unsere Flucht wesentlich verlangsamt worden wäre. Zudem war es auch dieselbe Linie, auf welcher unsere Brr« folger operiren würden — und zwar mit um so mehr Erfolg, als dort zahlreiche russische Wachtposten staffelförmig aufgestellt waren. Es wäre eine sehr seltsame Einbildung von uns gewesen, wenn wir angenommen haben würden, daß jenseits der russisch-chinesischen Grenze sich keine Russen befänden — im Gegentheil. Die Russen schoben zur damaligen Zeit ohne Rücksicht auf die Grenzen des himmlifchen Reiches ihre Posten fortgesetzt weiter vor. Die ganze Dsungurai war bereits von den Russen besetzt. So sehr dies vom Standpunkte der Civilisation auS zu begrüßen war, um so gefährlicher war dieser Bormarsch des russischen Kollosses für uns Flüchtlinge.
Wir beschlossen also, dem Thale der Selinga m westlicher Richtung hin zu folgen und überschritten alsbald einen ihrer Nebenflüfft, den Ecke, gerade an der Stelle, wo derselbe aus dem schönen See Kussu - Gul tritt. Wir blickten ganz nahe die Ausläufer der Ge- birgskette Tamm-Ola.
Um mich besser zurechtzufinden, bestieg ich einen der Gipfel dieser Gebirgskette. Dort genoß ich eine Aus- sicht, welche an Großartigkeit Alle« übertrifft, was ich bis jetzt gesehen hatte: Im Westen zu meinen Füßen der See San-Gindalat mit seinem kiystallklaren Waffer, den mächtigen Gebirgszug von Tang-Nu, welcher an den Altai, dessen weiße Gipfel sich mit den Wolken vermählten, anschloß; den einem Meere an Größe gleichenden See Absa Nor und die großartige Steppe Alan-Kun, aus welcher smaragdgrüne Oasen gleich Inseln aus einem Sand-Ozean hervorragten. Die vielen Kirgisenlager mit ihren spitzen Zelten und zahllosen Heerde» von Kameelen, Pferden, Ochsen und Schafen glichen Punkten in dem Koloffal-Rundgemälde.
Im Süden streifte das entzückte Auge wellenför- mige Bodenerhebungen von unendlicher Ausdehnung, die Wüste von Gobi schien es zu sein, hinter welcher sich die riesige Mauer des himmlischen Gebirges, de- herrscht von dem schneebedeckten Bakda-Ala, erhob, und im Osten erblickte man den herrlichen Selingastrom mit feinen vielen Seen, welche gleich krystallenen Augen aus der smaragdfarbigen Umfassung, bestehend aus den vielen unendlichen Grassteppen, hervorblitzten. Mitten aus diesen Steppen erhob sich die Gebirgskette des Kuku-Daban mit seinen Vorbergen.
Wir folgten der nördlichen Abdachung dieser unter- geordneten G-birgSzugeS, indem wir einige Zuflüße der Selinga übersetzten, welche unserem Marsche, da sie seicht waren und mehr Waffersällen, dir von den Felsen stürzen, als Strömen glichen, keine ernstlichen Hinder- " Dirfer" Theil unserer Flucht bot äußerst malerische Naturereignisse. In den Flußläufe umgrenzendm Felsen befanden sich zahllose, durch die Macht der Wassers hervorgebrachte Höhlen, welche von mächtigen Tannen beschattet waren, welche ihre Zweige in das krystallhelle Wasser tauchten, ihre Wurzeln in daS Gestein schlugen und eS dadurch zerklüsten halfen. Die Flora m diesen von der Kultur bis jetzt noch nicht beleckten Thalrrn war eine ebenso reichhaltige wie interessante. Wir erblickten neben unserer bekannten Schwertlilie m allen ihren Arten: gelbe, blaue und purpurfarbige Nelken, Veilchen, Narzissen, welche zum Theil recht anmuthende Erinnerungen an die ferne Heimath erweckten.
Wir rechneten bestimmt darauf, Khalkas zu begegnen, einem nomadischen Stamme, welcher diese Gegenden
Durch Berg und Thal.
Obwohl wir bereits einen großen Vorsprung gewonnen hatten, wäre eS Wahnsinn gewesen» unsere Sache als gewonnen anzusehen. Rach einigen Minuten Aufenthalt nahmen wir unsere Flucht im schnellsten Laufe wieder auf und jagten die mitgenommenen reiterlosen Pferde vor uns her. Zunächst hatten wir das Gurgebirge zu passirev. Einige von uns hatten die Saumpfade und Pässe des unwirthlichen Gebirgszuges genau studirt. Trotzdem nahm der Marsch, der an und für sich sehr gefährlich und schwer war, viele Zeit hinweg. Ernsthafte Hindernisse stellten sich «ns vielfach in den Weg und oft ließ der Weg kaum Raum für zwei Mann in der Fronte. Wir betrachteten es als einen großen Erfolg, als wir den Uebergang über diese mächtige Bergkette hinter uns hatten. Vor allem trafen wir dafür Sorge, daß unsere Verfolgung möglichst erschwert werde. Aus diesem Grunde fällten wir an den gefährlichsten Stellen Bäume, welche wir quer über die Straßen legten, um den Vormarsch unserer^ Feinde zu verzögern.
Nach Bewältigung dieser beschwerliche» und gefährlichen Marsches fühlten Mensch und Thier unserer Karawane dar Bedürfniß nach Ruhe. Am südlichen Abhang der Gebirges satteltm wir ab, pflöckten die
Dach Sibirien verbannt.
Bon Louis Collas. Mit Genehmigung des Verfassers in's Deutsche übertragen von PH. Freidank.
(35. Fortsetzung)
„Ich gehe nun," sagte Platoff zu Brannl. „Lassen Sie die Brücke abdecken, damit Öie Rückkehr Roman» zvffS verzögert wird." c.,
ES war düsteres, nebeliges Wetter an diesem Tage und die Nacht brach vorzeitig herein. Die Glocken der Kirche der heiligen Wladimir ließen ihre um diese Zeit ungewohnten Töne erschallen; das war unser verabredetes Zeichen.
Die Verschworenen, von Platoff, LadislanS und mir geführt, verbreiteten sich nach allen Seiten. DaS Paßwort, welches wir gaben, öffnete uns alle Thurm. Im Arsenale vervollständigten wir unsere Ausrüstung an Waffen und Munition. In den PferdedepotS fanden wir einigen Widerstand, der aber bald besiegt wurde. Wir wählten die besten Pferde aus und zwar für jeden der Theiln hmer an der Flucht deren zwei, damit wir genügenden Ersatz sür dir durch die Strapazen abgängigen Thiere besaßen. Die übrigen Pferde des Depots jagten wir in die weite Ebene hinaus, indem wir sie vorher durch Schläge und Abschießen der Pistolen recht scheu gemacht hatten. Wir ließen nur kranke und sonst dienstuntaugliche Pferde zurück.
Unser Programm war vollständig dmchgesuhrt. Wenn wir diejenigen rechneten, welche wir erst in letzter Stunde in unsere Pläne einweihtm und die anderen, welche sich unS freiwillig anschlossen, als wir dm vollm Erfolg davon getragen hatten, überschritt unsere Anzahl dreihundert gut bewaffneter und berittener Männer. . .
Als wir alle versammelt waren, ritten wir mit verhängten Zügeln gegen Süden. Unser Ritt glich dem Geräusch einer Orkans und mit der Schnelligkeit des Blitzes eilten wir vorwärts. Nachdem wir einige Zeit so fortgerast warm, hielten wir an und blickten rückwärts. Wir vernahmen, wie die Lärmglocke heulte, die Trompeten fchmetterten und die Trommeln rasselten. Hohe Feuergarbm stiegen zum Himmel, denn einige der Genossm hatten, fei es aus Rache für erlittene Unbilden, sei es, weil sie durch einen Brand die Verwirrung vermehren und unsere Verfolgung aufhalten wollten, einige der Holzhäuser von Irkutsk in Brand gesteckt. Der Brand nahm, wie wir bemerkten, einen größeren Umfang an und es erschien uns nicht unmöglich, daß die ganze Stadt dem verheerenden Feuer zum Opfer fiel. Es war ein großartiges, aber trauriges Schauspiel und ich machte mir schwere Vorwittfe, daß einige der Flüchtlinge sich von ihrem blinden, aber begreiflichen Hasse hatten derart hinreißen lasten, um unsere Flucht mit dem Male der Brandstiftung zu beflecken. Aber zu Klagen und Vorwürfe machen war hier nicht der Ort. Die Russen, das konnten wir beobachten, standen unter keiner zielbewußten Führung und das war unser Glück. Ihre Verwirrung begünstigte
durchzieht, aber wir erblickten nur von Weitem einzelne Posted. Dieselben bewachten die Zugänge zu ihren Zelten, welchem mehr oder weniger großer Anzahl em Aul oder Dorf bilden. Weite Strecken des hohen Grases warm abgeweidet und zeigten an, daß diese Nomaden zahlreiche Heerden besitzen mußten.
Die Jagd lieferte uns zum Glücke den nötigen Bedarf an frischem Fleisch, denn die Fauna dieser gesegneten Landes ist ebenso reich an Arten und Zahl als seine Flora: Argalischafe, Mufflons, Dammhirsche und Hasen boten uns reichliche Beute. Dir harte Nothwen- digkeit legte uns Eile auf und verbot jeden unnöthigen Aufenthalt. Wir waren wieder gezwungen, eine Nacht im Freien zuzubringen. In dem hügeligen Lande, von verschiedenen Flußläufen durchschnitten, bedurften wir zu unserem Marsche des Tageslichtes, und zwar aus den verschiedensten Gründen. Wir mußten fürchten, von Tigern und Wölfen, der Geißel der Nomaden, überfallen zu werden, vor Allem fürchteten wir aber unsere Verfolger. (Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
* Ueber einen vielbesprochenen räthselhasten Diphtheritis- kall in einem Berliner Hotel berichtet das ,B. T/ folgendes Nähere: In einem der feinsten und elegantesten Hotels des vornehmen Berlins wurde vor etwa einer Woche eine größere Gesellschaft abgehalten. Alsbald erkrankten acht von den Theilnehmern, darunter vier unter den bedenklichsten Erscheinungen, die von den zugezogenen verschiedenen Aerzten erst aus Vergiftung, dann auf Diphtheritis der schwersten Art, mit Herzschwäche, Herzlähmung und plötzlichem Kollapses gedeutet wurden. Erst starb die Gemahlin eines angesehenen hochgestellten Beamten, dieser ist eine zweite Dame unter ähnlichen Symptomen ins Jenseits gefolgt. Die übrigen Betroffenen scheinen den Unfall zu überwinden. Die Erkrankten haben sonst keinerlei engere Beziehung zu einander, sie wohnen in verschiedenen Gegenden, sie sind lediglich zufällig zusammengeladene Gäste gewesen; sie wurden auch von verschiedenen Aerzten behandelt. Gleichwohl muß eine gemeinschaftliche, während der Festtafel vorhanden gewesene Erkrankungsursache gesucht werden. Es war kurz vorher ein kleines Kind an schwerer Diphtheritis in demselben Hotel gestorben. Dieser Umstand und dielGleichartigkeit der Erkrankungen drängt unabweislich eine Ansteckung durch Diphtheritisgist jenes Kindes auf. Wie dergleichen aber in einem großen, reinlichen Hotel möglich, ist andererseits kaum faßlich; man bleibt also vor der Hand vor einem nicht zu lösenden merkwürdigen Räthsel stehen.
* Ein Bauer ist mit seiner Frau vor Gericht erschienen, um für die von ihm beantragte Ehescheidung vernommen zu werden Richter (zum EheMann): „Sie meinen also, daß Sie mit Ihrer Frau unmöglich weiter zusammen leben können?' — ,Ja, Herr Richter! Und dormit S- bat sülwst sehn, will ick Se de Ollsch 'mal viertein Dag hierlaaten!"
* (Zu wörtlich befolgt.) Lieutenant (zu seinem Burschen): Johann bringe dieses Bouquet zu meiner Braut und richte besten Gruß und Kuß auS!"--Bursche (nach einer Weile
zurückkehrend, auf die Frage des Lieutenants, ob er alles gut ausgerichtet habe): „Jawohl, Herr Lieutenant! ... Das Fräulein hat sich aber bei dem Kusse arg g'wehrt!"
* (Zum Andenken) Madame: „Minna, wo haben Sie denn Ihre Haarlocken gelassen?" — Dienstmädchen: „Na, Sie wissen doch Madame, das Regiment ist heute ins Manöver ausgerückt, und da mußte ich doch jedem von meinen Bekannten eine Haarlocke geben!“
* (Schneidig.) „ Meine Gnädigste, bin heute beinahe Walfisch! — „Walfisch? — Wieso, Herr Lieutenant?" — „Schwimme in einem Ozean von Wonne, Sie zu sehen!"
* (Darum) „Minna! Sie haben einen Soldaten in der Küche!" — „Ach, gnädige Frau — die Kinder haben die Soldaten so gern — und da hab' ich ihnen einen — zum Spie'en mitgebracht!" , , , . _ , , ,
* (Vor dem Fahneneid) Feldwebel (zu den Rekruten): Heute müßt Ihr schwören!" . Aber das sag' ich Euch: im Dienst ist die ewige Treue anders zu verstehen, als wie bei den Frauenzimmern!"
* (Ans einem Liebesbrief.) „. . . . So müssen wir uns also für immer vergessen, lieber Arthur! Und so mit verbleibe ich denn Deine Dich ewig geliebt habende Amanda."
* Dienstmädchen (ihrer Herrin meldend): „Draußen ist em Mann mit Krücken " — Herrin: „Mit Krücken? Was sollen wir denn mit »Krücken? Schicke ihn fort."
* (Zarte Anfrage.) Dame: „Sagen Sie 'mal, würden Sie je des Geldes wegen heirathen, Herr Baron!" — Herr: „Wieviel haben Sie denn?"
* (Individuell.) Dienstmädchen: „Madame, s ist u Herr brausen, der Sie zu sprechen wünscht!" — Dame: „Wie sieht er aus?" — Dienstmädchen: „Reizend!"
* (Reid.) Dienstmädchen: „Gnädiger Herr, ich muß die Stellung kündigen, mit der Madame ist es ja nicht mehr auszuhalten I" - Herr: „Ja, Sie sind gut daran. Sie können gehen, ich aber muß bleiben!"
* (Unsere Dienstboten.) Dienstmädchen (Kleider putzend): Wie ich mich gift’ — das ist nicht zum sagen! Ich glaub’, es ist mein Rock und bürst' eine halbe Stund dran herum - derweil ist's der von der gnädigen Fran!"
* (Ely Menschenkenner.) Gymnasialprofessor: „Sie Müller gestern sah ich Sie mit einem Fräulein gehen!" Müller: „DaS war meine Konsine, Herr Professor!" Professor: „Ja, ja Konsine aber mit „Gänsefüßchen".
* (Die thenere Gattin.) Sie: „Du kannst von Glück sagen, daß ich Dir Deine alten Sachen ausbessere! Was würdest Du wohl machen, wenn Du mich nicht hättest?" — Er: „Weist Du, bann könnte ich mir neue Sachen laufen."